Re: Vielleicht nicht so wichtig, aber …
Verfasst: 20 Jan 2013, 05:06
Als hochgradig altersnörgeliger Sack gebe ich mal meinen Senf zum Thema:
Meine Schulbildung habe ich in der britischen Besatzungszone, also dem zurzeit als Nordhein-Westfalen bezeichneten Teil Preußens erworben. Ja richtig: "erworben", denn meine Eltern und Großeltern mussten "Schulgeld" zahlen. Kostenlos war nur die achtklassige Volksschule. Das aufkommende Gejammer, Bildung sei von Geld abhängig, ist zwar verständlich, bezeichnet aber einen seit den Pharaonen, Platon und Cicero unveränderten Zustand. Umsonst gibt's nix auf der Welt, nicht mal Trinkwasser, wieso dann Bildung?
'Zu meiner Zeit' schlossen etwa 8 bis 15% der Schüler die Schule mit dem Abitur ab. Und das ging so: In der Sexta, heute volkstümlich fünfte Klasse genannt, saßen 40 Schüler, in der Oberprima (13. Klasse) noch zwölf. Wie sagt der Hesse: E bisje Schwund is immer. Aus diesem 'Schwund' sind brave Postbeamte, Buchhalter und Handwerker geworden, auf jeden Fall keine Arbeitslosen. Da ein Volk, wenn überhaupt, dann nur gaaaanz langsam über Generationen und Jahrhunderte klüger wird, kann die heutige Abiturientenquote von gut 50% nicht bei gleichbleibendem Qualitätsstandard von vor 40 Jahren erreicht werden. Wer also klügere Bürger will, muss die Leistungsanforderungen steigern (ungefähr so, dass das aktuelle Abitur zum Maßstab für den Realschulabschluss wird), die Abiturientenzahlen beschränken und - ganz wichtig - das Image der mittleren Reife und des Hauptschulabschlusses deutlich verbessern. Die nackten Schülerabschlusszahlen sagen überhaupt nichts Sinnvolles aus. Nur weil BMW die höchsten Produktionszahlen hat, Opel aber vor der Pleite steht, sind wir ja auch kein Volk von talentierteren Autofahrern geworden.
Wir haben ein phantastisches Berufsschulsystem. Kann mir jemand sagen, warum auch alle anderen Schultypen neuerdings auf ihren Nutzwert fürs Berufsleben und für 'die Wirtschaft' beurteilt werden? Schule dient nicht der Vorbereitung aufs Geldverdienen, sondern der Verwandlung eines menschenähnlichen Zellhaufens in einen mündigen Staatsbürger durch Verinnerlichung der sozialen, kulturellen und ethischen Grundlagen der abendländischen Gesellschaft. Erst danach beginnt die Ausbildung zu einem Beruf.
Unter diesen Gesichtspunkten sind Pisa- und ähnliche Untersuchungen von geringem Sinn und Nutzen. Unter Bildung und kulturellen Fertigkeiten versteht jeder Mensch, jede Gesellschaftsschicht und jedes Land etwas anderes. Der deutsche Autokäufer kontrolliert das Spaltmaß von Tür und Motorhaube, der amerikanische Fließbandarbeiter wusste gar nicht, dass es sowas gibt. In den östlichen Staaten wurde und wird m.W. immer viel Wert aufs Lernen von Fakten gelegt. In den westlichen Ländern stehen (leider?) eher die Strukturen und Zusammenhänge im Vordergrund. Deswegen sagt ein Platz in einer Tabelle überhaupt nichts aus.
Unmaßgebliche Meinung von:
Armin
Meine Schulbildung habe ich in der britischen Besatzungszone, also dem zurzeit als Nordhein-Westfalen bezeichneten Teil Preußens erworben. Ja richtig: "erworben", denn meine Eltern und Großeltern mussten "Schulgeld" zahlen. Kostenlos war nur die achtklassige Volksschule. Das aufkommende Gejammer, Bildung sei von Geld abhängig, ist zwar verständlich, bezeichnet aber einen seit den Pharaonen, Platon und Cicero unveränderten Zustand. Umsonst gibt's nix auf der Welt, nicht mal Trinkwasser, wieso dann Bildung?
'Zu meiner Zeit' schlossen etwa 8 bis 15% der Schüler die Schule mit dem Abitur ab. Und das ging so: In der Sexta, heute volkstümlich fünfte Klasse genannt, saßen 40 Schüler, in der Oberprima (13. Klasse) noch zwölf. Wie sagt der Hesse: E bisje Schwund is immer. Aus diesem 'Schwund' sind brave Postbeamte, Buchhalter und Handwerker geworden, auf jeden Fall keine Arbeitslosen. Da ein Volk, wenn überhaupt, dann nur gaaaanz langsam über Generationen und Jahrhunderte klüger wird, kann die heutige Abiturientenquote von gut 50% nicht bei gleichbleibendem Qualitätsstandard von vor 40 Jahren erreicht werden. Wer also klügere Bürger will, muss die Leistungsanforderungen steigern (ungefähr so, dass das aktuelle Abitur zum Maßstab für den Realschulabschluss wird), die Abiturientenzahlen beschränken und - ganz wichtig - das Image der mittleren Reife und des Hauptschulabschlusses deutlich verbessern. Die nackten Schülerabschlusszahlen sagen überhaupt nichts Sinnvolles aus. Nur weil BMW die höchsten Produktionszahlen hat, Opel aber vor der Pleite steht, sind wir ja auch kein Volk von talentierteren Autofahrern geworden.
Wir haben ein phantastisches Berufsschulsystem. Kann mir jemand sagen, warum auch alle anderen Schultypen neuerdings auf ihren Nutzwert fürs Berufsleben und für 'die Wirtschaft' beurteilt werden? Schule dient nicht der Vorbereitung aufs Geldverdienen, sondern der Verwandlung eines menschenähnlichen Zellhaufens in einen mündigen Staatsbürger durch Verinnerlichung der sozialen, kulturellen und ethischen Grundlagen der abendländischen Gesellschaft. Erst danach beginnt die Ausbildung zu einem Beruf.
Unter diesen Gesichtspunkten sind Pisa- und ähnliche Untersuchungen von geringem Sinn und Nutzen. Unter Bildung und kulturellen Fertigkeiten versteht jeder Mensch, jede Gesellschaftsschicht und jedes Land etwas anderes. Der deutsche Autokäufer kontrolliert das Spaltmaß von Tür und Motorhaube, der amerikanische Fließbandarbeiter wusste gar nicht, dass es sowas gibt. In den östlichen Staaten wurde und wird m.W. immer viel Wert aufs Lernen von Fakten gelegt. In den westlichen Ländern stehen (leider?) eher die Strukturen und Zusammenhänge im Vordergrund. Deswegen sagt ein Platz in einer Tabelle überhaupt nichts aus.
Unmaßgebliche Meinung von:
Armin