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Verfasst: 05 Feb 2007, 20:30
von Dave
Manuel Amstutz hat geschrieben:die tsaren waren schon immer paranoid.
auch heute noch.
...und bis vor wenigen Jahren war die Gross-/ Kleinschreibung noch
fester Bestandteil der Deutsche Sprache...

...die Bauhaus Entgleisung mal aussen vor gelassen.

Dave

Verfasst: 05 Feb 2007, 20:33
von Manuel Amstutz
und die Tataren wollen sich von der kyrillischen schrift trennen...

@dAVE: nich mek-
kern, du hast meine handschrift noch nie gesehn

Verfasst: 05 Feb 2007, 20:37
von m1009
Manuel Amstutz hat geschrieben:die caren
ach die... na habe ne lange leitung.. bin nich so hochinteligent... :idea:

du bewegst dich auf duennem eis... meine meinung..... :blumen2:

Verfasst: 05 Feb 2007, 20:40
von Manuel Amstutz
die globale klimaerwärmung wird auch die kola inseln irgendwann erreichen :lol:

es tut mir leid, wenn ich irgendjemandem zu nahe getreten bin.

Verfasst: 05 Feb 2007, 21:05
von m1009
na mir nich.... und ich hoffe das bleibt auch so.. ausserdem ziehe ich mir eh nicht gleich jeden schuh an.. :reiter:

Verfasst: 06 Feb 2007, 08:03
von Zejtnot
Manuel Amstutz hat geschrieben:und die Tataren wollen sich von der kyrillischen schrift trennen...
Wollen und Können sind unterschiedliche Dinge. Die kyrillische Schrift ist in der Verfassung als alleinige verankert. Den Streit hatten sie schon vor ein paar Jahren und Moskau blieb hart.

Noch einmal: Unabhängigkeit würde Krieg bedeuten, siehe Tschetschenien - denn Moskau würde einen weiteren Zerfall seines Landes nicht zulassen.

Diese Diskussion ist an sich sinnlos! Die Bayern wollen auch gern ab und zu unabhängig sein. Sie haben auch die besten Wirtschaftsdaten. Sie sind auch pfiffig. Und sie zahlen ebenso dank ihres Erfolges immense Steuern zugunsten ärmerer Teile Deutschlands. Und dennoch wird Bayern nicht unabhängig! Genauso bei den Tataren.

Ich meine mit ein bissl NZZ lesen und nach ein paar Wochen Moskau-Wnukowo sollte man nicht gleich solchen Weisheiten als unumstößlichen Fakt postulieren!

Verfasst: 06 Feb 2007, 12:55
von Zeppelin
Mal mein Halbinsider-Senf dazu. Meine Frau hat hierfür weder Zeit noch besondere Lust.

Ich bin fest davon überzeugt, dass die separatistischen Kräfte in Tatarstan, die Anfang der 1990er die Klappe etwas aufgerissen haben, in der völligen Bedeutungslosigkeit verschwunden sind.
Die allergrößte Zahl der Bürgerinnen und Bürger Tatarstans strebt lediglich eine gewisse kulturelle und administrative Autonomie innerhalb einer stabilen Föderation an.
Die sind alle klug genug um zu wissen, dass ein eigener Staat Selbstmord wäre. Zejtnot führte ja schon einige Beispiele dazu an. Aber es sind nicht nur wirtschaftliche Gründe.
Man stelle sich nur vor, die Tataren würden in Russland visapflichtig und umgekehrt.
So wie Sie jetzt dort leben, geht es ihnen gut - und ich meine sogar fast besser, als dem Durchschitt in RUS - jenseits von Moskau oder Piter.
Das funktioniert aber nur, weil sie kontinulierlich um einen angemessenen Anteil am RUS Nationaleinkommen kämpfen, der auch den wirtschaftlichen Leistungen der Föderationsrepublik entspricht. Immerhin verfügt Tatarstan über eine hochentwickelte sehr produktive Industrie.

Es ist Quatsch, dass Tatarstan sich völlig von der kyrillischen Schrift trennen wollte. Aber die Tataren kämpfen dafür, dass ihre Muttersprache (also Tatarisch) als zweite offizielle Amtssprache anerkannt wird und dafür eben auch den erweiterten lateinischen Zeichensatz zu verwenden.
Der Grund ist, dass es im Tatarischen eine Reihe von Lauten gibt, die man mit dem Kyrillischen nicht adäquat abdecken kann.
Das hat aber längst nichts mit Separatismus zu tun.

Ansonsten ist noch anzumerken, dass die Wolgatataren und die Krimtataren nicht allzu viel mit einander zu tun haben. Es handelt sich dabei um zwei verschieden Volksgruppen unterschiedlicher Abstammung.

Soweit erst einmal meine Meinung dazu. Ich schaue mal, ob ich noch den Artikel eines tatarischen Journalisten finde, der vor paar Jahren mal eine sehr umfangreiche Analyse der politischen Entwicklung Tatarstans nach dem Ende der GUS geschrieben hat. Wenn ich ihn noch finde, stelle ich den mal hier hinein.

Zeppelin

Verfasst: 06 Feb 2007, 13:18
von Zejtnot
Zeppelin hat geschrieben:Es ist Quatsch, dass Tatarstan sich völlig von der kyrillischen Schrift trennen wollte.
Kann es nicht nachprüfen, aber 2004 stand bei Russland-Aktuell (http://www.aktuell.ru/rupol0010/morenew ... ditem=2473):
Tataren müssen Kyrillisch schreiben
Moskau. Das russische Verfassungsgericht hat am Dienstag die Teilrepublik Tatarstan angewiesen, eine umstrittene Schriftreform zurückzunehmen. Die Richter entschieden, dass die tatarischen Behörden gegen die Verfassung verstießen, als sie den Übergang von der kyrillischen zur lateinischen Schrift verabschiedeten. ...
Die Abschaffung der kyrillischen Schrift war damit begründet worden, dass sich die mit dem Türkischen verwandte Sprache besser mit lateinischen Buchstaben darstellen ließe. In der Teilrepublik wurde eine Übergangszeit von zehn Jahren vereinbart, innerhalb derer Schulbücher und Straßenschilder ausgewechselt werden sollten. ...
Will hier jetzt nicht alles posten, ihr könnt Euch den Artikel ja selbst durchlesen.

Dennoch einen riesen Dank an Zeppelin, für die klärenden Worte direkt aus Kasan!

Verfasst: 06 Feb 2007, 14:13
von Zeppelin
Zejtnot_ hat geschrieben:Dennoch einen riesen Dank an Zeppelin, für die klärenden Worte direkt aus Kasan!
@ Zejtnot: ich schicke Dir demnächst endlich die versprochen e-Mail, um mein Verhältnis zu Kazan' zu klären. Denn ich lebe nicht dort, sondern hier in Berlin. (In meinem Profil steht BÄRlin als Refrenz an unser geliebtes Wappentier)

@ all:
Ansonsten ist es schon richtig, dass mit dem VerfG-Urteil zwischenzeitliche Erfolge bei der Sprach- und Schreibreform zurückgedrängt worden sind.
Aber Shamijew ist ja nicht so schnell unterzukriegen, zumal er offenbar ein wirklich von der Bevölkerung geschätzer und unterstützter Politiker mit großem diplomatischen Talent ist. - Jedenfalls bestätigen dies alle Tataren, die ich kenne.
So macht sich der gute Mann immer wieder einen Spaß daraus, bei Verhandlungen mit Moskau Russisch mit ausgeprägtem tatarischem Akzent zu sprechen - gern auch mal in Kameras. :lol:

Und die 'renitenten' Tataren haben einen gewissen Kompromiss gefunden, in dem z.B. Straßenschilder zweisprachig beschriftet werden. Und in einigen Schulen wird wohl zumindest fakultativ Tatarisch angeboten - latürnich mit lateinischer Schreibweise der Sprache.
Ob Moskau deshalb Truppen in Bewegung setzen wird, wage ich mal zu bezweifeln. :lol:

Ich würde mal sagen, es herrscht so eine Art Burgfrieden in wechselseitiger Kenntnis des Machtgefüges. Aus Kazan' kommen ja nie offene Drohungen. Das hat man gar nicht nötig - außer vielleicht ein paar Schreihälse.

Würde Mokau Tatarstan allzusehr auf die Pelle rücken, hätte dies mit Sicherheit recht schmerzhafte Reaktionen zivilen Ungehorsams zu Folge.
Und da Tatarstan zudem tatsächlich zahlreiche selbständige Auslandsvertretungen unterhält und viele politische Freunde auf der ganzen Welt hat, könnte der Moskauer-Kreml international ziemlichen Ärger riskieren, wenn der weiße Kreml in Kazan' Alarm schlägt.

Ferner kann Moskau schwer auf die Brückenfunktion Kazan's hin zum türkisch-arabischen Raum verzichten. Vor allem deshalb wurde Tatarstan ja dereinst von Iwan Groszny erobert und später von Katarina sehr gut behandelt.

Und meine ganz persönliche Meinung ist, dass es dem Lager Shamijews sehr gut gelungen ist, mittels einer Besinnung auf die strategischen Trümpfe der Republik die Separatisten mundtot zu machen.
Man ärgert sich zwar in Tatarstan über die permanente Bevormundung aus Moskau, lehnt sich aber lieber entspannt zurück, als eine Katastrophe heraufzubeschwören.
Im Gegenzug hat sich Moskau offenbar entschlossen, sich ebenfalls zurückzuhalten. Denn eines kann RUS als allerletztes gebrauchen: Eine weitere Krisenregion, auf die die ganze Welt schauen würde.

Grüße,
Zeppelin

Verfasst: 06 Feb 2007, 18:11
von Zeppelin
Zur erläuternden Vertiefung des Themas hier nun der Link zu dem schon erwähnten Artikel von
Andrej Kobiakow :
Tschetschenien und Tatarstan - nicht zu vergleichen
Der gesamte Text ist zu lang, um ihn hier zu posten, aber ich meine ein Klick auf einen der Links - also der eine zu dem Autoren, der andere direkt zu seinem Aufsatz - lohnt sich für Interessierte.

Grüße,
Zeppelin