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Re: Russische Miliz

Verfasst: 30 Jul 2009, 22:02
von Magdeburg-Moskva
Zejtnot hat geschrieben:Interessant finde ich den Kommentar von Prof. Dr. M. Fincke - ein Russlandexperte aus Passau (Manuchka sollte ihn näher kennen). Dass er Kerstin Holm - wenn auch mit Einschränkungen - Recht gibt, dann ist dies schon eine Aussage!
Naja, wenn ich will, nenne ich mich in der FAZ oder diesem Forum Zejtnot-Manuchka.

Naja, die Miliz ist mir größter Vorsicht zu genießen, das weiß doch jeder.

Re: Russische Miliz

Verfasst: 30 Jul 2009, 22:15
von GIN
Die Zeitung überspitzt sehr... Im russischen Süden sieht es schlimm aus. Wer eine Unternehmung machen will bekommt ständig Probleme mit den Behörden. Mein Feind ist dabei der Brandschutz und das Bauamt die mir die Kosten hochtreiben..... Der GAIST (Verkehrspolizist) ist dabei noch ein sehr geringes Uebel. Das mit den indirekten Abgaben ist sehr schön geschrieben. In Moskau sieht es viel besser aus. Im Grunde ist Russland aber sehr korrupt. Ein türkischer Geschäftspartner vergleicht den russischen Süden mit der Türkei vor 1975 und Moskau mit der Türkei von 1998. Im Grunde eine Schande. Die Verwaltung ist nicht fähig.. der Nachwuchs kaum gebildet.. Die Sippenwirtschaft der 1990êr zahlt jetzt seinen Preis + das System will Korruption+Unfähigkeit. Moskau muss da etwas entwickeln was die Türken erfolgreich machen.. Verantwortung an der Spitze also eine Eanderung im Bewusstsein der Spitze... das geht auf die Verwaltung über.. doch habe ich in Russland immer mehr meine Zweifel ob das überhaupt gewollt ist (Von der Spitze).

Re: Russische Miliz

Verfasst: 31 Jul 2009, 06:58
von Zejtnot
J.Eckel hat geschrieben:Mein Feind ist dabei der Brandschutz und das Bauamt die mir die Kosten hochtreiben..... Der GAIST (Verkehrspolizist) ist dabei noch ein sehr geringes Uebel.
Wie meinte ein Freund: "Je mehr ich mit dem Zoll zu tun habe, umso lieber werden mir die Gaishniki!" Die Verkehrspolizisten sind ärgerlich - aber das sind kleine Fische. Was man so vom Brandschutz hört, das ist übel.

Ich habe bislang nur die Einleitung vom Artikel in Ruhe gelesen - die fand ich gar nicht so übel. Recht hat sie ja schon - die Steuern sind (auch für Investoren) niedrig, gezahlt wird aber später direkt an die Staatsbediensteten. Da wären wir wieder beim Thema aus dem anderen Thread, ob niedrige Steuern (und damit ein "armer Staat") wirklich ideal sind.

Re: Russische Miliz

Verfasst: 07 Sep 2009, 12:33
von vvodkanasaftrak
.....die FAZ tut sich sehr hervor damit, UNGEPRUEFT Russophobie zu schueren, wo immer sich die Gelegenheit dazu bietet.

Allerdings platzte mir der Kragen beim Georgien-Krieg : Binnen weniger Stunden war Russland der 'bad boy', der Georgien angegriffen habe. Sanktionen, Ausschluss aus G 8, neuer Kalter Krieg, III. Weltkrieg bla bla bla.

Habe darauf kilometerlange Fakten zusammengetragen des Inhalts, dass Verursacher eher jener georgische Psychopath war und beide Seiten 'Dreck am Stecken haben'.

Lobend sei erwaehnt, dass die FAZ diese Fakten immerhin veroeffentlicht hat.


Kultgrieche hat geschrieben:Die FAZ und die Springer-Presse, allen voran Bild und Welt, sind ja immer auf einem ewigen (ewiggestrigen?) Kreuzzug gegen Russland, das muss man einfach berücksichtigen, wenn man deren Artikel liest.

Re: Russische Miliz

Verfasst: 07 Sep 2009, 14:10
von Zejtnot
Noch ein Nachtrag zum Artikel: Die Autorin hat mit vielen Dingen Recht, jedoch ist es für mich ein wirres Durcheinander vieler Fakten, die gar nicht zusammen gehören. Sie springt von einem Thema zum anderen, auch wenn es teilweise nur sehr wenig mit der Miliz zu tun hat. Sie bleibt absolut an der Oberfläche. Warum kostet es Geld, einen Posten bei der Miliz zu bekommen? Womit wird genau Geld verdient dort? Dies ist viel zu pauschal abgehandelt, mit Beispielen, die damit gar nichts zu tun haben - wie ermordete Menschenrechtler. (Das ist tragisch, macht aber den Eindruck: "Das muss ich hier mit nennen, damit mein Artikel von der Redaktion in Deutschland abgenommen wird.")

Und die Nennung des Beispiels der Blondine, die als Ausnahme freundlich behandelt wird, ist auch ein Klischee. Auch meine Schwiegeroma, welcher an der Tür in einem Vorort Novosibirsks 20.000 Rubel abgeschwatzt wurden, wurde von der Polizei ordentlich behandelt. Man ist sogar zu ihr nach Hause gekommen und hat die Anzeige aufgenommen. Am Ende wurden die Trickbetrüger auch festgenommen - ohne, dass die Oma die Polizisten bestechen musste.

Ich will damit nicht die Korruption abstreiten, aber die Darstellung vergisst, dass die Korruption nicht die gesamte Arbeit der Miliz betrifft. Sie betrifft vor allem die Illegalen, die von den Polizisten genauso profitieren, wie die Polizei selbst.

Re: Russische Miliz

Verfasst: 07 Sep 2009, 23:21
von Naila
Bestimmt gibt es in Rußland ganz viele, sehr korrupte Milizionäre. Ich habe beim Lesen an...meine Kindheit gedacht in der tiefsten Provinz. Als wir dahin gezogen sind, klingelte es vielleicht nur 2 Tage später an der Tür. Meine Mutter machte auf und sah einen Mann in Uniform. "Ich heiße Wladimir Isitow und bin Ihr Bezirksmilizionär. Ich suche zur Zeit nach einem Tonbandgerät, der den und den Leuten gestohlen wurde. Falls sie etwas sehen oder hören, bitte sagen sie mir Bescheid. Wenn sie selbst Probleme kriegen, bin ich immer für sie da." Das Tonbandgerät wurde gefunden. Der Milizionär wohnte ein paar Häuser weiter und saß nach Dienstschluß oft auf der Bank vor seiner Eingangstür. "Wladimir Iwanowitsch, Wladimir Iwanowitsch, der große Junge hat mein Fahrrad gestohlen!" "Wann?" "Eben". Der Milizionär springt auf und fährt dem Räuber hinterher. Später wurde meine Jacke vom Balkon gestohlen. Ein halbes Jahr später hatte ich sie. "Tut mir leid, der Reißverschluß ist wohl kaputt", sagte Wladimir Iwanowitsch. Wahscheinlich gab es nicht so oft Morde in unserem Bezirk, statt dessen gestohlene Bälle, Jacken, verwirrte Omas, weinende Kinder. Und Wladimir Iwanowitsch, unser Held. Hoffentlich lebt er noch, es ist schon ewig her...

Re: Russische Miliz

Verfasst: 08 Sep 2009, 00:29
von bella_b33
Man kann ja auch nicht alle Russen als korrupt bezeichnen. Es gibt auf jeden Fall einige sehr nette und ehrliche Menschen hier, kenne selber welche. Wieso sollen nicht auch ein paar von denen bei der Miliz angestellt sein ;)

Gruß
Silvio

Re: Russische Miliz

Verfasst: 08 Sep 2009, 06:30
von Zejtnot
Genau. Und wie gesagt: Die Bereiche, wo sie korrupt sind, da läuft dies meist im gegenseitigen Einverständnis. Illegale ohne Aufenthaltsgenehmigung, Verkehrsverstöße, etc. - man kann in den meisten Fällen davon ausgehen, dass die Illegalen und die Verkehrssünder die Korruption selbst wünschen und damit fördern.

Re: Russische Miliz

Verfasst: 08 Sep 2009, 12:11
von herlit
Nicht nur die westliche Presse berichtet vorzugsweise negativ über Russland. Auf gleicher geistiger Höhe müssen ARD und ZDF genannt werden. Oft wird aus einer Mücke eine Elefantenherde gemacht. Dabei hat gerade Deutschland allen Grund, sich selbst an die eigene Nase zu fassen. Mit Sendungen, wie "Neues aus der Anstalt" nimmt sich dieses Land selbst auf die Schippe. Es gibt eine ganze Reihe von Beispielen, in denen so genannte Russlandkenner für negative Schlagzeilen sorgen. Das sind überwiegend Leute, die nur kurze Zeit -etwa drei Jahre- in Russland gastieren und für ihre Hororberichte überdurchschnittliches Honorar kassieren. Wahrheitsgetreue Berichterstattung ist leider für viele deutsche Medien ein Fremdwort.

Re: Russische Miliz

Verfasst: 08 Sep 2009, 12:19
von Spätzleskosake
bella_b33 hat geschrieben:Man kann ja auch nicht alle Russen als korrupt bezeichnen. Es gibt auf jeden Fall einige sehr nette und ehrliche Menschen hier, kenne selber welche. Wieso sollen nicht auch ein paar von denen bei der Miliz angestellt sein ;)

Gruß
Silvio
im Prinzip kann ich Silvio zustimmen, in der Provinz habe ich auch schon hilfsbereite Milizionäre kennengelernt. Moskau ist sicherlich ein Extrem. Vieleicht ändert sich mit dem neuen Milizchef hier etwas.