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Re: Nachdenklichkeiten zu Sanktionen gegen Russland
Verfasst: 28 Mär 2014, 06:32
von Norbert
Berlino, zum einen ist er ja nun beim Spiegel und nicht mehr bei BILD. Zum anderen wird die taz auch keine positiven Artikel über die NPD zulassen ... ist das dann auch ein Knebelvertrag? Ja, mir gefällt dieser Passus bei Springer auch nicht - aber das ist nun mal die wirtschaftliche Freiheit eines Verlegers, die Leitlinie seiner Produkte zu definieren.
Re: Nachdenklichkeiten zu Sanktionen gegen Russland
Verfasst: 28 Mär 2014, 09:06
von fugen
Norbert hat geschrieben:... aber das ist nun mal die wirtschaftliche Freiheit eines Verlegers,...
Propaganda bleibt Propaganda, egal ob vom Kreml oder vom Verleger ;-)
Ich möchte einen Bericht lesen wo beide Seiten aufgezeigt werden ohne gezieltes weglassen!
Re: Nachdenklichkeiten zu Sanktionen gegen Russland
Verfasst: 28 Mär 2014, 09:12
von inorcist
In Deutschland gibt zwar der Verleger die Stossrichtung vor, aber verschiedene Verleger versuchen mit ihren Publikationen unterschiedliches Publikum anzusprechen. Das schafft dann Pluralität und Diversifizierung. Und ich wage mal zu behaupten, dass die meisten Deutschen doch intuitiv wissen, welches Blatt welche politische Sicht vertritt.
In Russland ist das sicher nicht anders, nur dass die Politik unpassende Verlage schliesst ... oder die Verleger austauscht
Persönlich finde ich FAZ, NZZ und Cicero einigermassen ausgewogen.
Re: Nachdenklichkeiten zu Sanktionen gegen Russland
Verfasst: 28 Mär 2014, 09:36
von fugen
Ich sage die meisten Deutschen kennen das Programm von RTL auswendig ;-)
Und intuitiv kann man sich auch ganz schön auf den Hosenboden setzen.
Entweder wir haben eine freie Presse oder wir haben eine Presse die vom Verleger bestimmt wird, und somit interessengesteuert!
FAZ und Cicero kann ich auch nur empfehlen, NZZ wüsste ich jetzt nicht
Re: Nachdenklichkeiten zu Sanktionen gegen Russland
Verfasst: 28 Mär 2014, 09:59
von Berlino10
Norbert hat geschrieben: - aber das ist nun mal die wirtschaftliche Freiheit eines Verlegers, die Leitlinie seiner Produkte zu definieren.
Klar, Verleger bestimmt, deshalb haben wir auch keine freie, ausgewogene Presse mehr, weil über 90% der Medien in der Hand von 6 transatlantischen Konzernen sind,
natürlich darf die Springer-Meute schreiben und hetzen, wie sie will, nur sind solche Springer-Sklaven keine ernstzunehmenden Journalisten,
sie sind genauso wenig frei wie bei RT.. einfach Propagandisten. Und wer bei BILD bis 2013 die Bush-Verbrechen rechtfertigte, wird das auch 2014 beim SPIEGEL tun.
Re: Nachdenklichkeiten zu Sanktionen gegen Russland
Verfasst: 28 Mär 2014, 10:43
von Norbert
fugen hat geschrieben:Und intuitiv kann man sich auch ganz schön auf den Hosenboden setzen.
Entweder wir haben eine freie Presse oder wir haben eine Presse die vom Verleger bestimmt wird, und somit interessengesteuert!
Nein, so sehe ich dies nicht. Denn Pressefreiheit bedeutet, dass Du jederzeit Verleger werden darfst und eine neue Zeitung oder einen neuen TV-Sender gründen kannst. Wie solche Versuche in Russland enden, hat man ja hintereinander bei N-TV, Ren-TV und nun Dozhd gesehen. (Ja, ich weiß, Dozhd wurde nur aus allen Kabelnetzen geschmissen, nicht geschlossen. Es bedeutet dennoch das wirtschaftliche Aus.)
Meinungsfreiheit bedeutet ja auch nicht, dass Du zwingend sowohl Putin verteidigen als auch kritisieren musst. Sondern die hast die Freiheit, dass eine oder das andere zu tun. (Oder auch beides.)
Re: Nachdenklichkeiten zu Sanktionen gegen Russland
Verfasst: 28 Mär 2014, 12:05
von Berlino10
Norbert hat geschrieben:
Denn Pressefreiheit bedeutet, dass Du jederzeit Verleger werden darfst und eine neue Zeitung oder einen neuen TV-Sender gründen kannst.
Sorry, Norbert, das ist süss, aber realitätsfern.
"Pressefreiheit ist die Freiheit von 200 reichen Leuten, ihre Meinung zu verbreiten."
Paul Sethe, Gründungsherausgeber der FAZ
Die Markteintrittsbarrieren im Pressemarkt sind derartig hoch - viele Millionen Invest bei unter 10% Erfolgsquote - dass nur noch wenige Konzerne sich Zeitungen leisten können.
Es gibt im Gegensatz zu früher auch keine Publikums-Zeitschriften mehr, dh. nur noch Besitzer, Anzeigenkunden entscheiden über Erfolg/Ausrichtung, die Leserschaft ist sekundär.
Die Amerikaner Noam Chomsky und Edward S. Herman haben schon vor vielen Jahren den manipulierenden Einfluss wirtschaftlicher Interessengruppen auf die Berichterstattung der Massenmedien in Demokratien beschrieben, wie die Medien ein dezentralisiertes und nicht-verschwörerisch handelndes Propagandasystem bilden, das fähig ist, einen Konsens im Interesse der Finanzlobby (Oberschicht) herzustellen und die Öffentlichkeit manipulativ in diese Perspektiven der Finanzlobby einzubinden – während gleichzeitig der Anschein des demokratischen Prozesses und Konsenses gewahrt bleibt.
Gemäß einer oft zitierten Aussage Chomskys ist
„die Propaganda für die Demokratie wie der Knüppel für einen totalitären Staat.“
Das Propagandamodell erklärt die tendenziöse Berichterstattung in den Massenmedien als Produkt ökonomischer und politischer Interessen und Zwänge.
http://de.wikipedia.org/wiki/Propagandamodell
Die transatlantischen Konzerne (alle verbunden mit USA, niemand mit RUS), die Finanzlobby (Oberschicht) sowie ihre Erfüllungspolitiker - und -gehilfen
betreiben ihre eigenen Interessen. Journalisten können nur innerhalb dieses Systems Karriere machen.
Der SPIEGEL ist das letzte grosse Blatt, das noch gegen seine Bertelsmann-Übernahme ankämpft, obwohl einige der geschäftsführenden Mitarbeiter (50,1%) sich inzwischen meist auf deren Seite schlagen.
Re: Nachdenklichkeiten zu Sanktionen gegen Russland
Verfasst: 28 Mär 2014, 12:36
von Norbert
Immerhin gibt es in Deutschland erfolgreiche Projekte wie die taz. In Russland hingegen wird grani.ru nun geblockt und bei lenta.ru wurde die Chefredaktion ausgetauscht.
Natürlich, da gebe ich Dir Recht - es gibt auch in RU noch einige alternative Zeitungsprojekte und auch in DE wurde seit Jahren kein alternativer Informationskanal gegründet.
Re: Nachdenklichkeiten zu Sanktionen gegen Russland
Verfasst: 28 Mär 2014, 13:04
von klaupe
Norbert hat geschrieben:Immerhin gibt es in Deutschland erfolgreiche Projekte wie die taz. In Russland hingegen wird grani.ru nun geblockt und bei lenta.ru wurde die Chefredaktion ausgetauscht.
Natürlich, da gebe ich Dir Recht - es gibt auch in RU noch einige alternative Zeitungsprojekte und auch in DE wurde seit Jahren kein alternativer Informationskanal gegründet.
Vielleicht sollte man bei "Pressefreiheit" nicht unbedingt an die Druckerpresse von Gutenberg denken.
Das Wort hat schon etwas Staub angesetzt.
Hier herrscht
Medienfreiheit, während die klassische Presse sich auf wenige Anbieter konzentriert, die es sich leisten können.
Bei den TV-Anbietern gibt es durchaus Meinungen, die nicht dem entsprechen, was die Mächtigen gerne sehen wollen. Viele Reportagen schießen schon kräftig gegen die herrschenden Systeme und in Talkshows haben die Opponenten manchmal mehr Platz, als die regierungstreuen Befürworter.
Dazu kommt das explodierende Angebot im Internet, das selbst extreme Meinungen verbreiten kann. Da treten zwar totalitäre Staaten auf die Bremse und schalten ab, aber pfiffige Nutzer finden schnell einen Umweg, um an die Informationen zu kommen.
Re: Nachdenklichkeiten zu Sanktionen gegen Russland
Verfasst: 28 Mär 2014, 14:52
von Berlino10
Norbert hat geschrieben:Immerhin gibt es in Deutschland erfolgreiche Projekte wie die taz. In Russland hingegen wird grani.ru nun geblockt und bei lenta.ru wurde die Chefredaktion ausgetauscht.
Natürlich, da gebe ich Dir Recht - es gibt auch in RU noch einige alternative Zeitungsprojekte und auch in DE wurde seit Jahren kein alternativer Informationskanal gegründet.
RUS ist für mich ja auch kein Maßstab. Dass es dort schlimmer zugeht, kann mich hier nicht beruhigen,
wir hatten auf jeden Fall hier schon mal grössere Pressefreiheit und mehr/bessere Demokratie.