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Re: Armut in Russland
Verfasst: 02 Aug 2016, 06:54
von kamensky
Zejtnot hat geschrieben:
... . Egoismus oder Egozentrik spielen da sicher rein.
Meiner Meinung nach ist deine Aussage teilbedingte Realitaet, denn sicherlich kann und darf man nicht Alles und Alle in denselben Topf werfen. Der (ver)spaete(te) Kinderwunsch, oder auch die Anzahl gewuenschter Nachkommen haengt m. E. von unterschiedlichen Faktoren ab. Im Westen wird schon eher Familienplanung auf Langzeit betrieben, was dazu fuehrt, dass es %ual weniger "verarmte" Jungfamilien gibt, wobei natuerlich auch vielfach die staatlichen Sozialleistungen beitragen und mitverantwortlich sind.
http://www.finmarket.ru/main/article/4335968
Ein weiterer Punkt sehe ich darin, dass im Westen viele junge Leute zuerst der Karriere (also ein Bestandteil der familiaeren und sicherlich auch eigenen Zukunft) in den Vordergrund stellen, was ich aber nicht in jedem Fall als Egoismus bezeichnen wuerde, sondern auch im Kontext mit der Tatsache, dass ein (spaeteres Kinderkriegen) heute medizinisch nicht mehr ein so grosses Risiko fuer Kind und Mutter darstellt. Ein weiterer Faktor ist die berufliche Aus- bzw.und/oder Weiterbildung, welche sicherlich bei einem Grossteil der Mittelschicht im Vordergrund steht. In RU jedoch interessiert sich in dieser Mittelschicht (obschon diese in %ten kleiner) ein verschwindend kleiner Teil fuer Weiterbildung und praktisch gar nicht mehr, wenn schon eine Familie besteht. Sehr oft erkennt man dies in RU, dass Ehefrauen (vielfach kommen die Kinder nacheinander) also nach vier Jahren fernab von Arbeitsplatz sehr schwer im in dieser Zeit geaenderten wirtschaftlichen Umfeld zurechtfinden und/ oder neu zu integrieren sind. EDIT:
http://www.finmarket.ru/main/article/4336896 Viele von ihnen (muessen) sich dann mit "Hilfsarbeiten" begnuegen, was ja an sich nicht verwerflich ist, jedoch das Leben und alles was damit in Verbindung steht (Gesundheit, Kindergartenplaetze, Studienplatz fuer Kinder,eigene Weiterbildung fuer M,F) finanziell einschraenkt. Der Wunsch nach den "eigenen vier Waenden " jedoch bleibt im Westen, wie auch in RU bestehen, nur mit dem fuer Jungfamilien eklatanten Unterschied, dass in RU sehr oft "durch Privatisierung" guenstigen, oder gar beinahe kostenloser Wohnraum vorhanden ist, waehrend in westlichen Staaten, ein solcher von Grund auf selbst, oder (Erbvorbezug bzw. Erbschaft) teilweise selbst erwirtschaftet werden muss. Da ist dann anfaenglich eine vorsichtige und zukunftsorientierte Einkindpolitik sicherlich nicht falsch in der Ueberlegung, was natuerlich auch mit dem "geistigen Reifegrad" (Verantwortung usw.) in Verbindung gebracht werden kann.
Re: Armut in Russland
Verfasst: 02 Aug 2016, 06:57
von m5bere2
Evgenij hat geschrieben:Eh.., ich will aber auch einen Porsche fahren..!!
Zu meiner Bescheidenheit, muss ich Euch aber mal eingestehen, bereits einen gefahren zu haben - wenn auch nur kurze Zeit (leider) (ein alter Bekannter von mir hatte früher einen)
Das neueste Auto, das ich je gefahren bin, war ein Golf 3 -- mein Fahrschulauto. Danach nur mal einen alten Volvo und einen VW LT-Kleintransporter der ersten Generation. Das war auch ein Erlebnis, bei meinen gerade mal 55kg hat es mich beim Kupplungtreten aus dem Sitz gehoben. Das ist gute 8 Jahre her und war auch meine seltzte Selbstfahrt.
Jetzt mit zunehmender Kinderzahl würde ein Auto langsam praktisch. Für das Mütterkapital würde man ja glatt auch ein Auto kriegen, aber dafür darf man es, glaube ich, nicht verwenden.
Zejtnot hat geschrieben:allemal besser als irgendwelche Milliarden in nichtfunktionierenden Technoparks.
Na aber den kann man immerhin auf Postkarten abdrucken! ;-) So wie die neue Brücke, die alle auf den neuen Rubelscheinen haben wollen... warum ausgerechnet diese Brücke. Keiner weiß, ob die in 5 Jahren noch steht. Wenn schon NSk auf dem Schein, dann doch die erste Eisenbahnbrücke über den Ob, die hat ganznationale geschichtliche Bedeutung. Oder das Operntheater, immerhin das größte Russlands...
Die olle neue rote Brücke doch nicht...
kamensky hat geschrieben:
dass ein (spaeteres Kinderkriegen) heute medizinisch nicht mehr ein so grosses Risiko fuer Kind und Mutter darstellt.
Dass das Risiko für Chromosomfehlbildungen gegen die 40 sprunghaft ansteigt und die Fruchtbarkeit abnimmt, ist nach wie vor so, daran ändert auch die Medizin nix. Da helfen dann nur künstiche Befruchtungen und alle möglichen Kinderwunschkliniken.
Re: Armut in Russland
Verfasst: 02 Aug 2016, 08:11
von Zejtnot
Probleme und Ziele, die man vor dem Kinderkriegen hatte, sind danach plötzlich so etwas von nebensächlich und unbedeutend. Wenn man dies aber erst mit 40 nach der zehnten Hormontherapie in der Kinderwunsch-Klinik bemerkt, ist es leider oft zu spät.
Re: Armut in Russland
Verfasst: 02 Aug 2016, 10:25
von kamensky
Zejtnot hat geschrieben:Probleme und Ziele, die man vor dem Kinderkriegen hatte, sind danach plötzlich so etwas von nebensächlich und unbedeutend.
Weil diese eben durch das "Nichterreichen" sehr oft zu einer ungewollten Hauptsache fuehren koennen und der Start und Faktor fuer eine Ehekrise und oft bis hin in Scheidung ausarten. Letzteres im faktisch gesetzlosen RU viel ausgepraegter, als in westlichen Staaten, denn da greift das Gesetz doch noch eher mit mehr Erfolg. Ein Grund dafuer ist sicherlich der "Verzicht" vorwiegend auf Materielles, welches den russischen Mann praegt. Wen Dank, oder infolge von einem zweiten Kind, die eigenen Wuensche und auch hier wieder vorwiegend die des Mannes auf der Strecke bleiben, oder nur noch ueber Kredite ermoeglicht werden koennen, dann sind die Weichen fuer eine kommende Scheidung schon so gut wie gestellt. Was dies fuer eine russische Frau aus der Mittelschicht bedeutet und alles mitbringt, denke ich ist jenen, welche sich schon ein paar Jaehrchen hier in RU befinden besten bekannt. Dem russischen Mann kann ja insofern nicht viel passieren, denn sehr oft wird nur noch Arbeiten mit "schwarzem Salaer" nachgegangen, die Kredite (bei beidseitiger Unterzeichnung) bezahlt dann sehr oft die im Stich gelassene "Gehoernte" alias Ex-Ehepartnerin usw. und so fort. Der Ex-Ehemann rehabilitiert jedoch sehr oft sehr schnell beim sich verlustieren mit einer neuen und meist juengeren und "noch" kinderlosen Frau, welche fuer ein wenig "Schutz, Erfahrung und manchmal Vaterersatz" bereit ist, dem "dick head" seine zuvor erlittenen Verzicht(e) zu kompensieren.
Re: Armut in Russland
Verfasst: 03 Aug 2016, 01:44
von LeonS
Die Erde ist ökologisch schon überbevölkert, von Egoismus kann hier keine Rede sein, halte es sogar für fahrlässig weitere Ökoverschmutzer zu zeugen. Arm- und Reichtumgefälle, Klimawandel, Massenvölkerwanderungen und Kriege werden die Folge sein. Einkindfamilien sollten die Regel werden, demokratisch jedoch wohl nicht umsetzbar.
Re: Armut in Russland
Verfasst: 03 Aug 2016, 07:31
von m5bere2
Evgenij hat geschrieben:Gehe mal davon aus (hoffentlich) hast seit deinem (frühen) Erlebnis ca. 2,5kg pro Jahr zunehmen können ;-)
Nun, 55kg ist mein aktuelles Gewicht, bei meinem frühen Erlebnis war es vielleicht noch weniger.
P.S.: Sollte generelles Interesse an russ. Autos (bzw. aus russischer Produktion) bestehen, so könnte ich für Euch einen Extra-Thread hierfür erstellen.
Finde schon russische Autos interessant und würde auch ein russisches kaufen. Mein Gehalt kriege ich schließlich nicht in Euro und Dollar, und wenn mich Ausländer der russische Staat schon durchfüttert, bin ich dazu geneigt, die für mich aufgewendeten russischen Steuergelder wenigstens auch in russische Produkte statt ins Ausland fließen zu lassen... ist nicht immer einfach, aber da bin ich wahrscheinlich "patriotischer" als jeder Beamte.
Wobei ich auch gehört habe, dass bei manch ausländischen Automarken mehr russische Produktion drinsteckt als beim Lada...
Re: Armut in Russland
Verfasst: 13 Aug 2016, 12:05
von Wladimir30
Die folgende Diskussion über diverse Autos wurde in ein eigenes Thema abgetennt.
Wladimir30, Glob.Mod.
Re: Armut in Russland
Verfasst: 13 Aug 2016, 13:16
von saransk
Dann will ich das Forum mal beleben (es schreibt ja kaum noch jemand etwas

, Ferienzeit?) und zum Ursprungsthema zurückkehren.
In der Nähe des WM-Stadions in Saransk wurde vor kurzem ein neues Shopping-Center eröffnet. Der Gastronomiebereich ist große Klasse mit dem angebautem Kinderland. das war´s aber dann auch fast schon. Auf jeder Etage fast mehr Leerstand als Geschäfte, und auch in den anderen beiden Centern im Ort und selbst im Zentralni-Rinok haben viele Geschäfte aufgeben müssen. Liegt dies jetzt an der Krise bzw der momentan fehlenden Kaufkraft wie mir eine Bekannte sagte, oder kommt jetzt auch in Russland der aus Deutschland schon bekannte Effekt zum tragen, daß die Innenstädte veröden, weil Internet und große Märkte auf der Wiese die Kaufkraft abziehen?
Re: Armut in Russland
Verfasst: 15 Aug 2016, 08:36
von Zejtnot
In Novosibirsk schließt gerade die zweite große Baumarkt-Kette. Da wird offen gesagt, dass es (neben der Expansion von Leroy Merlin) an der gesunkenen Kaufkraft liegt. Der Wert des Rubels hat sich quasi halbiert, die Löhne sind aber gleich geblieben. Logischerweise kann nur noch die Hälfte gekauft werden, was natürlich zuerst an nicht lebensnotwendigen Dingen (wie man sie eben im Baumarkt kauft) zu spüren ist. Die Datscha kann man ja auch weiterbauen, wenn wieder mehr Geld übrig ist.
Zugleich gibt es in Novosibirsk aber auch eine relativ neue Mall - mitten in der Krise eröffnet, aber inzwischen alle Ladenflächen vollständig vermietet. Auf dem Markt steht auch kein einziger Kiosk frei.
Re: Armut in Russland
Verfasst: 19 Aug 2016, 22:48
von Andy
Das kann ich in meinem Betrieb auch beobachten: Verkauf in Stueckzahlen von Produkten fuer DIY sind in den letzten 3 Jahren um ca. 70% zurueck gegangen. Kunden kommen, sehen sich die Produkte an und sind traurig ueber die Rubelpreise.
Allerdings, der Verkauf unserer Industrieprodukte ist (in USD oder Stueck) fast stabil geblieben. Es wird durchaus weiter in die lokale Produktion investiert. Leider mit einem Wermutstropfen: vor allem in ruestungsnahe Industrie wird investiert, waehrend Investitionen in die Produktion von Konsumgueter eher zurueckgeht. Wachstum gibt es da wohl nur im Lebensmittelbereich.