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Re: Schock auf dem Standesamt // Namensrecht

Verfasst: 28 Nov 2015, 16:05
von Axel Henrich
Wladimir30 hat geschrieben:Ja, aber die Frau von Viktor, wenn er denn eine gehabt hätte, hätte auch Zoj als Nachnamen gehabt. Und bei ihr wäre er nicht mehr dekliniert worden.
Zoj, wenn mir die Bemerkung erlaubt sei, gibt es auch als singende Она ... Анита Цой

-ah-

Re: Schock auf dem Standesamt // Namensrecht

Verfasst: 28 Nov 2015, 16:10
von Wladimir30
Die Deklination der ausländischen Namen ist heute eine Art Grauzone in der russischen Grammatik. Grundsätzlich ist die russische Grammatik sehr konservativ. Das merkt man z.B. an der Vielzahl der Kasus (sehr viele heutige Sprachen haben das Kasussytem vereinfacht, vgl. z.B. das Englische) oder an der immer noch komplizierten Adjektivflexion.

Die Abhängigkeit, ob nun der männliche oder der weibliche auländische Name dekliniert wird, hängt damit zusammen, das weit mehr männliche Vor- und auch Nachnamen auf einen (nahezu beliebigen) Konsonant auslauten, andererseits dagegen weit weniger weibliche Namen (Vor- und Nachnamen) auf -a. Wie gesagt, bei der konservativen, d.h. regelgetreuen russischen Gramnatik ist dies ein sehr starkes Argument.

Wenn nun grammatische Endung und natürliches Geschlecht nicht zusammen fallen, wird meist auf Deklination verzichtet. Vgl. den von Dir angeführten Fall Zoj. Viktor Zoj wird dekliniert, bei seiner eventuellen Frau, sagen wir mal Olga Zoj, oder ja, wie Axel sagt, auch Anta Zoj mit der tiefen Stimme, wird der Nachname nicht dekliniert.

Wobei nicht alle ausländischen Namen gemäß dieser Regel behandelt werden. Ich weiss nicht, wie es bei Euch ist, aber mein Nachname, der auf Konsonant auslautet, wird zwar meist dekliniert, aber nicht immer. Öfter finde ich ihn undekliniert. Auf Ämter etc. werde ich meist gefragt, ob mein Name dekliniert wird.

Re: Schock auf dem Standesamt // Namensrecht

Verfasst: 28 Nov 2015, 17:01
von Magdeburg-Moskva
Folgende Erfahrung:

Regel lt. Grammtik:
männl. Name auf Mitlaut --> Wie männliches Substantiv deklinieren: Шульц - Шульца - Шульцу - Шульца - Шульцом - Шульце. Im Gegensatz zu russischen Nachnamen enden ausländische Nachnamen im Instrumental statt auf -ым auf -ом (ем).
Weibliche Namen auf Mitlaut --> nicht deklinieren
Weibliche Namen auf -a, -я --> wie weibl. Substantiv deklinieren

Praxis:
Übersetzerin/Dolmetscherin rät mir, auf die Deklination zu verzichten: Die Mitarbeiter in den Behörden sind so dämlich, die übernehmen die deklinierte Form und beanstanden dann die Nichtübereinstimmung mit Deinem Pass.

Im Notariat werde ich gefragt: Wird Ihr Name dekliniert. Ja. --> Справка выдана Шульцу Фритцу в том, что он...

Häufig wurde ich in Briefen nicht korrekt angeredet: Уважаемый Шульц! Уважаемый господин Фритц!
Ausweg: Namensangabe wie folgt: ООО Ромашка в лице генерального директора ШУЛЬЦА Фритца, ... (Deklinationspostfix in kleinerer Schriftgröße, wo machbar). Gegen Blödheit ist kein Kraut gewachsen.

Ergänzung:
http://new.gramota.ru/spravka/letters/70-rubric-104 und http://new.gramota.ru/spravka/letters

Re: Schock auf dem Standesamt // Namensrecht

Verfasst: 28 Nov 2015, 18:15
von m5bere2
Wladimir30 hat geschrieben:Grundsätzlich ist die russische Grammatik sehr konservativ. Das merkt man z.B. an der Vielzahl der Kasus (sehr viele heutige Sprachen haben das Kasussytem vereinfacht, vgl. z.B. das Englische) oder an der immer noch komplizierten Adjektivflexion.
Gerade deswegen war ich eigentlich überrascht, dass der Kasus bei weiblichen Namen oft einfach weggeschmissen wird.

Darüber hinaus merkt man natürlich auch im Russischen ein Verschwinden von Fällen, wie des Lokativs, des Duals, und des Vokativs, die man nur noch einzeln antrifft, wie in "на полу", "уши", und "отче".
Wobei nicht alle ausländischen Namen gemäß dieser Regel behandelt werden. Ich weiss nicht, wie es bei Euch ist
Also die meisten Russen tun sich schwer dabei, "m5bere2" zu deklinieren. Ansonsten heiße ich, sagen wir, André van Amsterdam und meistens deklinieren sie nur den letzten Namen, also im Akkusativ "Андре ван Амстердама". Haber aber auch schon "вана Амстердама" gesehen. Ich habe auch schon Андрэ gesehen, auf der Einladung zum Arbeitsvisum z.B.

Meistens liegen die Probleme woanders: wenn sie ван Амстердан Андре als ФИО lesen, ist mein Nachname Ван und Leute halten mich für einen Chinesen. Den meisten ist absolut unklar, was überhaupt Vor- und Nachname ist. Das führt ständig zu Problemen, wenn man mich in einem Computer sucht. Als hätten die Leute noch nie von ван Бетховен oder ван Гог gehört. ;-)

Re: Schock auf dem Standesamt // Namensrecht

Verfasst: 28 Nov 2015, 20:50
von Zejtnot
Ukrainische Familiennamen mit a am Ende werden wiederum bei Männern dekliniert, bei Frauen nicht. :) Deutsche Familiennamen auf einen Konsonanten werden (was noch logisch ist) bei Männern dekliniert, aber nicht bei Frauen.

Re: Schock auf dem Standesamt // Namensrecht

Verfasst: 28 Nov 2015, 22:46
von Magdeburg-Moskva
m5bere2 hat geschrieben: Also die meisten Russen tun sich schwer dabei, "m5bere2" zu deklinieren. Ansonsten heiße ich, sagen wir, André van Amsterdam und meistens deklinieren sie nur den letzten Namen, also im Akkusativ "Андре ван Амстердама". Haber aber auch schon "вана Амстердама" gesehen. Ich habe auch schon Андрэ gesehen, auf der Einladung zum Arbeitsvisum z.B.

Meistens liegen die Probleme woanders: wenn sie ван Амстердан Андре als ФИО lesen, ist mein Nachname Ван und Leute halten mich für einen Chinesen. Den meisten ist absolut unklar, was überhaupt Vor- und Nachname ist. Das führt ständig zu Problemen, wenn man mich in einem Computer sucht. Als hätten die Leute noch nie von ван Бетховен oder ван Гог gehört. ;-)
Die Degradierung scheint bei einigen fortzuschreiten, was ich auch schon feststellen durfte.

Aber als Genitiv ist Андре ван (фан) Амстердама m. E. richtig.