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Re: Ausgerechnet Saransk

Verfasst: 28 Okt 2015, 16:09
von makarios
Andy hat geschrieben:Aufgrund einer Liebe/Ehe werden emotionale Gruende meist ueber rationale gestellt.
Vom Aufwand her (ökonomisch) ist ein Umzug nach RU kaum zu rechtfertigen, da hat Andy natürlich recht ;) und auch damit, dass einige Probleme erst mit der Zeit zum Vorschein kommen.

Ich denke da nur an die Sprache. Eine Beziehung in Gang zu halten, ohne sich wirlich differenziert ausdrücken zu können, wird mit der Zeit wahrscheinlich schwieriger. Da kommt es einfach auf den Versuch an, wie weit ich es in den 10-20 Jahren bringen werde...

Was sind da Eure Erfahrungen? War mangelnde Ausdrucksfähigkeit schon ein grundlegendes Problem?

Re: Ausgerechnet Saransk

Verfasst: 28 Okt 2015, 17:17
von saransk
War froh, daß meine Frau damals einige Brocken deutsch konnte. Ihr deutsch ist jetzt natürlich super.
Mittlerweile gehts mit meinem russisch auch besser. Merke aber, das es wenig bringt, eine Sprache zu lernen, wenn man nicht im entsprechenden Land lebt, oder täglich dorthin Kontakte (Telefon) hat. Man verlernt oder vergisst doch ziemlich schnell wieder.
Unsere Kinder können sich aber problemlos in beiden Sprachen verständigen.

Re: Ausgerechnet Saransk

Verfasst: 28 Okt 2015, 19:00
von bella_b33
makarios hat geschrieben:Vom Aufwand her (ökonomisch) ist ein Umzug nach RU kaum zu rechtfertigen
Gut, ich bin nicht so der Umzug-Typ. Ich hatte alle paar Kleinigkeiten auf ein paar Reisen verteilt, der Rest wurde in Deutschland verkauft oder in der Familie weiter verschenkt, ich muss doch keine Couch 3000km weit kutschieren, das Zeug bekomme ich hier genauso.
makarios hat geschrieben:War mangelnde Ausdrucksfähigkeit schon ein grundlegendes Problem?
Ich kann mich da nur noch schwach erinnern, Ich fand es vielleicht die ersten paar Wochen etwas schwierig, dann ist Frauchens Englisch wieder relativ kommunikationsfest gewesen.
inorcist hat geschrieben: Ich kenne zwei Paare recht gut, die über zehn Jahre lang nie über Politik geredet haben und sich jetzt seit etwas über einen Jahr ständig in die Haare kriegen, weil sie eben doch politisch grundlegend anders ticken.
Ist bei Denen in der Kiste nichts mehr los, daß die so chronisch untervögelte Gesprächsthemen an den Abendbrotstisch bringen ;) :lol:.
Scherz beiseite, bei den Russen ist man doch idR. kaum politisch interessiert, was ich auch über mich sagen kann(ich sag ja, ich fühlte mich vom ersten Augenblick heimisch). Bei den wenigen Punkten findet man seinen gemeinsamen Nenner mit dem Partner in Sekunden:
Was ist denn derzeit in Russland der größte politische Punkt über Deutschland und Mitteleuropa....genau, die Flüchtlingspolitik von Germoney. Unkoordiniert, nicht durchdacht, läuft völlig vor den Baum, dazu noch Hetze von ein paar Vorgartennazis und Frigida-Demos. Das Thema ist mit Nachbarn und Familie in Sekunden durchgekaut und man geht weiter zu den angenehmen Dingen des Abends.
Klar, wer sonst keine normalen Hobbies hat, der kann sich gern ergoogeln, wie unser Politforum Stammuser und Russlandkenner Kl*upe geendet ist, mit dem will keine Familie und kein Forum was zu tun haben.
Andy hat geschrieben:Ich meine halt, Auswanderung aus seinem Heimatland ist immer ein sehr grosses Risiko.
Ich würde das nicht so verallgemeinern. Es kann auch ein großer Schritt nach vorn sein. Man kündigt seinen Angestellten-Posten zuhause und macht in der Fremde eine eigene Firma auf bzw. bekommt einen guten Posten geboten, mit der/dem man ordentlich Geld verdient......Ich würde sagen, von solchen Leuten gibts hier schon ein paar. Die dann wahrscheinlich auch das unten genannte Szenario nicht juckt.
Andy hat geschrieben:nach 10-20 Jahren moechte man wieder zurueck nach D .... und dann wird es evtl. schwierig, das ist ja allen klar.

Aber was genau wäre an einer Rückkehr schwierig? Man ist doch in DE bestens sozial abgesichert. Ich für meinen Teil hab 15 Jahre kräftig eingezahlt, dann will ich auch was von dem Kuchen abhaben, wenn es mir schlecht geht.

Gruß
Silvio

Re: Ausgerechnet Saransk

Verfasst: 28 Okt 2015, 20:03
von Wladimir30
makarios hat geschrieben: Ich denke da nur an die Sprache. Eine Beziehung in Gang zu halten, ohne sich wirlich differenziert ausdrücken zu können, wird mit der Zeit wahrscheinlich schwieriger. Da kommt es einfach auf den Versuch an, wie weit ich es in den 10-20 Jahren bringen werde...
Was sind da Eure Erfahrungen? War mangelnde Ausdrucksfähigkeit schon ein grundlegendes Problem?
Tja, das hängt davon ab, wie Ihr Eure Beziehung seht. Ich kenne genug Paare, die sich nur über Alltagsprobleme unterhalten. Was haste heute gemacht? Was gibt's Neues, was gibt's zum Essen? Andere unterhalten sich ständig über Politik, Wirtschaft etc. Da werden die Anforderungen an differenzierte Ausdrucksweise schon grösser. Wenn Ihr Euch über Poesie und abstrakte Themen unterhalten wollt, wird es noch anspruchsvoller.

Meine Erfahrung. Es hängt einzig davon ab, inwieweit Du selber Dich ab einem bestimmten Zeitpunkt zufrieden gibst mit dem erreichten level, oder ob Du selber willst, dass Du alles verstehst und alles auch richtig ausdrücken kannst. Letzteres ist eine Kärrnerarbeit. Aber Du wirst nicht nur durch gutes sprachliches Verständnis familienintern belohnt, sondern die Einheimischen werden Dich ganz anders aufnehmen und es wird sich eine neue Welt eröffnen.

Hat auch den Vorteil, dass wenn es doch auseinander gehen sollte, hast Du Dir eigenes Fundament für Eigenständigkeit aufgebaut.

Re: Ausgerechnet Saransk

Verfasst: 28 Okt 2015, 20:17
von bella_b33
@Wladimir,
Der TE schreibt ja, daß er flüssig russisch spricht, von daher sollte er ja mit der Verständigung keine Probleme haben

Gruß
Silvio

Re: Ausgerechnet Saransk

Verfasst: 28 Okt 2015, 20:39
von Wladimir30
Haste recht. Bloss weil er selber gefragt hatte.

Ausserdem ist es noch ein weiter Schritt von "flüssig" sprechen (flüssig muss nicht heißen auch richtig) zu wirklich richtig. Selbst wenn jemand flüsig und dazu noch grammatikalisch richtig spricht, muss es noch lange nicht idiomatisch richtig und stilistisch angemessen sein. Wenn jemand im besten Puschkinstil eine Flasche Wodka und 2 Gurken bestellt, dann ist das eben bestenfalls noch lustig. Sowas kommt bei Nichtmuttersprachlern häufig vor.

Wie gesagt, kommt alles darauf an, welchen Anspruch man an sich selber hat.

Re: Ausgerechnet Saransk

Verfasst: 28 Okt 2015, 21:18
von makarios
Wladimir30 hat geschrieben:Wie gesagt, kommt alles darauf an, welchen Anspruch man an sich selber hat.
Meistens zu hohe... zumindest will ich mich mit meiner Freundin nicht nur übers Essen unterhalten :)

Mit "flüssig" meinte ich - ich kann das meiste ausdrücken, was ich sagen möchte, ohne dass es zu holprig klingt. Ob es in der Bedeutung so verstanden wird, wie es gemeint war, steht auf einem anderen Blatt. Und gerade die Feinheiten spielen in einer Beziehung ja doch eine Rolle. - Bisher scheint sich meine Freundin an Akzent und Schnitzern jedenfalls nicht zu stören.

Re: Ausgerechnet Saransk

Verfasst: 29 Okt 2015, 07:36
von Norbert
makarios hat geschrieben:Was sind da Eure Erfahrungen? War mangelnde Ausdrucksfähigkeit schon ein grundlegendes Problem?
Nein, man findet schnell eine gemeinsame Verständigung, so mein Empfinden. Und die wenigen Missverständnisse, die bleiben, sind auch eine gute Basis, sich mal Dinge zu verzeihen. Man hat es dann halt falsch verstanden, was einem der andere in einem unbedachten Moment an den Kopf geworfen hat. ;)

Re: Ausgerechnet Saransk

Verfasst: 09 Nov 2015, 15:57
von saransk
Am Anfang einer Beziehung versteht man sich halt auch ohne Worte (und ohne Klamotten )

@Markarios: Gibt es Fortschritte?

Meine Frau meinte nur als "unbürokratischen Hinweis". das die beiden schnell für einen neuen russischen Bürger sorgen sollen. Dann geht es auch schnell mit einem Visum für den ausländischen Vater.

Christoph

Re: Ausgerechnet Saransk

Verfasst: 09 Nov 2015, 15:59
von Norbert
Hochzeit hat dieselben Effekte. Aber angenehmere Nächte.