Seite 3 von 3

Re: Nach Studium sofort nach Russland versetzt...

Verfasst: 05 Aug 2013, 08:30
von Norbert
GIN hat geschrieben:Die Fachkraft kommt aus Ostdeutschland und spricht sehr gut die Sprache. Hier in der Schweiz wurde nie gesucht, es gibt wohl auch keine passende Kraft die in dem Bereich spezialisiert sein könnte. Medtec usw bringt uns hier nicht viel, die russische Sprache wichtig und Deutsch muss klappen. Desweiteren kann unsere neugegründete Tochter nicht mehr zahlen. 8620 CHF in Rubeln zum russischen Vertrag würde sich auf das Lohngefüge unnormal auswirken. Der Geschäftsführer hat nicht einmal so ein Gehalt und trägt grösste Verantwortung. Unsere Warengruppe wird von uns nicht produziert, die Margen sind anders als die WTO -Erwartung durch die neuen Importgesetze dünner geworden und immerhin ist das zu den russischen Kollegen mit 10 Jahren Berufserfahrungen das doppelte Gehalt.
Mir ist schon klar, dass Ihr nicht in der Schweiz gesucht habt - Deutschland ist da ja dank der Russlanddeutschen viel ergiebiger. Aber was ich meine: Wenn Ihr eine Fachkraft nach Moskau locken will und diese Person nicht zufällig aufgrund blinder Verliebtheit unbedingt nach Russland will, dann müsst Ihr entsprechend dem weltweiten Markt bieten.

Wenn ich als Spezialist auf Arbeitssuche bin und mir bietet jemand 2,5 Millionen Rubel in Moskau und jemand anderes 8600 Franken in Zürich - dann entscheide ich mich natürlich für Zürich. Die Mieten und Kosten sind bei "westlichem Lebensstil" vergleichbar, die Lebensqualität ist in Zürich deutlich höher. Fachkräfte werden in beiden Städten gesucht.

Und dann ist es mir als Bewerber piepegal, wie viel Euer Geschäftsführer verdient und wie die Margen sind - wenn das für den nötigen Spezialisten zu kalkulierende Gehalt nicht drin ist, ist das Business nicht überlebensfähig. Beziehungsweise man muss damit leben, dass man ein Jahr lang sucht, bis man Glück hat und einen Ostdeutschen findet, der seinen Marktwert nicht kennt.

Klingt brutal, ist aber so. ;)

Re: Nach Studium sofort nach Russland versetzt...

Verfasst: 05 Aug 2013, 12:27
von inorcist
Sorry Norbert, aber ganz kann ich dir da nicht recht geben. Deiner Logik nach müssten ja alle deutschen Ingenieure dann nach Zürich ziehen. Das Lohnniveau ist dort ja ca. 30% höher und die Steuern sind signifikant niedriger. Ich denke, persönliche Präferenzen spielen schon noch eine Rolle.

Und für meinen Part bin ich froh, dass ich mit 27 Zürich hinter mir lassen und nach Moskau ziehen konnte. Zürich ist zwar schön, hat eine perfekte Infrastruktur und einen hohen Lebensstandard, aber die Stadt ist auch extrem langweilig. Und die Lebenshaltungskosten sind aus meiner subjektiven Sicht 20% höher als in Moskau - bei gleichem Lebensstil.

PS: Ich konnte beim Wechsel allerdings auch einen höheren Gehalt aushandeln 8)

Re: Nach Studium sofort nach Russland versetzt...

Verfasst: 05 Aug 2013, 12:48
von Norbert
inorcist hat geschrieben:Sorry Norbert, aber ganz kann ich dir da nicht recht geben. Deiner Logik nach müssten ja alle deutschen Ingenieure dann nach Zürich ziehen. Das Lohnniveau ist dort ja ca. 30% höher und die Steuern sind signifikant niedriger. Ich denke, persönliche Präferenzen spielen schon noch eine Rolle.
Ich denke es sind auch deutlich mehr deutsche Ingenieure in Zürich als in Moskau, oder?

Meine Argumentation ist einfach: Wer keine (!) persönlichen Präferenzen hat, der schaut vorrangig aufs Geld. Und da gibt es doch keinen Grund, sich für Moskau zu entscheiden, wenn dabei ein Drittel weniger abfällt als in Zürich.

Die Erfahrung von GINs Tochter zeigt ja, dass ich damit offensichtlich nicht grundsätzlich falsch liege - sonst hätten sie ja bei dem an sich nicht schlechten Lohn kein ganzes Jahr gesucht.

Re: Nach Studium sofort nach Russland versetzt...

Verfasst: 07 Aug 2013, 00:15
von GIN
Norbert hat geschrieben:
GIN hat geschrieben:Die Fachkraft kommt aus Ostdeutschland und spricht sehr gut die Sprache. Hier in der Schweiz wurde nie gesucht, es gibt wohl auch keine passende Kraft die in dem Bereich spezialisiert sein könnte. Medtec usw bringt uns hier nicht viel, die russische Sprache wichtig und Deutsch muss klappen. Desweiteren kann unsere neugegründete Tochter nicht mehr zahlen. 8620 CHF in Rubeln zum russischen Vertrag würde sich auf das Lohngefüge unnormal auswirken. Der Geschäftsführer hat nicht einmal so ein Gehalt und trägt grösste Verantwortung. Unsere Warengruppe wird von uns nicht produziert, die Margen sind anders als die WTO -Erwartung durch die neuen Importgesetze dünner geworden und immerhin ist das zu den russischen Kollegen mit 10 Jahren Berufserfahrungen das doppelte Gehalt.
Mir ist schon klar, dass Ihr nicht in der Schweiz gesucht habt - Deutschland ist da ja dank der Russlanddeutschen viel ergiebiger. Aber was ich meine: Wenn Ihr eine Fachkraft nach Moskau locken will und diese Person nicht zufällig aufgrund blinder Verliebtheit unbedingt nach Russland will, dann müsst Ihr entsprechend dem weltweiten Markt bieten.

Wenn ich als Spezialist auf Arbeitssuche bin und mir bietet jemand 2,5 Millionen Rubel in Moskau und jemand anderes 8600 Franken in Zürich - dann entscheide ich mich natürlich für Zürich. Die Mieten und Kosten sind bei "westlichem Lebensstil" vergleichbar, die Lebensqualität ist in Zürich deutlich höher. Fachkräfte werden in beiden Städten gesucht.

Und dann ist es mir als Bewerber piepegal, wie viel Euer Geschäftsführer verdient und wie die Margen sind - wenn das für den nötigen Spezialisten zu kalkulierende Gehalt nicht drin ist, ist das Business nicht überlebensfähig. Beziehungsweise man muss damit leben, dass man ein Jahr lang sucht, bis man Glück hat und einen Ostdeutschen findet, der seinen Marktwert nicht kennt.

Klingt brutal, ist aber so. ;)
2.5 Millionen Rubel Brutto (ca. 60'000 Euro Anfangsgehalt)im Jahr ist ein vollkommen gutes und angemessenes Gehalt in Moskau für einen Ingenieur der Maschinenbau studiert hat, der noch keine wirkliche Berufserfahrung hat und nur mit seiner Grundausbildung und sein Sprachwissen punkten kann. Ich hatte nach meinem Studium erst einmal 1700 Franken im Monat als ich dann nach 6 Jahren auf die 80'000 Franken im Jahr gekommen bin. Für die Schweiz zu dieser Zeit ein gutes Gehalt für einen Ingenieur.

Die russischen Techniker und Ingenieure haben ein deutlich niedriges Gehalt bei uns und vor einem Jahr wurde der russische Markt aus der Ukraine betreut, dort verdienen unsere Techniker und Ingenieure noch einmal weniger. Diese Löhne bilden bei Werkzeugmaschinen einen vollkommen normalen Rahmen. Wir haben gerade einmal 7 Angestellte in Moskau, in Kiew sind es nach 2 1/2 Jahren schon 72 und in Taschkent haben wir 12 nach 3 Jahren. Du vermengst die Branchen, in der Schweiz ist kaum etwas mit Werkzeugmaschinen .... die Wirtschaft ist eher auf Medtech, Biotech und Pharma... Der Grund wieso in Deutschland gesucht wurde hatte mit der Ausbildung im bereich Werkzeugmaschinen zu tun, nicht die etwaige Chance eine billige Fachkraft zu finden der seinen "Wert" nicht kennt.
Des Weiteren würde bei uns die einheimischen "Fachkräfte" nicht ohne die Umschlge arbeiten ;-) etwas was Westler nicht unbedingt einfordert.

Re: Nach Studium sofort nach Russland versetzt...

Verfasst: 07 Aug 2013, 00:20
von GIN
Norbert hat geschrieben:
inorcist hat geschrieben:Sorry Norbert, aber ganz kann ich dir da nicht recht geben. Deiner Logik nach müssten ja alle deutschen Ingenieure dann nach Zürich ziehen. Das Lohnniveau ist dort ja ca. 30% höher und die Steuern sind signifikant niedriger. Ich denke, persönliche Präferenzen spielen schon noch eine Rolle.
Ich denke es sind auch deutlich mehr deutsche Ingenieure in Zürich als in Moskau, oder?

Meine Argumentation ist einfach: Wer keine (!) persönlichen Präferenzen hat, der schaut vorrangig aufs Geld. Und da gibt es doch keinen Grund, sich für Moskau zu entscheiden, wenn dabei ein Drittel weniger abfällt als in Zürich.

Die Erfahrung von GINs Tochter zeigt ja, dass ich damit offensichtlich nicht grundsätzlich falsch liege - sonst hätten sie ja bei dem an sich nicht schlechten Lohn kein ganzes Jahr gesucht.
In Zürich gibts keine Jobs im Bereich Werkzeugmaschinen. Wo sollen denn die Jobs in Zürich sein? bis auf ein paar Schleifmaschinenproduzenten die 40% ihrer Wertschöpfung sowieso in Deutschland machen gibts da keine Jobs. Wenn Werkzeugmaschinen Jobs dann in Sankt Gallen, Berner Oberland, Jura und Biel.
Der junge Mann hatte mehrere Angebote und er überlegte zwischen SüdWestdeutschland und Moskau. Unsere Tochter bot ihm genau das gleiche Bruttogehalt an wie das Angebot aus Südwestdeutschland. Es scheint das die Löhne in Südwestdeutschland und Moskau somit vergleichbar sind und wir somit Marktpreise zahlen können.

Re: Nach Studium sofort nach Russland versetzt...

Verfasst: 07 Aug 2013, 00:27
von David_87
Sie boten ihm über 60.000 einstiegsgehalt in Deutschland an? Hört man sehr selten

Re: Nach Studium sofort nach Russland versetzt...

Verfasst: 07 Aug 2013, 00:31
von GIN
David_87 hat geschrieben:Sie boten ihm über 60.000 einstiegsgehalt in Deutschland an? Hört man sehr selten
Seine Aussage, kann natürlich auch vorgeschoben sein um den Preis hochzutreiben. Spricht für seine Qualitäten.

Re: Nach Studium sofort nach Russland versetzt...

Verfasst: 07 Aug 2013, 12:49
von Norbert
Ich sehe es ja auch so, GIN. Keine Sorge. Ich wollte nur darauf hinweisen, dass es mich nicht wundert, dass Ihr trotz vernünftigem Lohn ein Jahr lang suchen musstet.

(Unsere russischen Mitarbeiter erwarten übrigens keine Umschläge, bekommen aber grundsätzlich schon vernünftige Löhne.)

Re: Nach Studium sofort nach Russland versetzt...

Verfasst: 07 Aug 2013, 13:06
von inorcist
Eigentlich kenne ich es auch eher umgekehrt. In Moskau will kaum jemand mehr Umschläge und Unternehmen die grau bezahlen werden eher gemieden.

Und selbst in den Provinzen findet langsam ein Umdenken statt. Der Vater meiner Freundin leitet die IT-Abteilung eines grösseren Unternehmens in Woronesch und meinte, seit ca. 2 Jahren verlangen Bewerber absolut weisse Saläre, mit Umschlägen geht nichts mehr.

Re: Nach Studium sofort nach Russland versetzt...

Verfasst: 10 Aug 2013, 12:53
von Jochen
GIN hat geschrieben:
Die Fachkraft kommt aus Ostdeutschland und spricht sehr gut die Sprache.
Von einem 27jährigen Absolventen als Fachkraft zu sprechen finde ich schon etwas gewagt.