Zejtnot_ hat geschrieben:Dennoch einen riesen Dank an Zeppelin, für die klärenden Worte direkt aus Kasan!
@ Zejtnot: ich schicke Dir demnächst endlich die versprochen e-Mail, um mein Verhältnis zu Kazan' zu klären. Denn ich lebe nicht dort, sondern hier in Berlin. (In meinem Profil steht BÄRlin als Refrenz an unser geliebtes Wappentier)
@ all:
Ansonsten ist es schon richtig, dass mit dem VerfG-Urteil zwischenzeitliche Erfolge bei der Sprach- und Schreibreform zurückgedrängt worden sind.
Aber Shamijew ist ja nicht so schnell unterzukriegen, zumal er offenbar ein wirklich von der Bevölkerung geschätzer und unterstützter Politiker mit großem diplomatischen Talent ist. - Jedenfalls bestätigen dies alle Tataren, die ich kenne.
So macht sich der gute Mann immer wieder einen Spaß daraus, bei Verhandlungen mit Moskau Russisch mit ausgeprägtem tatarischem Akzent zu sprechen - gern auch mal in Kameras.
Und die 'renitenten' Tataren haben einen gewissen Kompromiss gefunden, in dem z.B. Straßenschilder zweisprachig beschriftet werden. Und in einigen Schulen wird wohl zumindest fakultativ Tatarisch angeboten - latürnich mit lateinischer Schreibweise der Sprache.
Ob Moskau deshalb Truppen in Bewegung setzen wird, wage ich mal zu bezweifeln.
Ich würde mal sagen, es herrscht so eine Art Burgfrieden in wechselseitiger Kenntnis des Machtgefüges. Aus Kazan' kommen ja nie offene Drohungen. Das hat man gar nicht nötig - außer vielleicht ein paar Schreihälse.
Würde Mokau Tatarstan allzusehr auf die Pelle rücken, hätte dies mit Sicherheit recht schmerzhafte Reaktionen zivilen Ungehorsams zu Folge.
Und da Tatarstan zudem tatsächlich zahlreiche selbständige Auslandsvertretungen unterhält und viele politische Freunde auf der ganzen Welt hat, könnte der Moskauer-Kreml international ziemlichen Ärger riskieren, wenn der weiße Kreml in Kazan' Alarm schlägt.
Ferner kann Moskau schwer auf die Brückenfunktion Kazan's hin zum türkisch-arabischen Raum verzichten. Vor allem deshalb wurde Tatarstan ja dereinst von Iwan Groszny erobert und später von Katarina sehr gut behandelt.
Und meine ganz persönliche Meinung ist, dass es dem Lager Shamijews sehr gut gelungen ist, mittels einer Besinnung auf die strategischen Trümpfe der Republik die Separatisten mundtot zu machen.
Man ärgert sich zwar in Tatarstan über die permanente Bevormundung aus Moskau, lehnt sich aber lieber entspannt zurück, als eine Katastrophe heraufzubeschwören.
Im Gegenzug hat sich Moskau offenbar entschlossen, sich ebenfalls zurückzuhalten. Denn eines kann RUS als allerletztes gebrauchen: Eine weitere Krisenregion, auf die die ganze Welt schauen würde.
Grüße,
Zeppelin