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Re: Bountyhunter stellt sich vor

Verfasst: 30 Mär 2009, 19:28
von Apollo
Bountyhunter hat geschrieben:Russland hat Deutschland ja schon so oft die Hand zu einem Bündnis reichen wollen - wenn unsere Regierung diese Chance nicht erkennt, dann versämumen wir echt die Chance für das nächste Jahrhundert. Was das bedeutet - vor allem außenpolitisch, brauche ich ja nicht näher auszuführen!
Führ das doch mal bitte weiter aus, über welche Art von Bündnis schreibst Du hier ?

Re: Bündnisspolitik

Verfasst: 30 Mär 2009, 19:32
von Apollo
Bountyhunter hat geschrieben:Naja, ich hatte das immer für wirtschftliche Probleme zwischen Konzernen und den Landesregierungen gehalten.
Also ist das auch so eine Sache, wenn man ein Bündnis schmieden will - immerhin könnte sich da das eine oder andere land auf den Schlips getreten fühlen.
http://www.laender-analysen.de/russland/
http://www.carnegie.ru/en/

Hier mal was zum einlesen in die Thematik, eine Beschäftigung mit Russischer Aussen (Macht) politik ist ganz interessant...

Re: Bündnisspolitik

Verfasst: 30 Mär 2009, 20:23
von Kundun
Ich finde es ja klasse, wie die EU derzeit wieder mal agierte:

Da hatten wir neulich den sogenannten "Gaskrieg", wonach am Ende Rußland wieder Gas lieferte. Mit zwischenzeitlich immensen Problemen für manche Abnehmer in der EU.
In dem Zusammenhang wurde das Problem öffentlich, daß die ukrainischen Leitungen dringend erneuert werden müssen, der Ukraine aber das Geld dafür fehlt.
Rußland bot an, dabei mitzuwirken, aber das Angebot wurde von der Ukraine dankend abgelehnt.
Nun wurde am 23.3.09 ein EU-Ukraine-Abkommen über genau dieses Problem abgeschlossen.
Natürlich (oder warum eigentlich ??) blieb Rußland außen vor. Es geht ja auch "nur" um ca. 5,5 Milliarden Euro....
Dann fingen die Russen an, zu protestieren, weil sie vor der Türe gelassen worden (schließlich ist es ihr Gas, um was es letztendlich für Europa geht).
Ergebnis:
Juschtschenko weist Frau Timoschenko an, Verhandlungen mit Rußland über eine Beteiligung an der Sanierung aufzunehmen.
Medwedew reist zum G-20-Gipfel mit diesem Thema und macht eventuell den starken Mann.
Frage:
Warum mußte es erst so weit kommen ?
Oder anders gefragt: Wer sind die Experten, welche sich in der EU solche Strategien ausdenken ?
Und noch Interessanter:
Gebt mal bei "Google News" die Worte "Gas" und "Ukraine" ein, und seht mal, wer da was drüber schreibt, oder eben auch nicht schreibt........ :roll:

Gruß
Kundun

Re: Bündnispolitik

Verfasst: 30 Mär 2009, 20:24
von Bountyhunter
Hallo Apollo,

Большое спасибо! Die Links sind echt interessant - ich habe vor einiger Zeit an einer Veranstaltung der Beratungsfirma Galitsin teilgenommen ... da kam mir einiges bekannt vor ;-)

Nochmals vielen Dank,

Markus

Re: Bündnisspolitik

Verfasst: 30 Mär 2009, 20:37
von Bountyhunter
Hallo Kundun,

EU - Expertern - Strategien ???? LOL!

Was hier in letzter Zeit verbockt wird, lässt doch wirklich an den grundlagen des Berufspolitikertums zweifeln!
Ich möchte die Diskussion wirklich nicht zu sehr politisieren, aber: Wie hier Potential und Chancen einfach verdummt werden ... mir wird damei immer ganz mulmig.

Es bewegt sich einfach zu wenig - wie gesagt - ich kann nur auf das Video hinweisen (gibt's auch als Powerpointpräsentation): Wir kriegen die Kurve nicht und andere Länder, namentlich Schwellenländer, sind bestimmt nicht dümmer als die EU!

Ich kann nur wiederholen: Wenn ich eine Chance sehe, in Russland zu arbeiten, dann bin ich hier weg!

Gruß,

Markus

Re: Bündnisspolitik

Verfasst: 30 Mär 2009, 21:27
von Apollo
Kundun hat geschrieben:In dem Zusammenhang wurde das Problem öffentlich, daß die ukrainischen Leitungen dringend erneuert werden müssen, der Ukraine aber das Geld dafür fehlt.
Rußland bot an, dabei mitzuwirken, aber das Angebot wurde von der Ukraine dankend abgelehnt.
Nun wurde am 23.3.09 ein EU-Ukraine-Abkommen über genau dieses Problem abgeschlossen.
Natürlich (oder warum eigentlich ??) blieb Rußland außen vor. Es geht ja auch "nur" um ca. 5,5 Milliarden Euro....
Dann fingen die Russen an, zu protestieren, weil sie vor der Türe gelassen worden (schließlich ist es ihr Gas, um was es letztendlich für Europa geht).
Weil es politisch nicht gewollt und wirtschaftlich nicht sinnvoll ist, wenn ein Angebotsoligopolist Kontrolle über weitere Teile der Wertschöpfungskette erhält.
In dem Moment wo Gazprom, und damit der Russische Staat, Förderung, Transport und Verteilung kontrolliert ergibt sich eine in höchsten Maße gefährliche Abhängigkeit.

Abgesehen davon frage ich mich, wie die entsprechenden Investitionen, die sich ja nicht nur auf die Pipeline erstrecken und beispielsweise auch Exploration umfassen, finanziert werden sollen.

Re: Bündnisspolitik

Verfasst: 30 Mär 2009, 21:50
von Bountyhunter
... nun ja, das mit den Investitionen wird ohnehin schwer werden, nachdem bei der HRE schon einiges an Geld versenkt wurde - und noch werden wird.

Wir empfehlen doch gerade in der Krise nicht Flickschusterei zu betreiben sondern sich um nachhaltige Konzepte zu kümmern. Hier macht aber ein ganzes Land extrem kurzfristige und kurzsichtige Politik!

In meinem Beruf berate ich mittelständische Unternehmen. Irgendwie erinnert mich die Situation genau daran: Man lässt sich von der panikmache anstecken, rennt kopflos rum und entlässt willenlos Leute. Dabei werden natürlich erst einmal die jüngeren Potentialträger rausgeschmissen und wenn die "Krise" vorbei ist, läuft so manches Unternehmen voll in die Demographiefalle. Im Moment muss ich da viel Überzeugungsarbeit leisten.

Gruß,

Markus

P.S.: Hat jemand einen Tipp, wie und wo ich Erfahrungen mit dem russischen Markt sammeln kann? Antworten zu dieser Frage bitte hier: http://forum.aktuell.ru/viewtopic.php?f=3&t=9291 Admin

Re: Bündnisspolitik

Verfasst: 30 Mär 2009, 22:46
von Kundun
Apollo hat geschrieben:In dem Moment wo Gazprom, und damit der Russische Staat, Förderung, Transport und Verteilung kontrolliert ergibt sich eine in höchsten Maße gefährliche Abhängigkeit.
OK, dann sprechen wir doch mal über Alternativen.
Ukraine und EU reparieren gemeinsam ohne die Russen, nur Gas ist dann nicht mehr da, was durch die neuen Leitungen fließen könnte...... :shock:
Und weiter ?

Gruß
Kundun

Re: Bündnisspolitik

Verfasst: 30 Mär 2009, 23:10
von Bountyhunter
Hallo Kundun,
Kundun hat geschrieben:OK, dann sprechen wir doch mal über Alternativen.
Ukraine und EU reparieren gemeinsam ohne die Russen, nur Gas ist dann nicht mehr da, was durch die neuen Leitungen fließen könnte...... :shock:
Und weiter ?
... ohne jetzt der gigantische Wirtschaftsexperte zu sein und ohne auf besondere Abhängigkeiten zu achten :D :

Hauptpartner sollte grundsätzlich derjenige sein, derr auch was durch die Leitung durchpustet.
Derjenige, durch dessen Hoheitsgebiet die Pipeline veräuft kann ja auch nicht außen vor bleiben.

Also: Multinationale Betriebsgesellschaft für die den Hoheitsbereich durch den die Röhre führt. D.h.: Der "Duldende" bekommt Geld, muss aber eine Gegenleistung erbringen, was sich wiederum positiv auf das BIP auswirkt. Der Rest ist Verhandlungssache.

Ich bin aber nicht so blauäugig, dass ich die Kollateralprobleme nicht sehe (ich hab' inzwischen gegoogelt ;) ) :
Da steckt viel an nationalem Prestige und monetären Begehrlichkeiten dahinter (wow, das war jetzt aber geschwollen ...).

Das ist nun aber ein Feld der Diplomatie - die wird aber von Politikern wahrgenommen ... also sind wir wieder am Anfang, wo ich über die kurzsichtige Politik gelästert habe ...

Unsere amerikanischen Freunde würden wahrscheinlich einmarschieren und einen Korridor für die Pipeline freiräumen - oder das Teil durch befreundete Staaten (vgl. Lösung als Ostseepipeline) führen.

Die Frage ist eigentlich nur: Wie muss der Speck beschaffen sein, um die richtigen Mäsue zu fangen - oder: Wer tickt wie und ist mit welchem Maß an Wertschätzung (oder Geld) zufrieden zu stellen.

Gruß,

Markus

Re: Bündnisspolitik

Verfasst: 30 Mär 2009, 23:24
von Apollo
Kundun hat geschrieben:
Apollo hat geschrieben:In dem Moment wo Gazprom, und damit der Russische Staat, Förderung, Transport und Verteilung kontrolliert ergibt sich eine in höchsten Maße gefährliche Abhängigkeit.
OK, dann sprechen wir doch mal über Alternativen.
Ukraine und EU reparieren gemeinsam ohne die Russen, nur Gas ist dann nicht mehr da, was durch die neuen Leitungen fließen könnte...... :shock:
Und weiter ?

Gruß
Kundun
Russland muss Gas in den Westen liefern, die können nicht von heute auf morgen auf den Osten umswitchen. Das verträgt sich weder mit der nicht vorhandenen Infrastruktur noch mit vertraglichen Lieferverfplichtungen. Hinzu kommt, die Vorkommen im östlichen Teil Sibiriens sind grösstenteils noch nicht erschlossen.

Das Russland nicht primär auf den Osten setzt kann man auch an den existenten Pipelineprojekten erkennen die sich im Planungsstatdium befinden.
North stream, south stream, jamal europe 2 - die gehen alle Richtung Westen. Einzig Nabucco klammert Russland aus der Energielieferng aus.