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Verfasst: 26 Mär 2007, 13:26
von fremantle
manuchka hat geschrieben:(...)Ich finde weder die superjungen Schulabgänger in Russland, noch die schon erwachsenen Abiturienten in Deutschland ideal. Sind die Leute zu jung, dann fehlt es an Reife und Selbständigkeit (und das russische Uni-System ist auch nicht unbedingt darauf angelegt, diese zu fördern - aber da kann man auch anderer Meinung sein). Die Deutschen sind dagegen recht alt, wenn sie dann endlich in den Beruf starten. Ein Mittelmaß wäre da ganz gut. (...)
Aber, Manu,
sag mir eins. Wo ist der Mittelweg? Die russischen Graduierten sind in etwa 23, vielleicht 24 Jahre alt. Die deutschen Absolventen starten im Schnitt mit 26, 27 ins Arbeitsleben. Klar gibt es grade in Deutschland in einigen Fächern auch üblicherweise 30-Jährige, aber ich unterstelle mal, das es ein Vorurteil ist, dass die Deutschen alle so alt sind. Das ist die medienpräsente Minderheit.
Was ich sagen will: Ist Dein vorgeschlagener Mittelweg bei 25 Jahren, also ein, zwei Jahre über/unter der deutschen/russischen Normalität? Was ändert dieser kleine Altersunterschied?
Ja die Russen sind zu jung und meistens (zu mindest beruflich) noch nicht so selbstsicher und geprägt, wie sie denken. So habe ich das in meiner Firma empfunden. Aber wenn ein Deutscher mit 19/20 sein Studium beginnt, kann er mit 25 fertig sein. Da ein Jahr Ausland immer mehr üblich wird, ist es man dann halt mit 26 fertig. Hat aber eine Menge zusätzliches Wissen und Reife erlangt.
Ich glaube, wenn in Deutschland das Bachelor/Master-System sich durchgesetzt hat, werden auch die sogenannten Langzeitstudenten weniger werden. Auserdem muss sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt bessern (und das tut sie ja gerade), denn ich kenne viele, mich eingeschlossen, die noch Student sind, weil sie einfach keine Perspektive auf einen vernünftigen Job hatten und somit sich die Vergünstigungen die Studenten haben einfasch erhalten wollten. Da reicht dann ein ordentliches Praktikum/Werkstudentenjob um über die Runden zu kommen, dafür hat man Semsterticket, günstigere Krankenkasse und eine gewisse Unabhängigkeit. Ist sicher nicht schön, Praktikant mit 28 zu sein, ist aber doch ein besserer Weg, als der in die Arbeitslosigkeit.
Verfasst: 26 Mär 2007, 14:49
von manuchka
Nee, mit dem Praktikantendasein bin ich nicht einverstanden. Für jämmerliches Geld (wenn überhaupt) macht ein Praktikant die Arbeit einer normalen Vollzeitkraft, und zum Um-die-Runden-kommen reicht das meist nicht. Wenn sich der Gedanke durchsetzt "besser Praktikant als arbeitlos" liefert man den Firmen doch nur Argumente, die Praktikantenstellen auszuweiten, anstatt richtig einzustellen. Aber das ist ein anderes Thema.
Verfasst: 26 Mär 2007, 15:14
von fremantle
manuchka hat geschrieben:Nee, mit dem Praktikantendasein bin ich nicht einverstanden. Für jämmerliches Geld (wenn überhaupt) macht ein Praktikant die Arbeit einer normalen Vollzeitkraft, und zum Um-die-Runden-kommen reicht das meist nicht. Wenn sich der Gedanke durchsetzt "besser Praktikant als arbeitlos" liefert man den Firmen doch nur Argumente, die Praktikantenstellen auszuweiten, anstatt richtig einzustellen. Aber das ist ein anderes Thema.
Manu, oh, da habe ich mich nicht verständlich ausgedrückt. Ich bin auch gegen diese Art von Praktika, dennoch ist es Praxis. Leider. Ich kenne es von einigen Kollegen, die 3 bis 5 Jahre feste "Praktika"-Jobs in großen, renomierten deutschen Arch.-Büros hatten, und prompt mit dem Diplom die Kündigung in der Hand hielten. Sozialleistungs- und Steuersparmodell. Wenn sie Glück hatten, gabs dann vielleicht noch nen Job als Freier MA, der dann und wann gerufen und später bezahlt wird. Ist alles sehr traurig, hat aber zur Erkenntnis geführt, lieber länger den Status Student zu erhalten.
Verfasst: 26 Mär 2007, 16:40
von Dietrich
Kultgrieche hat geschrieben:
@Russland: Dort habe ich den Eindruck, das an erster Stelle Geldverdienen steht, an zweiter Stelle Geldverdienen und an dritter Stelle Geldverdienen. Schließlich müssen IKEA und Eldorado und die anderen Kaufbuden mit Menschen dauerhaft gut gefüllte Konsumtempel sein, und im Kollegen- und Bekanntenkreis muss mit der letzten Ägyptenreise geprahlt werden.
Noch vor 5 Jahren hat jeder Russe von 10 verdienten Dollars gleich 10 wieder ausgegeben.
Mittlerweile kriegst du an jeder Ecke Kredite fuer alles moeglichen angeboten und die Summe der "Ausgaben" hat sich auf 15 vergroessert.
Verfasst: 26 Mär 2007, 21:50
von Zeppelin
fremantle hat geschrieben:Manu, oh, da habe ich mich nicht verständlich ausgedrückt. Ich bin auch gegen diese Art von Praktika, dennoch ist es Praxis. Leider. Ich kenne es von einigen Kollegen, die 3 bis 5 Jahre feste "Praktika"-Jobs in großen, renomierten deutschen Arch.-Büros hatten, und prompt mit dem Diplom die Kündigung in der Hand hielten. Sozialleistungs- und Steuersparmodell. Wenn sie Glück hatten, gabs dann vielleicht noch nen Job als Freier MA, der dann und wann gerufen und später bezahlt wird. Ist alles sehr traurig, hat aber zur Erkenntnis geführt, lieber länger den Status Student zu erhalten.
Dem kann ich mich nur anschließen. Schon längst ist hier der Begriff "Generation Praktikum" fest etabliert - was natürlich niemand freiwillig macht.
Man kann davon zwar meistens nicht leben, sammelt aber auf diese Weise Berufserfahrungen in der Hoffnung auf einen richtigen Job.
Sto djelatch - sagen da viele.
Z.
Verfasst: 04 Apr 2007, 14:15
von papasha
manuchka hat geschrieben:
Ich finde weder die superjungen Schulabgänger in Russland, noch die schon erwachsenen Abiturienten in Deutschland ideal. Sind die Leute zu jung, dann fehlt es an Reife und Selbständigkeit (und das russische Uni-System ist auch nicht unbedingt darauf angelegt, diese zu fördern - aber da kann man auch anderer Meinung sein). Die Deutschen sind dagegen recht alt, wenn sie dann endlich in den Beruf starten. Ein Mittelmaß wäre da ganz gut.
recht alt? unter idealbedingungen an einer FH steht man mit 22-23 im berufsleben.mit 18 abi, ausgemustert oder nicht eingezogen, 4jahre durchgezogen. spätestens mit 25.
der russe natürlich früher. aber was hat er davon?nach dem abi ein jahr im ausland, die welt kennenlernen?auslandssemester?vielleicht noch vom staat gefördert?fehlanzeige.
oder erst einmal lehre, dann studium?vielleicht bei 0,5%, die die reiche eltern haben. alle anderen haben ihren vorgeschriebenen lebensweg, wie schon erwähnt.
allein schon die tatsache, dass in den ersten beiden semestern(pervyi kurs) noch so dinge wie erdkunde oder literatur unterrichtet werden (auch in ingenieur-studiengängen!) zeigt doch, dass die hochschullehre noch weit vom westeuropäischen niveau entfernt ist...
mit dem hohen ölpreis erlangte der russe auch wieder etwas mehr selbstbewusstsein, aber es gibt noch viel zu tun, noch für jahrzehnte...
Verfasst: 04 Apr 2007, 15:34
von Mysh
papasha hat geschrieben: 4jahre durchgezogen. spätestens mit 25.
In vier Jahren? Das ist nur in einigen Studiengängen möglich.
Ganz zu schweigen mal von Seminaren in die man wegen hoffnungsloser Überfüllung nicht hereinkommt und so ein Semester "verliert".
Schiebt nicht alles nur auf die "Faulheit" deutscher Studenten/Studentinnen. Es gibt viele, die gerne derartig durchziehen würden, es aber nicht schaffen.
Verfasst: 04 Apr 2007, 16:02
von manuchka
Na und dann hat papasha da ja aber wohl das Auslands- und das Praktikumssemester mal einfach unter den Tisch fallen lassen, dessen Fehlen er den Russen ankreidet...
Ich hab mit 19 mein Studium angefangen und war mit fast 28 endlich Volljuristin. Hab halt keinen Freischuss nach dem 8. Semester gemacht und ein Auslandsjahr eingeschoben, nach dem Studium 4 Monate aufs Ergebnis der schriftlichen Prüfung gewartet und nach der mündlichen (=Studienabschluss mit 25,5 Jahren) noch 2 Monate auf den Beginn des Referendariats... und dann eben 2 Jahre Referendariat gemacht (das ich übrigens auch größtenteils für sinnvoll halte).
Verfasst: 04 Apr 2007, 18:19
von fremantle
Mysh hat geschrieben:papasha hat geschrieben: 4jahre durchgezogen. spätestens mit 25.
In vier Jahren? (...)
Doch, an FH ist das doch normal, oder nicht? An der Uni ist es natürlich was anderes. Allerdings kommt es auf die Uni drauf an. Ich hatte die Auswahl zwischen Berlin und Cottbus. In Berlin hätte ich ewig gebraucht, in Cottbus kommt man in alle Kurse rein. Ich kenn viele, die in 11 Semstern durch sind. Ich gehör nicht dazu, mit meinen 2 Jahren Auslandsaufenthalt. Aber an den richtigen Unis ist ein schenlles Studium auch in Deutschland möglich.
Aber Manuchka,
Du hast es Dir ja so ausgesucht, dass Du ins Ausland gehen willst. So wie ich auch, und ich finde Auslandsaufenthalt ungeuer wichtig heutzutage. Das allerdings die Organisation der Uni nicht klappt und man ewig auf Noten warten muss oder auf Referendariate ist wirklich ein Problem an vielen Unis, für das Studenten nichts können und das schleunigst geändert werden sollte. Aber halt nicht an allen. Ich hoffe ja, dass sich das durchs Bach/Mastersystem ändert. Aber weiss...
Wir Architekten dürfen uns auch erst nach 2 Jahren Berufspraxis Architekt nennen, zuvor nur Dipl.-Arch., so wie es bei Juristen, Lehrern etc. mit dem Referandariat ist. Aber ich glaube auch in Russland kann man nicht gleich nach dem Studium eine Firma in der Branche gründen, sondern muss erstmal als Angestellter arbeiten. In sofern ist es nicht so anders. (Falls ich da nicht richtig liege, korrigiert mich...)
Verfasst: 04 Apr 2007, 18:26
von Zeppelin
Mysh hat geschrieben:... Schiebt nicht alles nur auf die "Faulheit" deutscher Studenten/Studentinnen. Es gibt viele, die gerne derartig durchziehen würden, es aber nicht schaffen.
Liebe Mysh,
ich glaube, gerade Du und solche wie Du brauchen sich diese Jacke nicht anziehen. Sie passt einfach nicht.
Das erkennt man schon an dem sog. "Idealfall" der da beschrieben worden war. Da ging es wohlgemerkt um einen FH-Abschluss und nicht etwa um wirkliche Generalisten.
(Ich will den Wert eines FH-Studiums nicht schmälern, aber der führt halt meist nur bis zu gewissen Grenzen.)
Gruß,
Zeppelin