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Re: Russisch an Deutschen Schulen

Verfasst: 17 Sep 2007, 21:05
von Zeppelin
schlaudi hat geschrieben:Der für Auslandskontakte zuständige Rektor eines Instituts in Krasnojarsk wurde mir als Mann mit guten Englischkenntnissen vorgestellt. Auf Englisch verständigen konnte man sich mit dem aber nicht. Änliches ist mir in Ekatarinburg passiert ...
Derartige Kompetenzübersteigerungen sind doch völlig normal: Da versteht einer "How are you?" oder kann es sogar sprechen, und schon hat derjenige "gute Englischkenntnisse".

Würde ich mal damit vergleichen, wie "gut" meine Russischkenntnisse sind, blos weil ich wenigstens kyrillisch entzfiffern kann und die eine oder andere Vokabel vage verstehe.

Aber Zejtnot hat schon recht: Hier im Westen kann man sich schon etwas elitär fühlen, wenn man das kyrillische Alphabet beherrscht und auch noch weiß, was z.B. ein 'mjachki snag' ist, bzw. warum z.B. dass kyrillische 'z' nicht als lat. 's' tranliteriert wird, sondern eben mit einem 'z' und einem ' am Wortende.
Begegne ich (hier) aber einem russ. Muttersprachler, möchte ich vor Scham am liebsten tief unter der Erde verschwinden...
Vor Ort (in RUS) sind sie jedoch sehr rücksichtsvoll und erfreut, wenn man wenigstens versucht, die eine oder andere Vokabel auf russisch aus sich herauszuquetschen, auch wenn die Aussprache nur zur allgemeinen Belustigung beiträgt. :oops:

Re: Russisch an Deutschen Schulen

Verfasst: 17 Sep 2007, 21:37
von Ragnar Schluchtmann
Das gegenseitige Verstehen haengt meiner Meinung nach in erster Linie vom Willen der Gespraechspartber ab. Und wenn jeder ein bisschen deutsch, englisch und russisch kann, ist das sehr spassig.

Unter den russischen Geschaeftsleuten ist das Englisch uebrigens sehr gut. Sie verdienen damit Geld, und jeder Fehler kann Geld kosten.

Bei den Beamten, inklusive Lehrer, sind die Kenntnisse in der Regel schlecht, dafuer das Selbstbewusstsein um so hoeher.

Re: Russisch an Deutschen Schulen

Verfasst: 18 Sep 2007, 18:17
von Joerg57
Mein "Sprachverhältnis" zu Russen ist mehr oder weniger lustig und macht mich auch ein bißchen stolz:
Mein Schwiegervater ist "kandidat gistoricheskih nauk" und Spezialist für die "Geschichte der olympischen Bewegung" in Russland... (womit sich manche so beschäftigen... :) )
Als er mich mal stolz als seinen Schwiegersohn aus Deutschland durch sein Institut geführt hat - hat er mir anschliessend von der akademischen Diskussion über meinen Akzent berichtet: Manche der russischen dotores meinten ich hätte einen baltischen Akzent, andere meinten einen englischen erkennen zu wollen.... Dass ich aus Deutschland kam, wussten aber alle :D :D
Hier in Deutschland gehe ich bei Russen als "Spätaussiedler" weg, also als Russe mit deutschen Vorfahren... :oops:
Alles Erfolge meiner Frau, die zwar Hochschullehrerin aber keine Sprachlehrein ist :D

Also sprechen lernt man meiner Meinung eine Sprache nur in dem Land, in der sie die Muttersprache ist. Den Negativbeweis treten die Russen mit ihren Sprachdiplomen in deutsch und englisch glaube ich jeden Tag an.
Eine Tochter meines besten Kumpels hat in Ostdeutschland auch 8 Jahre bis zum (bundesdeutschen !) Abitur russisch gelernt - mit meiner Frau konnte sie sich aber nicht unterhalten, obwohl sie im Zeugnis eine 1 stehe hatte... :-P

Re: Russisch an Deutschen Schulen

Verfasst: 18 Sep 2007, 18:35
von manuchka
Ja, die 1 hatte ich auch, und dennoch war ein Jahr Sibirien der Schlüssel zur Sprache und nicht das jahrelange Schulrussisch... hast vollkommen recht, Joerg.

Re: Russisch an Deutschen Schulen

Verfasst: 19 Sep 2007, 16:56
von Ragnar Schluchtmann
manuchka hat geschrieben: dennoch war ein Jahr Sibirien der Schlüssel zur Sprache
alte Zarenweisheit : ein paar Jahre Sibirien helfen immer :D :D

Re: Russisch an Deutschen Schulen

Verfasst: 19 Sep 2007, 17:54
von papasha
Joerg57 hat geschrieben:
Weiss nicht - wenn Du solche Eindrücke gewonnen hast, wird da schon was dran sein. Ich habe mal in einer deutschen Firma mit Filiale in Moskau gearbeitet - die konnten dort alle englisch. und waren dann überglücklich, dass sie mit mir auch mal in ihrer Muttersprache "quatschen" konnten. Aber grundsätzlich sind da die Russen vielleicht den Franzosen ähnlich - ins Ausland reisen wir nur mit dem "tank" :-P (bei dem Witz stelle ich mir so richtig einen Kriegsveteran mit 50 Jahre alter Uniform vor...) und erwarten dann, dass jeder russisch kann...
Aber was den Hang zur Zweitsprache englisch betrifft, der nach 1990 an den russischen Schulen einsetzte, ist das wirklich so. Aber vielleicht ist das so wie mit den Englisch-Sprachkenntnissen zu DDR Zeiten: Wozu ? - Komme ja sowieso nicht dazu, sie jemals anzuwenden...
sicher, in firmen, in denen es wirklich voraussetzung ist und auch täglich benötigt wird, arbeiten schon fähige leute. aber in den meisten fällen ist alles heisse luft. der russe neigt ja allzugern vor ausländern anzugeben. so im stile von: waaas?du verdienst nur 2500euro in dt.?das ist aber wenig...
selber knüppel se aber für 500bucks(wenn überhaupt) und wohnen bei mutti oder in der kommunalka...

wenn es dann aber wirklich heisst:hey natascha,vaschnyi svonok is ameriki, ja dann stehen se doof da, papasha mach mal... :roll:

Re: Russisch an Deutschen Schulen

Verfasst: 22 Sep 2007, 00:20
von Bephep
Meine Erfahrungen mit Russ/en/innen und der Deutschen Sprache sind nicht so negativ.

Wenn die Lehrer in Russland die Möglichkeit haben nach Deutschland zu kommen merkt man das auch an den Schülern/innen.

Daher kommen in den letzten Jahren viele die in Ru Deutsch lernen zu Besuch nach hier und sprechen schon gut deutsch.

Nach meiner Erfahrung war das vor einigen Jahren noch anders man konnte sich mit Deutschlehrern und Lehrerinnen nicht gut auf deutsch Unterhalten.

Noch eine Erfahrung,Frauen sprechen in der Regel besser als Männer eine Fremdsprache bei gleicher Tätigkeit.

Viele Jugendliche sprechen ausreichend englisch aber ich meine das Deutsch wieder mehr gelernt wird.

Re: Russisch an Deutschen Schulen

Verfasst: 22 Sep 2007, 12:08
von papasha
Bephep hat geschrieben:
Viele Jugendliche sprechen ausreichend englisch aber ich meine das Deutsch wieder mehr gelernt wird.
kommt auf die berufl.ziele der jungen leute und die region drauf an.
in moskau/piter strebt die jugend, die was werden will, mit sicherheit engl.sprachkenntnisse an. im saratower gebiet z.b. hab ich fast niemanden kennengelernt, der englisch konnte, dafür war deutsch sehr populär. da wirken die alten zeiten halt noch nach :D

Re: Russisch an Deutschen Schulen

Verfasst: 24 Sep 2007, 23:55
von Bephep
Leider scheint russisch lernen immer weniger gefragt zu sein.An der hiesigen Volkshochschule waren im letzten Jahr noch drei Kurse jetzt nur noch einer.Und der ist wieder mit zu wenig Schülern, man muss also wieder mehr als normal bezahlen.

Man merkt die Zeiten von Gorbaschow sind vorbei das Interesse am Russland und der Russischen Sprache wird immer weniger.

Gestern hatte ich wieder Besuch und schon hat man mir erklärt das Russisch einfacher ist als Deutsch.In der russischen Sprache kann man an der Wortendung das Geschlecht erkennen in der Deutschen nicht.

Re: Russisch an Deutschen Schulen

Verfasst: 25 Sep 2007, 07:26
von Zejtnot
Bephep hat geschrieben:Leider scheint russisch lernen immer weniger gefragt zu sein.
Mir scheint, dass es gerade wieder zunimmt, da immer mehr russische Touristen durch Europa ziehen, die viel Geld ausgeben möchten ohne dabei Englisch oder andere Fremdsprachen einsetzen zu müssen. 8) Ebenso bei Investoren.
Bephep hat geschrieben:Gestern hatte ich wieder Besuch und schon hat man mir erklärt das Russisch einfacher ist als Deutsch.In der russischen Sprache kann man an der Wortendung das Geschlecht erkennen in der Deutschen nicht.
Naja, dafür haben sie jedes Verb doppelt und für mich vollkommen undurchschaubare Regeln, wann welches genutzt wird. (Oder anders: Vollkommen durchschaubare Regeln, die sich aber gegenseitig widersprechen.) Das macht o.g. Vereinfachungen vollkommen zunichte!