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Re: "Demokratischer Aufstand" in der Ukraine
Verfasst: 19 Feb 2014, 14:28
von fugen
Haska: Ich bin durch das Regierungsviertel gelaufen, vom Maidan die Institutska-Straße hoch. Dort waren viele Demonstranten, die vor das Parlamentsgebäude marschieren wollten. Es war friedlich, dann aber habe ich erste Steinwürfe auf Polizisten mitbekommen.
Schon interessant wie Wahrnehmung im allgemeinen funktioniert.
Warum nicht alles zitieren?
Re: "Demokratischer Aufstand" in der Ukraine
Verfasst: 19 Feb 2014, 14:32
von GIN
Dietrich hat geschrieben:Das die jetzt schon Geistliche "kaufen" ist natürlich ungeheuerlich....
http://www.spiegel.de/politik/ausland/u ... 54335.htmlSPIEGEL ONLINE: Was treibt die Menschen auf die Straße?
Haska: Man muss kein Prophet sein, um diese Frage beantworten zu können. Was mich ungemein ärgert, sind die Leute in Deutschland, die in Internetforen schreiben, das seien alles Kriminelle, Nationalisten und Krawallmacher. Das stimmt nicht. Die Leute stehen hier, weil sie ein anderes Land wollen, ein Land, das nicht mehr durch und durch verseucht ist mit Korruption. Sie wollen eine gerechte Regierung, einen Staat, in dem man Beamte nicht erst schmieren muss, damit sie ihre Arbeit machen.
Dietrich wir haben hier ganz viele unterschiedliche Sichtweisen. In der Ukraine haben wir ein Tochterunternehmen. Die Leiter im Showroom Donetsk und KHarkow sind klar auf der Seite der Polizei. Sie verstehen nicht wieso man Menschen mit Waffen und Stahlhelmen auf der Strasse ertragen muss. Die fragen mich wie würde die Schweizer Polizei hier vorgehen? Sie fordern schon seit längerer Zeit ein hartes Vorgehen. Der Geschäftsführer in Kiew der Unternehmung geht selber sogar auf die Demonstration in Kiew. Er beschreibt uns die Lage völlig anders.
Die Showroomleiter beschreiben die Westukrainer als chronisch arbeitslose Gewalttäter die von ihrer Tasche leben. Der Geschäftsführer beschreibt seine Regierung als Diktatur und die östlichen Ukrainer als Vaterlandsver ter. Die Lage finde ich äusserst ernst und erinnert mich an die Krisen der UdSSR und JUgoslawiens. Da war es auch so das eine radikalisierte Menschenhorden Staatsstrukturen und andere Nationalitäten angriffen mit einem Verweis auf ein besseres Leben in der Zukunft.
Re: "Demokratischer Aufstand" in der Ukraine
Verfasst: 19 Feb 2014, 14:39
von Admix
Gysi hat anscheinend was vernünftiges beigetragen:
08.20 Uhr: Der Fraktionsvorsitzende der Linkspartei, Gregor Gysi, hat Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder als Vermittler für den Konflikt in der Ukraine ins Spiel gebracht. Es müsse eine Lösung gefunden werden, mit der sowohl die Ukraine als auch Russland und die EU leben könnten, sagte Gysi am Mittwoch im Deutschlandfunk. "Vielleicht muss man mal Leute heranziehen, die gut mit Putin sprechen können", sagte Gysi. "Bei allen meinen sonstigen Vorbehalten: Wie wär's mit Gerhard Schröder?" Schröder und Putin hatten sich schon zu Schröders Kanzler-Zeiten gut verstanden. Später wechselte Schröder in den Aufsichtsrat des russischen Energiekonzerns Gazprom.
Re: "Demokratischer Aufstand" in der Ukraine
Verfasst: 19 Feb 2014, 14:53
von fugen
Admix hat geschrieben:Gysi hat anscheinend was vernünftiges beigetragen:
08.20 Uhr: Der Fraktionsvorsitzende der Linkspartei, Gregor Gysi, hat Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder als Vermittler für den Konflikt in der Ukraine ins Spiel gebracht. Es müsse eine Lösung gefunden werden, mit der sowohl die Ukraine als auch Russland und die EU leben könnten, sagte Gysi am Mittwoch im Deutschlandfunk. "Vielleicht muss man mal Leute heranziehen, die gut mit Putin sprechen können", sagte Gysi. "Bei allen meinen sonstigen Vorbehalten: Wie wär's mit Gerhard Schröder?" Schröder und Putin hatten sich schon zu Schröders Kanzler-Zeiten gut verstanden. Später wechselte Schröder in den Aufsichtsrat des russischen Energiekonzerns Gazprom.
Wegen mir könnten wir eine zollunion von Lissabon bis wladiwostok haben, wenn ich ehrlich bin.
Aber eins verstehe ich nicht!
Wenn die Eu die Ukraine haben will, warum unterbreiten die denen kein besseres Angebot als Russland?
Warum muss man die Ukraine zwischen ru und eu aufteilen? Die Ukraine war im russischen Maxhtbereich und wenn ich die von diesem Trog weglocken will, dann mache ich ein Angebot was besser ist.
Mich interessiert warum die eu so handelt
Re: "Demokratischer Aufstand" in der Ukraine
Verfasst: 19 Feb 2014, 15:10
von Admix
fugen hat geschrieben:... dann mache ich ein Angebot was besser ist.
Das beinhaltet aber auch, an wen Angebote gemacht werden ... Die Nutznießer sind wohl bei einer Russischen oder Europäischen Unterstüzung nicht dieselben. Würde ich mal ganz naiv annehmen.
Re: "Demokratischer Aufstand" in der Ukraine
Verfasst: 19 Feb 2014, 15:21
von Berlino10
fugen hat geschrieben:
Warum muss man die Ukraine zwischen ru und eu aufteilen? Die Ukraine war im russischen Maxhtbereich und wenn ich die von diesem Trog weglocken will, dann mache ich ein Angebot was besser ist.
Mich interessiert warum die eu so handelt
Die Ukraine ist geopolitisch wichtig. Die Transatlantiker wollen so ihre Macht stärken und RUS schwächen.
Wirtschaftlich ist es das Ziel, die Ukraine mit Hilfe von IWF Krediten in die Abhängigkeit zu bringen und auszunehmen,
gleiches Spiel wie in RUS der 90er, Märkte für Westprodukte erschliessen, Wirtschaft kaputt machen und aufkaufen ..
Die EU will die Ukraine ja nur assoziieren und nicht wirklich einbinden,
eine Verantwortung für das Land wäre ja auch viel zu teuer.
Dabei ist die tatsächliche Lösung eine andere, wie auch Zbigniew Brzezinski betont:
Needed for Ukraine: 3 compromises.
1) between Ukraine’s political parties, 2) a EU-Ukraine-Russia compromise, and 3) a US-Russia compromise
Re: "Demokratischer Aufstand" in der Ukraine
Verfasst: 19 Feb 2014, 15:23
von Admix
Re: "Demokratischer Aufstand" in der Ukraine
Verfasst: 19 Feb 2014, 15:26
von Dietrich
fugen hat geschrieben:Haska: Ich bin durch das Regierungsviertel gelaufen, vom Maidan die Institutska-Straße hoch. Dort waren viele Demonstranten, die vor das Parlamentsgebäude marschieren wollten. Es war friedlich, dann aber habe ich erste Steinwürfe auf Polizisten mitbekommen.
Schon interessant wie Wahrnehmung im allgemeinen funktioniert.
Warum nicht alles zitieren?
Weil ich dafür den LINK gepostet habe, damit ich eben nicht alles zitieren muss.
Wenn du es so genau nimmst, dann fehlt dann aber auch wieder etwas:
SPIEGEL ONLINE: Die Gewalt ging von den Demonstranten aus?
Haska: Das kann ich so nicht sagen. Der Maidan hat eigene Sicherheitskräfte, die "Samooborona". Die haben die Steinewerfer sofort festgenommen und zum Maidan abgeführt. Die wollten keine Eskalation. Ich halte die Steinwürfe für eine gezielte Provokation.
SPIEGEL ONLINE: Was meinen Sie damit?
Haska: Die Maidan-Wache konnte nicht alle Steinwürfe verhindern. Es fiel aber schon auf, dass die Polizei sofort darauf geantwortet hat, mit massiver Gewalt. Da waren sofort Berkut-Scharfschützen auf den Dächern, die mit Gummigeschossen auf die Demonstranten geschossen haben.
Da aber jeder den Link anklicken und sich das Interview selbst durchlesen kann, wieso sollte gleich alles zitieren.
Mein Zitat hatte ich gewählt, weil es sehr gut auf die letzten geäußerten Meinungen hier in diesem Thema passte.
Re: "Demokratischer Aufstand" in der Ukraine
Verfasst: 19 Feb 2014, 15:42
von Berlino10
Es ist lächerlich, behaupten zu wollen, dass die Gewalt radikaler Demonstranten durch Provokateure ausgelöst wird.
Wer das behauptet, macht sich völlig unglaubwürdig, die Bilder sprechen eine eindeutige mehrdeutige Sprache.
Es ist wohl richtig, dass radikale Demonstranten gestern die Gewalt begonnen haben, u.a. auch mit Gewehren und Pistolen, und dass eine grosse Menschenmenge das Parlament attackieren wollte.
Dennoch berechtigt das mMn nicht, den gesamten Maidan ausgerechnet an dem Tag, an dem die Gewalt ohnehin schon hochkocht, zu stürmen. Den Maidan, wo sicher 80-90% der Protestierenden friedlich sind.
Gewalt hätte man gestern dort bekämpfen können, wo sie war, vor dem Parlament. Der Maidan blieb ja ruhig.
Polizisten standen mit Gewehren auf Dächern und haben Brandsätze auf die Demonstranten geworfen und wohl auch geschossen. - Das ist Terror nicht Staatsgewalt.
Sprecher haben auf dem Maidan Ukrainer aufgefordert, mit Waffen auf den Platz zu kommen. - Das ist Terror kein rechtmäßiger Protest.
Die Staatsgewalt ist zentral leichter steuerbar, als der weitgehend führungslose Protest.
Die Verantwortung für die unnötige Eskalation der Gewalt hat deshalb mMn vor allem Janukowitsch durch die Räumung des Maidan.
Damit macht er eine politische Lösung fast unmöglich.
Es scheint, als wolle er nur noch Machterhalt, so lange wie möglich, um persönliche Konsequenzen zu verzögern.
Re: "Demokratischer Aufstand" in der Ukraine
Verfasst: 19 Feb 2014, 15:44
von Dietrich
GIN hat geschrieben:Dietrich wir haben hier ganz viele unterschiedliche Sichtweisen.
Ansonsten würde ja auch eine Diskussion längst nicht so viel Sinn machen, wenn alle der gleichen Meinung wären.
GIN hat geschrieben:Die fragen mich wie würde die Schweizer Polizei hier vorgehen? Sie fordern schon seit längerer Zeit ein hartes Vorgehen. Der Geschäftsführer in Kiew der Unternehmung geht selber sogar auf die Demonstration in Kiew. Er beschreibt uns die Lage völlig anders.
Die Frage "Wie würde die Polizei in der Schweiz/in Deutschland vorgehen" ist an dieser Stelle doch völlig unpassend.
Dafür müssten erstmal in der Schweiz oder in Deutschland die gleichen politischen Verhältnisse herrschen, was so ohne Weiteres im Moment undenkbar ist. Oder wie wahrscheinlich ist es, dass bei den nächsten Wahlen ein Politiker der Grünen an die Macht kommt, als erstes Merkel und Gabriel einsperren lässt und sich dann daran macht, durch Änderung des Grundgesetzes seine eigene Macht, bzw. die Macht der Regierungspartei so zu erhöhen, dass die Opposition für die nächsten Zeit wertlos wird. Das wäre so ohne Weiteres in Deutschland und erst recht der Schweiz eben nicht möglich.
Wäre es aber so, dass stände ich auch auf dem deutschen Maidan. Sehr wahrscheinlich nicht mit Helm auf dem Kopf und Steinen in der Hand, weil zu friedfertig und wohl auch zu feige wäre, aber eben als Demonstrant.
Was die politische Einstellung und die Gewaltbereitschaft vieler Demonstranten betrifft, da bin ich auch nicht einverstanden. Aber es gibt eben auch noch sehr sehr viele anders eingestellte Demonstranten, deren (in meinen Augen gerechtfertigte) Forderungen durch ein hartes Vorgehen der Polizei dann ebenfalls mit Füßen getreten werden.
Die Lage in der Ukraine ist nicht einfach schwarz und weiß. Aber die Formel "Alle Demonstranten sind vom Westen bezahlt, die EU mischt sich ein und Russland will der Ukraine nur helfen" ist genau so weit von der Wahrheit entfernt, wie die Aussage, dass Gewalt bei den Demonstranten NUR von Provokateuren ausging.
Sonst wären längst Sanktionen verhängt und die EU hätte der Ukraine ein großzügigeres Angebot gemacht, als Putin dies getan hat.