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Re: Belarus

Verfasst: 19 Aug 2020, 13:43
von kamensky
paramecium hat geschrieben: 19 Aug 2020, 11:53
Bearbeitet:
* Nachtrag: Zugegeben in Russland geht auch viel Geld am Staat und somit der offiziellen Statistik vorbei. In anderen Quellen findet man um die 1000 Dollar.
Wir residieren jeweils auf dem Weg, von RU Richtung Heimat (CH) in Marijampole, Litauen und auf dem Rueckweg oft in Daugavpils, Lettland. Im erstgenannten Hotel wurde ich bei Moeglichkeit stets nach Bargeld gefragt und um moeglichst ohne Quittung gebeten und bei letzterem wurde ich gefragt, ob ich eine Quittung benoetige. Ich denke, dass auch in den baltischen Staaten am Steueramt vorbei geschaeftet wird. Zudem mussten wir uns in beiden noch nie unsere Personalien eintragen ;) Deshalb erachte ich auch diese Zahlen nicht als grundsaetzlich den Fakten entsprechend.

Re: Belarus

Verfasst: 19 Aug 2020, 14:19
von paramecium
Wladimir30 hat geschrieben: 19 Aug 2020, 12:27 Ich habe keine Ahnung von diesen Zahlen, denke aber, dass das Einkommen in Bezug zu den Lebenshaltungskosten gesetzt werden sollte.
Berechtigter Einwand. Der Lebenshaltungsindex in den Ländern ist (auf Basis von Deutschland mit 100, Jahr 2019) folgendermaßen:

Lettland 72,6
Litauen 65,4
Russland 59,0
Ukraine 48,6
Belarus 51,4

Daraus ergibt sich ein Kaufkraftindex von:

Lettland 50,3
Litauen 59,8
Russland 39,3
Ukraine 14,3
Belarus 25,2

Das die Menschen im Baltikum, im Gegensatz zu den anderen ehemaligen Sowjetrepubliken die nicht in der EU sind (Ru,Belarus, Ukr), in schlimmen Zuständen leben kann ich daraus auf jeden Fall nicht erkennen.

Re: Belarus

Verfasst: 19 Aug 2020, 14:39
von Wladimir30
Mag sein. Statistiken sind eine schöne Spielerei, mit denen man allerhand belegen kann.

Ich mache jedes Jahr einen Überblick über die Lebenshaltungskosten in unserer Region, um Verhandlungen über die Lohnerhöhungen für das kommende Jahr führen zu können. Als Grundlage dienen die Daten, die das Statistische Amt unserer Gegend zur Verfügung stellt. Hierbei werden sehr ausführlich Preise eigentlich für alle Waren für den gewünschten Zeitraum kontrastiv gegenüber gestellt. Also egal ob ein Liter Milch oder Importschinken aus Spanien, 1 Liter Benzin, Kaltmiete pro Quadratmeter Wohnfläche, Kreditnebenkosten, 1 neue Jeans pro Monat, Zugtickets, ein 2-Wochen Urlaub in der Türkei, ein neues Kfz russischer Produktion und ausländischer, ein gebrauchtes Kfz usw. usf. Im Prinzip alles, was man sich so kauft. Diese Kosten vergleiche ist erstmal mit den Indices, die weltweit veröffentlicht werden über die Inflation und die Lebenshaltungskosten in Russland. Hier stellt sich gleich mal heraus, dass ganz Russland (und das wird in derartigen Übersichten als Ganzes so dargestellt) Gegenden wie Tjumen, Chanty-Mansijsk usw. (die sich auf Rohstoffe stützen können) auf eine Stufe mit anderen Gegenden, die nichts dergleichen haben und händeringend um jeden Touristen kämpfen oder irgendwie versuchen, ausländische Investoren anzulocken, gestellt werden. Bei der Größe des Landes kann man sich unschwer vorstellen, dass hier ein gewaltiges Gefälle herrscht. Zweitens reduziere ich diesen in den Statistiken genannten Warenkorb auf das, was eine Durchschnittsfamilie sich so leistet. D.h. Waren wie Importkäse aus der Schweiz, einen neuen BMW und anderen teuren Schnickschnack streiche ich raus, um unseren Aktionären ein reales Bild von den Lebenshaltungskosten für unsere Arbeiter zu geben. Die Zahlen, die sich dann ergeben, haben mit dem, was große Wirtschaftsprüferhäuser à la EY, PWC und wie sie alle heißen, nichts zu tun.

Seitdem ich das nun mehrere Jahre lang so mache, haben wohlklingende Statistiken, wie sie hier nun wild hin und her zitiert werden, einen sehr geringen Aussagewert für mich.

Ich will damit keine Meinungsbildung in der einen oder anderen Richtung in diesem Thema betreiben. Ich kann die Situation in den hier angeführten Ländern schlicht nicht einschätzen und kann deshalb auch keine Vergleiche anstellen. Aber sich nur auf Statistiken zu stützen halte ich für gefährlich.

Re: Belarus

Verfasst: 19 Aug 2020, 15:15
von kamensky
Wen wunderts!

Den Gleich und Gleich gesellt sich gern!

https://www.finanz.ru/novosti/aktsii/ki ... 1029515726

Re: Belarus

Verfasst: 19 Aug 2020, 15:19
von Berlino10
Wladimir30 hat geschrieben: 19 Aug 2020, 14:39 Aber sich nur auf Statistiken zu stützen halte ich für gefährlich.
Ich denke aber schon auch, dass die baltischen EU-Früheinsteiger, vor allem auch Polen oder Ungarn gut weggekommen sind. Diese waren aber auch von sich aus schon früh leistungsfähig. Für Späteinsteiger wie Rumänien, Bulgarien, Kroatien haben sich wohl nicht alle Erwartungen erfüllt. Besonders für die einfachen Menschen ist die Hinwendung zum westlichen Raubtierkapitalismus oft nachteilig. Aber das betrifft mittlerweile ja auch die Deutschen selbst.

Re: Belarus

Verfasst: 19 Aug 2020, 15:19
von paramecium
Wladimir30 hat geschrieben: 19 Aug 2020, 14:39 Seitdem ich das nun mehrere Jahre lang so mache, haben wohlklingende Statistiken, die hier nun wild hin und her zitiert werden, einen sehr geringen Aussagewert für mich.

Ich will damit keine Meinungsbildung in der einen oder anderen Richtung in diesem Thema betreiben. Ich kann die Situation ind en hier angeführten Ländern schlicht nicht einschätzen und kann deshalb auch keine Vergleiche anstellen. Aber sich nur auf Statistiken zu stützen halte ich für gefährlich.
Da stimme ich dir auch vollkommen zu. Ich hätte auch anekdotenhaft über meine Erfahrungen in Riga, Vilnius und Kaunas (Besuche zwischen 2016-2018) berichten können, denke aber dass diese Statistiken mit all ihren Unzulänglichkeiten dennoch ein objektiveres Bild geben. Letztendlich habe ich weder die persönliche Erfahrung gemacht, noch geben die Zahlen her, dass überall im Baltikum eine "Katerstimmung" herrscht.

Belarus

Verfasst: 19 Aug 2020, 16:45
von Tonicek
Berlino10 hat geschrieben:. . . Für Späteinsteiger wie Rumänien, Bulgarien, Kroatien haben sich wohl nicht alle Erwartungen erfüllt. Besonders für die einfachen Menschen ist die Hinwendung zum westlichen Raubtierkapitalismus oft nachteilig. . .
Zwei sehr gute u. sehr richtige Sätze.-
Man sollte aber bei den südöstlichen Ländern auch gewisse Merkmale wie "Mentalitäten" beachten, und diese sind dort besonders ausgeprägt.
Ein sehr gutes Beispiel ist dafür Griechenland in der € - Krise, wo Leute Renten bezogen, die schon lange auf dem Friedhof lagen u. sich die Radieschen von unten ansahen - das sind gravierende Lebenseinstellungen u. eine Metalität, die es dann sehr schwer hat, mit den Methoden des Raubtierkapitalismus klar zu kommen.

Ich pendele ja regelmäßig zwischen CZ + DE hin + her, und was ich nicht verstehe, wieso in der CZ grundlegende Dinge bis zu 50 % teurer sein können - wenn denn die Lohnkosten in der CZ um 50 % niedriger sind - das verstehe ich eben nicht - auch "Raubtierkapitalismus" ?

Belarus

Verfasst: 19 Aug 2020, 16:53
von Tonicek
Mal zurück zu Belarus: Schon 3 Tote . . . ?

Außenminister Lawrow äußert Kritik an BY:

https://www.spiegel.de/politik/ausland/ ... ed0337e304

Re: Belarus

Verfasst: 19 Aug 2020, 17:36
von m1009
@waldmaus33.

Ich kenne Dich ja nun schon einige Jahre persönlich.

Was ich sagen will, Deine Einschätzungen treffen meist genau ins Zentrum. Danke für den Beitrag...

Re: Belarus

Verfasst: 19 Aug 2020, 18:02
von kamensky
Wie war das doch noch mal mit "Aeusserer Einmischung "unerwuenscht?

Liest man diese Zeilen, dann sieht es aber ganz nach Gegenteil aus. Zumal doch Putin jener war, der obengenannten Wunsch ankuendigte. Ob es sich um eventuelle "Fake News " handelt, lassen wir einmal offen!

https://www.finanz.ru/novosti/aktsii/lu ... 1029517111