Jenenser hat geschrieben:Klaupe, wer hat sich in der EU/USA mit der Geschichte der Ukraine jemals beschäftigt? Wer war überhaupt schon mal in der Ukraine? Auf diesem Gebiet hat Russland die besseren Karten, beim Kampf um! die Ukraine!
Ich vermute mal, es sind eine ganze Menge. Gerade im Norden und über die Grenze nach Kanada wohnen sehr viele ausgewanderte Ukrainer. In Russland ist vielleicht die Anzahl größer, denn viele wurden ja zwangsumgesiedelt.
Deine Erlebnisse aus dem Donbass verfolge ich jedoch mit Aufmerksamkeit und vergleiche.
Schön. Ich kenne die Region einigermaßen, denn viele der inzwischen zerstörten Gebäude habe ich vor ein paar Jahren noch völlig intakt mit eigenen Augen gesehen. Ich kenne dort etliche persönlich durch längeren Aufenthalt und kann deren Auffassung einschätzen.
Ich denke, Russland, vertreten durch Putin, hatte keinen Eroberungsplan. Sah jedoch seine Interessen, wirtschaftliche und geostrategische, nach dem Staatsstreich in der Ukraine in Gefahr. Aus dem Reagieren wurde Agieren.
Ich denke, es gibt viele Pläne auf allen Seiten. Die meisten Pläne werden nie umgesetzt, aber wenn sich eine passende Situation ergibt, holt man sie aus der Schublade.
Das längst verblasste Wort „Neurussland“ kam wieder an die Oberfläche. Hier würde sich die Frage stellen, was die Menschen heute dort bewegt.
Das würde mich auch sehr interessieren. Die derzeit verbreiteten, prorussischen Ansichten passen einfach nicht zu den Erfahrungen, die ich damals dort machte. Da waren es astreine Ukrainer mit einem eher nach Westen ausgerichteten Weltbild, die 'zufällig' überwiegend russisch sprachen.
Städte werden in den Artikeln genannt, die ich so einigermaßen kenne: Charkow (1,4 Mio Einwohner), Dnjepropetrowsk (1,0 Mio Einwohner). Es gibt dort eine Menge junger Leute, die ....
Auch da kenne ich mich einigermaßen aus, wenn auch nicht ganz so gut wie im Donbass. Es ist ja bezeichnent, dass gerade diese Städte nicht mit fliegenden Fahnen auf den Zug der "Befreiung" aufspringen, obwohl sie nahezu genau so 'russisch' sind
Mariupol steht zur Zeit im Brennpunkt. Offiziell sind mehr als 50 % der Einwohner Russen. Wer glaubt denn eigentlich an die Theorie, dass die Russen der Stadt durch Westukrainer von anderen Russen geschützt werden müssen?
Geht es denn dort überhaupt um Menschen oder nur un strategisch wichtige Geländegewinne? Mariupol ist ein wichtiger und interessanter Hafen. Das da auch Menschen leben, egal ob Ukrainer oder Russen, ist eher ein Störfaktor.
Mit den Zahlen habe ich immer so meine Probleme. Wie definieren sich die 50 % Russen?
Es gibt 'Russen', die Russisch sprechen und russische Kultur bevorzugen, die aber stolz ihren ukrainischen Pass vorzeigen und die blau-gelbe Fahre raushängen. Es gibt da auch Russen, die gerne den Pass gegen einen russischen tauschen würden. Davon arbeiten auch viele als Pendler in Russland. Es gibt Russen mit russischem Pass (oder staatenlos) mit Hauptwohnsitz in der Ukraine. Die sind (oder waren) in der Minderheit, selbst auf der Krim. Ja, dann gibt es noch 'echte' Ukrainer, die sich trotz Deportationen und Holodomor und Genozid dort halten konnten oder später wieder in der alten Heimat angesiedelt haben. Durch die Vermischung der Familien ist das Durcheinander noch größer geworden und meine Zweifel an den statistischen Zahlen wachsen täglich.
Ich bin durchaus für eine Föderation, ggf. sogar mit Autonomie einiger Regionen, wenn international kontrollierte und wirklich freie Abstimmungen eine eindeutige Mehrheit der Bewohner ergeben. Entsprechende Signale vermisse ich aus Kiew.
Möglicherweise wäre dabei auch die Krim ganz legal zu Russland gekommen. OK, dann muss man das auch akzeptieren und allenfalls den Schutz der Minderheiten im Auge behalten. Was aber da abgelaufen ist und noch abläuft, ist in jeder Hinsicht ein Skandal.