Beratung im russischen Markt

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GastroService
Zar/iza
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Re: Beratung im russischen Markt

Beitrag von GastroService »

In diesem „Lied“ kann ich auch einige Strophen mitsingen. Ich bin im gastronomischen Bereich beratend taetig. Meine Arbeit in Russland habe ich eigentlich auf Grund von Anfragen aus dem Gewerbe begonnen.
Ein (privater) Bekannter eines Bekannten wollte, als Branchenfremder, ein Restaurant eroeffnen und brauchte Hilfe. Da ich zu der Zeit dort war, hat es einige Gespraeche gegeben und auch erste Planungen zu Charakter und Angebot des Betriebes. Der Standort und die Betriebsgroesse waren optimal geplant, auch das Angebot war auf den anzusprechenden Gaestekreis abgestimmt worden. Das Gebaeude war noch nicht erstellt, so dass meine Vorschlaege noch Eingang in die Planung finden konnten. Wir haben in der privaten Kueche schon einige Gerichte zur Verkostung gekocht und meine Vorschlaege sind im Kreise der Bekannten auf Wohlwollen gestossen und als Eckpfeiler in das Angebot aufgenommen worden. Die weitere Planung sah vor, dass ich die Voreroeffnungsphase und die ersten Monate als Coach begleiten sollte, um den einheimischen Vorgesetzten und Mitarbeiter das Konzept und die Arbeitablaeufe und Serviceniveau zu vermitteln und dann in gewissen zeitlichen Abstaenden das Qualitaetsmanagement zu kontrollieren haette.
Leider blieb es bei diesem Planungsstadium. So wie ich weiss, ist das ganze Projekt, aus welchem Grund auch immer, nichtmehr weiter betrieben worden und der Macher verdient sein Geld weiterhin (ohne das Restaurant) in seinem angestammten Business.
Auch ein zweites Projekt ist in der Planungsphase schon abgestorben. Es sollte ein Restaurant (ca. 250 Platze) in einem neu erbauten „Einkaufstempel“ werden. Die Firma betrieb in diesem Center schon eine Cafebar (ca. 50 Paetze) mit kleinen Speisen. Das Restaurant sollte auf zwei Ebenen in einem, standardisiert vorbereitetem Bereich entstehen. Die Produktion sollte im Untergeschoss, das Restaurant im Erdgeschoss liegen, dazu sollte ein grosser Biergarten entstehen. Spaeter, so wurde geplant, sollte in der obersten Etage ein multifunktionaler „Ballsaal“ (ca. 350 Plaetze) dazukommen. Der Restaurantbereich und der Saal waren auf den ersten Blick sehr gut geeignet, doch als wir den Bereich der zukuenftigen Produktion und die Logistik betrachteten, schwand die Ueberzeugung, hier die noetigen Ablaefe durchfuehren zu koennen. Ein Bereich, der fuer einen Handel vorbereitet ist, muss nicht fuer eine Gastronomie geeignet sein. Fuer die Betiebsgroesse waren die Nebenraeume zu klein und die Wege zu kompliziert und zu aufwaendig um ein heisses Essen zum Gast zu bekommen.
Als ich im darauffolgenden Mai dort war, wurden im Biergarten wohl Getraenke von einem Aussen-Buffet angeboten, Speisen gab es jedoch keine, die Raumlichkeiten des Restaurants waren auch noch unberuehrt.
Mit gastfreundlichem Gruss
Guenter
Gastfreundlichkeit ist keine Schande Гостеприимство - это не стыд
Bountyhunter

Re: Beratung im russischen Markt

Beitrag von Bountyhunter »

Hallo zusammen,

ich kann mich meinem Vorredner anschließen - das Problem des Projektsterbens in der Planungsphase gibts anscheinend öfter.
Im Moment haben wir das Problem aber eher mit der deutschen Seite: Wir haben in der Russischen Föderation die Projektträger und die Gelder zusammen und nun fangen die deutschen Unternehmen an, sich zurückzuziehen. Ich gebe ja der schlechten Presse die Schuld ... was meint Ihr dazu?

Alles in allem gelingt es uns aber trotzdem, unsere Partner bei der Stange zu halten. Bisher ist auch nur ein einziges Projekt auf Eis gelegt. Aber: die Hartleibigkeit erlebe ich meist nur von deutscher Seite aus - die russische Seite habe ich bislang als sehr verlässlich kennen gelernt.

Herzliche Grüße,

Markus
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Sibirier
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Re: Beratung im russischen Markt

Beitrag von Sibirier »

Ich meine, es gibt viele Projekte die sich "gewünscht" werden, aber die Realisierung ist eine andere....

Ziehen sich Deine dt. Partner zurück, weil z. B. das Kreditlimit nicht stimmt? Meist hapert's ja daran.... ;)

Wir sagen auch Kunden ab, wo z. B. Hermes keine Versicherungssumme stellt.
Ha, Waschmaschine verarscht. Socken einzeln gewaschen....
Bountyhunter

Re: Beratung im russischen Markt

Beitrag von Bountyhunter »

Hallo Sibirier,
Sibirier hat geschrieben:Ich meine, es gibt viele Projekte die sich "gewünscht" werden, aber die Realisierung ist eine andere....
Kenn ich auch - das klären wir aber stets vorher ab, weil wir gleich finanzielle Rahmenbedingungen nennen - gut, wir können auch Fördergeldmanagement und haben da auch einiges an Fördergeldern geholt, aaaaaaaaaaaaaaaaaber: Ein gutes Projekt läuft auch ohne Födergelder - das ist nur das Sahnehäubchen oder die Initialzündung.
Sibirier hat geschrieben:Ziehen sich Deine dt. Partner zurück, weil z. B. das Kreditlimit nicht stimmt? Meist hapert's ja daran.... ;)
Das ist ja das Problem: Mit Kreditlimits haben wir kein Problem, weil die Gelder i.d.R. direkt und reell bereitsgestellt sind - also keine virtuellen Sachen. Sofern es um Kredite geht, hat der Kreditnehmer das Geld auf das Kunden- od. Partnerkonto einzuzahlen.
Sibirier hat geschrieben:Wir sagen auch Kunden ab, wo z. B. Hermes keine Versicherungssumme stellt.
Oh, gibts das? Ich hatte noch nie das Problem, dass Hermes eine meienr Sendungen nicht besichert hat. Gottseidank.

Gerade eben hatte ich sowieso ein Erlebnis der besonderen Art: Der deutsche Generalplaner, den wir für ein Projekt haben wollen benahm sich erstmal etwas snobistisch und nun hat sich herausgestellt, dass die Anlage ein paar Nummern zu groß für ihn ist .... aber Vorkasse verlangen wollen und Stundensätze wie Gottweißwer! Alles Blender! :lol:

Gruß,

Markus
Bountyhunter

Re: Beratung im russischen Markt

Beitrag von Bountyhunter »

P.S.: Ich kann doch sowas meinen russischen Partnern nicht antun.
Mich wundert es nicht, wenn die sich dann lieber an die Chinesen halten (nicht, dass ich's gutfinden würde ...)

Gruß,

Markus
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bella_b33
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Re: Beratung im russischen Markt

Beitrag von bella_b33 »

Bountyhunter hat geschrieben:Stundensätze wie Gottweißwer!
Stimmt! Gib den Chinesen noch ein "paar Jahre", bis Die den Dreh mal raushaben sollten, dann werden einige deutsche Anlagenbauer auch von ihrem hohen Ross runterkommen müssen um marktfähig zu bleiben. Was ich aber bisher an rein chinesischen Anlagen in meiner Branche erleben durfte, daß war sicherlich zum halben Preis des Originals.....Haltbarkeit leider nur ein Bruchteil der Zeiten, die ich so kenne :(. Solange man die Kunden noch mit sowas "schocken" kann, kann man auch deutlich mehr für "Qualität aus Mitteleuropa" verlangen ;)
Wer sein Gewicht halten will, der muss auch mal grillen wenn er keinen Hunger hat!
Bountyhunter

Re: Beratung im russischen Markt

Beitrag von Bountyhunter »

Hey Bella_b33,

lang nix mehr von dir gehört. Lass uns mal zusammenmailen - wir haben im Moment interessante Projekte.

Zum Thema selbst: Ich habe den Eindruck, dass in Russland nach wie vor das billigste angebot das Rennen macht. Wir haben das im Bereich Lebensmittel erlebt - und im Bereich Anlagenbau ist das nicht anders. Da war der übelste Hammer, dass ein Mitbewerber sagte, er könne die Anlage (die wir in Edelstahl angeboten haben) in beschichtetem Stahl anbieten. Konnte er auch: Schwarzstahl, gemenningt. Soviel dazu. :?
Auch das, was in Edelstahl angeboten wird ist nicht so toll - die Fertigungsqualität rangiert eindeutig hinter dem Preis.
Deshalb will man ja auch i.d.R deutsche Anlagen haben - wenns zum Angebot kommt, reizt aber trotzdem der billige Preis.

Hört sich blöd an - ist aber so.


Herzliche Grüße,

Markus
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bella_b33
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Re: Beratung im russischen Markt

Beitrag von bella_b33 »

Bountyhunter hat geschrieben: Deshalb will man ja auch i.d.R deutsche Anlagen haben - wenns zum Angebot kommt, reizt aber trotzdem der billige Preis.
Und im Behälterbau greifen die deutschen Anlagenbauer dann auf Ungarn, Polen usw. zurück, weil die BILLIGER sind :lol:
Wer sein Gewicht halten will, der muss auch mal grillen wenn er keinen Hunger hat!
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GastroService
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Re: Beratung im russischen Markt

Beitrag von GastroService »

Bountyhunter hat geschrieben: ......
Auch das, was in Edelstahl angeboten wird ist nicht so toll - die Fertigungsqualität rangiert eindeutig hinter dem Preis.
Deshalb will man ja auch i.d.R deutsche Anlagen haben - wenns zum Angebot kommt, reizt aber trotzdem der billige Preis.
Das habe ich in meinem Bereich "Gewerbe-Kuechen" auf einer Messe in Novosibirsk auch erlebt. Ich habe gefragt, ob ihre Messer genau so gut Schneiden, wie ihr verabeiteten Edelstahlbleche in den Moebeln" oder ob sie einen Vertrag mit einem Verbandstoffhersteller ueber Pflaster und Mullbinden gemacht haben. Ich denke in D wuerde man keinen "Stempel" von der Berufsgenossenschaft (weder fuer die Hygiene, noch fuer den Unfallschutz beim Reinigen) dafuer bekommen.
In diesem Sinne hoffe ich, dass sich Qualitaet durchsetzt.
Guenter
Gastfreundlichkeit ist keine Schande Гостеприимство - это не стыд
Bountyhunter

Re: Beratung im russischen Markt

Beitrag von Bountyhunter »

Hallo Günter,

wobei ich mit der gastronomie gute Erfahrungen gemacht habe - was das Essen anbetrifft. Ich kann z.B. in Rostow Welikij das Slawanskij sehr empfehlen und in Jaroslawl gibts ein einwandfreies Themenlokal zu "Iwan Wassilijewitsch menjajet professija" - supertoll.

Aaaaaaaaaaber: Was in Russland an Weinen angeboten wird ist - mit Verlaub gesagt - Kulturbolschewismus (sorry für diesen blöden Scherz). Ist aber echt so: Man bekommt die billigste Plörre angeboten, damit der Importeur auch ja den großen reibach macht. Wir haben hier einige Weingüter am Start, die drüben nicht reinkommen. Sogar das deustche Weininstitut hat seine Pforten geschlossen: Es wird nur Brühe aus Frankreich, Italien und Spanien gekauft - gut ein paar Chilenen und mit viel Glück mal ein Südafrikaner sind auch drunter.

Es gibt auch Pfälzer Weine aber zu horrenden Preisen.

Dabei wäre es recht einfach hier gute Konditionen für vernünftige Weine zu bekommen. Aber man kommt drüben nur sehr schwer in den Weinhandel rein. Oder wie siehst du das, Günter?

Herzliche Grüße,

Markus
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