Zejtnot hat geschrieben:Zeppelin hat geschrieben:Es ist ja nicht so, dass die Russische Föderation keine gebildeten Leute hervorbringen würde.
Im Vergleich zur Größe des Landes aber viel viel zu wenige. Was GIN schreibt stimmt ... versuche mal hinter dem Ural ...
Grübel
Wie konntet ihr mich so missverstehen?
Was Du, Zejtnot, meinst ist doch nur das Ergebnis dessen, was ich geschrieben hatte.
Es ist schon richtig, dass man am russ. Arbeitsmarkt nur recht wenige wirklich qualifizierte Kräfte finden wird - erst recht östlich des Urals.
Und dennoch gehen aus dem - durchaus problematischen und rückständigen - russ. Bildungssystem eine durchaus große Menge guter Leute hervor.
Nur nutzen diese - wenn irgend sich eine Chance ergibt - die Gelegenheit und suchen das Weite.
So habe ich u.a. überhaut erst meine Frau kennengelernt; davor und danach aber auch eine Reihe weiterer fähiger Leute aus RUS, die hier in D, aber auch in vielen anderen 'westlichen' Staaten durchaus anspruchsvolle und qualifizierte Arbeit abliefern - dafür aber auch entsprechend honoriert werden.
So habe ich z.B. im Spätsommer 2007 einen russ. Kristallphysiker kennengelernt, der mit seiner 'russland-deutschen' Frau erst 2002 nach D gekommen war.
Nach ein paar kargen Jahren hier konnte er aber sein ganzes Talent zur Geltung bringen, wodurch wir uns schließlich auf der gemeinsamen "Schulbank" trafen.
Diesen "verrückten Russen"

, hat unser ganzes Team in kürzester Zeit schätzen gelernt und regelrecht liebgewonnen. Und warum?
Der Typ hat nicht nur zuvor nahe eines großen Stroms in Mittelsibirien ein ziemlich großes Rechenzentrum aus IBM und SiNix-Maschinen aufgebaut und mehr als zehn Jahre mit ca. 300 Mitarbeitern geleitet, sondern hatte sich mit Anfang 50 auch noch sehr gute Deutschkenntnisse angeeignet, war und ist ein sehr anständiger, zuverlässiger und hilfsbereiter Kollege und hat mehr Ahnung von IT als der ganze Rest unserer Klasse zusammen.
Heute ist er wieder in einer sehr in einer sehr verantwortungsvollen Position als Netzwerkingenieur, muss aber niemanden seiner Leute mehr in einen fragwürdigen Krieg schicken, wie er dies in RUS tun musste und was für ihn den Entschluss zur Auswanderung trotz eines mehrjährigen, massiven sozialen und materiellen Abstiegs bedeutete.
Und solche Beispiele sind nicht selten. Nur entsprechen sie nicht dem Bild, welche man von den in RUS verbleibenden gewinnen mag.
Zahllose Leute aus RUS stehen aber auf den Gehaltslisten von Firmen wie Cisco in Frisco/Californien, SAP in Walldorf, Siemens in München etc., bla bla.
So wie mein Freund Igor eben seit einiger Zeit auf der einer sehr bedeutenden Airline.
Um nun aber zurück zum topic zu kommen:
Man muss bei all den Defiziten des deutschen Bildungs- und Erziehungssystems auch immer berücksichtigen, dass es dabei einen sehr dicken "gordischen Knoten" gibt, welcher kaum zu durchschlagen ist.
"Auf der Strecke" bleiben dabei regelmäßig Kinder, die zwischen die Mühlsteine der Kompetenzstreitigkeiten zwischen Eltern und Staat geraten; zwar durchaus förderungsfähig/-würdig sind, aber von keiner Institution wirklich vertreten werden; also weder von den (in-)kompetenten Eltern, noch von Kitas/Schulen - und im Trend der allgemeinen
"Atomisierung der Gesellschaft" auch nicht mehr von wohlwollenden Verwandten/Bekannten/Freunden der Familie.
Ganz verrückt dabei ist, dass alle beteiligten
"Parteien" jeweils 'gute' Gründe dafür anführen können, warum ihr Engagement um die Kinder so begrenzt ist: Jeder will Aufwand und Risiko minimieren, regt sich über die 'Defizite' der Kinder auf und scheint sich zu denken:
"Nach mir die Sintflut!"
Aber die Kinder von heute haben es wie von je her genau so verdient, dass wir verdammten Erwachsenen uns ihrer annehmen und wieder auf IHREN (nicht unseren) Kurs bringen, wenn etwas aus dem Ruder zu laufen scheint.
Dazu bedarf es nicht viel Geldes, Zeit oder bequemer Lebensumstände, sondern nur offener Ohren, Augen und der Anerkennung der Realität, mit denen wir die Kinder konfrontieren, bzw. derer wir sie aussetzen.
Damit aber genug. Ich hatte ja weiter oben schon auf zwei Buchtitel verwiesen, die recht ausführlich auf die gesamte Problematik eingehen und - denen, die nicht von selbst den Dreh finden - Hinweise geben, wie man das Dilemma vermeiden und vorbeugen kann.
Das schwedische Modell wird oft hoch gelobt, aber es ist auf D nicht übertragbar. Dazu ist die Position des Staates gegenüber der äußerst heterogenen Wählerschaft einfach zu schwach und zu unqualifiziert.
Entsprechend gering ist hier auch die Bereitschaft der Bürger/-innen, den Staat selbst dann in familiäre Beziehungen und Kompetenzen noch weiter eingreifen zu lassen, als schon jetzt.
Es ist halt die Rache der dt. Geschichte, dass Bürger und Staat sich hier nach wie vor nicht über den Weg trauen und jede Seite die andere Gern in die Pflicht für jeweils eigene Defizite nehmen würde.
Klappt aber nicht - und so gehen die Kinder - sich selbst überlassen und ontho- wie soziogenetisch ohnehin bedingt - nach wie vor sich selbst überlassen, ihre eigenen (Irr-)Wege.