Seite 3 von 7

Re: Wahlprognose

Verfasst: 25 Mai 2014, 23:16
von klaupe
Kultgrieche hat geschrieben:Am besten ein totales Embargo gegen die Krim verhängen, dann alle Krim-Bewohner mit Zyklon-B ausräuchern und dann noch zwei Atombomben drauf. Zur Sicherheit, falls sich einer nicht angeschnallt hat. Wäre ja gelacht, wenn das mit der Heimholung ins Kiewer Reich nicht klappen würde. Und danach Timoschenko mit dem MG nach Moskau schicken, ratatatatata, Putin-kaputt. Und Poroschenko spendiert die Schokotorte.
Kul(tur)griechische Methoden passen vielleicht auf Hellenen aber kaum für Menschen.

Re: Wahlprognose

Verfasst: 26 Mai 2014, 00:37
von klaupe
Gemessen an den Schwierigkeiten, insbesondere im Osten, wo Separatisten massiv die Wahl störten oder unmöglich machten, ist die Wahlbeteiligung mit 40,4 % um 15°° Uhr Ortszeit schon recht respektabel. Das kann man sicher als eindeutige Absage an die Kräfte werten, die von Demokratie sehr eigenwillige Vorstellungen haben.

Etwas trüber macht das Bild, dass der Populist Oleh Ljaschko, Chef der Radikalen Partei und "ukrainische Schirinowski", mit rund neun Prozent abgeschnitten hat. Erfreulich ist dagegen das verdient miese Ergebnis der rechtsextremen Svoboda (Oleg Tjagnibok) mit 1,3 % und für Dmitri Jarosch (militant-radikaler "Rechter Sektor") sogar nur auf 0,9 %.
Das ist genau die Antwort für die moskauhörigen "Experten", die die Bürgerbewegung vom Maidan immer wieder als faschistisch beschimpfen. Das Volk, auch der Westukraine ist demokratisch und friedliebend und gibt Kriminellen und Neonazis keine Chance.

Wahlergebnis Ukraine

Verfasst: 26 Mai 2014, 10:50
von klaupe
Oligarchen an die Macht? Ist das ein Erfolgsmodell?

Es ist schon erstaunlich, dass bei Wahlen im Osten mit dem Vermögen die Chancen des Wahlgewinns steigen.
Ist es die Möglichkeit, sich aus dem Kapitaltopf die Stimmen zu kaufen?
Ist es einfach nur die bessere Möglichkeit, einen spektakulären Wahlkampf zu finanzieren?
Ist es ein Zeichen für Regierungsfähigkeit, wenn man sich Milliarden verdient oder ergaunert hat?

Ich glaube, da steckt die typisch deutsche Denkweise und Gewohnheit hinter. Das Bankkonto spielt bei den Politikern hier eher eine untergeordnete Rolle und hat als Auswahlkriterium hat Reichtum bei der Wahl kaum eine Bedeutung. Im Bundestag sitzen daher eher Beamte, Lehrer, Juristen, Ökonomen. Dass die Brüder Albrecht (ALDI) in die Politik steigen, nur weil sie Milliarden haben, erscheint eher abwegig.

Da scheint sich im Osten eine andere "Demokratie"-Kultur entwickelt zu haben, die Milliarden mit politischen Fähigkeiten gleichsetzt. Dass der Reichtum teilweise ziemlich fragwürdig erworben oder erpresst wurde, spricht nicht gerade für das System.

Re: Wahlergebnis Ukraine

Verfasst: 26 Mai 2014, 11:23
von Gunnar
Ein Schoko-Oligarch als Präsident ist sicher nicht das Non-Plus-Ultra. Gleichwohl hat die Wahl doch die russische Propaganda in absoluter Deutlichkeit als solche entlarvt und abgestraft. Man darf gespannt sein, wie Moskau das jetzt wieder argumentativ für sich hinzubiegen versucht. Die Ukraine ist erkennbar nicht in den Fängen irgendwelcher Nazis, wie das der Kreml die letzten Monate so gerne dargestellt hat. Nazis sind in ganz Europa ein Problem, nicht zuletzt in Russland. Aber die Ukraine ist nicht auf dem Weg in einen Faschismus, da fallen einem ganz andere ein ...

Re: Wahlergebnis Ukraine

Verfasst: 26 Mai 2014, 11:56
von klaupe
Gunnar hat geschrieben:Ein Schoko-Oligarch als Präsident ist sicher nicht das Non-Plus-Ultra.
Ich kann das wirklich nicht beurteilen und sah unter den anderen Bewerbern nicht die Lichtgestalt.

Da nun die Stimmen der Ostukraine massiv verhindert wurden und gerade diese problematische Volksgruppe bei der Wahl unterrepräsentiert wurde, hoffe ich sehr, dass er klug, intensiv und erfolgreich den Osten wieder ins Boot holen kann.

Da muss er sich erst einmal beweisen und das wird ein harter Brocken. Die Separatisten und Polit-Rambos werden kaum mit sich reden lassen und ihre Festungen weiterhin verteidigen. Die kann man nur einkesseln, aushungern, isolieren oder muss eventuell sogar staatliche Gewalt einsetzen. Das sind keine guten Startvoraussetzungen und fordert massiv den Widerstand von Moskau bis in unsere hauseigene Agitprop-Riege heraus.
Gleichwohl hat die Wahl doch die russische Propaganda in absoluter Deutlichkeit als solche entlarvt und abgestraft. Man darf gespannt sein, wie Moskau das jetzt wieder argumentativ für sich hinzubiegen versucht.
Aus meiner Sicht als Beobachter wird das ein spannendes Thema. Was ich absolut nicht erwarte ist Einsicht und eine Kurskorrektur. Vielleicht wird sich die Argumentation etwas verschieben. da hatte Putin bisher immer wieder mal "gute Ideen".
Die Ukraine ist erkennbar nicht in den Fängen irgendwelcher Nazis, wie das der Kreml die letzten Monate so gerne dargestellt hat. Nazis sind in ganz Europa ein Problem, nicht zuletzt in Russland. Aber die Ukraine ist nicht auf dem Weg in einen Faschismus, da fallen einem ganz andere ein ...
Wenn man die rechtsradikalen Gruppierungen und deren Aktivitäten vergleicht, dann gehört die Ukraine und sogar Deutschland eher zu den Nebenkriegsschauplätzen.
Die Kritiker von außen hätten eher Grund, vor der eigenen Haustür den Dreck zu kehren, statt Staub woanders zu wischen.

Es ist schon sehr eigenartig, dass die russische Regierung eher dem vergangenen Sowjetsystem zugeordnet wird, statt sie mal auf neo-nazistische und faschistische Tendenzen abzuklopfen.

Re: Wahlergebnis Ukraine

Verfasst: 26 Mai 2014, 11:56
von Berlino10
Gunnar hat geschrieben:Ein Schoko-Oligarch als Präsident ist sicher nicht das Non-Plus-Ultra. Gleichwohl hat die Wahl doch die russische Propaganda in absoluter Deutlichkeit als solche entlarvt und abgestraft.
Die Russische wie die Deutsche Propaganda ...
Die Ukraine ist weder ein Hort des Faschismus, wie in RUS dargestellt, noch einer der Demokratie, wie im Westen verkauft wird.

Die Ukraine ist nach wie vor, bzw. mehr denn je - gegen den Willen des Maidan - in der Hand der Oligarchen ... eine reine Plutokratie ...
Poroschenko (Ex-Janukowitsch-Minister) wie Timoschenko sind Symbole der Hochfinanz ...
und auch sämtliche neu eingesetzten Governeure kommen aus dem Großkapital:
Taruta in Donezk, Bolozkich in Lugansk oder Nemirowsky in Odessa, sie alle würden keine Wahl überleben,
sind aber ernannt von Kiew und unterstützt und getragen von den Nationalisten mit der Nationalgarde als militärischer Schattenmacht.

In den Teilen der Ostukraine, in denen die Wahl durchgeführt wurde, war gestern die Wahlbeteiligung sehr niedrig,
denn Alternative Kandidaten der pulverisierten Opposition gab es kaum bis gar nicht.
Es wird sich zeigen, wie demokratisch, wie föderal man mit dem Osten umgehen wird.

Wie erwartet hat aber Poroschenko die Macht bekommen, deutlich, und die Unterstützung für den pro-europäischen Kurs ist da - mit ähnlicher Begeisterung wie in RUS zu Beginn der 90er.
Man wird sehen, ob Marktradikalismus in einem maroden osteuropäischen Land wie in der Ukraine oder RUS der 90er wieder zur Katastrophe wird.
Die Unterstützung dafür ist aber wohl gegeben.

Re: Wahlergebnis Ukraine

Verfasst: 26 Mai 2014, 12:46
von Dietrich
Berlino10 hat geschrieben:Die Russische wie die Deutsche Propaganda ...
Die Ukraine ist weder ein Hort des Faschismus, wie in RUS dargestellt, noch einer der Demokratie, wie im Westen verkauft wird.
Hat der Westen das wirklich "so verkauft"?
Wie soll denn bitte die Ukraine (bereits jetzt) ein Hort der Demokratie sein?
Der Westen hat höchstens "verkauft", dass die Ukraine eine Demokratie werden möchte. Da die Wahlen allem Anschein nach recht demokratisch abgelaufen sind - wenn man die Städte rausnimmt, in denen Verbrecher die Menschen am Wählen gehindert haben - scheint die Ukraine auf keinem so schlechten Weg zu sein.

Das jetzt erstmal wieder ein Industrieller (meinetwegen Oligarch) Präsident geworden ist kann man so und so sehen. Ob ein reiner Berufspolitiker besser gewesen wäre... mag sein.

Aber er ist gewählt und wie du schon sagst:
Es wird sich zeigen, wie demokratisch, wie föderal man mit dem Osten umgehen wird.
Man soll ihn jetzt an seinen Handlungen messen.

Jetzt muss er erstmal versuchen, auf möglichst friedlichem Wege die Warlords im Osten zurück nach Russland zu schicken.

DAS liest sich doch schon mal nicht schlecht:
Poroschenko sprach sich bei einer Pressekonferenz für Neuwahlen des Parlaments noch in diesem Jahr aus.
Das sollte eigentlich dann auch die letzten Stimmen verstummen lassen, die der Regierung in Kiew die Legitimität absprechen. Allerdings sollte vor den Parlamentswahlen sichergestellt sein, dass diesmal auch die Ostukrainer von ihrem demokratischen Stimmrecht Gebrauch machen können.

Re: Wahlergebnis Ukraine

Verfasst: 26 Mai 2014, 13:34
von klaupe
Dietrich hat geschrieben:
Berlino10 hat geschrieben:Die Russische wie die Deutsche Propaganda ...
Die Ukraine ist weder ein Hort des Faschismus, wie in RUS dargestellt, noch einer der Demokratie, wie im Westen verkauft wird.
Hat der Westen das wirklich "so verkauft"?
Berlino verkauft gerne seine Theorien und die klingen immer sehr überlegen und innovativ.
Wie soll denn bitte die Ukraine (bereits jetzt) ein Hort der Demokratie sein?
Vor dem Horten müssen die erst mal kräftig in die Demokratie investieren und den Schatz dann hüten und pflegen.
Der Westen hat höchstens "verkauft", dass die Ukraine eine Demokratie werden möchte. Da die Wahlen allem Anschein nach recht demokratisch abgelaufen sind - wenn man die Städte rausnimmt, in denen Verbrecher die Menschen am Wählen gehindert haben - scheint die Ukraine auf keinem so schlechten Weg zu sein.
Irgendwie ist es im Hirn der Wahlverhinderer nicht gelandet, dass sie die Wahl ausgerechnet um die Stimmen gebracht haben, die die Interessen des Ostens vertreten, also sie selbst hautnah betrifft.
Das jetzt erstmal wieder ein Industrieller (meinetwegen Oligarch) Präsident geworden ist kann man so und so sehen. Ob ein reiner Berufspolitiker besser gewesen wäre... mag sein.
Was ist ein Berufspolitiker? Hat er es studiert mit Diplom oder ist er Profi ohne Nebenjob?
Immerhin hat der Poroschenko ja schon aktiv an vorderster Politfront mitgemischt als Parteihäuptling, Abgeordneter, als Außen- und Wirtschaftsminister. Seine Lehre hat er wohl erfolgreich hinter sich gebracht.
Aber er ist gewählt und wie du schon sagst:
Es wird sich zeigen, wie demokratisch, wie föderal man mit dem Osten umgehen wird.
Man soll ihn jetzt an seinen Handlungen messen.
Eine Neue Verfassung steht ja neben Parlaments-Neuwahlen schon auf dem Wunschzettel. Mit einer Föderalisierung kann er sicherlich Punkte machen.
Jetzt muss er erstmal versuchen, auf möglichst friedlichem Wege die Warlords im Osten zurück nach Russland zu schicken.
Oh weh, diese Rolle würde ich nicht übernehmen wollen. Da ist im wahrsten Sinne noch sehr viel Sprengstoff drin.

Re: Wahlergebnis Ukraine

Verfasst: 26 Mai 2014, 14:17
von kamensky
Was habe ich gestern angedeutet betreffend der Krim so sang- und klanglos vergessen!

http://de.ria.ru/politics/20140526/268586656.html

Das dies einen riesengrossen "Knatsch" auslöst dürfte wohl jedem klar sein und was daraus entstehen kann lässt jeden nur leise erahnen.

Re: Wahlergebnis Ukraine

Verfasst: 26 Mai 2014, 14:50
von Dietrich
kamensky hat geschrieben:Was habe ich gestern angedeutet betreffend der Krim so sang- und klanglos vergessen!
http://de.ria.ru/politics/20140526/268586656.html
Das dies einen riesengrossen "Knatsch" auslöst dürfte wohl jedem klar sein und was daraus entstehen kann lässt jeden nur leise erahnen.
Naja, der "Knatsch" wäre aber gerade bei seinen Wählern wohl noch viel größer, wenn er die Krim einfach so aufgeben würde....

Was soll denn daraus entstehen? Militärisch wird er es defintiv nicht versuchen. Also gibt es diplomatischen und wirtschaftlichen Stress mit Russland. Der wird aber auch den Russen schaden.
Von daher wird wohl nichts außergewöhnliches daraus entstehen.