Die Anmerkungen von Saboteur zum Schulalltag kenne ich. Das sehe ich aber viel differenzierter. Da ich nicht nur Kinder habe, die hier zur Schule gehen bzw. gegangen sind, sondern auch durch meine privaten und halboffiziellen Gespräche mit Studenten während meiner ehemaligen Tätigkeit an der Uni Einblicke in den Schulalltag habe, möchte ich das etwas zurechtrücken.
Es stimmt, dass viele Kindern und auch Eltern das Lernen schleifen lassen. Die Eltern sind beschäftigt, die Kinder spielen mit Smartphone, tablets usw. Hausaufgaben kommen zu kurz.
Es gibt in den Schulen, die ich kennen, ständig Zusatzunterrichte, die kostenlos angeboten werden. Die Teilnahme ist nicht Pflicht. Deshalb gehen viele Kinder da nicht hin. Sie können auch nicht gezwungen werden. Der Stoff, den die Kinder nicht lernen (zu dumm, zu faul, keine Lust oder sonstwas) und in den freiwilligen Zusatzunterrichten nicht erlernen, müssen sie sich dann eben mit Nachhilfelehrern (kostenpflichtig, klar) aneignen.
Dass die Schule ihre ureigensten Aufgaben nicht wahrnimmt kann ich keinesfalls bestätigen. Wohl aber, dass sich immer weniger Eltern darum kümmern. Die Elternabende (meine Frau hat das immer erfolgreich auf mich abgewälzt) waren immer schlecht besucht, höchstens ein Drittel der Eltern waren anwesend. Wenn es schlechte Noten hagelt für die KInder, dann ist Zeter und Mordio, dann meckern die Eltern rum. Und zwar gerade die, die nie zu den Elternabenden gegangen sind.
Sprich miner Erfahrung und auch aus den vielen Gesprächen mit anderen kann ich sagen, dass das Problem tiefer liegt, und zwar in der Meinung, dass viele Eltern Anforderungen an die Schule stellen, die diese nicht erfüllen KANN. Die Eltern müssen sich mit den Kindern hinsetzen oder sie zumindest dazu bewegen, die Hausaufgaben zu machen, sie müssen kontrollieren, ob sie die HA gemacht haben, sie dürfen ihnen auch ruhig helfen. Wenn ich schon ein Kind in die Welt setze, dann habe ich auch Verpflichtungen in der Erziehung, ob zuhaus oder auch in der Schule. Diese Verantwortung sehen viele Eltern nicht und meckern dann rum. Und es wird auf dem Rüäcken der Kinder ausgetragen.
viele Unzufriedenheuten gibt bezüglich der (zu?) hohen Leistungsanforderung (Was Lesen und Schreiben betrifft) bei Einschulung und im weiteren Verlauf des Schulbesuchs.
Hohe Anforderungen, ja. Zu hoch? Ist immer eine Frage der Einschätzung. Ich finde es nicht, unsere Kinder auch nicht. Anna ist es eher leicht gefallen, Sacha tut sich schwerer. Aber beide haben noch viel Freizeit und kommen in der Schule gut klar.
Gewolltes Sitzenbleiben wegen Klassenauffüllen ist mir nie untergekommen. Ich schließe das aber keinesfalls aus.
Eine Wiederholungsphase zu Beginn des neuen Schuljahres ist meines Wissens nach sehr kurz.
In den Sommerferien kriegen die Kinder tatsächlich eine Literaturliste. So ganz werden die drei Monate also nicht verplempert. Es ist aber nicht zu viel verlangt, in diesen drei Monaten auch was zu lesen. Es wurde nie eine lange Literaturliste vorgegeben.
Farbe und Pinsel selber kaufen? Ja, das kommt vor. Die Finanzierung der Schulen ist grottenhaft miserabel bis nicht vorhanden. Ich habe selbst schon im Kindergarten Wände gestrichen und Geld für neue Fenster im Klassenfenster gespendet, damit die Kinder nicht allzu sehr frieren im Winter. Das ist mehr als betrüblich, sagt aber nichts über das Schulsystem aus, sondern über die Finanzierung.