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Re: Nicht alle Rechte in Europa sind Faschisten, aber...
Verfasst: 17 Mär 2016, 22:41
von Sachse007
а чут-чут русскогу языку я понимаю...
Re: Nicht alle Rechte in Europa sind Faschisten, aber...
Verfasst: 18 Mär 2016, 06:39
von m5bere2
Sachse007 hat geschrieben:... wobei ich aber gehört habe, dass ausländische Spezialisten in Russland nicht schlecht bezahlt werden. Wißt ihr, was man in der Wissenschaft in deutschland verdient? Erbärmlich...
Das ist Ironie, oder? In kaum einem Land werden Wissenschaftler so gut bezahlt wie in Deutschland. In Berlin habe ich zuletzt 2300 Euro im Monat netto gekriegt, und das in der Grundlagenforschung, nichtmal irgendwas Angewandtes. Davon konnten meine Frau und ich ausgiebig Europa bereisen, mehrmals pro Woche in Restaurants essen, und am Ende blieb noch genug Geld übrig, einfach so eine Wohnung in Russland zu kaufen.
Zum Vergleich: promovierter Seniorwissenschaftler auf einer vollen Stelle in Nowosibirsk: 6500 Rubel im Monat plus 20% Sibirienzuschlag. Das von der Regierung festgelegte Existenzminimum liegt bei ca 10.000 Rubel im Monat, davon abgesehen dass kaum jemand volle Stellen kriegt. Forschungs- und Lektorenstellen für promovierte Ausländer sind in den meisten Universitäten mit 60.000 Rubel Netto monatlich beziffert (also ca 750 Euro). Für Novosibirsk geht das, wenn man alleine lebt oder mit Familie i Studentenwohnheim. Aber in Moskau oder wenn man mit Familie in Nowosibirsk eine Wohnung mieten will?
Dadurch, dass ich mehr als diese Standard-60.000-Rubel kriege und ein Drittmittelforschungsprojekt für eine in Russland beträchtliche aber im Westen eher kleine Summe eingeworben habe, komme ich, wenn der Rubel gut steht, in die Nähe meines ehemaligen deutschen Gehaltes.
Ich beschwere mich darüber nicht, wir leben hier gut, aber dass ein Wissenschaftler in Deutschland schlecht verdient, kann man meiner Meinung nach nicht behaupten. Da gibt es ganz andere Gründe, Deutschland als Wissenschaftler den Rücken zu kehren.
Re: Nicht alle Rechte in Europa sind Faschisten, aber...
Verfasst: 18 Mär 2016, 06:54
von m5bere2
Alex KA hat geschrieben:Und was wollen die hier in Russland machen ohne Sprachkenntnisse? Das ist doch deutsche nationale Idee Russisch nicht lernen zu wollen, stattdessen lieber Spanisch..
Die deutschen, die länger als Experten herkommen, lernen doch im Gegenteil meistens ganz gut russisch. Ich rede fließend russisch und halte auch Vorträge am Institut auf russisch, damit die sowjetischen Professoren mehr vom Vortrag verstehen (sie haben i.d.R. gutes englisches Textverständnis, aber Hörverständnis ist etwas Anderes). Und ja, ohne russische Sprachkenntnisse wäre arbeiten an einer russischen Universität kaum produktiv.
das hatte mir ein Deutsche in Waschsalon in Berlin gesagt, das es lieber Spanisch lernen wird statt Russisch
Im Berliner Waschsalon trifft man ja auch unbedingt repräsentative Deutsche! ;-)
Solche Leute kommen aber auch nicht als Experten nach Russland. Das sind die Leute, die ein "Auslandssemester am Strand" machen und dort abgammeln statt zu arbeiten und dadurch unproduktiv Gelder von Austauschprogrammen für ihre Strandbesäufnisse verbrauchen.
Re: Nicht alle Rechte in Europa sind Faschisten, aber...
Verfasst: 18 Mär 2016, 09:13
von Sachse007
m5bere2 hat geschrieben: Ich beschwere mich darüber nicht, wir leben hier gut, aber dass ein Wissenschaftler in Deutschland schlecht verdient, kann man meiner Meinung nach nicht behaupten. Da gibt es ganz andere Gründe, Deutschland als Wissenschaftler den Rücken zu kehren.
Zeitverträge, keine volle Stelle, keine Planungssicherheit? Und 2300€ Netto hatte ich mein ganzen Leben lang nicht...
Re: Nicht alle Rechte in Europa sind Faschisten, aber...
Verfasst: 18 Mär 2016, 10:30
von m5bere2
Sachse007 hat geschrieben:Zeitverträge, keine volle Stelle, keine Planungssicherheit? Und 2300€ Netto hatte ich mein ganzen Leben lang nicht...
Zeitverträge und Planungssicherheit sind glaube ich weltweit ein Problem. Wenn mein Projekt in Nowosibirsk ausläuft oder die russische Regierung das Top-100-Programm streicht, stehe ich auch dumm da. ;-) Nur hier können meine Frau und ich an der selben Uni arbeiten, während es in Deutschland auf Fernbeziehung hinausgelaufen wäre.
2300 Euro Netto entsprach in Berlin meiner vollen Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter nach TV-L 13 mit Erfahrungsstufe 3. In allen anderen Bundesländern gibt es etwas mehr Geld. Und andere Länder ... in Polen liegt das Nettoeinkommen eines Postdocs bei etwa 1100 Euro, letztens habe ich eine Stellenausschreibung in meinem Gebiet aus Estland gelesen, die boten 1300 Euro. Aus dem Blickwinkel betrachtet geht es mir als Postdoc in Russland besser als den Polen und Esten, allerdings schreibt auch nicht jeder Postdoc im Ausland eigene Projektanträge (und dann auch noch in der Landessprache).
Re: Nicht alle Rechte in Europa sind Faschisten, aber...
Verfasst: 18 Mär 2016, 11:59
von Sachse007
... ich bin seit 2003 nie über Teilzeitverträge (befristet) hinausgekommen (mit selbst geschrieben Anträgen...)
Re: Nicht alle Rechte in Europa sind Faschisten, aber...
Verfasst: 18 Mär 2016, 12:13
von m5bere2
Das ist interessant, denn keiner meiner Kollegen in Deutschland hatte jemals eine Teilzeitstelle. Auch als Doktoranden immer Vollzeit. Das muss wohl am Fachgebiet liegen. Was ist denn dein Fachgebiet?
Re: Nicht alle Rechte in Europa sind Faschisten, aber...
Verfasst: 18 Mär 2016, 13:13
von paramecium
Das liegt in der Tat am Fachgebiet. Den "Luxus" der vollen Stelle, gibt es in Deutschland nur für die Physiker, Mathematiker, Informatiker, Maschinenbauer, Elektrotechniker ect., welche bereits nach dem Studium sehr gute Chancen in der freien Wirtschaft haben.
In den Life Sciences (Biologie, Biotechnologie, Biochemie, Lebensmittelchemie, Organische Chemie ect.) sind halbe Stellen während der Promotion Standard. Auch die meisten Postdocs haben nur 50% oder 75%-Stellen (E13), können aber über Drittmitteleinwerbungen insgesamt auf eine vollen Stelle kommen. Es gab bei uns sogar ein Institut (Technische Chemie), das Doktoranden bis zur ersten Publikation (in den Fächern der Life Sciences dauert das je nach Thema zwischen 1 und 2 Jahre; manche Doktoranden schreiben nach 3-5 Jahre auch ohne eine Publikation zusammen) grundsätzlich nur Drittel-Stellen oder Hiwi-Stellen vergeben hat. Es wurde natürlich trotzdem erwartet, dass man für die 800€ in den Kernzeiten (8:30-18:00) am Institut ist. Erst nach der Publikation erfolgte das "Update" auf die halbe Stelle. Dennoch haben sich angehende Doktoranden, auf Grund der besseren Berufsaussichten nach der Promotion, um diese Stellen gerissen.
Re: Nicht alle Rechte in Europa sind Faschisten, aber...
Verfasst: 18 Mär 2016, 13:37
von fugen
m5bere2: welche lohnsteuerklasse?
Re: Nicht alle Rechte in Europa sind Faschisten, aber...
Verfasst: 18 Mär 2016, 14:08
von m5bere2
fugen hat geschrieben:m5bere2: welche lohnsteuerklasse?
Erst I, dann IV, sodass sich da nichts geändert hat. Kommen wir offiziell bei Erfahrungsstufe 3 und TV-L E 13 auf 2248 Euro netto raus. Gut, nicht ganz die 2300, ich hatte das Kindergeld nur aus dem Gedächtnis abgezogen (das wurde mir mit dem Lohn ausgezahlt und ich erinnere mich weder an die genaue Nettozahl noch an das genaue Kindergeld).
http://oeffentlicher-dienst.info/c/t/re ... kk=15.5%25