Re: Warum wird PUTIN so geliebt?
Verfasst: 06 Sep 2016, 17:09
Deckt sich fast zu 100% mit meinen Erfahrungen, auch wenn ich noch zwei Jahre früher Russland und seine Menschen konnte, und dabei auch noch die Gefahr durch "Mafia" bzw Konkurrenzkriege mit erlebte.Dietrich hat geschrieben:Als ich 2002 meine Frau kennenlernte, war Russland für mich ein europäisches Land mit einer schweren Vergangenheit. Wenn meine Frau von den schweren Jahren erzählte, dann dachte ich daran, wie gut es mir in der Zeit ging. Während meine Frau stundenlang irgendwo in der Kälte anstand, ohne zu wissen was es da überhaupt zu kaufen gab, bin ich nach der Schule in die Bäckerei um mir was Leckeres zu kaufen, danach nach Hause an den reichlich gedeckten Mittagstisch und danach habe ich mit meinem Kumpel am Computer gespielt oder wir waren draußen unterwegs. Was ein Gegensatz!Aber Russland war für mich eindeutig auf dem richtigen Weg. Ein Weg der Schritt für Schritt weiter in Richtung Demokratie geht. In Richtung friedlicher Zusammenarbeit mit den restlichen Ländern in Europa. Klar gab es Probleme. Der Kapitalismus war in einigen Bereichen zu ungezügelt und durch Korruption und fehlende Rechntssicherheit war er oft auch nicht nur positiv.
Und nein, ich hasse Putin nicht, fand seine politische Richtung anfangs sogar akzeptabel, weil man dem russischen Volk keine Demokratie westlicher Prägung aufbürden sollte. Diese hat auch genug Fehler.
Ich war sogar begeistert von den Möglichkeiten, welche sich dort boten, und auch vom allgemeinen Optimismus der Menschen in jener Zeit.
Davon ist heute nichts mehr geblieben.
Schuld sind aber nicht die einfachen Menschen. Schuld ist auch nicht nur (aber schon zu einem großen Teil) die Politik des Kreml. Es ist ein schwer zu beschreibendes Gemisch, ähnlich einer düsteren Wolke, welche sich über das Land legt, und gefühlt jeden Monat dunkler wird. Eine Flucht nach hinten, in die noch bekannten alten Strukturen, hat eingesetzt, weil die Zukunft unsicherer und ungewisser denn je ist. Und befeuert wird dies noch durch die faschistische Propaganda in den Medien, welcher sich kaum jemand mangels Alternativen entziehen kann, und die mittlerweile auch wieder in die Erziehung und das Familienleben eingreift (auch durch Nashi bzw andere Schul- und Jugendorganisation, welche aber alle vom Staat kontrolliert und finanziert werden)
Ich finde es einfach schade, das den Menschen dort so viel an Freiheit (wie jeder das halt für sich interpretiert) und manchmal auch Perspektive genommen wird, weil ich eigentlich meine Zukunft letztendlich schon dort sehe, auch wenn dies momentan aus familiären Gründen noch nicht so umgesetzt werden kann.