So, hab' die Stelle gefunden, mit der alles begann:
Beitragvon Tonicek » Montag 5. Juni 2017, 20:33
zimdriver hat geschrieben: ... nicht Schreiben zählt, nur Leben und Handeln! - Wir waren da.Kulturhaus der Bergarbeiter
Tonicek schrieb: Ja, toll, da will ich auch hin !!!
Was heißen denn diese kyrillischen Buchstaben KPCC = ist das die KPdSU auf deutsch ?
Bitte unbedingt Bescheid geben, wenn es los geht - für's Visum brauche ich 3 Wo.
Komme dann mit dem Bus von Prag nach Moskau . . .
GLEICH VORNEWEG: Man möge mich nicht fragen: War es gut? War es schlecht? Ich sage mal: Es war INTERESSANT! Und das ist für mich das Wesentliche - etwas Neues, etwas Fremdes zu erleben, da ist es unwichtig, ob es "gut" oder "schlecht" ist - entrinnen der Einöde zu Hause.
Muß gestehen, daß ich den Namen Workuta vorher nie gehört habe, vielleicht wird er in Al. Solschenitzuns ARCHIPEL GULAG erwähnt, kann mich nicht erinnern.
Warum fuhr ich dort hin?
1. aus Langeweile + Jux & Dollerei
2. I must kill my time.
3. geschichtl. Interesse, mal einen GULAG persönl. zu sehen u. etwas zu erfahren
Also: Visum beantragt, im Netz Bustickets bestellt, RZD dank des Forums kennengelernt und alles gebucht und online bezahlt.
Die Mail-Korrespondenz mit RZD war vorbildlich, perfektes Englisch, alle Fragen wurden beantwortet, vor allem auch die nach dem "dynamic pricing", welches mich verunsicherte.
Zum Arzt Grippeschutzimpfung geholt, Warnungen erhalten, bei -40°C werden die Ohren schwarz, dann fallen sie ab, der Nase kann nichts passieren, die wäre gut durchblutet - na, dann kann es ja losgehen.
2000 km mit dem Bus von Prag in 35 Std., via Warschau u. in Riga Buswechsel.- Hotel in Moskau war für 2 Tg Akklimatisierung gebucht.
Busticket retourn-preis 170 €.
Die 2 Tg in Moskau waren angenehm,
http://www.aeropolis.ru/en/ war auch super, Leningradski Prospekt = belebte Zone.
Vom Busbhf Tushinskaya gute Anbindung dorthin per Tram.
Dann zum Jaroslawski Bhf, spazieren gegangen, dann abends erstmalig in einen Zug der RZD, Klasse Coupé f. 4 Pers., 41 Std. bis Workuta = 11.200 R., incl. einer Mahlzeit.
Zu dem Thema RZD schreibe ich soäter gesondert etwas ausführlicher.
Angekommen in der Tundra, holte mich ein Hotel-PKW ab u. brachte mich in's
http://www.hotelvorkuta.ru/
Hatte dort 7 Nä gebucht á 2.900 R, ohne Frühst. War alles o.k., auch sauber, größtenteils nettes Personal, aber ohne Fremdsprachenkenntnisse.
Die Tage verbrachte ich mit Spazieren, Erkunden der gesamten Stadt incl. Airport, Fluß Workuta, Dom Kultura, wo ich eine soge. Fashion show zufällig besuchte, Café- + Restaurantbesuche, Denkmäler knipsen usw. Die Zeit wurde mir nicht langweilig.
Was ich eben vermißte, wie immer: Keine Bekanntschaften gemacht, außer den Üblichen: Reception, Zimmerfrauen, Kellner, Fußpflege, Bankangestellte - , all diese wunderten sich, was ich in W. mache, wo ich so gut russ. gelernt habe - das war's dann schon. Das zehrt an der Psyche und macht einen sehr traurig. 15 Uhr wurde es dunkel, Restaurants meist leer wie die Straßen - Depressionen sind vorprogrammiert.
Es gilt zweifellos der Satz: Geteiltes Leid ist halbes Leid - ebenso zweifellos gilt aber auch: Geteilte Freude ist doppelte Freude, blöd nur, wenn man es mit keinem teilen kann, weil ganz einfach niemand da ist - dann bleibt wirdlich nur noch: I KILL MY TIME - nicht mal die Gelegenheit, viel Geld auszugeben, hatte ich in dieser Situation.- Abendessen 800 R, 2 Bustickets = 36 R, Stange Zigar. 900 R, in der Caféteria des Hotels sitzen, weil super WiFi vorhanden, ein Bier = 90 R, was soll man da mit Tausenden R machen, wenn keine Gelegenheit da ist . . .?
Hotel + alle Restaurants mit CC bezahlt.
KRITIKPUNKTam HOTEL: Checkout Hotel 12 h - Taxi 15 h bestellt - es war nicht möglich, den Rucksack an der Recep aufbewahren zu lassen, ich mußte ihn im Zimmer lassen zu einem Stundenpreis von 140 R - man kann mir Geiz vorwerfen oder sonst etwas; wenn ich 20.300 R an das Hotel bezahle, muß + sollte es möglich sein, irgendwo einen Rucksack für 3 Std abstellen zu können, das nennt man schlechthin Service am Gast. - Zum Vergleich: Die Receptionistin im Hotel bekommt netto 17.000 R / Monat.
Das war 7 Tg Workuta, wieder einem Fleckchen der großen weiten Welt + der Rep. Komi etwas Farbe in einer mir unbekannten Ecke verliehen.
Da die Zugfahrt mit 41 Std sehr schwer zu ertragen war, entschied ich, die Rückfahrt zu splitten in mindestens 4 Etappen bis Moskau. Rein willkürlich wählte ich nach Betrachten der Landkarte aus: Kotlas - Jaroslawl - Aleksandrow.
Nachtfahrt nach Kotlas war trotz "Platzkartnaya abteil" auszuhalten, dort 4 Tg, wieder spazierengehen, Essen gehen, Friseurbesuch usw.
Besondere Vorkommnisse: 3 Stürze auf vereistem Bürgersteig; Resultat: Prellungen an der li. A-Backe, Prellungen + temporäre Schwellungen des Mittelbeines. Arztkonsultation abgelehnt, Heilung verlief normal.
Weiterfahrt nach Jaroslawl mit Nachtzug, 17 Std., dort in's wunderbare Hotel
https://riverhotel-vp.ru/ zu einem lächerlichen Preis von 1.800 R.
Warum das so günstig war, weiß ich bis heute noch nicht, ich blieb 6 Nä. Es ist eine der schönsten Städte, die ich bisher in RUS kennenlernte.
Aber auch alles leer, ich war vielleicht der einzige Tourist im Ort. Gähnende, langweilige, depressiv-stimmende Leere in allen besuchten Restaurants, auch die sog. Hotel-Lobby-Bar ständig leer - da kann ich gleich im Zimmer bleiben und auf die riesige Wolga vor dem Hotel schauen.
Weiterfahrt nach Aleksandrow, Sitzplatz im Zug, da nicht sehr weit entfernt. Dort 4 Nä im ebenfalls wunderschönen Hotel
https://irisotel.ru/
Abholung vom Bhf durch die Chefin selber - Preis 2.200 R - sehr angemessen u. verwundert hat mich, daß ich ein Lux-Appart. bekam, welches in der Preisliste mit 3.900 R ausgepreist ist, das Hotel mir aber nur ein Standard-Single-Room zu 2.200 R berechnete ?
Nun ja, die Stadt nicht schlecht, klein, abends leergefegt, ebenso die Restaurants - was will man machen. Dazu mal 3 Fotos, mehr gehen ja nicht hochzuladen.
441. Aleksandrow (Kopie).jpg
428. Rynek.jpg
445. SU-Helden (Kopie).jpg
Von Aleksandrow mit Sitzplatz im Zug in gut 2 Std. nach Moskau, am Jaroslawski Bhf Mittag gegessen und in aller Ruhe zum Bus-Bhf in die Tushinskaya mit der Metro gefahren, dort fuhr der Bus um 21.45 h nach Riga, von dort weiter nach Prag via Warschau.
Eine Std. Aufenthalt in Riga, ich sah einen Supermarkt u. holte schnell 3 Do. Bier, das läßt mich etwas besser schlafen im Bus, beim Einsteigen fragte die Stewardess, was ich im Beutel habe, sie schaute nach, nahm das Bier weg u. sagte, in Prag bekäme ich es wieder - na, so wat aber auch - Frechheit !!
Summa summarum: 4000 km mit dem Bus; 4000 km mit dem Zug, hier gilt:
Was mich nicht umbringt, macht mich nur noch härter = Sicher war es keine Reise für Weicheier & Warmduscher.
Viele Russen, die mich fragten, was ich da eigentlich mache [Business ??], sagten zu mir, nachdem ich ihnen erklärte, daß ich aus Jux & Dollerei durch die Lande ziehe - Frage: "Was? Alleine nach Workuta in die Tundra?" Dann folgte [fast] immer ein herzhaftes MOLODETZ !!!
Alleine diese Worte bestätigten mir die Richtigkeit meines Tun's und gaben mir die Kraft, mich weiter durchzubeißen - auch, wenn es ganz alleine ist!
Nach der Reise ist vor der Reise:
Irgendwann in naher Zukunft beginnt die gedankliche Planung für etwa März '18: Türkei -> Georgien -> Armenien -> Nagorno-Karabakh -> Georg. Heerstraße -> Vladikavkas ->Grosny -> Sotschi -> Krim usw. usf. Aber alles mit dem Wohnmobil.
Das steht momentan noch in den Sternen.