Wer von den seichten Gewässer des Rus-POP in die Tiefen der Wissenschaft vordringen möchte, findet hier sein Terrain. Literatur, Bildende Kunst, Musik, Kinematografie und alles was intellektuellen Background hat kann hier diskutiert werden.
Na im Deutschen gibt es ja nur theoretisch den zweiten Begriff, "Russländer". Aber im Russischen gibt es klar die Unterscheidung zwischen "русский" (Nationalität) und "российский"→"россиянин" (Staatsbürgerschaft).
Nee, ist nicht nur ein Gefühl, ist ziemlich genau definiert.
Im Russischen fällt es nur mehr auf, weil es da zwei Wörter für gibt. Русский bezeichnet eindeutig die etnische Zugehörigkeit zum russischen Volk, während Россиянин lediglich die Staatsangehörigkeit bezeichnet. Im Deutschen gibt es nur Deutscher, was beides bezeichnet (man kann das auf Wunsch genauer ausdrücken, z.B. durch "Deutscher Staatsbürger" oder.ä.).
Nicht umsonst gab es zu Sowjetzeiten in dem Vielvölkerstaat zwei Einträge im Pass, die Nationalität und die Staatsangehörigkeit.
Wladimir30 hat geschrieben: 20 Jun 2025, 14:03
Nee, ist nicht nur ein Gefühl, ist ziemlich genau definiert.
Im Russischen fällt es nur mehr auf, weil es da zwei Wörter für gibt. Русский bezeichnet eindeutig die etnische Zugehörigkeit zum russischen Volk, während Россиянин lediglich die Staatsangehörigkeit bezeichnet.
Ist mir bekannt, aber an was machst du nun die ethnische Zugehörigkeit fest? Aussehen, Geburtsort, Geburtsort der Eltern, kulturellem Selbstverständnis? Oder anders gefragt: War der in Leningrad geborene Wiktor Zoi ein Русский? Ist es Alexander Zwerew? Ist es jemand der in Russland geboren ist, aber die russische Kultur nicht auslebt und kein Russisch spricht? Der Begriff Ethnie wird teils unterschiedlich definiert. Teils auch nach dem Selbstverständnis einer Person, die sich zu einer Gruppe zugehörig fühlt. Wäre es dann nicht auch möglich das z.B. Kaliningrad Uwe mittlerweile nicht nur ein Россиянин, sondern ein Русский ist?
Die Frage, wie man die ethnische Zugehörigkeit definiert, ist in der Tat eine schwierige und nicht eindeutig beantwortete Frage.
Grundsätzlich werden für die Bestimmung der ethnischen Zugehörigkeit Parameter wie Sprache, Religion, Geschichte, Abstammung, Sitten und kulturbestimmte Gebräuche herangezogen, aufgrund derer sich die Mitglieder dieses Ethnos von anderen ethnischen Gruppen unterscheiden und bewußt abgrenzen. Eine Folge davon ist ein unterschiedliches Wertesystem, das in der Regel nicht bewußt empfunden wird, aber das zu Missverständnissen beim Kontakt mit Vertretern anderer Ethnien führt. Hierdurch wird eine innere Abgrenzung gegen diese "anderen" herbeigeführt, meist vage kommentiert aks "Na ja, der/die ist irgendwie anders als wir". Interessant ist hierbei z.B die Situation in und um Serbien und Kroatien, die sich bewußt abzugrenzen versuchen, selbst wenn beispielsweise die Sprache gleich ist (davon unberührt bleibt das Vorhandensein von Dialekten). Dann wurde eben die Sprache künstlich abgegrenzt durch die Verwendung von unterschiedlichen Alphabeten.
Dabei ist bewußt die Zugehörigkeit zur Staatsangehörigkeit entkoppelt. Es gibt nur wenige Fälle, wo ethnische Zugehörigkeit und Staatlichkeit zusammenfallen (meistens inselartig gelagert, wie z.B Island), oder, das andere Extrem, gar kein Staat vorhanden ist (Kurden, z.B.).
Bewußt außen vor bleiben Überlegungen zu humangenetischen Aspekten, die in gewisser Weise auch Einfluß haben, aber ich möchte dieses Feld gerade derzeit nicht anfassen.
Aber auch diese genannten Kriterien sind keine absoluten, wie das Beispiel Belgien zeigt, noch deutlicher die Schweiz.
Abstammung ist auch schwierig, weil durch Mischehen dieses Kriterium sich aufweicht. Aber es gibt auch genügend ethnische Gruppen, die streng auf derartige Mischehen verzichten, meistens je kleiner eine ethnische Gruppe ist, desto mehr Wert wird auf diesen Punkt gelegt.
Eine Folge hiervon ist, dass sich Menschen mehreren Ethnen zugehörig fühlen können, wobei in der Regel eine davon meist als prävalierend empfunden wird. Wie das Beispiel der Türkischstämmigen in Deutschland zeigt, die in zweiter oder in dritter Generation in Deutschland leben und sich oft genug dennoch eindeutig als Türken definieren, trotz der deutschen Staatsangehörigkeit (ich nenne nur mal provokativ den Namen M. Özil).
Ich denke, eine tiefere Ausleuchtung dieser Fragestellung sollte hier erstmal unterbleiben.
Meine persönliche Einschätzung zu Ani Lorak ist, dass sie keine Russin ist, Wiktor Zoj kann ich nicht beurteilen, vermute aber mal eher nein (also eher kein Russe). Unser Freund Uwe N.? Na, das kann höchstens in der Kategorie Lachnummer in Betracht gezogen werden. Hier sehe ich keines der genannten Kriterien, die eine entsprechende Zuordnung erlauben würde, als gegeben an. A. Zwerew, dieser coole, nervenstarke Tennisspieler? Schwer zu sagen, aber ich empfinde ihn als Deutschen, ich spüre nichts Russisches in ihm (was aber natürlich nichts zu sagen hat).
Die Frage geht ja noch weiter ... was ist eine Sprache und was ein Dialekt? Vergangene Woche meinte ein Linguist zu mir: "Vereinfacht gesagt: Wenn es eine eigene Armee dazu gibt, dann kann man von einer Sprache sprechen." Das hilft dabei, Schweizerdeutsch und Niederländisch als Sprachen zu definieren, bei Österreich würde aber wiederum niemand von einer eigenen Sprache sprechen (bilde ich mir ein).