Naja, was soll's?
Also gebe ich doch mal meinen Senf dazu, wenn die Debatte dann doch so vertieft wird.
Dass Naila hier (in D) so ihre Schwierigkeiten hat, ist ja schon in vielen ihrer Threads sehr deutlich geworden.
Aber das soll hier nicht persönlich werden, sondern auf die eingangs gestellten Fragen eingehen.
Auch will ich versuchen, den Vergleich zu RUS zu vermeiden.
Naila hat geschrieben:...warum bekommen deutsche Kinder in ihren Familien so wenig Bescheidenheit vermittelt?
Es wurden ja bereits sehr viele mögliche Ursachen dafür genannt. Und gleichwohl teile ich diese Pauschalierung nicht.
Denn wie so häufig fallen ja vor allem die in der Öffentlichkeit wahrnehmbaren Abweichungen von den eigenen Verhaltenserwartungen auf.
Nicht berücksichtigt bleibt die unsichtbare Mehrheit der Kinder, die sehrwohl einen Wertekodex verinnerlicht haben und ausleben, der sie durchaus zu liebenswürdigen und achtenswerten kleinen Mitbürgern macht.
Aber man muss wohl auch berücksichtigen, dass jede Gesellschaft so ihre spezifischen Überlebensstrategien erfordert und hervorbringt.
Für die so arg kritisierten westlichen Gesellschaften gilt da nun einmal das Erfordernis des Encourgaements.
Zwar lenke ich Kinder, auf die ich - in welcher Form auch immer - erzieherischen Einfluss nehmen kann, durchaus in Richtung von Achtung, gegenseitiger Rücksichtnahme und Hilfsbereitschaft.
Aber ich würde den Teufel tun, als ihnen einzutrichtern, das jeder der nur etwas älter ist, per Definition auch mehr Wert ist und mehr Rechte hat. Was soll man schließlich mit unselbstständigen kleinen Strammstehern, die nicht in der Lage sind, sich auch um sich selbst zu kümmern?
Warum gibt es dieses Phänomen nur jenseits der polnischen Grenze (Richtung Westen)?
Das Wort
nur ist ja hierbei der Oberhammer!
Ich mag jetzt aber nicht dahin abgleiten aufzuzählen, was alles auch anderswo auf genau das gleiche Phänomen hinweist.
Warum ist es auffallend, daß viele chinesische, vietnamesische, kroatische etc. Kinder sich meistens benehmen können und deutsche, holländische, französische, amerikanische usw. Kinder sich unmöglich aufführen und das mit Genehmigung ihrer Eltern?
Ganz einfach, wenn dem denn wirklich so ist: Kinder die in stark auf Hierarchie ausgerichteten Kulturen aufwachsen eben eher getrimmt werden.
Warum werden Lehrerinnen (ich meine normale Schulen mit verbeamteten Lehrerinnen), die ein bißchen Disziplin in der Klasse haben wollen, von den Müttern der Schüler gemobt?
Einerseits macht da der Ton die Musik und andererseits fehlt es der gegenwärtigen Elterngeneration oftmals in der Tat an eigenen, empirisch tragfähigen Bildungs- und Erziehungsvorstellungen.
Aus meiner Erfahrung als ehem. Grundschullehrer aber auch als ehem. Elternsprecher am Gymnasium meines Sohnes kann ich aber keineswegs bestätigen, dass das Verhältnis zwischen Eltern und Lehrern grundsätzlich gestört wäre.
Und auch kann ich als Bürger des seit Jahren geburtenstärksten und kinderreichsten Bezirks von Berlin, der zugleich auch einen enorm hohen Anteil von Bürgern nichtdeutscher Herkunft/Abstammung hat schon lange beobachten, dass diese Eltern sehr wohl darauf achten, dass ihre Kinder sich so benehmen, wie es für eine konfliktarmes gesellschaftliches Miteinander erforderlich ist.
Hinzu kommt nun aber eine erzieherische Einflussgröße, die in der ganzen Debatte m.E. viel zu wenig berücksichtigt wird. Und hiermit meine ich die Verantwortung und die Möglichkeiten vermeintlich Unbeteiligter - sowohl gegenüber den Kindern als solchen als auch gegenüber deren Eltern oder sonstigen Erziehern.
Man hat nämlich im Alltag sehr häufig die Möglichkeit, als Fremder daran mitzuwirken, dass Kinder sich nicht zu kleinen asozialen Egomanen entwickeln.
Aber wer nutzt diese Möglichkeiten schon?
Klar, es ist recht einfach, seinen Unmut mal zu äußern, wenn man das Verhalten eines Kindes und/oder auch seiner Eltern für unzumutbar hält.
Doch wie steht es mit positiven Sanktionen? Wann zeigt man schon mal Lob und Anerkennung gegenüber fremden Kindern oder deren Eltern, wenn deren Verhalten einfach achtenswert ist?
Da dies leider oft unterbleibt, braucht man sich ja wohl nicht zu wundern, wenn Kinder oftmals schlussfolgern: "Es ist doch eigentlich völlig egal ob ich mich anstrenge oder nicht. Den anderen ist das doch sowieso egal."
Kurzum: Es gibt so viele Beispiele für positive Entwicklungsergebnisse junger Menschen, dass man dies nicht durch das gegenteil davon (oder das, was man dafür hält) überschatten lassen sollte.
Da muss man eben nur mal die Augen aufmachen.