Gunnar hat geschrieben:..die darüberstehenden und unabdingbaren Grundrechte des einzelnen Individuums ...
Im Prinzip kann man dem ja kaum widersprechen ...
Nur es gibt etwas, was wohl für den einzelnen noch darüber stehen kann und wohl auch darf. Nämlich das Recht auf ein würdevolles und gesichertes Leben.
Ich will damit sog. demokratische Grundrechte nicht relativieren.
Nur ist es nicht so, dass viele Russen der Überzeugung sind, Putin habe wirtschaftlich für sie viel getan oder auch in Bereichen nationaler Würde,
und deshalb empfinden viele demokratische Grundrechte eher als sekundäre Luxusgüter?
Und haben nicht auch diese Menschen das Recht, ihre Prioritäten erfüllt zu bekommen?
Oder sich einfach mangels Alternativen aus Kommunisten, Nationalisten oder schwache, westorientierte Liberale für Putin zu entscheiden?
Ich meine einfach zu sehen, dass viele Russen glauben, dass Putin mehr für ihre Menschenrechte (auf ein würdiges Leben) tut, als seine Vorgänger oder aktuellen Konkurrenten ..
Und das sollte man einfach in DEU beachten, dass den Menschen Sicherheit, Nahrung, Medizin, Bildung für die Kinder wichtiger sind
als ungetrübte Pressefreiheit, Demonstrationsrechte für Minderheiten oder eine faire Chance für die Opposition.
Und wie sieht es aus mit europäischer Kritik an den USA?
Ist es nicht auch ein eklatanter Verstoß gegen die Menschenrechte, was dort geschieht, und damit meine ich noch nicht einmal Guantanamo ..
2008 befanden sich über 2,4 % der Bevölkerung der USA entweder im Gefängnis (2,3 Millionen) oder sie waren zur Bewährung (4,3) oder zur Haftaussetzung (0,828) auf freiem Fuß. (weltweit Nr. 1 releativ wie absolut)
United Nations Office on Drugs and Crime (UNODC)
www.unodc.org
Im Januar 2010 hat Feeding America (FA), früher America’s Second Harvest genannt, ihren Bericht „Hunger in America 2010.“ publiziert. Die in Chicago beheimatete Organisation betreut jährlich 37 Millionen Personen. Nach ihren Umfrageergebnissen bekommen 37 Millionen Menschen in den USA, davon 14 Millionen Kinder und 3 Millionen Senioren, nicht genug zu essen.
Die Hilfsorganisation New York Food Bank gab im Juni 2008 bekannt, dass drei Millionen New Yorker, also mehr als jeder dritte, nicht genug Geld für Lebensmittel haben. 2007 nahmen 1,3 Millionen New Yorker die Hilfe von Suppenküchen in Anspruch.
Zur Gesundheit: 45,7 Millionen oder 15,3 % der rund 300 Millionen Einwohner sind weder privat krankenversichert, noch können sie staatliche Hilfe beanspruchen. In medizinischen Notfällen sind Krankenhäuser unter dem Emergency Medical Treatment and Labor Act (EMTALA) gesetzlich verpflichtet, unversicherte oder nicht ausreichend versicherte Patienten auch dann in der Notaufnahme zu behandeln, wenn absehbar ist, dass diese die Rechnung nicht bezahlen können.
56 % der Nichtversicherten können sich eine Krankenversicherung nicht leisten, erfüllen aber auch nicht die Voraussetzungen für ein staatliches Hilfsprogramm.
Bei Gesundheitsproblemen, die (noch) nicht die Stufe eines medizinischen Notfalls erreichen, dürfen solche Patienten aber abgewiesen werden!!!
Da Unversicherte nicht dieselbe Marktmacht haben wie Krankenversicherungen, sind sie nicht in der Lage, die Preise mit Ärzten oder Krankenhäusern so auszuhandeln, wie es Krankenversicherungen können. Sie müssen oftmals zweieinhalb Mal so viel für in Anspruch genommene Leistungen zahlen wie versicherte Patienten. Zwar haben auch zahlungsunfähige Unversicherte gemäß EMTALA Anspruch auf eine Notfallversorgung. Als ein großes Problem wird aber angesehen, dass die EMTALA nur medizinische Notfalldienste abdeckt, aber keine Nachsorge; die Krankheiten werden also zumeist nicht geheilt.
Nach einer Studie der Harvard Medical School und der University of Washington School of Medicine haben Nichtversicherte gegenüber Versicherten ein um 25 % höheres Risiko, an einer Krankheit zu sterben.
Nach dieser Studie sterben jedes Jahr 45.000 Nichtversicherte aufgrund der schlechteren medizinischen Betreuung, bei normaler medizinischer Behandlung seien diese Todesfälle vermeidbar.
Während nur 10,4 % der weißen Bevölkerung keinen Krankenversicherungsschutz hat, betrifft dies 19,5 % der Afroamerikaner, 16,8 % der Asiaten und 32,1 % der Hispanics.Unter den Nichtversicherten sind 8,1 Mio. Kinder und 8,0 Mio. junge Erwachsene in einem Alter zwischen 18 und 24 Jahren. In dem Bevölkerungssegment der jungen Erwachsenen sind 28,1 % nicht versichert.
http://www.youtube.com/watch?v=FOCpOZ4txvs
David U. Himmelstein, Elizabeth Warren, Deborah Thorne und Steffie Woolhandler von der Harvard University befragten stichprobenartig 1.771 Personen, die im Jahre 2001 ihre Zahlungsunfähigkeit erklärten und durch eine Eingabe an ein Gericht, Schutz vor Gläubigern beantragt hatten. Diese Form der persönlichen Insolvenz ("bankruptcy") und des Schutzes vor totalen Folgen ist in den USA weitverbreitet: In 2001 waren es fast 1,5 Millionen Individuen oder Ehepaaare, was einen 360 Prozent-Anstieg seit 1980 bedeutet.
Die in der Zeitschrift "Health Affairs" im Februar 2005 unter der Überschrift "Illness and injury as contributors to bankruptcy" veröffentlichten Ergebnisse lauteten u.a.: Ungefähr die Hälfte der "Bankruptcy"-Fälle beruhten auf der Finanzierung medizinischer Behandlung. Insgesamt (Antragsteller plus Familienangehörige) 1,9 bis 2,2 Millionen US-Amerikaner machten also 2001 Erfahrungen mit "medical bankruptcy".
Ich will die Menschenrechtsverletzungen in RUS nicht relativieren.
Aber das Recht auf ein würdiges Leben gehört in die Betrachtung hinein.
Das gilt auch für DEU.
Müssten wir uns nicht auch für die aus wirtschaftlichen Gründen vernachlässigten und sterbenden Menschen in unseren Hemisphären einsetzen?
Von den Millionen Afrikanern, die wir jährlich verhungern lassen, nicht zu sprechen.
Müssten wir uns nicht auch um die Millionen Deutsche kümmern, deren Menschenrechte langsam ausgehöhlt werden?
Und nicht immer nur mit unseren Lösungen andere bevormunden?