Wenn ich mit Russen als Ausländer (der viele deutsche wie russische schwule Freunde hat) über Homosexualität spreche, so fällt es mir stets schwer, die Diskussion über das Adoptionsrecht positiv zu bewerten. Ich bin an dieser Stelle der Meinung, dass man es nicht übertreiben sollte.
Gleichberechtigung ja, am Ende auch steuerlich - ich sehe schlicht keinen Unterschied zwischen dem verheirateten aber kinderlosen Hetero-Paar und dem verpartnerten Homo-Paar. Wenn, dann Steuervorteile für alle oder für niemanden. Oder nur für jene mit Kindern. (Wenn ein Hetero-Pärchen keine Kinder bekommen kann, ist das sicher tragisch - aber die Idee ist nun mal nicht den Kinderwunsch steuertechnisch zu honorieren sondern die gesellschaftliche Leistung des Großziehen eines Kindes.)
Ich finde es wichtig und gut, wenn sich der neue gleichgeschlechtliche Partner eines natürlichen Elternteils zum Kind seines Lebenspartners bekennt (eine solche Adoption ist ja auch schon erlaubt).
Wenn ein schwules Pärchen ein vollkommen fremdes Kind aus dem Kinderheim adoptiert, so kann ich mich Dietrich anschließen, dass dies mit hoher Wahrscheinlichkeit besser ist, als ein Aufwachsen im Heim. Immerhin werden adoptionswillige Eltern ausführlich geprüft.
Aber, und nun kommt der Punkt, die Wahrnehmung in der Gesellschaft ist halt eine andere. Und da frage ich mich: Muss man wirklich alles überstürzen. Wäre es nicht sinnvoller, wenn die Gesellschaft ein wenig Zeit zum Durchatmen bekäme? Wenn in 20 Jahren schwule und lesbische Eltern auf natürlichem Wege gezeigt haben, dass dies keine Gefahr für die Kinder ist, so wäre doch die Akzeptanz deutlich höher.
Dass Russland Auslandsadoptionen an Homosexuelle verbietet, finde ich nicht verwerflich. Grundsätzlich finde ich Auslandsadoptionen eigenartig, aber wenn schon, so muss die Gesellschaft dahinter stehen. Dies wäre hier nicht der Fall.
harald63 hat geschrieben:Wenn der implizite Vorwurf in dem Gesetz stimmen würde, dürfte es bei der pausenlosen heterosexuellen Propaganda, der wir ausgesetzt sind, eigentlich keine keine Homosexualität geben.
Absolut!
Jochen hat geschrieben:Ein Kind braucht Mutter und Vater und nicht Mutter/Mutter oder Vater/Vater. Wie oft sehnen sich Scheidungskinder nach ihren Müttern/Vätern? Alles wird begründet mit: das ist jetzt normal so!
Moment, wir sprechen ja nicht davon, Kinder aus bestehenden Beziehungen herauszureißen um sie an Schwule zu übergeben! Sondern es geht um die Adoption von Heimkindern, die weder Mutter noch Vater haben. Keinerlei Bezugsperson.
Sicher ist die Kombination aus Mutter und Vater optimal - allein zum Erlernen und Erkennung kultureller Maßstäbe, zwischengeschlechtlicher Interaktionen, etc. Ich kenne aber genug Beispiele, wo auch in der klassischen Familie ein Elternteil keinerlei Vorbild war. Und dann wären zwei vorbildliche gleichgeschlechtliche Eltern, welche ihre Besonderheit dem Kind gut erläutern, um ein Vielfaches besser.
Disclaimer: Ich hatte vor einem Jahr schwule Freunde zu Besuch. Ich war selbst gespannt, wie ich reagieren werde, wenn mein 2,5-jähriger Sohn mit ihnen "rumtollen" möchte. Er wollte und ich war erstaunt, wie entspannt ich dies wahrgenommen habe. Denn zu keiner Sekunde hatte ich den gefühlten Eindruck, dass diese Freunde auch nur ansatzweise pädophile Hintergedanken hatten. (Und bei aller Toleranz, auch ich kann mich von Vorurteilen nicht ganz befreien.)