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Verfasst: 11 Dez 2006, 19:11
von Dietrich
Die Russen haben, wie so oft, erstmal kraeftig auf die Bremse getreten. Man koennte ja die Moeglichkeit einbuessen, rechtzeitig zu reagieren, bevor es unangenehm wird.....

Immerhin scheint ja im Moment Putin ein wenig aus der Schusslinie rausgeraten zu sein.

Verfasst: 12 Dez 2006, 00:50
von Mysh
In der heutigen Ausgabe der PNN (http://archiv.tagesspiegel.de/archiv/11 ... 956980.asp) werden die verschiedenen Theorien noch mal gegenübergestellt:


Wohin die Spuren führen
Noch tappen die internationalen Ermittler im Fall Litwinenko weitgehend im Dunkeln. Welche Theorien gibt es zu seinem rätselhaften Tod?

Von Jens Mühling

Am 29. November starb der ehemalige FSB-Spion Alexander Litwinenko in London an den Folgen einer radioaktiven Vergiftung. Zu den Hintergründen seines Todes existieren zahlreiche Theorien – von denen bislang keine zweifelsfrei erhärtet oder widerlegt werden konnte.



Die FSB-Theorie. Litwinenko hatte das Ansehen seines ehemaligen Arbeitgebers, des russischen Geheimdienstes, durch zahlreiche spektakuläre Enthüllungsgeschichten beschädigt. Unter anderem hatte er behauptet, der FSB habe die Ermordung des kremlkritischen Oligarchen Boris Beresowskij geplant und Bombenanschläge in Moskau inszeniert, um Putin einen Vorwand für seinen zweiten Tschetschenienfeldzug zu liefern. Ein eingeschworener Zirkel von FSB-Mitarbeitern könnte deshalb – mit oder ohne Wissen der Geheimdienstführung – den abtrünnigen Nestbeschmutzer Litwinenko ermordet haben. Für diese Theorie spricht, dass nach bisherigem Stand der Ermittlungen zahlreiche ehemalige und aktive Mitarbeiter des FSB in Litwinenkos Ermordung verstrickt zu sein scheinen. Dagegen spricht, dass professionelle Geheimdienstler bei der Ausführung eines solchen Plans sicher weniger Spuren hinterlassen hätten. Dagegen spricht auch, dass Litwinenko mit einer unnötig großen Menge eines unnötig teuren Isotops vergiftet wurde.



Die Kreml-Theorie. Litwinenko war ein vehementer Kritiker der russischen Regierung, der aus dem Londoner Exil heraus wiederholt mit spektakulären Anschuldigungen insbesondere gegen Putin an die Öffentlichkeit gegangen war. Im Kreml könnte deshalb – mit oder ohne Putins Wissen – der Entschluss gereift sein, den Kritiker zum Verstummen zu bringen. Eine Abwandlung dieser Theorie besagt, dass Litwinenko Dokumente besaß, die eine Verstrickung des Kremls in den Mord an der Journalistin Anna Politkowskaja belegen. Eine weitere Abwandlung legt nahe, dass der Ex-Spion krumme Machenschaften bei der Zerschlagung des Jukos-Konzerns aufgedeckt hatte. Eine dritte Version besagt, dass Litwinenko wegen seiner Kontakte zu tschetschenischen Rebellen wie dem in London lebenden „Untergrundaußenminister“ Achmed Sakajew sterben musste. Für diese Theorie sprechen sich zahlreiche andere Kreml-Kritiker aus. Dagegen spricht in erster Linie das Risiko, das jede Regierung mit einem politischen Mord auf fremdem Boden eingehen würde: Im Falle einer Aufdeckung wäre sie international komplett diskreditiert. Dagegen spricht außerdem, dass man Litwinenko deutlich unaufwendiger und lautloser hätte verschwinden lassen können. Ebenfalls dagegen spricht, dass Litwinenko die russische Regierung bereits seit sechs Jahren ungehindert kritisierte und das Interesse an seiner Person in letzter Zeit eher nachgelassen hatte.



Die Selbstmord-Theorie. Litwinenkos Enthüllungen über den Kreml waren in den letzten Jahren immer haarsträubender geworden: Unter anderem behauptete er vor zwei Jahren, es gäbe Videoaufnahmen von Putin beim Sex mit kleinen Kindern, die Putin aber als Geheimdienstchef vernichtet hätte. Mehrere Bekannte Litwinenkos vertrauten in den vergangenen Wochen der britischen Presse an, dass der Ex-Spion in Londoner Emigrantenzirkeln nicht mehr als maßgebende Stimme galt. In einem verzweifelten Versuch, ein letztes Mal Aufmerksamkeit zu erregen, könnte Litwinenko deshalb einen spektakulären Selbstmord inszeniert haben, um auf dem Totenbett Putin zu beschuldigen. Gegen diese Theorie spricht, dass auch bei anderen Personen Spuren von Polonium gefunden wurden.



Die Atomschmuggel-Theorie. Litwinenko könnte gemeinsam mit anderen ehemaligen FSB-Agenten ein kriminelles Netzwerk zum Schmuggel nuklearer Stoffe aus russischen Atomkraftwerken aufgebaut haben. Dieser Theorie zufolge ereignete sich bei einem Atomdeal ein Unfall: Durch unsachgemäße Handhabung eines Isotopenbehälters vergiftete Litwinenko sich selbst; eine kleinere Dosis bekam sein Kontaktmann Dmitrij Kowtun ab, der derzeit in einem Moskauer Krankenhaus behandelt wird. Für diese Theorie sprechen die zahlreichen verstreuten Poloniumfunde. Es ist außerdem die einzige Theorie, die einen Erklärungsansatz dafür bietet, warum bei Litwinenkos Tod radioaktives Gift im Marktwert von 30 Millionen Euro zum Einsatz kam.



Die Erpressungs-Theorie. Die russische Studentin Julia Swetlitschnaja behauptete vor wenigen Tagen gegenüber der britischen Presse, Litwinenko habe sie in einen Erpressungsplan eingeweiht: Er sei im Besitz belastender Dokumente über zahlreiche russische Politiker und Geschäftsleute, von denen er hohe Geldbeträge erpressen wollte. Swetlitschnaja zufolge wollte Litwinenko sie zur Komplizin machen. Glaubt man dieser Theorie, bekam eines der potenziellen Opfer Wind von der Sache und ließ Litwinenko beseitigen. Für diese Theorie spricht bislang nur Swetlitschnajas Aussage. Dagegen spricht, dass sich ein Auftragsmord auch deutlich kostengünstiger und spurenloser organisieren ließe.



Die Komplott-Theorie. Große Teile der russischen Öffentlichkeit vermuten hinter Litwinenkos Ermordung ein antirussisches Komplott, mit dem Putin und seine Regierung diskreditiert werden sollen. Auch die Ermordung der Journalistin Anna Politkowskaja könnte Teil dieses Plans gewesen sein. Zu den Drahtziehern einer solchen Verschwörung werden in Russland verschiedene Vermutungen angestellt: Zum einen könnten rechtsgerichtete Kräfte im Lande dahinterstecken, die eine Abkehr Russlands vom Westen erzwingen wollen. Als potenzieller Kopf hinter einem antirussischen Komplott wird außerdem der Londoner Exil-Oligarch Boris Beresowskij vermutet, der seit Jahren erklärtermaßen einen Regierungswechsel in Russland erzwingen will. Für diese Theorie spricht, dass Litwinenkos Tod das Verhältnis zwischen der russischen Regierung und ihren westlichen Partnern tatsächlich deutlich belastet. Gegen eine Beteiligung Beresowskijs spricht, dass der Oligarch als Freund Litwinenkos galt und beim Begräbnis sogar dessen Sarg trug. Den Anhängern der Komplott-Theorie zufolge könnte Beresowskij jedoch bewusst ein „Bauernopfer“ in Kauf genommen haben, um den Anschlag glaubwürdiger wirken zu lassen – und Litwinenko könnte möglicherweise sogar in seinen eigenen Märtyrertod eingewilligt haben.

Verfasst: 29 Dez 2006, 17:04
von achim

Verfasst: 11 Jan 2007, 21:17
von Sayuri
Ich persönlich glaube kaum, dass Putin oder die Regierung etwas damit zu tun haben. Hätten sie etwas mit dem Mord an Litwinenko zu tun, dann wäüre die ganze geschichte viel zu auffällig und gespielt.

Ich glaube, dass Gegner Putinns daran beteiligt sind, die einfach ein schlechtest Lich auf Putin wefen wollen oder sogar ihm/der Regierung die ganze Geschicht in die Schuhe schieben wollen.

Meine Meinung.

LG
Sayuri

Re: Mord an Litwinenko

Verfasst: 01 Aug 2014, 11:22
von Gunnar
was für ein Zufall, dass UK gerade jetzt wieder die ominös im Sande verlaufenen Ermittlungen zu dem Tod des EX KGB Offiziers wieder neu belebt:

http://www.stern.de/politik/ausland/mor ... 27813.html

Man gewinnt den Eindruck, dass man damals aus politischen Interesse nicht weiter gemacht hat und nun aus politischem Interesse die Kehrtwendung vollzieht. Für eine Strafermittlungsbehörde nicht sonderlich rühmlich ...

Re: Mord an Litwinenko

Verfasst: 01 Aug 2014, 17:17
von GIN
und was ein Zufall das dieses Schiedsgericht in Den Haag sowie der Europäische Gerichtshof gerade jetzt ihre Sprüche fällten.
Das ist wirklich ein "Zufall". [gaehn]

Re: Mord an Litwinenko

Verfasst: 14 Nov 2014, 18:41
von Gunnar
http://www.themoscowtimes.com/news/arti ... 11180.html
Russia has repeatedly denied any involvement but Robert Owen, chairman of the inquiry which British ministers in July finally agreed to hold, has said the government had material which indicated the Kremlin was responsible.