Dietrich hat geschrieben:
Möchtest du damit behaupten, die bösen westdeutschen Firmen hätten die nur gekauft, um gefährliche Konkurrenz loszuwerden? Was haben die denn anschließend mit den Firmen gemacht? Die bei denen es sich lohnt wurden (nachdem sie auf einen kokurrenzfähigen Stand gebracht wurden) weiter betrieben. Die vielen bei denen es sich bei genauerer Betrachtung eben nicht lohnt wurden dann eben sofort oder später geschlossen.
Wie wurdne denn die Firmen gezwungen, sich "von Westen aufkaufen zu lassen" (wie das alleine schon klingt). Wo sind denn die Firmen, die so wettbewerbsfähig waren, dass sie sich nicht aufkaufen ließen und einfach so weiterbetrieben werden konnten? Und in welchen Bereichen? KFZ? Maschinenbau? Technologie?
Für nicht korrumpierte Wirtschaftswissenschaftler ist klar und offen, dass sich West-Unternehmen und vor allem auch West-Banken an der Wiedervereinigung in Milliardenhöhe - meist auch betrügerisch - bereichert haben. Der Bundesrechnungshof stellte fest, dass die Treuhandanstalt, für die Köhler zuständig war, und das Bundesfinanzministerium Steuergelder in Milliardenhöhe verschleudert hätten, weil sie sich bei der Veräußerung der ehemaligen DDR-Banken an westdeutsche Kreditunternehmen von diesen hätten übervorteilen lassen und die Privatisierung der Ostbetriebe im Westen die Kassen füllte, im Osten aber Betriebe reihenweise ruinierte.
DDR-Unternehmen ließen sich nicht so ohne weiteres bilanziell bewerten, da sie ganz anders als bei uns geführt wurden. DDR-Unternehmen mussten stets ihre Nettogewinne an den Staatshaushalt abführen, Investitionen oder Rücklagen lagen auch nicht in ihrer Entscheidung. Aber gleichzeitig belastete man die Ostbetriebe mit vermeintlichen Krediten, obwohl diese politisch gewollte und gesteuerte staatliche Subventionen waren, und obwohl diese ja aus den Gewinnen der Unternehmen selbst geleistet wurden. Dass diese staatlichen Zuweisungen in marktwirtschaftliche Schulden umgewandelt wurden, die betriebliche Gewinnabführungen aber nicht (!), hat nicht nur die westdeutschen Banken zu Einheitsgewinnern gemacht, sondern auch große Teile der ostdeutschen Wirtschaft mit astronomischen Rückzahlungsforderungen und rasant steigenden Zinsbelastungen belastet, für viele Unternehmen bedeutete es den Ruin. Sie verfügten wegen der Zwangsabführung ihrer Gewinne über keinerlei Rücklagen, wurden von der Treuhand als nicht sanierungsfähig eingestuft und abgewickelt. Die neuen Eigentümer der "Ost-Banken" übernahmen damit auch die vermeintlich auf Krediten basierenden, ausgewiesenen Forderungen an DDR-Unternehmen. Gleichzeitig erhöhte die Volkskammer den bis dahin nahe null liegenden Zinssatz auf über zehn Prozent. Da allen Beteiligten klar war, dass die oft unwirtschaftlich arbeitenden Betriebe ihren Verpflichtungen nicht würden nachkommen können, garantierte die Bundesregierung den Ausgleich aus dem Staatshaushalt. Auch eine Art von Planwirtschaft. Eine wundersame Geldvermehrung ohne Risiko. Ein Wirtschaftswunder mit verheerenden Folgen. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung hatte vergeblich gewarnt.
http://www.tagesspiegel.de/meinung/komm ... 48.html?p=
Begleitet wurde das Ganze mit einer riesigen PR-Kampagne der Finanz-Lobby, die alte Vorurteile nährte, von der gleichgeschalteten Presse blind übernommen wurde, und die auch Du hier kritiklos nachplapperst.
Ohne Frage ist zentrale Planwirtschaft, im kommunistischen Sinne, die denkbar schlechteste Form, eine effiziente und innovative Wirtschaft zu führen, und es ist auch klar, dass die meisten DDR-Unternehmen nicht marktwirtschaftlich überlebensfähig waren. Dennoch fand bei der Wiedervereinigung ein gross angelegter Privatisierungsraubzug der West-Banken und -Unternehmen statt, der die DDR kaputter rechnete als sie wirklich war, die Treuhandanstalt und damit unseren Staat zum Vorteil der Finanzhaie unnötig mit Hunderten von Milliarden belastete.
Eine Erscheinung, die auch in RUS der 90er Jahre praktiziert wurde.