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Re: Strafvollzug in Russland

Verfasst: 21 Sep 2011, 08:17
von Nikolaus
Na, in dem Musterlager laesst es sich doch leben ... :)
http://byaki.net/eto_interesno/30354-ko ... ossii.html
Schoen ist ja auch die russische Bezeichnung fuer das Lager: "образцово-показательная колония". :)
Nach einer Lager-Legende sollen da einst mal ein paar Nordkoreaner sich durch einen muehsam gegrabenen Tunnel zwar aus dem Lager entfernt haben, aber in der Naehe gewartet haben, bis sie wieder verhaftet wurden und noch ein paar Jahre erhielten. Naja, ihre Entlassung und Ausweisung in die Heimat stand wohl bevor ... :)

Re: Strafvollzug in Russland

Verfasst: 24 Sep 2011, 05:04
von Saboteur
hier noch was zum Thema:

http://videos.arte.tv/de/videos/russlan ... 45402.html

Russland: Potemkinsche Gefängnisse

Der russische Strafvollzug ist für seine Brutalität und schlechten Lebensbedingungen berüchtigt. Der Kreml hat vor einem Jahr eine umfangreiche Gefängnisreform angekündigt. Alle veralteten Straflager sollten innerhalb kürzester Zeit abgeschafft und eine Million Häftlinge in Gefängnisse nach westeuropäischem Vorbild überführt werden. Bisher steht davon aber erst eines.

Die Musterhaftanstalt „Schwarzer Delphin" erinnert jedoch eher an ein Potemkinsches Dorf. Denn der Alltag in den meisten Vollzugsanstalten erinnert immer noch an die sowjetischen Gulags; mit anderen Worten: Die lauthals angekündigten Reformen greifen, wie so oft in Russland, nur punktuell. Eine Reportage von Christoph Wanner.

Re: Strafvollzug in Russland

Verfasst: 24 Sep 2011, 10:34
von Nikolaus
Hm, eigentlich war mein Thema ja "AUSLAENDER im russischen Strafvollzug"...
Aber richtig, es war ja ein "Kaffeebar-Thema", das kann man schon mal dehnen ... :)

Aber auch so hat ARTE hier wirklich keine Baeume ausgerissen (eigentlich gefaellt mir der Kanal immer wieder mal), da war schon Fundierteres zu sehen ... Das hier koennte auch ein (Bild)Zeitungsartikel sein, so duenn, wie das Filmmaterial ist ...
Fuer deutsche Korrespondenten ist es aber sicherlich wirklich nicht einfach, eigenstaendig auf diesem Gebiet etwas zu filmen. Das Kluegste waere ggf. vielleicht, einfach einige der so viel besseren russischen Berichte zu erwerben und zu uebersetzen ...

Re: Strafvollzug in Russland

Verfasst: 24 Sep 2011, 19:23
von manuchka
... oder die Erfahrung am eigenen Leib machen. Danach hat man dann bestimmt was zu erzählen :lol:

Re: Strafvollzug in Russland

Verfasst: 24 Sep 2011, 22:03
von Nikolaus
Wo muessen denn eigentlich in Russland die weiblichen auslaendischen Straftaeter ihre Strafe absitzen?
:)

Re: Strafvollzug in Russland

Verfasst: 25 Sep 2011, 00:30
von Axel Henrich
Nikolaus hat geschrieben:Wo muessen denn eigentlich in Russland die weiblichen auslaendischen Straftaeter ihre Strafe absitzen? :)
Also auf der Strecke Tambow --> Morschansk ist ein ziemlich grosser Frauenknast, in dem wohl auch Auslaender einsaßen.

-ah-

Re: Strafvollzug in Russland

Verfasst: 25 Sep 2011, 10:39
von Nikolaus
Naja, man hoert doch immer wieder, dass Frauen sich leichter anpassen ... :)

Re: Strafvollzug in Russland

Verfasst: 26 Sep 2011, 20:13
von warwara
Ich habe mir übrigens das Buch von dem Engländer (Tig Hague) zum Schnäppchenpreis von 5 Dollar für meinen Kindle gekauft und lese es gerade. Hier in den USA heißt es auch nicht "Zone 22" sondern "The English Prisoner". Ich hatte auch noch eine südafrikanische Version unter dem Titel "Tomorrow you go home" (oder so ähnlich) gefunden.
Nach Zuckerschlecken hört es sich nicht an, was er da so schreibt, aber natürlich kann nur jemand, der auch in der IK-22 gesessen hat, sagen, inwiefern es tatsächlich realistisch ist. Wenn es jemanden interessiert, kann ich gerne eine pdf-Version davon per E-Mail übersenden... Dann bitte eine PN an mich.

Gruß
Barbara

Re: Strafvollzug in Russland

Verfasst: 27 Sep 2011, 16:09
von Nikolaus
Danke fuer das Angebot, Barbara, ich wuerde schon ganz gern mal die Geschichte des Bankers lesen, naja, vielleicht nicht alle 400 Seiten. Ich moechte ja nur einen Eindruck. :)
Ich bin zwar etwas misstrauisch hinsichtlich "seiner Wahrheit"; es ist schon alles sehr seltsam verlaufen, und bei den "Russischkenntnissen" gab es sicherlich nicht nur beim Zoll am Flughafen "Missverstaendnisse" ... :)
Ich befuerchte freilich, dass ich nicht alles richtig aufnehme; in den letzten Jahrzehnten habe ich zwar gelernt, mich auch englisch ganz passabel zu verstaendigen, aber in so einem Bericht kommt es doch sehr auf die Akzente an ... Es sei denn, er flucht dort nur russisch, das soll er wohl in den zwei Jahren gelernt haben ... :)

Zum Strafvollzug in Russland habe ich noch diese Seite gefunden, da hat jemand aber wirklich emsig gesammelt, auch zur Geschichte des Englaenders ... :)
http://www.aferizm.ru/criminal/k_krasnaya_zona.htm

Re: Strafvollzug in Russland

Verfasst: 27 Sep 2011, 18:53
von warwara
Nikolaus hat geschrieben:Danke fuer das Angebot, Barbara, ich wuerde schon ganz gern mal die Geschichte des Bankers lesen, naja, vielleicht nicht alle 400 Seiten. Ich moechte ja nur einen Eindruck. :)
Ich bin zwar etwas misstrauisch hinsichtlich "seiner Wahrheit"; es ist schon alles sehr seltsam verlaufen, und bei den "Russischkenntnissen" gab es sicherlich nicht nur beim Zoll am Flughafen "Missverstaendnisse" ... :)
Ich befuerchte freilich, dass ich nicht alles richtig aufnehme; in den letzten Jahrzehnten habe ich zwar gelernt, mich auch englisch ganz passabel zu verstaendigen, aber in so einem Bericht kommt es doch sehr auf die Akzente an ... Es sei denn, er flucht dort nur russisch, das soll er wohl in den zwei Jahren gelernt haben ... :)

Mail ist unterwegs an Dich, Nikolaus!

Das Buch von Herrn Hague liest sich - dafür, dass er ein Laie ist - ganz gut und flüssig, auch wenn er natürlich keinen Literaturnobelpreis dafür bekommen wird. Was mich am meisten stört (das sind meine subjektiven Empfindungen), ist die Tatsache, dass alle russischen Worte, die er in seine Erzählung einstreut, mal mehr mal weniger falsch sind - teilweise nur falsch "aufgeschnappt" (preverka statt proverka, divsheniya anstelle dvizheniye, atrad anstatt otryad etc.), teilweise aber überhaupt nicht nachzuvollziehen sind. Z.B. ist mir nicht klar, was er mit dem berühmten Moskauer Gefängnis "Piet Central" meint, in dem er vor seinem Prozess einsass. Kann ja nur ein Untersuchungsgefängnis gewesen sein, davon gibt es sechs in Moskau und keins hört auf den Namen "Piet Central". Meine Interpretation ist, dass er Nr. 5 (Piet wie Pjat'?) meint, aber das ist nur eine Vermutung... Auch nennt er den Typen, der das Essen in die Zellen bringt "Bilander", abgeleitet vom russischen Wort für Essen. Darauf kann ich mir bis jetzt keinen Reim machen, alle russischen Worte für Essen, die mir bekannt sind, haben mit bilander nicht das Geringste gemeinsam. Na ja, solche Sachen eben - ich finde, da hätte neben dem regulären Lektor vielleicht mal jemand drüberschauen sollen, der Russisch kann. Muss ja kein Russe sein. Ich mag da als Linguistin vielleicht besonders empfindlich sein, aber irgendwie schleicht sich da auch so ein bisschen der Verdacht ein "Wenn er bei einzelnen Worten solche gravierenden Fehler macht, was ist denn dann mit den Fakten bzw. wie viel davon ist denn wirklich passiert?"
Er beschreibt die Gegend in Mordwinien, wo er sich befand und die ja mit Lagern nur so gespickt ist, als sehr unwirtlich (vor allem im Winter) und "strukturschwach", was ich ihm auch durchaus abnehme und mein Kollege aus dem Sprachendienst auch bestätigt hat, was ich aber etwas sehr merkwürdig finde (vor allem vor dem Hintergrund, dass er in den Jahren 2003-2005 dort einsaß), ist die Tatsache, dass die Insassen die Wächter dort noch mit 1-2 Teelöffeln Instant-Nescafe und Schokoriegeln bestochen haben. Dass die Beamten des Strafvollzugsdienstes keine Spitzenlöhne dort gezahlt bekommen, ist mir schon klar, aber einen Wächter/Beamten mit 1-2 Löffeln Kaffee (in Folie eingewickelt) zu bestechen - das hört sich irgendwie sehr nach Märchen an. Eine Dose Instant-Kaffee oder einen Riegel Mars sollte man sich doch auch in Leplej im Dorfladen mit dem Gehalt eines Gefängniswächters leisten können, oder etwa nicht? Und wie sieht es heute mit Marlboro als Universalware aus? Intuitiv würde ich sagen, dass man, wenn man jemanden 2 Zigaretten zur Bestechung hinhält, nicht mit einer besonders großen Dienstleistung rechnen kann.
Also, ich finde den Bericht sehr informativ, schockierend zum Teil, aber ich bin mir schon bewusst, dass manche Informationen mit einer gesunden Prise Skepsis zu nehmen sind. Vor allem, wenn mir jemand Hintergrundinformationen zu Land und Leuten gibt, der die universelle Geste für Schmiergeld bei der Zollkontrolle falsch interpretiert hat...

Danke übrigens auch für den Link, Nikolaus - werde mir das Ganze in der Mittagspause mal zur Brust nehmen.

Beste Grüße
Barbara