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Re: Russische Medien

Verfasst: 18 Mär 2014, 06:33
von Zejtnot
Nun nimmt sich n-tv mal diesem Thema unter jenem Aspekt an, der mich verwundert hatte: http://www.n-tv.de/politik/Die-Maer-vom ... 78666.html Wenn man eine banale Online-Petition zu einer Abstimmung hochstilisiert, dann ist das schon reichlich absurd. Zumal ja im russischen Fernsehen selbst von Demonstrationen berichtet wird, über welche ich nicht einmal nennenswerte Materialen finden kann.
Kai-Uwe Mischo hat geschrieben:Man sollte also nicht vergessen das man keinerlei Beweisse hat das Russland seine MEDIEN GEZIELT KOORDIENIERT, und solnage man das nicht kann, sollte man doch vorsichtiger sein mit der Unterstellung Russland mache Propaganda ausser man kann es beweissen.
Ich bin wahrlich kein Fan von Russland-Hetze, aber dies ist nun wirklich etwas blauäugig. Ich vermute mal, dass Du kein russisches TV verfolgst. Oder keine russischen Online-Medien liest.

Davon auszugehen, dass die Sperrung verschiedener kritischer Nachrichtenportale letzte Woche ohne Ziel verfolgt wurde, dass der Gründer des größten sozialen Netzwerks ohne Ziel zum Verkauf gezwungen wurde (und direkt danach etliche ukrainische Gruppen geschlossen wurden), dass die Kündigung der kritischen Chefredakteure von Echo Moskau und lenta.ru zufällig erfolgte, etc. ... nun ja, so kann man denken, aber es ist wirklich etwas viel Zufall zur selben Zeit.

Natürlich kann man die Meinung haben, dass dies aus patriotischer Sicht korrekt ist. Aber ich finde es erschreckend, wenn ich vor Ort sehe, wie diese Medienpolitik normale Menschen zunehmend manipuliert. Menschen, mit denen man vor Kurzem noch normal reden konnte, haben in kürzester Zeit ein Weltbild angenommen, was mir wirklich das Fürchten lehrt. Das mag man aus Spiesen-Elversberg relativ locker sehen, aus Novosibirsk macht es mir Angst.

Re: Russische Medien

Verfasst: 18 Mär 2014, 06:57
von fugen
Zejtnot, ich glaube Du siehst es zu ernst :-)

Sieh es mal von der Seite dass Du so was dazulernst. Ohne die russischen Sender, die eine Mücke zum Elefanten aufblasen, hättest Du nie erfahren, dass es eine weitere Ecke in Europa gibt, wo es rumort ;-)
Und wir gehören zu der "glücklichen Minderheit" die es von beiden Seiten lesen kann ;-)

Mir ist es bewusst dass die russischen Medien jeden kleinen Kratzer in Europa aufbauschen um die einfach gestrickten Leute, die Jeder in der Familie hat, in die Fänge zu bekommen

Re: Russische Medien

Verfasst: 18 Mär 2014, 08:34
von Zejtnot
fugen, mich beunruhigt daran, dass es in der Geschichte ähnliche Ereignisse gab, wo am Ende Völker mit Hurra die halbe Welt erobern wollten. Und auch da ging es los mit dem Anschluss von Nachbarregionen, die historisch zum Land gehörten und wo zunächst nur die Landsleute geschützt werden mussten. (Macht Euch mal die Mühe und vergleicht den Ablauf der Annektion des Sudentenlandes mit den aktuellen Abläufen auf der Krim. Es ist wirklich gruselig, wenn man es unter diesem Aspekt sieht.)

Disclaimer: Ich will mit diesem Posting nicht infrage stellen, dass es diverse Argumente gibt, dass Russland die vertraglich 1990 ausgeschlossene Ausweitung der NATO nicht unbegrenzt hinnehmen muss. Mich besorgt die Art und Weise, wie dies dem eigenen Volk präsentiert wird.

Re: Russische Medien

Verfasst: 18 Mär 2014, 12:26
von Jenenser
Zejtnot hat geschrieben: Natürlich kann man die Meinung haben, dass dies aus patriotischer Sicht korrekt ist. Aber ich finde es erschreckend, wenn ich vor Ort sehe, wie diese Medienpolitik normale Menschen zunehmend manipuliert. Menschen, mit denen man vor Kurzem noch normal reden konnte, haben in kürzester Zeit ein Weltbild angenommen, was mir wirklich das Fürchten lehrt. Das mag man aus Spiesen-Elversberg relativ locker sehen, aus Novosibirsk macht es mir Angst.
Diese Ansicht beobachte ich leider auch in Deutschland. Nicht nur der: “Diktator Putin hat sie nicht mehr alle“, sondern die Russen allgemein. Das Hurra des Volkes bei jedem Treffer gegen Russland ist schon zu hören. Sehr gefährlich!
fugen hat geschrieben:Und wir gehören zu der "glücklichen Minderheit" die es von beiden Seiten lesen kann ;-)
Leider ist es nur eine Minderheit!

Und Zejtnot, noch eine Frage, weil heute der 18. März ist.
Wie hast Du in Dresden den 18. März 1990 empfunden?

Re: Russische Medien

Verfasst: 18 Mär 2014, 12:37
von fugen
Zejtnot, mach dir keine Sorgen, Geschichte wiederholt sich :-)

Nur hoffen dass man dann im richtigen Alter ist ;-)

Re: Russische Medien

Verfasst: 18 Mär 2014, 12:41
von Zejtnot
Jenenser hat geschrieben:Und Zejtnot, noch eine Frage, weil heute der 18. März ist.
Wie hast Du in Dresden den 18. März 1990 empfunden?
Ich war zwölf. Fand aber dennoch, dass die Leute doof sind, an blühende Landschaften zu glauben. Ich erinnere mich an die ersten Worte meines Vaters nach Veröffentlichung der Ergebnisse im TV: "Dann haben wir im Sommer die Westmark." Das war kein Freudenschrei, aber auch keine Katastrophe.

Re: Russische Medien

Verfasst: 18 Mär 2014, 21:39
von GIN
Zejtnot hat geschrieben:fugen, mich beunruhigt daran, dass es in der Geschichte ähnliche Ereignisse gab, wo am Ende Völker mit Hurra die halbe Welt erobern wollten. Und auch da ging es los mit dem Anschluss von Nachbarregionen, die historisch zum Land gehörten und wo zunächst nur die Landsleute geschützt werden mussten. (Macht Euch mal die Mühe und vergleicht den Ablauf der Annektion des Sudentenlandes mit den aktuellen Abläufen auf der Krim. Es ist wirklich gruselig, wenn man es unter diesem Aspekt sieht.)

Disclaimer: Ich will mit diesem Posting nicht infrage stellen, dass es diverse Argumente gibt, dass Russland die vertraglich 1990 ausgeschlossene Ausweitung der NATO nicht unbegrenzt hinnehmen muss. Mich besorgt die Art und Weise, wie dies dem eigenen Volk präsentiert wird.
Mich besorgt auch dieser völkische Taumel in Ländern gerade wie Russland. Ich erinnere mich sehr gut an eine Aussage meines verstorbenen Grossonkels. Der meinte das in Riga 1937 überall in den deutschen Wohnungen und Häusern deutsche Flaggen hingen als das Sudetenland angeschlossen wurde und die Menschen wie gebissen waren in einem völkischen Taumel über viele Wochen. Der Deutsche war wieder ein starker Mann. Man fühlte sich als Deutscher in Lettland geschützt und anerkannt, vergessen die Demütigungen der Vergangenheit. Doch die wenigsten wollten einen Anschluss, da die Lebensqualität und der Wohlstand im damaligen Riga um einiges öher war als in Deutschland.

Somit bin ich ganz entspannt mit der heutigen Lage der russischsprachigen Bevölkerung in den baltischen Ländern. NATO und Wohlstand sei Dank.

Re: Russische Medien

Verfasst: 19 Mär 2014, 00:40
von Sibirier
Naja, es gibt auch einige (ich weiss nicht wie hoch die Prozentzahl ist) die sagen, es geht ihnen nun schlechter als früher.....

Aber das sagen nun alle...aber, wenn ich weiss, dass unsere Außendienstmitarbeiter ohne weitere Probleme einverstanden waren, für die Hälfte des Gehaltes halbtags zu arbeiten oder man müsste Leute entlassen, waren damit alle einverstanden und sie arbeiten nun halbtags für rd. 300 EUR....

Re: Russische Medien

Verfasst: 19 Mär 2014, 15:39
von Berlino10
Ich kann Zejtnot da gut verstehen, die Einseitigkeit und Propaganda der Russischen Medien haben in der aktuellen Krise strak zugenommen,
ehemals breitere Quellen wie RT oder Ria Novosti fürs Ausland wurden auch auf engem Kurs gebracht.

Die Rolle der Deutschen Medien ist gleichwohl ähnlich schlimm.
Sicher bekommt man bei uns einige Feigenblatt-Artikel im Internet zu sehen, und in TV-Diskussionen auch mal kritischer Töne, (kann, konnte man im Russischen Internet/Print auch finden)
aber 80-90% glauben bei uns noch, dass unsere TV-Nachrichten informieren, ...
das tun sie nicht, sie selektieren, sie werten, sie verfälschen, sie hetzen.
Ich glaube, in RUS glauben nur 20-30%, dass sie wahrheitsgemäß informiert werden?

Hier ein Artikel einer SZ-Journalistin, die sich zu rechtfertigen versucht. Hunderte wütende Kommentare
http://www.sueddeutsche.de/politik/beri ... -1.1914499
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Es ist schon richtig: die westlichen Medien sind zu Propagandatröten des Westens geworden. Da hilft auch kein "pseudoneutraler" Beitrag hier.
Der Eindruck bei den Menschen kommt nicht von ungefähr. Egal wie hier rumgeeiert wird, um sich zu rechtfertigen.
Das zu reparieren wird den Propagandatröten schwer fallen, egal wie viel Geld die Kriegshetzer von den Protagonisten dieser neuen Medienausrichtung bekommen.
Wer seit Jahren ein Trommelfeuer auf Putin abfeuert, egal was er tut, aber bei den täglichen Drohnenmorden der Amis zur Tagesordnung übergeht (diesen Fall nur exemplarisch), der hat seine Glaubwürdigkeit verspielt.

Re: Russische Medien

Verfasst: 19 Mär 2014, 16:11
von Gunnar
Der russische Autor Viktor Jerofejew wird wie folgt zitiert:
Die euphorische Stimmung in seiner Heimat schildert der direkt aus Moskau angereiste Schriftsteller in finstersten Farben. Niemals hätten die nationalen Medien derart schamlos indoktriniert und gelogen wie jetzt, das stelle sogar die Sowjetpropaganda während der Kuba-Krise oder der Niederschlagung des Prager Frühlings in den Schatten.
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/b ... 52779.html

Schön auch das letzte Zitat:
Jerofejew selbst aber muss jetzt etwas für die Zeitschrift „Ogonjok“ schreiben, von dessen Chefredakteur er zum ersten Mal seit 25 Jahren den Satz hörte: „Allerdings wissen wir noch nicht, ob wir das dann auch bringen können.“