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Re: Wahlen in Russland
Verfasst: 23 Dez 2007, 17:52
von Xottabych
Ich glaube, trotz aller gerechtfertigten Einwände Deinerseits, Wolk, sollte man die Verhältnismäßigkeiten nicht aus den Augen verlieren.
Sicher hat Russland das Kyotoprotokoll ratifiziert, und die USA nicht; das ändert aber nichts daran, dass Russland sich beim Klimaschutz kaum engagiert.
Übrigens wird meinem Eindruck nach über Russland in den westlichen Medien allgemein nicht schlechter berichtet, als über die meisten anderen Länder der Erde. Wenn ich nur an die Berichterstattung über Afrika denke - da hört man, seit ich mich erinnern kann, nichts außer AIDS, Armut und Krieg. Ist das nah an der Wirklichkeit?
Und USA? Über die Politik dort wird eigentlich auch nur Schlechtes berichtet. Wie stark ist unser Amerikabild dadurch verzerrt? In Europa wird Amerika auch gerne als fett, faul, verblödet, degeneriert, arrogant... abgestempelt, dabei waren die meisten Leute, die ich kenne, selber nie dort.
Re: Wahlen in Russland
Verfasst: 23 Dez 2007, 20:47
von wolk0815
Afrika an sich ist und war fast immer ein Stiefkind in der Berichterstattung. Ist leider so und ich denke das wird sich nur bei Kriegen oder Katastrophen - und dann jeweils nur kurzfristig - ändern.
Was Russland angeht: Im Moment, so denke ich, schiesst man sich halt wieder mal vermehrt auf Russland ein (und das ist was mich eigentlich stört. Man berichtet nicht das pro und contro sondern fast immer nur kontra) . Naja.. Zeit der Wahlen.
Da wird dann doch lieber mit dem Zeigefinger in diese Richtung gezeigt. Andererseits sah ich noch selten Stimmen, die russisches Verhalten relativierten.
Beispiele aus (relativ) naher Zukunft: Präsident USA kommt .. halb Rhein-Main-Gebiet wird auf den Kopf gestellt..abgesperrt wie wild..Gullideckel verschweisst. Irrsinnsaufwand. Und die Bundesregierung spielt mit. Hätte gerne mal die US Politiker gesehen, wenn bei Präsidentenbewegungen in Washington DC auch jeweils der Beltway (eine der Hauptverkehrsadern) für Stunden dicht gemacht würde. Dagegen kommt Putin nach Wiesbaden und die Beeinträchtigungen sind minimal.
Warum folgt also im Fall von Bush den übertriebenen Massnahmenforderungen eines Secret Services ? Mit Kosten, die sich nicht nur durch die Polizeipräsenz begrenzen, sondern auch noch den enormen wirtschaftlichen Schaden der damals der Region und der Wirtschaft entstanden sind (und an diesen gibts genausowenig zu rütteln wie es auch nicht an den Kosten durch den Bahnstreik zu rüttelt gibt - beide sind real)
Nächster Punkt: Raketenschild. Sage hier nur Geographie: 6 ! Wollte man wirklich nur, was man vorgibt, so wäre Aserbaidjan die bessere Lösung. Aber hey, da würde man ja nicht flott einen Stützpunkt haben können, womöglich sogar dann für die Logistik eine eigene Airforce - Basis.
Klar hat auch die USA ein Recht auf Selbstverteidigung. Aber muss das auf europäischem Boden sein ? WIe war denn das damals bei der Kuba-Krise ? Wollte sich da nicht Kuba auch nur vor den USA schützen ? Und da waren sowohl die geographische als auch die politische Lage eindeutiger für solch einen Wunsch. Und wurde das dann von den USA akzeptiert ? Nein !!! Wer lenkte ein ? Die USA ?? Nein !! Es war die Sowjetunion.
Das hat man heute aber wohl wieder vergessen.
Und lasst mich lieber garnicht erst von all den Ländern anfangen, in denen die USA erst mal schön gewisse Kräfte/Personen unterstützt hat.. die dann plötzlich unbeliebt wurden und dann unbedingt bekämpft werden mussten. Allesamt also selbstgezüchtete Probleme.
(Noriega, Taliban, Saddam... und noch einige Mittel-/Südamerikanische Herrschaften, deren Namen einem nicht gleich einfallen)
Russlands fragwürdigen Konflikte und Auftritte sind fast immer grenznahbzw waren grenznah. Die USA kennt keine Geographie und sieht sich weltweit bedroht.
Wie meinten doch viele US-Soldaten im Irak: sie kämpfen für ein sichereres Amerika. Ich denke eher das Gegenteil ist nun der Fall. Fundamentalisten haben nach der Besetzermentalität der Amis nun sicher aber mehr Zulauf als vorher. Im In- und Ausland. Wie kann die USA da nun sicherer sein ? Saddam hätte sie nun wirklich nicht angreifen können... und das wussten sie.
Thema KSE: auch hier wurde auf dem Austritt Russlands rumgeritten. Selten wurde erwähnt, dass die anderen den neuen Vertrag ja noch nicht einmal ratifiziert haben.
Thema Iran: USA war auf Konfrontation aus. Russland auf Diplomatie. Nun bestätigt der US-eigene Geheimdienst, dass es mit dem Atomprogramm des Irans nicht weit her ist. Punkt für Russland. USA Regierung hält trotzdem dagegen. Frei nach dem Motto: aber vielleicht könnten sie es ja doch iiiiiirgendwann einmal haben und da müssen wir sie doch vielleicht besser gleich zurückbomben.
Wer gibt den anderen das Recht zu sagen: ich darf Atomenergie nutzen .. DU aber nicht ??
Bisher hat doch genau die am lautest schreiende Nation schon tatsächlich diese Waffe gegen andere eingesetzt,..sogar gleich 2-mal.
Aber Russland ist das "böse Land", wenn es dem Iran hilft oder Waffen an andere Länder verkauft (die USA darf das natürlich ...offiziell oder einfach inoffiziell)
Aber genug gefaselt. Ich weiss man wird sich bei solchen Themen nie einig sein. Der eine siehts mehr so.. der andere anders. Nicht immer hat man alle Infos und fast immer hat keiner völlig Recht.
Nachtrag: ich spreche über die USA nicht nur als Beobachter, sondern habe dort selbst einige Zeit gelebt. Ich weiss es gibt solche und solche Menschen. Und natürlich spiegelt nicht ganz Amerika den Willen der Regierung wider. Wie bei uns halt auch. Aber das Land ist gross und zT schaut man nicht über den Tellerrand. Und das allerdings wiederum spiegelt sich dann auch sehr wohl in den Kommentaren der Bevölkerung zur Politik Ihrer Regierung wider.
Re: Wahlen in Russland
Verfasst: 24 Dez 2007, 08:41
von Zejtnot
Endlich mal eine fundierte Russland-Verteidigung! Danke.
Re: Wahlen in Russland
Verfasst: 24 Dez 2007, 12:47
von CSB_Wolf
@ wolk0815
Sehr guter Beitrag, ich bin ganz deiner Meinung.
Gruss
wolf
Re: Wahlen in Russland
Verfasst: 24 Dez 2007, 14:41
von Xottabych
Hast Recht, Wolk, ich bin Deiner Meinung was die unterschiedliche Bewertung der Außenpolitik betrifft. Das ist aber nur nur eins von vielen Politikfeldern.
Aber davon abgesehen: Man kann (oder sollte) die Politik Russlands oder jedes anderen beliebigen Landes versuchen zu bewerten, ohne einen Vergleich mit Amerika anzustellen.
Mir fällt auf die schnelle kein anderer Vergleich ein, aber man könnte es so betrachten: Ein junger Mann verhält sich kriminell und erpresst Mitschüler um Geld oder was auch immer. Der Vater erfährt davon und sagt: "Konkret scheiße! Eine Woche Hausarrest!". Der Sohn völlig verständnislos: "Warum?! Total unfair! Der Uwe aus der Parallelklasse macht das schon seit Jahren, alle wissen es und nichts passiert!".
Darum finde ich, es bringt einfach nichts, auf Amerika zu zeigen, wenn jemand über die Politik Russlands klagt.
Re: Wahlen in Russland
Verfasst: 25 Dez 2007, 00:36
von Bephep
Darum finde ich, es bringt einfach nichts, auf Amerika zu zeigen, wenn jemand über die Politik Russlands klagt.
Das meine ich auch.
Das Wahlsystem in den USA mag ja vor 200 Jahren praktikabel und gut gewesen sein,heute ist es undemokratisch.Zu einer Demokratie gehören nicht nur politische Rechte sondern auch Gleichheit vor dem Gesetz für alle Bürger UND keine staatliche Einmischung.
Ich habe gegen einen Bescheid des Finanzamtes schriftlich Einspruch eingelegt und mündlich,schriftlich steht noch aus,Recht bekommen.In Ru hätte ich kein Recht bekommen.Denn das gehört auch zur Demokratie,auch gegen Staatliche Stellen klagen zu können und Recht zu bekommen.
Das was jetzt in Deutschland als Politik von der Regierung gemacht wird ist auch nicht Volkes Wille.
Und man kann Länder nur an dem Ideal einer Demokratie messen,aber da kommt Deutschland auch nicht gut weg.
Re: Wahlen in Russland
Verfasst: 25 Dez 2007, 01:36
von wolk0815
waldmeister hat geschrieben: Darum finde ich, es bringt einfach nichts, auf Amerika zu zeigen, wenn jemand über die Politik Russlands klagt.
Dem kann ich auch zustimmen. Was ich nur im Moment absolut nicht ausstehen kann ist diese Einseitigkeit zu Ungunsten Russlands (siehe meine Bsp zum Thema KSE und Wahlen).
Bephep hat geschrieben:Darum finde ich, es bringt einfach nichts, auf Amerika zu zeigen, wenn jemand über die Politik Russlands klagt.
Das meine ich auch.
Das Wahlsystem in den USA mag ja vor 200 Jahren praktikabel und gut gewesen sein,heute ist es undemokratisch.Zu einer Demokratie gehören nicht nur politische Rechte sondern auch Gleichheit vor dem Gesetz für alle Bürger UND keine staatliche Einmischung.
Hier hast du auch Recht, Bephep, doch , wie oben gehts mir darum die Themen jeweils von allen Seiten bestrahlt zu sehen. So objektiv es für einen Journalisten halt geht.
Leicht abschweifend ...zu deinem Satz zum Wahlsystem hatte ich schon immer folgende Meinung (OK, nicht direkt zu deinem Satz..den habe ich ja gerade erst gelesen

) : in der Tat war das System früher praktisch, weil man die Situation damals anders war (hier war ja wohl hauptsächlich das Transport- und Kommunikationssystem das Problem)
Aber wenn wir das einsehen, dann warum sieht es nicht auch eine Regierung der USA ein ? Eine US Verfassung ist nicht so leicht zu ändern. Wenn ichs noch richtig im Kopf habe, so sind es eine 2/3 Mehrheit sowohl im Repräsentantenhaus als auch im Senat und dann müssen noch so-und-soviel Staaten selbst zustimmen. Aber wo wäre das Problem, wenn alle einsehen würden, dass das momentane System undemokratisch ist. Für mich bedeutete das immer, dass die Politiker scheinbar meist meinen, der Status Quo dient ihnen besser. Demokratie will man also auch da nicht.
Aber zurück ..
Nochmal abschliessend gesagt: in letzter Zeit vermisse ich einfach die neutraleren Darstellungen der Dinge. Bisher gings eher so :
- Statement: Böses Russland tritt aus KSE aus (Selten gesagt: doch die anderen haben ihn garnicht erst ratifiziert)
- Statement: Amerika will Schutzschild gegen Terror aus Iran. Russland fühlt sich zu unrecht bedroht und will wohl zurück zum Kalten Krieg (selten gesagt: wieso gerade dort das System ? Nicht nachgehakt, was die USA wirklich dort will und/oder warum Aserbaidjan als Standort zu einfach vom Tisch gefegt wurde.)
- Statement: Russland blockt Kosovo-Lösung. Will es keinen Frieden in der Region ? (selten gesagt: Kosovo ist nunmal strenggenommen noch ein Teil Serbiens. Momentaner Status ist einfach durch UN Resolution erklärt worden. Dauerhafter Friede kommt sicher nirgends zustande indem andere Staaten ein Stück einem Staat XYZ Land wegnehmen (Kann man nun auch keine eigene Meinung mehr haben ? Muss man den USA und GB - oder wer auch immer gerade bei einem bestimmten Thema den Leithammel spielt - nachplappern ? Diese "Bist du nicht für uns , dann bist du gegen uns" Mentalität hat nirgends etwas verloren. Das fördert bestimmt kein eigenständiges Denken und Handeln, nur Herdentrieb)
Nun ja, viel Wahres wurde hier zum Thema geschrieben und die Diskussion war klasse. Ohne Gefetz. Und wos gerade so schön ist... ich klink mich "feiertäglich" aus und wünsche allen, die doch noch hier reinschauen ein Frohes Fest !
Re: Wahlen in Russland
Verfasst: 25 Dez 2007, 18:28
von Bephep
Mit den Statements
- Statement: Böses Russland tritt aus KSE aus (Selten gesagt: doch die anderen haben ihn garnicht erst ratifiziert)Statement: Russland blockt Kosovo-Lösung. Will es keinen Frieden in der Region ? - Statement: Amerika will Schutzschild gegen Terror aus Iran. Russland fühlt sich zu unrecht bedroht
hast Du genau die Themen getroffen wo man Russland nichts vorwerfen kann.
Ich glaube auch nicht das Russland zum "Kalten Krieg" zurück will.Denn der "kalte Krieg" und die damit verbundene Rüstung hat das Ende der SU besiegelt.
Das Putin jetzt Regierungschef wird/werden soll ist auch nicht undemokratisch Kohl war 16 Jahre Kanzler .
Nur wie die Regierung staatliche Macht einsetzt einschliesslich der Finanzbehörden und der Umweltbehörde das ist total undemokratisch.