Zeppelin hat geschrieben:...Gerade Soziologen sind unter einander höchst selten einer Meinung. Doch wenn sie nicht gerade mit dem Klammerbeutel gepudert sind, müssen sie halt mindestens die Fakten zur Kenntnis nehmen. - Wie sie diese dann allerdings interpretieren, ist sicher recht verschieden.
Nun, das ist selbst in den exakten Wissenschaften nicht anders. Allerdings ist wohl klar, dass entscheidend ist, welche "Fakten" man auswaehlt und worauf sich ihre Bewertung stuetzt.
Ich zähle mich eben zum Lager der empirisch-analytischen Sozialwissenschaftler, die es sich weder 'leisten' können noch wollen Tatsachen zu irgnorieren; ganz gleich ob die einem nun gefallen oder nicht.
Das es Nichtfachleuten da anders geht, sieht man ja nicht nur an den recht zahlreichen Aufschreien in diesem Thread.
Ich bin kein Fachmann, habe aber viele Jahre in Russland gelebt und gearbeitet, freilich "nur" als Expat. Mein Eindruck ist jedenfalls, dass Deine Auswahl der Fakten und Deine Interpretationen einfach ein falsches Bild vom Denken und Fuehlen der Russen geben. Mein persoenliches Erleben in Russland ist ganz anders, ich kann in der Haltung zum Tod nur geringe Unterschiede zu uns Deutschen erkennen. Warum meinst Du aber, dass Laien Tatsachen nicht akzeptieren koennen???
Literaturinterpretationen sind allerdings nicht meine 'Baustelle'. Jedoch meine ich zu wissen, dass insbesondere Tolstoi, Puschkin und Dostojewski (neben natürlich vielen anderen) sich darum verdient gemacht haben, die russ. Mentalität zu erfassen und in ihren Werken transportabel zu machen.
Das Verhaeltnis der Russen zum Tod, ausgehend von der Erzaehlung Tolstois, war aber doch eigentlich das Thema?!
Wie auch immer: Noch konnte ich auch in dieser Diskussion keinen Hinweis darauf finden, was falsch an meiner Einschätzung sein sollte.
Das dürfte auch sehr schwer fallen...
...Selbst über meinen Bekanntenkreis und meine Ehe scheint der ja bestens informiert zu sein.

Ja, es waere langwierig, Einzelheiten zu betrachten, insbesondere da sie zum guten Teil am Thema vorbeigehen. In der Tendenz jedoch haeltst Du aber offensichtlich das russische Verhaeltnis zum Tod fuer etwas Minderwertiges, Verachtenswertes... Bist Du als Soziologe eigentlich wissenschaftlich taetig, insbesondere hinsichtlich Russland, oder bist Du auf diesem Gebiet auch mehr ein "Laie"? (Sorry, ich kann mit Deiner Berufsangabe Netzwerker-Soziologe nichts anfangen.)
Ich habe auch mehrere (sehr angenehme) Kollegen tatarischer Nationalitaet. Diese legen seit einigen Jahren grossen Wert darauf, dass ihre Nationalitaet beachtet wird, sie sind keine Russen, leben anders, denken anders, haben eine andere Religion, andere Werte, ..., natuerlich nur teilweise. Versteht sich Deine Frau nicht als Tatarin (oder Bolgarin) sondern als Russin, und stuetzt Du hierauf Dein Verstaendnis der "russischen Mentalitaet"? (Offenbar warst Du ja wirklich noch nicht oft in Russland?!)