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Re: Justiz in Russland = Strafen für... ? Bestechung.. ?

Verfasst: 29 Nov 2011, 08:26
von domizil
zimdriver hat geschrieben:Kaliningrad scheint nicht Russland zu sein.
... ich bin ja schon von anderen Forumteilnehmern darauf hingewiesen wurden und stimme Dir jetzt zu: Kaliningrad ist nicht Moskau, Moskau ist nicht St. Petersburg und St. Petersburg ist nicht ... und was ganz speziell meine Situation anbelangt zitiere ich:
Norbert hat geschrieben:So ein winziger IT-ler wie ich oder ein recht unbedeutender Immobilientyp in Kaliningrad sind doch niemandem eine Konkurrenz.
... auch das trifft voll zu. Es ist relativ wenig zu holen und um hier irgendwas zu holen muß sich ein "Kontrollierender so richtig ins Zeug legen - also richtig arbeiten ...und dann hat dieser verdammte Ausländer auch noch überall verbreitet das er nichts und niemandem zahlt ... da verlieren die Leute von Anfang an die Lust.
In einer grossen Firma mit vielen Abteilungen und Angestellten ist dies etwas anders. Aber auch diese Firmen haben Möglichkeiten, vielleicht sogar Macht, ganz bestimmt aber Einfluß ... in Moskau wiederum schwieriger, aber im großen Russland irgendwo sicher besser ...
Ich werfe mal einfach einen theoretischen Gedanken ein: Alle ausländischen Firmen schließen sich in Russland zusammen zu einer "Antikorruptions-Association", schaffen eine Rechtsabteilung und gehen in jedem Einzelfall mit viel TamTam gegen Versuche... vor ... könnte doch dann schon bald Resultat zeigen, oder?
Uwe Niemeier

Re: Justiz in Russland = Strafen für... ? Bestechung.. ?

Verfasst: 29 Nov 2011, 09:02
von Norbert
Uwe, schau Dir doch an, wie es IKEA erging. Ich habe das vor einigen Jahren mal so beschrieben (Kopie aus meiner eigenen Webseite):
Auf den Tag genau durchkalkulierte Businesspläne sind in Russland eher ungewöhnlich – was IKEA inzwischen mehrfach erfahren durfte. Angesetzte Eröffnungstermine wurden mehrmals durch die lokalen Behörden, Gerichte oder Baufirmen durchkreuzt.

Neuestes Beispiel ist Nowosibirsk: Am späten Vorabend der Eröffnung der neuen MEGA-Mall meldete das Rathaus offiziell, dass die Eröffnung untersagt worden sei, weil eine vertraglich zugesicherte Zufahrtsstraße nicht im vereinbarten Umfang fertiggestellt worden wäre. Kurz vor Mitternacht gaben die Schweden klein bei und akzeptierten die Verordnung. Die aufziehende Polizei, die am nächsten Tag das gesamte Einkaufszentrum demonstrativ abriegelte, dürfte bei der Entscheidung geholfen haben.

In Interviews mit lokalen Zeitungen klingt Peer Kaufmann, Generaldirektor von IKEA Russland, auffällig zahm. Die strittige Zufährt wäre natürlich schon fertig, man hätte jedoch selbst eingesehen, dass man sie noch besser machen könnte. „Aber ich weiß, dass der Bürgermeister hofft, dass wir in nächster Zeit alle notwendigen Genehmigungen bekommen“, so Kaufmann gegenüber dem Onlineportal ngs.ru.

Die Nowosibirsker reagieren gemischt. Die einen jubeln, dass es der Bürgermeister den ausländischen Kapitalisten mal richtig gezeigt hat, die anderen finden das Verhalten beschämend und vermuten, dass nicht genug Schmiergeld geflossen ist. Hier zeigt sich ein anderes Problem für Investoren: Wer, wie IKEA, nicht bereit ist, Geld in schwarze Kassen fließen zu lassen, muss sich auf derartige Widrigkeiten einstellen.

Auch in Moskau 2004 sollte die Erweiterung des Möbelhauses um ein Einkaufszentrum an der Zufahrtstraße scheitern, die zu nahe an einer Gasleitung lag. Eine alternative Brücke wurde jedoch jahrelang durch die Behörden blockiert. Letztendlich wurde das Problem durch eine offizielle Spende von einer Million Dollar für den Aufbau von Sporteinrichtungen gelöst.

Ähnliche bürokratische Probleme gab es mit der Umweltverträglichkeit der Filiale in St. Petersburg 2002 sowie mit dem Brandschutz in Nischni Nowgorod 2006. Hier waren ernsthafte Mängel jedoch nicht von der Hand zu weisen – nach einem tödlichen Unfall mit Einkaufswagen auf einer Rolltreppe wurde der Markt für mehrere Wochen geschlossen.

Nun ist der IKEA [in Nowosibirsk] also offen, Herr Kaufmann erklärt freudig, dass dies der "fertigste IKEA ist, welcher je in der Firmengeschichte eröffnet wurde". Und auch der stellvertretende Bürgermeister war vor Ort und erzählt, wie toll er doch alles findet.
Ach ja, was ich damals noch nicht wusste: Für die zweite Bauphase musste IKEA noch eine Brücke bauen. Bei der Eröffnung sagte der IKEA-Chef: "Wir danken der Stadt für den Hinweis, dass unser erster Bauunternehmer schlecht war. Beim von der Stadt empfohlen war die Brücke natürlich teurer, aber auch wesentlich besser!" Aha, Schmiergeld wurde keines bezahlt, der Mehrpreis wurde ordentlich versteuert! Gesicht gewahrt - alter Schwede!

Uwe, keine große Firma kann es sich leisten, einfach mal monatelang auf die Produktion zu verzichten, für ein sicher idealistisches Ziel.

Re: Justiz in Russland = Strafen für... ? Bestechung.. ?

Verfasst: 29 Nov 2011, 09:31
von domizil
Norbert hat geschrieben:Uwe, keine große Firma kann es sich leisten, einfach mal monatelang auf die Produktion zu verzichten, für ein sicher idealistisches Ziel.
... tja, wenn das so ist (leider) müssen also auch zukünftig "FixKosten" bei Projektplanungen eingearbeitet werden - es bleibt dann abzuwarten ab welchem "FixPunkt" es dann insgesamt unrentabel wird in Russland zu investieren - also sowohl für den Investor wie dann auch für den Endverbraucher der natürlich für das Endprodukt anteilig die "FixSumme" mitbezahlen muß ... schade ...
Uwe Niemeier

Re: Justiz in Russland = Strafen für... ? Bestechung.. ?

Verfasst: 29 Nov 2011, 14:14
von zimdriver
domizil hat geschrieben:.....: Alle ausländischen Firmen schließen sich in Russland zusammen zu einer "Antikorruptions-Association", schaffen eine Rechtsabteilung und gehen in jedem Einzelfall mit viel TamTam gegen Versuche... vor ... könnte doch dann schon bald Resultat zeigen, oder?
Uwe Niemeier
... gibts doch alles schon:
Partnerschaft gegen Korruption/ Russia Compliance Act, initiiert von deutschen Grosskonzernen und getragen von der Deutsch- Russischen AHK HIER GEHTS WEITER

Re: Justiz in Russland = Strafen für... ? Bestechung.. ?

Verfasst: 30 Nov 2011, 12:54
von manuchka
Ich kenne diese Initiative auch, weil ich in Moskau bei meiner Firma für Compliance zuständig war. Das sieht auf dem Papier und in der Theorie alles so schön aus... und es gibt sicherlich auch Branchen, die weniger korruptionsanfällig sind als andere. Aber seien wir doch mal ehrlich: Ohne irgendwelchen Hintertürchen kommt doch kaum ein Unternehmen in Russland aus, und sei es nur, dass man sich einer Agentur oder sonstigen Vermittlers für die Beantragung von Lizenzen oder Arbeitserlaubnissen bedient. Ich habe mal gesehen, was für Geschenkkörbe die Agentur, deren Kunde wir (und viele andere russische und ausländische Unternehmen) waren zu Feiertagen ins UFMS trägt - Riesendinger, und davon gleich mal ein gutes Dutzend. Und ich will nicht wissen, was da nebenbei noch in Briefumschlägen überreicht worden ist.

Re: Justiz in Russland = Strafen für... ? Bestechung.. ?

Verfasst: 30 Nov 2011, 22:25
von GIN
Diese Beamte im OVIR finde ich eh super, kaufen für zweistellige Millionen Summen Wohuneigentum in Sochi, alles geerbt von Omi und Opi aus dem VO.
Gibt ne ganze Strasse in Sochi mit Wohneigentümern aus den verschiedensten OVIRS in Moskau.

Re: Justiz in Russland = Strafen für... ? Bestechung.. ?

Verfasst: 02 Dez 2011, 00:56
von inorcist
Da fallen mir immer wieder die Worte von meinem ehemaligen Chef ein: "Bestechung, Korruption? ... Nein, überhaupt nicht. Wir führen alles ganz sauber im Jahresabschluss als Business Enabling Cost oder Fast Track Expenses. Die Business Enabling Cost aktivieren wir und schreiben sie über 10 Jahre ab."

Re: Justiz in Russland = Strafen für... ? Bestechung.. ?

Verfasst: 02 Dez 2011, 17:30
von Gunnar
inorcist hat geschrieben:Da fallen mir immer wieder die Worte von meinem ehemaligen Chef ein: "Bestechung, Korruption? ... Nein, überhaupt nicht. Wir führen alles ganz sauber im Jahresabschluss als Business Enabling Cost oder Fast Track Expenses. Die Business Enabling Cost aktivieren wir und schreiben sie über 10 Jahre ab."
Das ist wirklich eine konsequente Herangehensweise :lol:

Transparency International hat ja gerade mal wieder seinen aktuellen Korruptions Index veröffentlich.
http://www.transparency.de/Tabellarisch ... 021.0.html

Deutschland Platz 14 von 182 (/zusammen mit Japan)

Russland Platz 143 von 182 (zusammen mit Aserbaidschan, Weißrussland, Nigeria, Togo, Uganda ... :roll: )

Re: Justiz in Russland = Strafen für... ? Bestechung.. ?

Verfasst: 04 Dez 2011, 21:31
von Kamtschatkakarl
J.Eckel hat geschrieben:
domizil hat geschrieben:
Andy hat geschrieben:Uns wurde eine grosse Steuerpruefung (in SPB) angekuendigt, die Inspektorin verlangte im voraus 1 Mio. Rubel in cash, bevor sie sich ueberhaupt unsere Buchhaltung angesehen hat.
... nun, ich sehe dieses Thema recht einfach: Diese Art von Inspektoren gehen davon aus das man in jeder Firma etwas findet und durch "vorauseilenden Druck" versucht man zu "seinem Recht" zu kommen. Und wenn man einmal gezahlt hat - da gebe ich eine hundertprozentige Garantie - dann zahlt man immer und vor allem die Kontrollen werden mehr und mehr. Hier hilft nur ein ganz einfaches Prinzip: Nichts und Niemandem jemals etwas zahlen. Wenn der schriftliche Abschlussbericht vorliegt muß die Firmenleitung selber beurteilen ob dieser Bericht mit seinen Schlußfolgerungen angemessen ist. Wenn nicht so gibt es den Rechtsweg - auch in Russland - und hier sollte man bei Bedarf sämtliche Instanzen ausschöpfen. Das spricht sich rum und ein Beamter der weiß das er mit dieser Firma kein "Geld verdienen kann" wird zukünftig anders auftreten. Nur oftmals kapitulieren die Firmenbetreiber vorzeitig aus Angst vor weiteren Folgen - und genau das wird ausgenutzt ... Also einfach standhaft bleiben und das durchaus funktionierende Rechtssystem des russischen Staates nutzen.
Uwe Niemeier
so ist es, einfach den harten Kerl spielen, natürlich kann man in den ersten Jahren nur sehr wenig bewirken, aber wenn es sich in der Gegend rumspricht, so lässt man einen dann einfach nebenbei leben.
Pffffttt.

Sei mir nicht boese, aber wovon traeumst Du?!

Hersteller A in Dland verkaufte Produkte an Abnehmer B in Russland. Lief ganz gut 2 Jahre lang.

Bestellungen in Dland wurden groesser und groesser, offener Saldo zum Schluss EUR 675.000.-.

B zahlte nicht mehr und versuchte sich mit immer neuen Luegen herauszureden.

Nach x-Mahnungen und Telefonaten wurde B angedroht, die Staatsanwaltschaft einzuschalten.

B schloss darauf seine 10.000-Rubel-OOO.

Eroeffnete 2 Wochen spaeter die naechste OOO und verkaufte absolut unbehelligt
die Waren von A weiter.

Staatsanwaltschaft St. Petersburg macht genau - nichts.

Das Schlimme ist noch garnicht einmal, dass das Geld verloren ist:

Es interessiert schlicht NIEMANDEN. [Danke] [Danke] [Danke]

Re: Justiz in Russland = Strafen für... ? Bestechung.. ?

Verfasst: 04 Dez 2011, 23:37
von zimdriver
Kamtschatkakarl kennt das Leben, das sich ausserhalb von Kaliningrad täglich abspielt ...
Es soll derlei Praktiken geben ...