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Re: Russland und die Korruption
Verfasst: 19 Okt 2011, 18:03
von bella_b33
pippie hat geschrieben:
Vielleicht hat er heute auch nur einen Nörgeltag und braucht nur seine Zeit bis zur Anzeige? :(
Nee, hab schon lang gewartet und dann in nem neuen Anlauf nochmal 10rub nachgeworfen.....kam nichts. Aber andererseits....13% Gebühren für Einige dieser Dinger aufm Flughafen hier. Wieder mal ein Grund mehr, etwas an Moskau herum zu nörgeln(ich mag Großstädte einfach nicht, wird sich auch nie ändern).
Ich werd wohl lieber wieder öfter zu Evroset gehen. So, nun aber BTT bitte, ich will Eure anregende Unterhaltung nicht weiter stören

. Hab ja meine Erfahrungen dazu schon geschildert.
Gruß
Silvio
Re: Russland und die Korruption
Verfasst: 19 Okt 2011, 18:23
von domizil
... ich möchte nochmal auf einen Klassiker - diesmal keinen sowjetisch-russischen - sondern einen der nicht mehr existierenden DDR-Kulturszene zurückkommen.
Manfred Krug (ja, ja, er kam von dort ... und war nicht immer Tatortkommissar) hat in einer sozialistischen Parodie gesagt:
"...das Flugwesen ... Genossen Bauern ... es entwickelt sich ...sozusagen ..."
In Anlehnung an seine weisen Worte: "... die Diskussion ... liebe Forumsteilnehmer ... sie entwickelt sich - sozusagen",
Aber pedantisch wie ich nun mal bin wollte ich an dieser Stelle auf meine Bitte beim Start des Themas hinweisen: Bitte keine Zustimmungen oder Ablehnungen oder die allgemeine oder spezielle Schilderung von Korruptionsfällen.
Ich stelle mir vor Medwedjew und Putin sitzen zusammen im Kreml und überlegen beide wie sie das Problem in den Griff bekommen. Mit dem gegenseitigen schildern des Ist-Zustandes kommen sie aber nicht weiter. Sie müssen den nächsten Schritt gehen: KONKRET - was tun?
Pippi hatte ein Beispiel aus Georgien aufgezeigt (Austausch des Personals). Wenn das nun aber nicht so komplett geht (komplett und in allen Bereichen), was kann man noch tun.
Stellt Euch doch einfach mal vor das Putin jetzt in seinem Amtszimmer im Kreml sitzt und im Internet "forum.aktuell.ru/..." aufgerufen hat und aktiv darauf wartet was Ihr schreibt um sich neue Anregungen zu holen ... Was er bisher gelesen hat wird er sagen: Alle kritisieren, alle sind unzufrieden, wie man es aber besser machen kann - da hat keiner was konkretes..." Könnten wir also hier konkreter werden?
Uwe Niemeier
Re: Russland und die Korruption
Verfasst: 19 Okt 2011, 18:45
von bella_b33
domizil hat geschrieben:Wenn das nun aber nicht so komplett geht (komplett und in allen Bereichen), was kann man noch tun.
Ein paar Leute ertappen, fristlos kündigen und dafür sorgen, daß sie den Rest des Lebens nur noch Straße kehren dürfen. Ich glaube vorm Verlust des Arbeitsplatzes hat JEDER von Denen Angst und Respekt. Natürlich will ich nicht nur Negatives nennen. Man sollte im Gegenzug den Jungs auch ein ordentliches Gehalt evtl. mit Prämien bieten(gerade damit nichtmehr "gebettelt" werden muss). Wenn die Korruption plötzlich weg ist, fließt dann ja auch richtig Geld in die Kassen

.
Re: Russland und die Korruption
Verfasst: 19 Okt 2011, 19:20
von warwara
domizil hat geschrieben:KONKRET - was tun?
bella_b33 hat geschrieben:Man sollte im Gegenzug den Jungs auch ein ordentliches Gehalt evtl. mit Prämien bieten
Das war auch mein erster Gedanke - z.B. den Milizionären, Personal im Krankenhaus oder an den Schulen/Hochschulen und natürlich auch allen anderen im öffentlichen Dienst ein Gehalt in der Höhe zahlen, dass sie damit zurecht kommen. Notfalls auch mit Moskau- oder St. Petersburg-Zuschlag...
Mein Mann hatte, als wir noch in Moskau wohnten, 2x wöchentlich Unterricht bei einer Russischlehrerin, die hauptberuflich Deutsch an der Lomonossow-Universität unterrichtet. Sie hat ihm mal erzählt, was sie monatlich dort verdient - das war ein vierstelliger Betrag im unteren Drittel (wobei ich nicht weiß, ob sie voll- oder halbtags gearbeitet hat, aber auch für halbtags wäre es wenig). Ohne ihre privaten Russischstunden hätte sie sich ihr Leben in Moskau gar nicht leisten können. Da hat jeder Hofarbeiter bzw. die Putzfrau in der Botschaft schon 4-5 Mal mehr verdient, von qualifizierteren Tätigkeiten gar nicht erst zu reden. Und dazu muss man sagen, dass die Deutsche Botschaft nicht der absolute Topzahler war - es gab immer Mecker unter den Ortskräften wegen der Gehälter.
Da muss man sich natürlich nicht wundern, wenn die Dozenten/Professoren die Hände bei der Uni-Zulassung aufhalten oder Ärzte sich schwarz für einen schnellere/bessere Behandlung nebenbei bezahlen lassen. Und wenn schon die Akademiker im Staatsdienst so schlecht bezahlt werden, also quasi die Elite, wie sollen sie dann einem einfachen Milizionär das Geld hinterher werfen? Da fragt sich nur, sind die Gehälter so gering, weil jeder weiß, dass das offizielle Einkommen möglicherweise inoffiziell aufgebessert wird oder wird das Einkommen illegal aufgebessert, weil es so gering ist? Wer war zuerst da, das Huhn oder das Ei?
Re: Russland und die Korruption
Verfasst: 19 Okt 2011, 19:34
von domizil
... danke, wir kommen in die richtige Richtung.
warwara hat geschrieben:Da fragt sich nur, sind die Gehälter so gering, weil jeder weiß, dass das offizielle Einkommen möglicherweise inoffiziell aufgebessert wird oder wird das Einkommen illegal aufgebessert, weil es so gering ist? Wer war zuerst da, das Huhn oder das Ei?
Wenn ich in der russischen Geschichte richtig orientiert bin, so geht diese "miese Bezahlung" von Peter dem Grossen" aus. Als dieser die russischen Zollorgane schuf soll er bewußt die Gehälter der Beamten niedrig angesetzt und dazu gesagt haben: "... und alles andere müßt ihr Euch selber dazu verdienen..."
Der Gedanke "Gehälter rauf" wird schon Schritt für Schritt umgesetzt (Polizei, Armee), der Gedanke: "Bei Illoyalität raus aus dem Staatsdienst, Beschäftigungsverbot usw." - ja, bei konsequenter Umsetzung ein gutes Druckmittel (ich glaube in Deutschland funktioniert das so).
Uwe Niemeier
Re: Russland und die Korruption
Verfasst: 19 Okt 2011, 19:35
von Apollo
In Georgien hat es über den Austausch des Personals bei angemessener Bezahlung geklappt.
Wenn man sich das Gehaltsgefüge anschaut, dann kommt man oft schnell auf den Punkt, dass Korruptionsgeld einfach Bestandteil des Gesamteinkommens ist, bzw. sein muss.
Aserbaidschan ist ja an der Spitze der Korruptionsbekämpfung, quasi traditionell, aber dort versucht man den ganzen Strafzahlungsverlehr nur noch elektronisch ablaufen zu lassen. Obs hilft oder nur wieder eine besonders ausgeklügelte Variante ist, darüber streiten sich die Geister.
Im geschäftlichen Bereich helfen nur klare Gesetze und Rechtssicherheit. Diese fehlende Rechtssicherheit ist aus deutscher Sicht eines der grössten Hindernisse deutscher, mittelständischer, Investiotionen in den CIS Staaten.
Re: Russland und die Korruption
Verfasst: 19 Okt 2011, 19:48
von warwara
domizil hat geschrieben:Wenn ich in der russischen Geschichte richtig orientiert bin, so geht diese "miese Bezahlung" von Peter dem Grossen" aus. Als dieser die russischen Zollorgane schuf soll er bewußt die Gehälter der Beamten niedrig angesetzt und dazu gesagt haben: "... und alles andere müßt ihr Euch selber dazu verdienen..."
Das ist ja interessant, wusste ich noch nicht. Vielen Dank, Herr Niemeier!
Und es ist ja interessanterweise genau der entgegengesetzte Ansatz wie beim deutschen Beamtentum, die man ja gerade deswegen "gut bezahlt" (ich schreibe das in Gänsefüßchen, weil das Grundgehalt eines Normalo-Beamten im Vergleich zur freien Wirtschaft ja nicht unbedingt höher ist, aber das Beamtentum ja dafür einige andere, nicht minder wichtige Vorteile bietet), damit sie sich nicht am Bürger schadlos halten müssen. Deswegen bekommt mein Mann (Beamter) sein Gehalt ja auch zum ersten des Monats, weil er alimentiert werden muss (hahaha!), und ich (als Angestellte) erst zum Ende des Monats.
Re: Russland und die Korruption
Verfasst: 19 Okt 2011, 19:55
von pippie
warwara hat geschrieben:... weil das Grundgehalt eines Normalo-Beamten im Vergleich zur freien Wirtschaft ja nicht unbedingt höher ist,..
Das war vor 20 Jahren noch so, inzwischen würde ich das nicht mehr unterschreiben.
Re: Russland und die Korruption
Verfasst: 19 Okt 2011, 19:59
von domizil
warwara hat geschrieben:aber das Beamtentum ja dafür einige andere, nicht minder wichtige Vorteile bietet)
... ich finde ein sehr guter Hinweis, denn wenn man den russischen Beamten genau so bezahlt wie in Deutschland, d.h.
- ein Gehalt was ihm ein gutes, normales Leben ermöglicht
- Steuerbefreiung (zahlt der Staat)
- Sozialkosten (Rente, Medizin usw.) zahlt der Staat
- und weitere "Leckerli"
und er diese Vorteile bei erwiesener Illoyalität alle verliert, und vielleicht sogar noch bei Androhung:
- Steuernachzahlung,
- Verlust der angesparten Rentensumme,
also er defacto wieder bei "Null" anfängt - könnte dies eine weitere mögliche Lösung sein.
Uwe Niemeier
Re: Russland und die Korruption
Verfasst: 19 Okt 2011, 20:00
von warwara
pippie hat geschrieben:warwara hat geschrieben:... weil das Grundgehalt eines Normalo-Beamten im Vergleich zur freien Wirtschaft ja nicht unbedingt höher ist,..
Das war vor 20 Jahren noch so, inzwischen würde ich das nicht mehr unterschreiben.
Das mag sein, Pippie, ich kenne die aktuellen Gehaltsstatistiken nicht, aber vielleicht sollte ich präzisieren: Das Grundgehalt eines A12-Beamten ist niedriger als das eines vergleichbaren E12-Angestellten (TVÖD Bund). Am Ende hat der Beamte natürlich trotzdem wesentlich mehr raus, weil er ja keine Renten- und weniger Sozialabgaben hat (bei uns konkret zahlt mein Mann z.B. mehr als 300 EUR monatlich weniger KV in seiner privaten als ich in meiner gesetzlichen).
Aber, ich glaube, wir schwenken schon wieder ab vom Thema. Herr Niemeier findet aber auch immer die Themen, wo man gut ins Schwadronieren geraten kann...
