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Re: Deutschland: Reich oder nicht?

Verfasst: 11 Aug 2011, 02:57
von Saboteur
naja und in Schönfließ bei Berlin gabs doch auch so ein Fall bei dem ein Jugendlicher von den Cops erschossen wurde... und Bewährung und BCE. Dieser Fall ist auch ziemlich... naja widersprüchlich.

Re: Deutschland: Reich oder nicht?

Verfasst: 11 Aug 2011, 07:10
von bauplan
Dietrich, kannst du nicht verstehen, dass Gewalt immer Gegengewalt hervorruft?

Ich möchte dir mal ein Beispiel aus meiner praktischen Arbeit bringen.

Als ich Leiter des Jugendzentrums war, hatten wir Anfang der 80er, als die Punks auftauchten mal ein aus den Ufern geratenes Punkkonzert.
Für mich war das eine neue Jugendbewegung, mit der ich erstmal umzugehen lernen musste.
Also, dass Punkkonzert artete total aus, haufenweise betrunkene Punks und kaum Möglichkeiten auf sie einzuwirken. Dazu noch Musik, mit der ich nicht so viel anfangen konnte, um es mal gelinde auszudrücken.
Dann tauchte der erste Polizeiwagen vor unserem Jugendzentrum auf und endlich war alles ausser Kontrolle.
Es wurden Dachziegel auf die Strasse geworfen, Steine auf immer mehr anrückende Polizeiwagen etc. etc. eben alles was in so einer sich eskalierenden Situation passiert.

Nun war mein großes Glück, dass ein Verwandter von mir Einsatzleiter der damaligen Bereitschaftspolizei war, die bereits massiv angerückt war.

Ich hatte ihn gesehen und bin zu ihm hin und wir haben uns überlegt, wie man die Situation am schnellsten wieder unter Kontrolle bekommt.

Wir einigten uns darauf, dass er alle sichtbaren Polizisten, damals alle noch in Grün, abzieht und irgendwo um die Ecke ausserhalb der Sichtweite platziert.

Die Punks jubelten, weil sie glaubten, sie hätten eine Schlacht gewonnen, gingen alle wieder ins Jugendzentrum, wir beendeten langsam, ganz langsam das Konzert und die Kiste war gelaufen.

So geht es eben auch. Ohne reinknüppeln und weitere Eskalationen. Darum hatte ich ja geschrieben, nicht mehr Polizisten auf die Strasse, die in so einer Situation die Menge nur noch mehr anheizen, sondern mehr Sozialarbeiter, die mit den Jugendlichen umgehen. Da muss man nicht Papierflieger falten, Deeskalation verläuft anders.

Aber das kann man leider den Haudrauf-Politikern nicht klarmachen.

Und noch etwas Dietrich. Diese Jugendlichen haben eines gelernt, dass man zwar, wie du so schön schreibst „konträre Ansichten äußern und öffentlich diskutieren kann“, dass dieses aber rein gar nichts an ihrer Situation ändern wird.
Diese Kids sind von „der einzigen Staatsform“, wie du schreibst, hängengelassen worden, bis sie ihrer aufgestauten Wut eben dann mal freien Lauf lassen.

In Libyen, Ägypten und Syrien geht es gegen Staatsbevormundung, in England gegen soziale Ungerechtigkeiten. Aber überall sind es Jugendliche die sich auflehnen, weil sich mit „friedlichen“ Mittel nichts geändert hat.
Verwundert das jemanden?

Re: Deutschland: Reich oder nicht?

Verfasst: 11 Aug 2011, 07:39
von Sibirier
Die Lösung ist doch einfach. Die Briten müssen es so machen, wie die Deutschen.

http://www.faz.net/artikel/C31206/mikro ... 78586.html

Weniger Anteil von Kindern und Jugendlichen in der Bevölkerung, weniger Probleme mit denen.... ;) :lol:

Re: Deutschland: Reich oder nicht?

Verfasst: 11 Aug 2011, 09:31
von pippie
Danke für deine Beiträge bauplan - denen kann ich mich nur anschließen.

Re: Deutschland: Reich oder nicht?

Verfasst: 11 Aug 2011, 10:51
von Dietrich
bauplan hat geschrieben:Ich möchte dir mal ein Beispiel aus meiner praktischen Arbeit bringen.
Ist ja schön, wenn man ein Punkkonzert mit brennenden Häusern, geplünderten Geschäften und Toten und Verletzten vergleicht.

Dein Plan für England ist also "Polizei ausser Sichtweite abziehen" ?

Ich will doch gar keine friedlichen Demonstrationen niederknüppeln. Aber wenn ich die Polizei hinstelle und den randalierenden Chaoten sage "Halt. Keinen Schritt weiter! Geht nach Hause! Sofort!", dann ist das für dich Gewalt? "Gewalt der Polizei", die natürlich (man muss die armen Abgehängten ja verstehen...bla bla....) Gegengewalt erzeugt.
Das ist ausreichend? Wie das reine Erscheinen der Polizei in deinem Beispiel auch bereits als Gewalt einzustufen ist?

Re: Deutschland: Reich oder nicht?

Verfasst: 11 Aug 2011, 11:04
von bauplan
Mein Plan für England wäre gewesen, 100derte von Sozialarbeitern zwischen die Jugendlichen zu schicken und zu deeskalieren.
Die Polizei in diesen Fällen dann ausser Sichtweite, erst recht, bevor irgendwas passiert keine sichtbare Polizei.

Was das wesentlichste ist, extrem frühzeitig anfangen mit der Deeskalation, nicht erst wenn die Strasse schon brennt.

Und wie du schreibst, „Aber wenn ich die Polizei hinstelle und den randalierenden Chaoten sage "Halt. Keinen Schritt weiter! Geht nach Hause! Sofort!", dann ist das für dich Gewalt? ".
Ist natürlich der vollkommen falsche Schritt, denn so wie die Polizei dasteht, deeskaliert sie nicht, sondern provoziert.
Aber das hat etwas mit Psychologie zu tun, was du u.U. nicht so ganz verstehst.

So einfach, wie sich Klein-Erna das vorstellt, ist es leider nicht. Und so schwarz – weiss auch nicht.

Und aus dem explodierenden Punkkonzert hätten auch Strassenschlachten und weiteres entstehen können. Das zeigt doch, dass rechtzeitiges vernünftiges Eingreifen sinnvoll war, bevor die Strasse brennt.

Ferner gehört da noch viel anderes zu. Ich will hier jetzt keine Diplomarbeit über Sozialarbeiter und Polizeistrategie schreiben.

Re: Deutschland: Reich oder nicht?

Verfasst: 11 Aug 2011, 11:09
von Admix
Dietrich hat geschrieben:Aber wenn ich die Polizei hinstelle und den randalierenden Chaoten sage "Halt. Keinen Schritt weiter! Geht nach Hause! Sofort!", dann ist das für dich Gewalt? "Gewalt der Polizei", die natürlich (man muss die armen Abgehängten ja verstehen...bla bla....) Gegengewalt erzeugt.
Das ist ausreichend? Wie das reine Erscheinen der Polizei in deinem Beispiel auch bereits als Gewalt einzustufen ist?
einige Beiträge weiter oben hörte sich das aber noch ein bisschen radikaler an:
Dietrich hat geschrieben:Vielleicht sollten die Engländer sich mal ein paar Trupps OMON von den Russen ausleihen, dann können die sich mal richtig austoben und dabei was Nützliches tun.
Ich habe da eher rausgelesen, dass die mal ordentlich Prügel bekommen sollten ... Aber schön, dass ich mich dann wohl doch geirrt habe ;)

Re: Deutschland: Reich oder nicht?

Verfasst: 11 Aug 2011, 11:38
von Saboteur
Interview: "Da hilft nur eine ganz andere Politik!"

http://www.tagesschau.de/inland/geuss100.html

Re: Deutschland: Reich oder nicht?

Verfasst: 11 Aug 2011, 11:52
von andreask020361
ich bin absolut gegen Gewalt weder von der einen noch von der anderen, gleiches gilt fuer kriege armeen etc, aber das schliesst nicht dass man sich verteidigt ,schuetzt auch notwals mit gewalt. wenn mir jemand die Huette abbrennt dann werde ich mich nicht ueber seine Probleme unterhalten bei einer Tasse tee. Es gibt andere Arten zu protestieren , was bei den vielen sozialarbeitern etc nicht unterschieden wird sind Kriminelle die mit der vollen gestzesbreite bekaempft werden muessen,und Protestanten, Kritiker etc unzufriedene meinetwegen, oder einfach sozial benachteiligte. Wenn sie protestieren sollten sie dort protestieren wo es hingehoert vor den Banken Parlamenten etc.

Re: Deutschland: Reich oder nicht?

Verfasst: 11 Aug 2011, 11:58
von manuchka
bauplan hat geschrieben:Mein Plan für England wäre gewesen, 100derte von Sozialarbeitern zwischen die Jugendlichen zu schicken und zu deeskalieren.
Das geht, solange sich die Meute noch irgendwie kontrolliert verhält. Aber wie soll man sich das vorstellen, wenn die mit Pflastersteinen Fenster einwerfen oder Molotovcocktails auf Autos schmeißen: Am Arm zupfen und sagen "Du, sorry, ich bin der Johnny vom Londoner Sozialdienst, lass uns doch kurz mal über deine Gefühle sprechen..."? Der kriegt aufs Maul oder wird im besten Falle ausgelacht und stehen gelassen.
bauplan hat geschrieben:...bevor irgendwas passiert keine sichtbare Polizei.
Das ist doch der Knackpunkt - hier ist doch schon massiv was am passieren! Darf dann die Polizei endlich aus ihrem Versteck kommen und eingreifen?