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Re: Neuer deutscher Botschafter in Moskau?
Verfasst: 17 Dez 2009, 12:59
von Naila
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-67871658.html
Schaut mal her. Das ist auch deutsche Presse, seriöse sogar. Wie gefällt Euch dieser Erzählton und das Zitat "Kein Wunder in einem Land, wo selbst Minderjährige..."? Ist es nicht ein tolles Plädoyer für eine künftige Bagatellisierung tödlicher Autounfälle? Soll dieses glänzende Fazit heißen: "Einen (oder zwei) Russen überfahren? Die sind auch noch tot?! Halb so wild! Du bist in diesem Fall noch lange kein Mörder. Nur weiter so. Laß die Hinterbliebenen und die Presse toben, es wird schon."
Re: Neuer deutscher Botschafter in Moskau?
Verfasst: 17 Dez 2009, 13:11
von Sibirier
Naila, diese Diskussion haben wir schon geführt. Hier sollte es eigentlich um den neuen Botschafter in Moskau gehen und der kann wahrscheinlich kaum was zu dem Unfall sagen, da er letztes Jahr statt fand....
Re: Neuer deutscher Botschafter in Moskau?
Verfasst: 17 Dez 2009, 13:30
von Dietrich
Naila hat geschrieben:http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-67871658.html
Schaut mal her. Das ist auch deutsche Presse, seriöse sogar. Wie gefällt Euch dieser Erzählton und das Zitat "Kein Wunder in einem Land, wo selbst Minderjährige..."? Ist es nicht ein tolles Plädoyer für eine künftige Bagatellisierung tödlicher Autounfälle? Soll dieses glänzende Fazit heißen: "Einen (oder zwei) Russen überfahren? Die sind auch noch tot?! Halb so wild! Du bist in diesem Fall noch lange kein Mörder. Nur weiter so. Laß die Hinterbliebenen und die Presse toben, es wird schon."
Seltsamerweise hält der Bericht den Ton der ersten drei Absätze ("was für ein toller kerl dieser Lehrer") dann aber nicht bis zum Ende durch. Ich finde man kann sehen, dass auch die beiden Autoren (vielleicht Autoren der benannten Schülerzeitung?) sich so recht kein Urteil bilden können oder wollen, obwohl sie anfänglich sehr viel von dem Lehrer hielten.
Gerade die letzten Absätze, in denen es um die trauernden Mütter geht, wirken so komplett anders wie der Anfang des Artikels.
Wobei mir allerdings auch im ersten Teil zuviele Beschönigungen sind und im Mittelteil (wo es um seine Schwächen geht) zuwenig "Bewertung" enthalten ist.
Aus
Aber Sahm hat eine Schwäche. Offenbar braucht er das Gefühl, bewundert zu werden. Sein schwarzer Porsche Cayenne war Ausdruck dieser Sehnsucht. Weil die Moskauer Deutsche Schule an die Botschaft angeschlossen ist, besaß Sahm, wie andere Lehrer auch, einen Diplomatenpass. Den Porsche hatte er zollfrei importieren können. Sahm fährt gern Auto, und er fährt gern schnell.
Weil er am Steuer seines Cayenne mehrfach Verkehrsregeln missachtete, wandte sich das russische Außenministerium zweimal mit einer Note an die Deutsche Botschaft.
Einmal überschritt Sahm das Tempolimit um beinahe 70 Stundenkilometer. Ein anderes Mal lenkte er seinen Wagen auf die Gegenfahrbahn. Sahm verweigerte einen Alkoholtest, er berief sich auf seinen Diplomatenstatus. Weil er formal ein Angestellter der Botschaft war, konnte er in Russland nicht bestraft werden.
könnte man auch machen
Aber Sahm hat ein Problem, sich in einigen Bereichen an die Regeln zu halten. Offenbar brauchte er das Gefühl bewundert zu werden so sehr, dass er nicht nur einen schwarzen Porsche Cayenne sein eigen nannte, sondern diesen Wagen, den er durch seine Tätigkeit zollfrei importieren konnte auch noch gerne abseits aller Verkehrregeln bewegte. Dafür passte es ganz gut, dass die Moskauer Deutsche Schule an die Botschaft angeschlossen ist und Sahm, wie andere Lehrer auch, einen Diplomatenpass besaß, der ihn vor der direkten russischen Rechtsprechung schützt.
Seine mehrfachen Mißachtungen der russischen Verkehrsregeln am Steuer seines Cayenne waren so eklatant, daß sich sogar das russische Außenministerium zweimal mit einer Note an die Deutsche Botschaft wandte. Einmal überschritt Sahm das Tempolimit sogar um beinahe 70 Stundenkilometer. Ein anderes Mal lenkte er seinen Wagen verbotenerweise auf die Gegenfahrbahn und gefährdete damit das Leben anderer Verkehrsteilnehmer auf unverantwortliche Weise. Sahm konnte in diesem Fall einfach einen Alkoholtest verweigern, denn er berief sich auf seinen Diplomatenstatus. Weil er formal ein Angestellter der Botschaft war, konnte er in Russland nicht bestraft werden.
Von den Fakten her nicht viel anders, aber "irgendwie" doch...
Trotzdem kann ich Nailas Wertung des Berichtes nicht zustimmen. Eine Bagatellisierung des Vorfalls kann ich da nicht herauslesen.
Re: Neuer deutscher Botschafter in Moskau?
Verfasst: 17 Dez 2009, 18:01
von bella_b33
Naila hat geschrieben:Na das mit Tausenden von Kilometern stammt ehrlich gesagt von mir, da ich nicht auf die Karte geschaut habe, wie weit die Städte von Moskau entfernt sind.
Ruzaevka ist ca. 600km von Moskau entfernt....ich wohne da ein paar km daneben

tausende km sinds also nicht. Aber wie schon gesagt wurde. DAS gehört hier nicht hin, sondern in den dafür vorgesehenen Thread, würde ich meinen.
Gruß
Silvio
Re: Neuer deutscher Botschafter in Moskau?
Verfasst: 17 Dez 2009, 18:34
von Apollo
Um es mal wieder politisch zu machen, die Zeiten von Gas Gerd und der Männerfreundschaft sind ja vorbei. Eine kritischere Haltung mag Einzug gehalten haben.
Welchen Einfluss hat so ein Botschafter ?
Wie präsent ist der Botschafter im moskauer Leben ?
Ich glaube, Guido wird ohne Angela keine Akzente setzen können, insofern dürfte eher die kritische Position zu Russland Einzug halten, bzw. intensiviert werden.
Die Frage ist natürlich auch, in welchem Kontext sollte sich eine solche Entwicklung vollziehen ? Die Visaprobleme hier im Forum sind ja ehe Einzelschicksale und für die bilateralen oder multilateralen Beziehungen nicht wirklich wichtig.
Re: Neuer deutscher Botschafter in Moskau?
Verfasst: 18 Dez 2009, 08:12
von Zejtnot
Für eine Novosibirsker Zeitung habe ich die Generalkonsulin Novosibirsk, Gudrun Steinacker, zu diesem Thema befragt.
Vor allem von 1990 bis 2004 – unter den persönlichen Freunden Helmut Kohl und Boris Jelzin sowie Gerd Schröder und Wladimir Putin – war das deutsch-russische Verhältnis sehr herzlich. Wie ist Ihre persönliche Einschätzung der Politik unter Angela Merkel? Wird der neue Außenminister, Guido Westerwelle, neue Akzente im Bezug auf Russland setzen?
Na ja gut, Herr Schröder ist schon ein paar Jahre nicht mehr im Amt. Sie sind vielleicht ein bisschen nüchterner geworden, die Beziehungen. Diese persönliche Freundschaft zwischen dem Bundeskanzler und dem damaligen russischen Präsidenten war schon was Besonderes, hatte aber wiederum nicht soviel Auswirkungen auf die Realität der deutsch-russischen Beziehungen, wie man es sich gewünscht hätte. Ich denke da an einige Probleme, die ich während meiner Zeit als Leiterin der Kulturabteilungen in Moskau erlebt habe, durchaus konkrete Probleme – die ewige Frage mit der Registrierung unserer deutschen ZfA-Lehrer an den russischen Schulen und so weiter. Also wir hätten uns gewünscht, dass sich diese persönlich sehr guten Beziehungen zwischen Herrn Schröder und Herrn Putin eigentlich mehr ausgewirkt hätten auf die konkreten Beziehungen.
Und insofern, glaube ich, ist die Entwicklung in den letzten vier Jahren positiv gewesen. Wie gesagt, etwas nüchterner, etwas sachbezogener, weniger emotional, aber in der Praxis hat sich vieles vereinfacht und verbessert, und intensiviert und ich sehe keinen Grund, warum das nicht so weitergehen sollte. Der neue Außenminister, gut, der hat noch keine so rechte Beziehung zu Russland, die wird er erst entwickeln müssen. Aber die Bundeskanzlerin kennt sich gut aus, spricht sogar obendrein noch ziemlich gut Russisch und hat Verständnis dafür. Und sie ist eine Garantie dafür, dass es zu keinerlei Brüchen oder radikalen Änderungen kommt.