Jenenser hat geschrieben:Es ist schon traurig, wie die Ukraine sich in den letzten 4 - 5 Monaten entwickelt hat. Die einfachen Menschen sehnen sich deshalb nach Frieden und Stabilität.
Irgendwie werden hier immer die Dimensionen durcheinandergebracht.
Russland scheint sich deshalb für die Ukrainer im Osten des Landes zum Rettungsanker zu entwickeln.
Nach meiner Beobachtung, leider in den letzten Monaten nur aus der Ferne bei vielen Kontakten und Gesprächen in die Region, halte ich die Aussage "für
die Ukrainer im Osten" zu pauschal. Es wird immer gerne so dargestellt und dramatisiert, als wären da hunderttausende an den Demonstrationen beteiligt. Die Medien aller Seiten zeigen einige wenige Straßen und Plätze an ein paar Orten, aber nicht die ganze Stadt oder Region. Ich bin der Überzeugung, würde man alle ostukrainischen Demonstranten in die Donbass-Arena einladen, hätten sie alle gemeinsam auf dem Spielfeld Platz und die internationalen Medien könnten sich auf den Zuschauerplätzen breit machen, Horror- und Sensationsberichte verfassen und in alle Welt funken.
Allein schon aus der Tatsache, dass es viele familiäre und freundschaftliche Beziehungen nach Russland gibt, die in letzter Zeit besonders intensiv gepflegt werden. Das erfuhr ich aus Gesprächen mit befreundeten Russen.
Das kann ich bestätigen, aber "nach Russland" klingt zu fett. Es sind meistens Beziehungen in Grenznähe, vielleicht maximal 1 Tagesreise entfernt. Rostow am Don liegt in der "Nachbarschaft", teilweise auch mit vielen Arbeits-Pendlern aus der Ostukraine und im Dunstkreis um vielleicht Wolgograd oder Woronesch hört dann schon die Freundschaft auf. Moskau liegt weit hinter dem Horizont und wird traditionell sehr skeptisch betrachtet.
Ob die Besuche im Moment deutlich intensiver werden? Ich weiß nicht, sie waren immer schon gut und wenn man genug Kleingeld in der Tasche hatte, dann besuchte man sich. Ukrainische "Gastarbeiter" können in Russland etwas mehr verdienen, bekommen aber selten den gleichen Lohn, wie Russen. Bei den deutlich niedrigeren ukrainischen Verbraucherpreisen lohnt es aber trotzdem.
Der Verfall der ukrainischen Währung mit allen folgenden Konsequenzen,
Rechnen können sogar Ukrainer und die Inflationsrate Russlands ist etwa doppelt so hoch, der russische Verbraucherpreisindex liegt etwa beim Vierfachen. Bei den makroökonomischen Werten (z.B. Staatsverschuldung, Exporterlöse, BIP) liegt Russland allerdings deutlich besser da, aber davon merken die Menschen nichts im Geldbeutel. Das spielt sich auf anderer Ebene ab, allenfalls bei Auslandsreisen oder Kauf von Importwaren.
die Drohung, Russisch zu verbieten
ich denke, diese Idiotie ist vom Tisch oder erst mal unter dem Tisch. Obwohl in der Praxis weitaus nicht so dramatisch, gab das eine verdammt schlechte Propaganda und hat ganz erheblich zu den Differenzen der "Ukrainer" und "Russen" beigetragen.
Tatsächlich sehe ich auch keine Notwendigkeit, Russisch als zweite Staatssprache einzuführen. In der Ostukraine hört und benutzt man sowieso beide Sprachen und in Lviv wird man auch mit offizieller russischer Staatssprache nicht mehr russisch sprechen, als bisher. Aber das war eine Frage von Ehre und Prinzip, die zum total falschen Zeitpunkt auftauchte.