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Re: Steuersätze
Verfasst: 28 Okt 2013, 14:41
von Berlino10
Ja, unternehmerische Leistung, Risiko muss mehrfach belohnt werden.
Die Flattax ging wohl anfänglich nicht anders ... aber langsam müsste man schon umdenken.
Und machen nicht eine Lehrerin oder ein Arzt auch einen vernünftigen Job?
Wie kann es sein, dass sie wie hier in Volgograd dafür nur 18.-25.000rub bekommen?
Davon kann doch niemand leben?
Meine Freundin bekommt für ihre 70m2 Wohnung 25.000rub Miteinnahmen.
Zumindest nicht allein, ohne geerbtes Wohneigentum und vor allem nicht ohne Korruptionsannahme und Betrügereien ...
Re: Steuersätze
Verfasst: 28 Okt 2013, 15:04
von bella_b33
Okay, bei uns sind das 36% insgesamt, laut unserer Buha, wie sich das genau zusammensetzt, weiß ich jetzt nicht - nur die 13% Steuern waren mir im Kopf.
Gruß
Silvio
Re: Steuersätze
Verfasst: 29 Okt 2013, 08:10
von Zejtnot
Berlino10 hat geschrieben:Die Flattax ging wohl anfänglich nicht anders ... aber langsam müsste man schon umdenken.
Jetzt muss ich als Unternehmer sprechen: Für uns war schon die Abschaffung der Rabatte der Sozialsteuer für KMU ein echter Hammer - von heute auf morgen statt 14 % plötzlich rund 30 % Lohnnebenkosten.
Käme jetzt noch eine Abschaffung der Flattax, wäre dies eine Katastrophe. Denn wie schon gesagt: Lohngespräche werden immer über Nettolöhne geführt. Da der Arbeitsmarkt (zumindest in meiner Branche) vollkommen ausgelaugt ist, müssten wir eine Steuererhöhung auf mittlere und hohe Einkommen (welche wir zahlen) durch Lohnerhöhungen ausgleichen. Die Folge wäre, dass etliche Hochtechnologiefirmen ihre Investitionen in Russland zurückfahren würden - was den Zielen der russischen Wirtschaftspolitik widerspricht. Schon jetzt lohnt sich Export aus Russland kaum noch (außer Rohstoffe) - dies wäre in meinen Augen das Todesurteil.
Russlands Problem sind ja nicht die Steuereinnahmen - die Rohstoffsteuern ermöglichen ja einen ausgeglichenen Haushalt.
Und machen nicht eine Lehrerin oder ein Arzt auch einen vernünftigen Job?
Wie kann es sein, dass sie wie hier in Volgograd dafür nur 18.-25.000rub bekommen?
Davon kann doch niemand leben?
Ich finde hier bewegt sich einiges. Die Löhne für Lehrer und Polizisten wurden doch die letzten Jahre mehrfach angehoben. Und auch dies kann nicht von heute auf morgen erfolgen. Ferner kenne ich Ärzte, die bewusst halbtags in staatlichen Kliniken arbeiten, wegen der sozialen Absicherung und den kostenlosen Weiterbildungen. Halbtags dann in privaten Kliniken zum Geldverdienen.
Meine Freundin bekommt für ihre 70m2 Wohnung 25.000rub Miteinnahmen.
Ja, dies ist so gesehen "nicht gerecht". Der Immobilienmarkt ist in allen BRIC-Ländern vollkommen überhitzt.
Re: Steuersätze
Verfasst: 29 Okt 2013, 11:55
von Berlino10
Zejtnot hat geschrieben: Russlands Problem sind ja nicht die Steuereinnahmen - die Rohstoffsteuern ermöglichen ja einen ausgeglichenen Haushalt.
Du bist sicher tiefer und besser drin. Und ich wage von aussen auch keine konkreten operativen Maßnahmen vorzuschlagen.
Aber ich sehe schon, dass aus RUS hinsichtlich der Einkommens- und Vermögenssituation eines der kränksten und asozialsten Länder der Welt geworden ist.
Und ich bezweifle sehr stark, dass man selbst nur eine Verschlimmerung wird nicht ohne Änderung des Steuersystems verhindern können und/oder
indem man an das ergaunerte 35%Volksvermögen der Top135 herangeht. Will man die etwa ungeschoren lassen?
Der Staatshaushalt mag ausgeglichen sein, aber auch nur, weil der Staat nicht die notwendigen Leistungen, Entlohnungen erbringt.
Re: Steuersätze
Verfasst: 29 Okt 2013, 12:29
von Simone
Das ganze Thema nochmal in Deutsch:
http://portal.wko.at/wk/format_detail.w ... &dstid=632
Vergrößerung des versicherungspflichtigen Personenkreises hinsichtlich des Pensionsfonds
http://www.roedl.com/ru/de/publikatione ... _2013.html
Re: Steuersätze
Verfasst: 29 Okt 2013, 12:50
von Zejtnot
Berlino10 hat geschrieben:Aber ich sehe schon, dass aus RUS hinsichtlich der Einkommens- und Vermögenssituation eines der kränksten und asozialsten Länder der Welt geworden ist.
Das möchte ich eben bezweifeln. Schau nach China, schau (die rasant wachsenden) Rohstoffländer in Afrika an, etc.
Sicher, wenn man es mit dem alten Europa vergleicht, so passt Deine Einschätzung vollkommen. Im Vergleich zu anderen BRICS ist es normal.
Re: Steuersätze
Verfasst: 29 Okt 2013, 13:19
von Berlino10
Ok stimmt wohl, ich vergleiche mit USA, Europa, ... aber war das richtig, notwendig, hilfreich für das Land, dass sich 135 Leute 35% geschnappt haben?
Hat das RUS nach vorne gebracht? - mMn sicher nicht.
Ist es unumkehrbar? - mMn doch nicht? (Du kannst sicher besser beurteilen wie weit so etwas gehen könnte, ohne der Wirtschaft über Gebühr zu schaden.)
Wirtschaften hat zum Wohle der Gesellschaft zu erfolgen.
Ungleichheit ist dabei ein notwendiges Ergebnis erzielter und honorierter Leistungen, die notwendig sind, um den Kuchen überhaupt entstehen und wachsen zu lassen.
Enteignungen sind normal ein alles zerstörendes Instrument, nur welche nicht kriminellen Leistungen haben denn die Oligarchen in wenigen Jahren der 90er erbracht?
RUS verschenkt mMn damit Rendite- und Verteilungs-Potential für Unternehmen u.a., das als Anreiz für zukünftige Leistung dienen könnte und für dringend notwendige, staatliche Leistungen. Und das Land so weiter nach vorne brächte.
Re: Steuersätze
Verfasst: 29 Okt 2013, 13:58
von Zejtnot
Ich bin ganz Deiner Meinung, aber eine progressive Einkommenssteuer würde am Status der 135 Verbrecher leider wenig ändern.
Re: Steuersätze
Verfasst: 31 Okt 2013, 22:58
von GIN
Nur noch eine Enteignung würde helfen durch eine Erbschaftssteuer auf Vermögen über 100 Millionen Euro. So könnte nach dem Tod Abramowitsch und Co das Eigentum wieder nationalisiert werden. Ich vermute die Beamtenschaft hätte aber was dagegen.
Re: Steuersätze
Verfasst: 01 Nov 2013, 11:57
von Dietrich
GIN hat geschrieben:Nur noch eine Enteignung würde helfen durch eine Erbschaftssteuer auf Vermögen über 100 Millionen Euro. So könnte nach dem Tod Abramowitsch und Co das Eigentum wieder nationalisiert werden. Ich vermute die Beamtenschaft hätte aber was dagegen.
Das meiste Vermögen dieser 135 liegt doch so und so schon im Ausland. Damit würde man also nur die Erben dieser Leute außer Landes treiben. Wobei.... wäre unter Umständen schon ein kleiner Schritt in die richtige Richtung.