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Re: Russisches R

Verfasst: 23 Feb 2009, 13:50
von Magdeburg-Moskva
KatjaT hat geschrieben:ich hätte da auch noch ein paar Ratschläge. Während meines Spanischstudiums musste ich das Zungen-R auch lernen, da ich sonst den Phonetik-Schein nicht bekommen hätte. Dazu besuchte ich den für Russisch-, Spanisch- und Italienischstudenten gedachten R-Kurs.
Damit verschwenden also Hochschulen Steuergelder, sowie Zeit und Kraft der Studierenden. Das ist für mich eine wahre Exzellenz-Initiative.

Ich will ab sofort von keinem russischen Absolventen eines philologischen Studiengangs ein weiches oder zu hartes l hören. Aber Frage der Artikel ist nicht so wichtig. [sic!]

Re: Russisches R

Verfasst: 23 Feb 2009, 15:40
von KatjaT
Magdeburg-Moskva hat geschrieben:Damit verschwenden also Hochschulen Steuergelder, sowie Zeit und Kraft der Studierenden. Das ist für mich eine wahre Exzellenz-Initiative.
Also entschuldige bitte, aber ich mochte den Kurs auch nicht, er war nicht Pflicht und nicht meine erste Wahl, aber wenn ich als Übersetzerin respektive Dolmetscherin nicht in der Lage bin, ein R richtig auszusprechen, dann bin ich schon froh, dass ich das lernen konnte.
Natürlich gibt es noch andere Laute, die geübt und erlernt werden müssen und das ist dann eher eine sprachenspezifische Angelegenheit. Keine Ahnung, was die Russischstudenten noch lernen mussten/konnten. Aber das R ist für viele, viele Deutsche ein Knackpunkt, der in vielen anderen Sprachen als Sprachfehler gewertet wird.

Was nützt mir das Wissen über sämtliche grammatische Strukturen, wenn ich die Wörter "pero=aber" und "perro=Hund" nicht eindeutig genug aussprechen kann. Sorry, aber deinen Kommentar finde ich unangebracht.

Ich stimme mit dir aber überein - falls ich deine Intention richtig interpretiert habe-, dass beim Sprachenlernen nicht nur an den Unis zum Teil wirklich falsche Schwerpunkte gesetzt werden.

LG
Katja

Re: Russisches R

Verfasst: 23 Feb 2009, 20:25
von Magdeburg-Moskva
KatjaT hat geschrieben:Was nützt mir das Wissen über sämtliche grammatische Strukturen, wenn ich die Wörter "pero=aber" und "perro=Hund" nicht eindeutig genug aussprechen kann. Sorry, aber deinen Kommentar finde ich unangebracht.
Also, ich habe einen Abschluss als Diplom-Fachübersetzer (FH) für Russisch und Spanisch.

Und nun gibt es bekanntermaßen im Spanischen zwei "gerollte" R-Laute, den für "pero" (aber) und den für "perro" (Hund) oder "Rusia" (Russland, ach, nee, am Wortanfang). Wieso werden dann aber in dem Kurs RU und ES-Studenten zusammengeschmissen, obwohl es sich doch um völlig unterschiedliche phonetische Systeme handelt. Oder was haben das weiche [р'] aus Рязань und das harte [р] aus Руслан mit den spanischen R-Lauten am Hut?

Im Allgemeinen finde ich, die Hochschulen sollte andere Prioritäten setzen.
KatjaT hat geschrieben:Aber das R ist für viele, viele Deutsche ein Knackpunkt, der in vielen anderen Sprachen als Sprachfehler gewertet wird.
Dagegen halte ich, dass jemand, der mit Dolmetschern arbeitet, doch mehr auf die sprachliche und fachliche Kompetenz (Terminologie usw.) achten sollte, als auf Aussprache-Kleinigkeiten. Und im Übrigen, wirst du den Akzent nur in wenigen Fällen komplett ausmerzen und immer ein gringo bleiben. So ein R-Kurs wirkt für mich eher wie die Spielerei und das Steckenpferd von irgendwelchen Grüntisch-Professoren.

Aber, lass mal, ich durfte im Studium noch viel unsinnigere Dinge tun, z. B. Theater spielen.

Re: Russisches R

Verfasst: 24 Feb 2009, 12:29
von KatjaT
Hallo nochmal,

hm, du hast in mancher Beziehung durchaus recht. Ich weiß nicht, ob du jemals das Problem hattest, das R überhaupt nicht rollen zu können?

Ich kann nur sagen, dass ich dadurch nicht mal ansatzweise eine vernünftige Aussprache hatte. Natürlich merzt du einen Akzent seltenst ganz aus. Aber das R verrät dich sofort. Versuch mal, ein paar Sätze auf Spanisch und "rolle" das R nur hinten im Rachen. Du kommst dir behindert vor. Und das ist im Russischen sicher ähnlich.

Im Kurs ging es hauptsächlich darum, die ungeübten, lahmen Zungen der Teilnehmer zu trainieren. Deshalb passte das für viele Sprachen. Phonetik im Sprachlabor war dann natürlich sprachenspezifisch.

Jetzt lerne ich Russisch und ja - auch hier bin ich von einer guten Aussprache weit entfernt, aber wenigstens das R fällt nicht völlig aus dem Rahmen...

Liebe Grüße
Katja

ebenfalls Übersetzerin mit Diplom, die dafür aber niemals Theaterspielen musste ;)

Re: Russisches R

Verfasst: 26 Feb 2009, 13:34
von Naila
Denkt an Bayern, sie können das. Dem russischen "R" habe ich meine Liebe zur deutschen Sprache zu verdanken. Denn ich konnte es nie. Als ich eingeschult wurde, mußte ich bei allen Medizinern vorstellig werden. Der Logopäde schrieb: "Sprachfehler "R"" . Und so wurde ich mit Trainings gequält. Bis wir Deutsch als Fach bekommen haben! Und plötzlich sagt die Deutschlehrrerin: "Du kannst aber ganz toll deutsches "R". Kinder hört her!" Und so urde ich vom Gespött zum Vorbild, und Deutsch wurde zu meinem Lieblingsfach.