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Re: Russischer Corona-Impfstoff "Sputnik V"

Verfasst: 27 Jan 2021, 02:34
von paramecium
m1009 hat geschrieben: 26 Jan 2021, 19:30 Beim Gespräch kam die Frage auf, ob ich in den letzten Monaten eine Erkältungskrankheit mit Fieber hatte... Ja... Hatte ich. Nur kurz, mit recht hohem Fieber. Sie meinte... Mach einen Antikörper Test. Sollten ausreichend Antikörper nachgewiesen werden, ist eine Impfung hinfällig....

Was ist an der Aussage dran?

Noch... Ich bin weder Corona Jünger noch Corona Leugner ...
Wladimir30 hat geschrieben: 26 Jan 2021, 19:45
m1009 hat geschrieben: 26 Jan 2021, 19:30 ... Mach einen Antikörper Test. Sollten ausreichend Antikörper nachgewiesen werden, ist eine Impfung hinfällig....

Was ist an der Aussage dran?
Ein Bekannter hat an drei Orten diesen Test gemacht. Und drei verschiedene Ergebnisse bekommen
Kurze Antwort: Ich würde mich impfen lassen.

Längere Antwort:

Es gibt noch keine systematischen Studien, die zeigen wie lange der Schutz vor COVID-19 nach einer durchgestandenen natürlichen Infektion anhält. Es gibt Hinweise darauf, dass insbesondere einige der Mutationen die aktuell auf dem Vormarsch sind dazu führen, dass man sich mit höherer Wahrscheinlichkeit erneut anstecken kann. Von den Impfstoffherstellern war bisher zu vernehmen, dass sie davon ausgehen, dass die Impfstoffwirksamkeit durch die aktuellen Mutationen nicht beeinträchtigt wird.

Dann zu den Tests. Zuerst müsste man wissen, welcher Antikörper-Test eingesetzt wird. Preiswerte Antikörper-Schnelltests sind relativ unzuverlässig. Die WHO rät entsprechend von diesen ab. Zitat der WHO:
At present, based on current evidence, WHO recommends the use of these new point-of-care immunodiagnostic tests only in research settings. They should not be used in any other setting, including for clinical decision-making, until evidence supporting use for specific indications is available.
Sollte man diese Tests bei deinem Arzt nutzen wollen, solltest du definitiv verzichten.

Dann gibt es noch die zuverlässigeren serologischen Labortests. Die diagnostischen Tests der großen Anbieter (z.B. Roche, bioMérieux, Abbott, QIAGEN ect.) sind sehr zuverlässig. Allerdings gibt es auch andere Anbieter, deren Tests Antigene enthalten, die nicht spezifisch genug für SARS-CoV-2 sind. Diese Antigene reagieren auch auf Antikörper die gegen andere harmlosere Coronaviren gebildet wurden. In diesem Fall wäre der Test positiv, es bestünde aber keine Immunität gegen COVID-19. Manch andere Tests scheitern zudem an den neu aufkommenden SARS-CoV-2-Varianten. Als Patient wirst du allerdings nur schwer herausbekommen können, welcher Tests im russischen Analytik-Labor genutzt wird, zu welchem deine Ärztin die Blutprobe sendet.

Sowohl auf Grund der unklaren Lage bezüglich der Immunität gegen andere SARS-CoV-2-Varianten, als auch auf Grund der (möglicherweise) unzureichenden Aussagekraft des Antikörper-Testergebnisses würde ich mich impfen lassen. Vorrausetzung ist natürlich, dass es keine Kontraindikation bezüglich der Impfrisiken bei dir gibt.

Noch der Vollständigkeit-halber: Du schreibst zudem von einem milden Verlauf deiner Krankheit. Es gibt gerade unter den Menschen mit relativ mildem COVID-19-Verlauf einen relevanten Prozentsatz, bei denen bereits nach wenigen Monaten nur noch geringe Mengen bzw. keine Antikörper mehr nachgewiesen werden können. Dennoch sind diese Personen immun und in der Lage sich über eine robuste Memory-T-Zell-Antwort vor einer erneuten Infektion durch das Virus zu schützen.

Re: Russischer Corona-Impfstoff "Sputnik V"

Verfasst: 27 Jan 2021, 07:45
von Wladimir30
m1009 hat geschrieben: 27 Jan 2021, 00:02 Da war was mit irgendwo südlich von Vladimir, mitten im Wald... In einem Banja von einem älteren Herren. Aber ob Du älter warst als ich? Nach dem 5. 387 verliere ich, in der Regel, den Bezug zur Realität....
Du verwechselst die Reihenfolge. Es muss bei Dir heißen "Nach dem 387. Baltika Nr. 5".

Älter, wer war älter von Euch? Es war ein Altherrentreffen der klassischen Art, wo Ihr gleichermaßen Schwänke aus Eurer Jugend zum x.-ten Mal wiederholt habt und Euch dabei schallend auf die Schenkel geklatscht habt. Das war mir total peinlich vor meinen Kindern.

Re: Russischer Corona-Impfstoff "Sputnik V"

Verfasst: 27 Jan 2021, 08:44
von m1009
Deine Kinder sind seid Jahrzehnten erwachsen und längst aus dem. Haus!

Re: Russischer Corona-Impfstoff "Sputnik V"

Verfasst: 27 Jan 2021, 08:55
von Wladimir30
Dann war es mit eben vor meinen Katzen peinlich. Aber peinlich war es auf jeden Fall

Re: Russischer Corona-Impfstoff "Sputnik V"

Verfasst: 27 Jan 2021, 09:37
von m1009
@paramecium

Danke! Irgendein Impfpass wird man über kurz oder lang eh brauchen.....

Re: Russischer Corona-Impfstoff "Sputnik V"

Verfasst: 27 Jan 2021, 09:44
von lausi
paramecium hat geschrieben: 27 Jan 2021, 02:34 Von den Impfstoffherstellern war bisher zu vernehmen, dass sie davon ausgehen, dass die Impfstoffwirksamkeit durch die aktuellen Mutationen nicht beeinträchtigt wird.
Darüber habe ich auch anderes gelesen, jedenfalls betreffend die "westlichen" Impfstoffe.

Wir haben die Literatur gesichtet und vier Studien, die sich direkt mit der Frage, ob die derzeitigen Impfstoffe geeignet sind, um die drei oben genannten Mutationen zu bekämpfen oder ob es den Mutationen gelingt, der von Impfstoffen aufgebauten Immunabwehr zu entkommen, behandeln.

Die einzige Studie unter den vier Studien, die wir in diesem Post besprochen haben, die zu einem positiven Ergebnis gelangt, wurde von Alexander Muik, Ann-Kahrin Wallisch, Bianca Sänger, Kena A. Swanson, Julia Mühl, Wei Chen, Hui Ca, Rita Sarkar, Öziem Türeci, Philip R. Dormitzer und Ugur Sahin unter dem Titel “Neutralization of SARS-CoV-2 lineage B.1.1.7 pseudovirus by BNT162b2 vaccine-elicited human sera” veröffentlicht. Alle Autoren sind entweder bei Biontech oder Pfizer beschäftigt.

Re: Russischer Corona-Impfstoff "Sputnik V"

Verfasst: 27 Jan 2021, 12:11
von paramecium
lausi hat geschrieben: 27 Jan 2021, 09:44
paramecium hat geschrieben: 27 Jan 2021, 02:34 Von den Impfstoffherstellern war bisher zu vernehmen, dass sie davon ausgehen, dass die Impfstoffwirksamkeit durch die aktuellen Mutationen nicht beeinträchtigt wird.
Darüber habe ich auch anderes gelesen, jedenfalls betreffend die "westlichen" Impfstoffe.

Wir haben die Literatur gesichtet und vier Studien, die sich direkt mit der Frage, ob die derzeitigen Impfstoffe geeignet sind, um die drei oben genannten Mutationen zu bekämpfen oder ob es den Mutationen gelingt, der von Impfstoffen aufgebauten Immunabwehr zu entkommen, behandeln.

Die einzige Studie unter den vier Studien, die wir in diesem Post besprochen haben, die zu einem positiven Ergebnis gelangt, wurde von Alexander Muik, Ann-Kahrin Wallisch, Bianca Sänger, Kena A. Swanson, Julia Mühl, Wei Chen, Hui Ca, Rita Sarkar, Öziem Türeci, Philip R. Dormitzer und Ugur Sahin unter dem Titel “Neutralization of SARS-CoV-2 lineage B.1.1.7 pseudovirus by BNT162b2 vaccine-elicited human sera” veröffentlicht. Alle Autoren sind entweder bei Biontech oder Pfizer beschäftigt.
Deshalb habe ich oben so vorsichtig formuliert. Es gibt bisher keine Peer-Review-Studien zu diesem Thema die von unabhängigen Wissenschaftlern überprüft und in einem wissenschaftlichen Journal veröffentlicht wurden. Es gibt lediglich die vier oben genannten Berichte, die alle ihre Schwächen haben. Das Paper von Biontech/Pfizer lässt vermuten, dass deren Impfstoff gegen die britische Virus-Variante effektiv ist, für den Moderna-Impfstoff scheint dies auch zuzutreffen. Gegen die südafrikanische Variante wurde eine teils erheblich reduzierte neutralisierende Wirkung der gebildeten Antikörper gezeigt. Die anderen Studien zeigen teils, dass auch eine verminderte neutralisierende Wirkung gegen die britische Virusvariante besteht. Das die neutralisierende Wirkung geringer ist bedeutet aber nicht, dass der Impfstoff nicht mehr wirkt.

Man wird sich letztendlich gedulden müssen, bis wir belastbare Daten haben. Dies wird erst der Fall sein, wenn sich genügend geimpfte Personen erneut mit den verschiedenen neuen COVID-19-Varianten angesteckt haben. Ich bin mir dennoch sicher, dass die oben genannten Firmen bereits an einer neuen Versionen des Impfstoffes arbeiten, die auch die weitere SARS-CoV-2-Stämmen abdecken.

Re: Russischer Corona-Impfstoff "Sputnik V"

Verfasst: 27 Jan 2021, 12:12
von Okonjima
Wladimir30 hat geschrieben: 27 Jan 2021, 07:45
m1009 hat geschrieben: 27 Jan 2021, 00:02 Da war was mit irgendwo südlich von Vladimir, mitten im Wald... In einem Banja von einem älteren Herren. Aber ob Du älter warst als ich? Nach dem 5. 387 verliere ich, in der Regel, den Bezug zur Realität....
Du verwechselst die Reihenfolge. Es muss bei Dir heißen "Nach dem 387. Baltika Nr. 5".
Gute Theorie, aber ich gehe sogar noch weiter. Könnte es sein, das der Punkt nach der fünf der Zahlentrennpunkt für die 1000er sein soll,
und danach einfach nur ein Leerzeichen reingerutscht ist? ;)

Re: Russischer Corona-Impfstoff "Sputnik V"

Verfasst: 27 Jan 2021, 12:28
von Bluewolf
Ich behaupte einfach mal, nix genaues weiß man nicht ;)

Wir kamen Ende Januar von einer USA Rundreise im Flugzeug mit vielen Bürgern aus dem Reich der Mitte zurück.
Angang Februar hatte die komplette Familie leichte bis mittlere Erkältungssymptome, abgehakt unter grippaler Infekt mangels Wissens über Corona (außer dem Bier).
Mitte April auf Verdacht einen Antikörpertest beim Hausarzt gemacht - Ergebnis aus dem Labor nach einer Woche: joh, Antikörper vorhanden (*leichter Jubel*)
Frau macht Anfang Mai auch einen Test - keine Antikörper (?)
August: Im Rahmen eine OP Vorbereitung mit jeder Menge Bluttests - keine Antikörper gefunden (?)

Fazit:
Entweder falsches Testresultat, oder keine längere Immunität.
Ein negativer Test wird über kurz oder lang wohl auch nicht ausreichen, wenn man hier wieder komplett am Leben teilnehmen will (Fitnessstudio, Sportverein usw.), was ich eigentlich auch unterstütze.
Ergo -> Impfen

Re: Russischer Corona-Impfstoff "Sputnik V"

Verfasst: 27 Jan 2021, 13:49
von paramecium
Bluewolf hat geschrieben: 27 Jan 2021, 12:28
Fazit:
Entweder falsches Testresultat, oder keine längere Immunität.
Es gibt eine 3. Möglichkeit. Ein negativer Antikörpertest heißt nicht zwangsläufig, dass man nach durchstandener Infektion keine Immunität hat. Siehe meinen Kommentar zur robusten T-Zell-Antwort oben.