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Re: Wikileaks "entbloesst" amerikanische Diplomaten

Verfasst: 30 Nov 2010, 12:42
von Zejtnot
Admix hat geschrieben:Davon abgesehen finde ich die Veröffentlichung richtig.
Finde ich in diesem Fall nicht. Bei den Kriegsakten, wo Menschenrechte verletzt wurden und dies verheimlicht wird, finde ich es richtig.

Aber interne Informationen ohne Mehrwert für die Öffentlichkeit, sollten intern bleiben. Wenn ich Dir als Vizeadmin schreibe: "Du, der Silvio schreibt zuviel Mist, gib dem mal eine gelbe Karte!", dann hat das niemanden zu interessieren und auch Silvio sollte das nicht erfahren. (Silvio, keine Sorge, ...) Genauso muss es möglich sein, dass ein amerikanischer Diplomat seiner Chefin schreibt, wie er den subjektiv deutschen Außenminister findet, ohne, dass dies die Öffentlichkeit erfährt!

Re: Wikileaks "entbloesst" amerikanische Diplomaten

Verfasst: 30 Nov 2010, 12:53
von Admix
Wie beurteilst Du dann das Verhalten der Presse?

Re: Wikileaks "entbloesst" amerikanische Diplomaten

Verfasst: 30 Nov 2010, 12:55
von harald63
CSB_Wolf hat geschrieben:Wie ist der Typ eigentlich an diese Unterlagen gekommen :roll: Die muss ihm doch jemand zugespielt haben der grosses Interesse daran hat so ein Theater auszulösen.
Es scheinen jede Menge Leute eine Zugriffserlaubnis auf das System zu haben. Und es finden sich immer ein paar Leute, die sich ungerecht behandelt fühlen oder sich mal wichtig fühlen wollen.
Was ich nicht verstehe ist, wie man aus solchen Systemen größere Datenmengen abfragen kann ohne dass das irgendwo protokolliert wird. Bleiben natürlich Admins, die sowas evtl. umgehen können, aber auch das sollten nur sehr wenige Oberadmins können, wenn das System ordentlich designed ist.

Re: Wikileaks "entbloesst" amerikanische Diplomaten

Verfasst: 30 Nov 2010, 13:05
von Saboteur
Ich finde die Veröffentlichung in allen Punkten richtig und wichtig und finde es gut, dass die Presse dies so aufgreift. Im aktuellen Spiegel steht, dass viele Informationen der Koaltionsverhandlungen von FDP und CDU dirket an die Amis geliefert wurden (von einem FDP Mitglied) und im Interview mit dem Botschafter sagt er ja dass die meisten Infos von Personen stammen. Und das mit dem Maulwurf bei den Parteien ist ja weniger diplomatische Arbeit sondern schon geheimdienstlich und das wäre ja s wohl kaum rausgekommen. Und dei diesen Einschätzungen im Allgemeinen ist doch klar, dass es sowas gibt und die USA da keine Ausnahme darstellen. Deswegen wird sich der Außenpolitische Schaden in Grenzen halten... denke ich.

Re: Wikileaks "entbloesst" amerikanische Diplomaten

Verfasst: 30 Nov 2010, 14:15
von Zejtnot
Admix hat geschrieben:Wie beurteilst Du dann das Verhalten der Presse?
Wenn es eh raus ist, dann soll sie ruhig darüber schreiben. Die Frage ist, ob diese Veröffentlichung wirklich so eine Heldentat ist?

Re: Wikileaks "entbloesst" amerikanische Diplomaten

Verfasst: 30 Nov 2010, 14:41
von Admix
Ich vermute erstmal nicht, das Wikileaks durch Heldentaten glänzen will ...
Wikileaks kann ja genauso argumentieren wie Du vorschlägst. Die Informationen sind schon geleckt, dann bringen wir sie jetzt an den Mann.

Wo ist der Fehler?
oder andersrum:
Was rechtfertigt das Verhalten der Zeitungen? Vor allem dann, wenn Du das Verhalten von Wikileaks verurteilst.

Re: Wikileaks "entbloesst" amerikanische Diplomaten

Verfasst: 30 Nov 2010, 15:21
von Nikolaus
Zumindest im Spiegel konnte man lesen, dass man sich dort der Selbstzensur befleissigt (u.a. Quellen schwaerzt) sowie freiwillig zu besonders brisanten Depeschen die Genehmigung der Amerikaner einholt (=Zensur). Mit solchem Quark, wie haemischen Bemerkungen zu einigen Politikern, verfaehrt man aber wohl immerhin weniger restriktiv, als offenbar mancher es fuer sich hier im Forum beansprucht... :)
Grundsatz von WikiLeaks ist es dagegen, den Originaltext einfach ins Netz zu stellen. Auswahl und vor allem Bewertung obliegt vollstaendig dem Leser.
Und dass z.B. Russland die C300-Lieferungen an den Iran urspruenglich stornieren wollte, um im Tausch Technologie fuer unbemannte Flugzeuge von Israel zu erhalten, war fuer mich zumindest neu... Ebenso dass ein paar arabische Laender die vom Iran ausgehende Atomkriegsgefahr als so akut einschaetzten, dass sie die USA aufforderten militaerisch einzugreifen...

Re: Wikileaks "entbloesst" amerikanische Diplomaten

Verfasst: 30 Nov 2010, 16:15
von arghmage
harald63 hat geschrieben:Was ich nicht verstehe ist, wie man aus solchen Systemen größere Datenmengen abfragen kann ohne dass das irgendwo protokolliert wird. Bleiben natürlich Admins, die sowas evtl. umgehen können, aber auch das sollten nur sehr wenige Oberadmins können, wenn das System ordentlich designed ist.
Das ist für mich der eigentliche Skandal. Dummerweise wird in der aktuellen Diskussion meistens nur bei Wikileaks angesetzt, da sind die Daten aber schon längst gesammelt und verarbeitet. Die Datensammelwut (nicht nur der USA) wird immer größer und es gibt keine richtige Kontrolle. Deswegen werden solche "Skandale" in Zukunft immer alltäglicher werden.
Mal davon abgesehen sind bestimmt 95% der Daten auf unterem Stammtischniveau, also völlig unerheblich, nur gerade sowas schlachtet die Boulevardpresse schamlos aus.
Teflonmerkel ... amüsant aber mehr nicht ... obwohl wenn ich der Frau mit ne Teflonpfanne begegnen würde die Kohäsion wohl die beiden Teflonschichten gut verbinden :lol:

Re: Wikileaks "entbloesst" amerikanische Diplomaten

Verfasst: 30 Nov 2010, 16:16
von Dietrich
Admix hat geschrieben: Da sprichst Du einen meiner Meinung nach sehr interessanten Aspekt der ganzen Geschichte um Wikileaks an. Du verurteilst, wie die Presse mit Westerwelle umgeht. Warum wird bei dem jetzigen Skandal nur Wikileaks von den Betroffenen angeklagt? Die Presse spielt dieses ganze Spiel doch auch mit. Warum traut sich keiner, das vorgehen der Presse anzuklagen? Oder habe ich da was verpasst? Welches Recht hat die Presse zur Veröffentlichung, wenn Wikileaks kein Recht dazu hat?
Davon abgesehen finde ich die Veröffentlichung richtig.
Weil die Auswahl der Dokumente in diesem Fall nicht von der Presse, sondern von Wikileaks erfolgt ist. Die Dokumente sind im Internet und damit "verfügbar". Selbst wenn die Presse jetzt nicht mitmachen würde, so wären die Informationen doch verfügbar. Und u.U. würden dann sogar wilde Gerüchte gestreut, die sich dann schwer wieder aus den Köpfen entfernen lassen.
Natürlich hat die Presse auch eine Sorgfaltspflicht. Sie sollte schon sehen, welche der Informationen sie besonders hervorhebt und welche sie nur nebenbei erwähnt. Und da wäre es eben auch interessant zu recherchieren, wie die Amerikaner an ihre Informationen kommen.
Denn - um wieder zu Westerwelle zurückzukommen - schliesslich haben auch die Amerikaner niemanden mit der "Ich-weiss-jetzt-alles-über-dich"-Maschine durchleuchtet, um zu ihrer Einschätzung zu kommen. Die Amerikaner hatten u.U. auch keinerlei großartig "anderen" Informationen wie sie jeder deutsche Bundesbürger aus der Presse hatte. Und dazu kommt dann noch eine andere Mentalität und teilweise eine ziemlich seltsame Ansicht gegenüber Homosexualität.

Ob es richtig von Wikileaks war? Ich finde nein. Wenn die Überwachungskameras bei uns im Meeting-Point demnächst aufzeichnen, was die Mitarbeiter intern über unseren Chef denken und es dann veröffentlicht wird, dann ist das auch nicht O.K.
Diplomatie lebt eben davon, dass man dem anderen eben nicht direkt ins Gesicht sagt, was man von ihm hält. Das man aber u.U. trotzdem Beziehungen unterhält, die aber von Höflichkeit und (nach aussen) Achtung geprägt sind, auch wenn man nicht nur Gutes über seinen Partner denkt.

Die Wikileaks-Leute aber handeln in diesem Fall nicht aus dem Motiv, Straftaten aufzudecken oder unredliches Verhalten, sondern einfach aus einem dumpfen Antiamerikanismus heraus.

Aber vielleicht lasse ich mich noch umstimmen, wenn es demnächst auch noch Dokumente aus anderen Ländern gibt. Deutschland, Frankreich, England... oder -viel spannender- Russland oder China.

Re: Wikileaks "entbloesst" amerikanische Diplomaten

Verfasst: 30 Nov 2010, 16:18
von Dietrich
Zejtnot hat geschrieben:Wenn ich Dir als Vizeadmin schreibe: "Du, der Silvio schreibt zuviel Mist, gib dem mal eine gelbe Karte!", dann hat das niemanden zu interessieren und auch Silvio sollte das nicht erfahren. (Silvio, keine Sorge, ...)
Wie? Jetzt doch nur 'ne Gelbe? Das hörte sich gestern noch ganz anders an... :lol: