Seite 4 von 12

Re: Integration im Schulbetrieb

Verfasst: 24 Jan 2012, 14:30
von Dietrich
Saboteur hat geschrieben:ja das ist die deutsche Realität...
Und was sollen wir degegen tun?

Es ist ja ganz schön hier seitenweise aufzuführen, wie ungerecht das Leben ist. Aber ohne konkrete Lösungsvorschläge ist das alles nur Augenwischerei.

Brauchen wir also eine Chantalle- und eine Kevin-Quote auf den deutschen Gymnasien? Und natürlich eine für Abdul und Fatma. Aber dann natürlich mehr Chantalles als Kevins und mehr Fatmas als Abduls wegen des Geschlechts. Aber wie sieht das Verhältnis von Abduls gegenüber Kevins aus?

Wieso versuchen die Abduls nicht zum Beispiel proaktiv gegen die Vorurteile vorzugehen, indem sie sich eben umso mehr anstrengen? Wieso tauschen sie nicht den Stadtpark gegen die Bibliothek um "es allen zu zeigen"? Das spricht sich dann schon schnell herum. Wieso haben wohl sonst asiatische Einwanderer wesentlich weniger Probleme?
Aber Jammern ist natürlich erstmal einfacher.... und zumindest in Deutschland ja auch immer sehr effektiv.

Natürlich gibt es auch in deutschen Köpfen genug Vorurteile, die absolut unberechtigt sind. Aber eben auch welche, hinter denen ein klein wenig Wahrheit steckt (deshalb sind es natürlich trotzdem Vorurteile!). Aber auch Migranten haben Vorurteile. Die hat jeder Mensch. Und die verbietet man nicht so einfach "per Gesetz".
Da sind dann eben auch mal die Betroffenen gefragt, sich ein wenig mehr anzustrengen um eben diese Vorurteile aus der Welt zu schaffen.

Re: Integration im Schulbetrieb

Verfasst: 24 Jan 2012, 16:28
von GIN
Dietrich hat geschrieben:
Saboteur hat geschrieben:ja das ist die deutsche Realität...
Und was sollen wir degegen tun?
Dietrich, meine Grossmutter ist im Bürgerkrieg aufgewachsen, sie hatte nur 2 Jahre evangelische Schulbildung. Meine Mutter, ihre Tochter, in den 40er und 50er Jahren aufgewachsen, sie hat ein Physik und Mathestudium abgeschlossen. Meine Tante und mein Onkel waren Maschinenbauingenieure und waren an der MIG Entwicklung massiv beteiligt, respektive meine Tante arbeitet dort noch.
Was ich sagen will, der Staat hat hier massiven Einfluss auf die Bildung gelegt. Am heutigen Russland sehen wir ja die Nachteile der "Freiheit". Sehe das an meinen jetzigen Projekten, ich habe massive Schwierigkeiten Technologen zu finden und arbeite mit teuren Expads, respektive viel ausländisches Consulting weil ich einfach das Personal nicht finde.

Der einzige Grund ist wieso ich ein Hochschulstudium gemacht habe war wohl der glückliche Fall das ich neben Ehrgeiz auch die Eltern und einen Pfarrer hatten die mich antrieben. Meine ausländischen Mitschüler waren nicht dümmer als ich, sondern sind einfach ihrem Lernumfeld übergeben worden. In diese "Faulheit" habe ich mich ja auch oft begeben, war einfach viel einfacher so.

Mit Verwunderung habe ich die Familie von einem mit mir aufgewachsenen Türken in der Türkei kennengelernt.
Mein Freund brachte es nach der Hauptschule zu einer Ausbildung in einer halbstaatlichen deutschen Firma. Er hat seit über ein m Jahrzehnt dort einen KV-Job und putzt nebenbei um seine Familie zu ernähren. Seine Familie kenne ich sehr gut, alle seine Brüder und auch die anderen Verwandten sind im besten Fall höchstens zu einer Ausbildung gekommen.
In der Türkei, die gleiche Familie und Generation sind sRichter, Anwälte, Ingenieure usw... ich hinterfragte das.. wieso ist die gleiche Familie so unterschiedlich? die Elterngeneration kann ja weder in Deutschland noch in der Türkei schreiben?.
Die Antwort war ein Stiftungswesen in der Türkei, die Familie ist konservativ und islamisch geprägt. In den Moscheen organisiert ein Stiftungswesen eine Schulbildung, bezahlt das Studium und auch weitere Ausbildung. Zehntausende von jungen Türken profitierten davon und sind jetzt Richter, Polizisten, Ingenieure, BWLèr mit sehr gutem Englisch, oft Arabisch und auch Deutsch. Das erklärte Ziel und das Selbstverständnis vieler dieser jungen Türken die ich gesprochen habe ist ein gutes Leben zu haben, einen türkischen Staat zu haben der stark ist und eine Rolle spielt in der Region und Welt.

Ein Beispiel aus Japan
Im einen Gespräch mit einem japanischen Wissenschaftler fragte ich natürlich auch wie die Lage in Japan sei und er bestätigte mir das in den 60er und 70er Jahren es "cool" war durch Leistung seinen Lebensunterhalt zu sichern. Genau so wie es cool gewesen sei für die Generation vor WK2 sich einen Namen beim Militär zu machen. Beide Generationen unterschieden sich sehr stark. Nach dem Weltkrieg wurde Leistung durch den Staat und die Medien propagiert, so waren die Idole der Japaner oft ein Ingenieur, zbs. die Gründer von Mitsubishi usw die in den Zeiten vor dem Weltkrieg als Spinner gesehen wurden, Pop Stars, Leute mit Drogenproblemen und gewaltigen Scheidungsraten waren keine Idole, an so etwas erinnert er sich jetzt nicht.
Jetzt aber hat sich das in Japan gewandelt, schon seit über 20 und vielleicht mehr Jahren ist dieses "Leisten" zu pathetisch geworden. Die heutige Generation von Ingenieure arbeitet oft nicht mehr um etwas zu leisten, sondern um die Rechnungen zu zahlen. Pop Stars, westliches Verhalten brachten "neue" Probleme, die Menschen wirken für ihn ganz anders, so etwa wie er und seinen Vater, einfach zwei verschiedene Welten
Eine riesige Leere ist in der Gesellschaft, wirkt ihm alles sehr verbraucht.

Also gilt, Stiftungen, die Medien und der Staat können massiven Einfluss auf die Jugend machen, sie zu Militärs machen, Ingenieure und Richter, Pop Stars oder Harzern

Re: Integration im Schulbetrieb

Verfasst: 24 Jan 2012, 18:43
von manuchka
JEckel - auf der einen Seite schreibst du das:
J.Eckel hat geschrieben:Was ich sagen will, der Staat hat hier (in der SU, Anm. von mir) massiven Einfluss auf die Bildung gelegt.

...
Also gilt, Stiftungen, die Medien und der Staat können massiven Einfluss auf die Jugend machen, sie zu Militärs machen, Ingenieure und Richter, Pop Stars oder Harzern
Ohne Zweifel können Stiftungen, Medien, der Staat usw. Einfluss ausüben. Und das sollen sie auch. Ich fände es begrüßenswert, wenn sich in DE noch mehr (private) Stiftungen auch im Bereich Bildung engagieren würden, wie du das von der Türkei geschrieben hast (wohlgemerkt - da fördert nicht "der Staat" als solches, sondern das sind Stiftungen, die sich vermutlich nicht oder nicht nur aus öffentlichen Mitteln finanzieren - das muss man schon auch trennen). Und sicher läuft auch in der Bildungspolitik der Bundesrepublik einiges schief - vielleicht wäre da z.B. eine Zentralisierung gut, anstatt das in den Regelungsbereich der Länder zu schieben und damit große regionale Bildungsunterschiede zu schaffen.
Letztlich kann der Staat aber nur das regeln, was in seinen Verantwortungsbereich fällt, und ich finde, er kann nicht Lückenbüßer für die Versäumnisse sein, die es anderswo gibt. Du schreibst doch über dich selbst das:
J.Eckel hat geschrieben:Der einzige Grund ist wieso ich ein Hochschulstudium gemacht habe war wohl der glückliche Fall das ich neben Ehrgeiz auch die Eltern und einen Pfarrer hatten die mich antrieben. Meine ausländischen Mitschüler waren nicht dümmer als ich, sondern sind einfach ihrem Lernumfeld übergeben worden. In diese "Faulheit" habe ich mich ja auch oft begeben, war einfach viel einfacher so.
Da war also nicht der Staat der Antrieb und auch keine Stiftung, sondern deine Familie und dein nächstes Umfeld. Und genau das ist doch der Punkt, daran scheint es doch zu fehlen - sowohl bei vielen deutschen Harz 4-Familien als auch bei vielen Migrantenfamilien. Da kann der Staat noch soviele Bildungsprogramme starten und es kann noch soviele private Stiftungen geben, die bereit sind (Aus)Bildung zu fördern - wenn die Familie und das sonstige Umfeld nicht auch ihren Teil dazu beitragen, die Kinder und Jugendlichen zum Lernen und Studieren zu motivieren, dann ist das alles für die Katz.

Re: Integration im Schulbetrieb

Verfasst: 24 Jan 2012, 19:24
von Dietrich
J.Eckel hat geschrieben:Die Antwort war ein Stiftungswesen in der Türkei, die Familie ist konservativ und islamisch geprägt. In den Moscheen organisiert ein Stiftungswesen eine Schulbildung, bezahlt das Studium und auch weitere Ausbildung. Zehntausende von jungen Türken profitierten davon und sind jetzt Richter, Polizisten, Ingenieure, BWLèr mit sehr gutem Englisch, oft Arabisch und auch Deutsch. Das erklärte Ziel und das Selbstverständnis vieler dieser jungen Türken die ich gesprochen habe ist ein gutes Leben zu haben, einen türkischen Staat zu haben der stark ist und eine Rolle spielt in der Region und Welt.
Stiftungen sind eine gute Idee, eindeutig.
Aber sie sind keine Antwort auf die Frage, was soll man dagegen tun wenn Migranten (oder andere die später unter "abgehängt" gezählt werden) bereits ab der 7. Klasse die Hälfte der Zeit den Unterricht schwänzen und die andere Hälfte mehr stören als lernen.
Da helfen dann auch keine Stiftungen mehr, die ein kostenloses Studium ermöglichen.

Das "wollen" muss von den Leuten kommen. Der Staat muss dann dafür sorgen, dass die, die "wollen" dann auch "können".
Da ist allerdings ganz unbestritten auch noch Einiges im Argen.
J.Eckel hat geschrieben:Ein Beispiel aus Japan
Nach dem Weltkrieg wurde Leistung durch den Staat und die Medien propagiert, so waren die Idole der Japaner oft ein Ingenieur, zbs. die Gründer von Mitsubishi usw die in den Zeiten vor dem Weltkrieg als Spinner gesehen wurden, Pop Stars, Leute mit Drogenproblemen und gewaltigen Scheidungsraten waren keine Idole, an so etwas erinnert er sich jetzt nicht.
Jetzt aber hat sich das in Japan gewandelt, schon seit über 20 und vielleicht mehr Jahren ist dieses "Leisten" zu pathetisch geworden. Die heutige Generation von Ingenieure arbeitet oft nicht mehr um etwas zu leisten, sondern um die Rechnungen zu zahlen. Pop Stars, westliches Verhalten brachten "neue" Probleme, die Menschen wirken für ihn ganz anders, so etwa wie er und seinen Vater, einfach zwei verschiedene Welten
Eine riesige Leere ist in der Gesellschaft, wirkt ihm alles sehr verbraucht.
Das ist für mich einerseits ein Zeichen von zuviel Wohlstand, andererseits wohl auch die übliche Wellenbewegung der Ansichten und Interessen zwischen den Generationen. Was für die Eltern noch wichtig und richtig war, ist für die nächste generation teilweise einfach verpönt. Und so wird dann plötzlich Leistung uncool, während PopStars eben cool sind.
Aber was soll der Staat da machen?

Du sprichst die Medien an. Aber "reagieren" die Medien nicht eher auf die Interessen und Wünsche der Menschen? Wenn du die Medien in der Verantwortung siehst: Wer soll bestimmen, was gut für die Leute ist? Wer soll die Medien "kontrollieren"? Was für Strafen sollen ausgesprochen werden?

Die Leute erwarten immer mehr und mehr vom Staat. Alles muss Tiptop sein, alle Gefahren muss der Staat von den Menschen abwenden. Aber selber verhalten sich die meisten ausgesprochen egoistisch. Der Staat soll eine ordentliche Rente zahlen, aber Kinder will keiner mehr haben. Und sich selbst für die eigenen Kinder oder die Kinder des Nachbarn einschränken? Hat man doch nicht nötig!
Wenn ich in der Schule in der 8. Klasse die Brocken hinschmeisse, dann hat der Staat mich gefälligst bis zum Ende meines Lebens zu ernähren und auf eine eigene Wohnung, da hat man doch wohl ein Anrecht drauf! Wie? Keine Theaterbesuche? Unmenschlich!
Lasse ich mir als Frau mit 18 ein Kind machen und schicke danach den Vater in die Wüste, dann hat mich gefälligst auch keiner mehr aufzufordern, eine Arbeit aufzunehmen. Ich muss ja schliesslich auf mein Kind aufpassen! Ob ich das Kind nämlich in eine Kita stecke, womöglich noch ganztags (wie unmenschlich!), das darf ich ja wohl selbst entscheiden....
(Das soll nicht heissen, dass es jeder so macht, aber wenn man gegen die ist, die es so machen, dann wird man noch als unsozial und herzlos gestempelt)

Das kostet alles schon jetzt ein Heidengeld. Soll der Staat an dieser Stelle die Anreize aber nur durch Belohnen geben, dann wird die Sache erst recht unbezahlbar. Also geht es doch in vielen Bereichen ganz objektiv erstmal nur durch Bestrafen. Aber das soll heutzutage mal ein Politiker vorschlagen....

Re: Integration im Schulbetrieb

Verfasst: 24 Jan 2012, 19:46
von GastroService
Ein weiteres "Integrations-Hemmungs-Instrument" duefte die Telekommunikation sein. Wenn man vor Jahren in einem Dorf (Siedlung) lebte, in dem der Auslaenderanteil seht gering war, so hatte man als Kind nur die einheimischen Kinder zum spielen und hat so die Sprache (wohl meist nur Dialekt) von Jugend an gelernt. Heute simsen oder chaten die Kinder mit ihren (nationalen / ethnischen) Freunden in der Muttersprache und haben die Moeglichkeit sich Mitten in der "Diaspora" abzukapseln.

Re: Integration im Schulbetrieb

Verfasst: 24 Jan 2012, 21:04
von warwara
Interessante und gleichzeitig humorvolle Lektüre über den Alltag an deutschen Schulen
Chill mal, Frau Freitag
Föhn mich nicht zu: Aus den Niederungen deutscher Klassenzimmer

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt, dass die Autorin des ersten Buches mit Pseudonym schreibt. Ich war nach der Lektüre beider Bücher jedenfalls froh, dass bei mir seinerzeit - 1989, als ich mein Studium an der KMU begann - nicht der Plan B aktiviert werden musste.

Re: Integration im Schulbetrieb

Verfasst: 24 Jan 2012, 21:45
von GIN
Ich fände es begrüßenswert, wenn sich in DE noch mehr (private) Stiftungen auch im Bereich Bildung engagieren würden, wie du das von der Türkei geschrieben hast (wohlgemerkt - da fördert nicht "der Staat" als solches, sondern das sind Stiftungen, die sich vermutlich nicht oder nicht nur aus öffentlichen Mitteln finanzieren - das muss man schon auch trennen).
Diese Stiftungen, respektive diese Stiftung bekommt das Geld von Spenden von wohlhabenden "Grau-Türken", das sind Kaufleute aus Anatolien die Gelder aus politischen-moralischen Gründen spenden. Diese Stiftung bewegte sich sich viele Jahre ausserhalb des Staates, der Sinn dieser Stiftung ist ganz klar, man wollte/will der jahrzehntelangen Bevormundung durch die Kemalisten einen Riegel vorschieben, der Selbstzweck ist eine Schaffung einer Jugend, die im neuen Jahrhundert bestehen kann, also nicht Europäisch, der Fachmann würde jetzt sagen, "Neu-Osmanisch", da erklärt auch die Wachstumszahlen in der Türkei und die Stagnation auf sehr hohem Level in Deutschland.
Letztlich kann der Staat aber nur das regeln, was in seinen Verantwortungsbereich fällt, und ich finde, er kann nicht Lückenbüßer für die Versäumnisse sein, die es anderswo gibt.
Er muss es aber, oder er wird in diesem Jahrhundert einfach nicht bestehen, so einfach ist das.

Re: Integration im Schulbetrieb

Verfasst: 24 Jan 2012, 21:54
von pippie
warwara hat geschrieben:Interessante und gleichzeitig humorvolle Lektüre über den Alltag an deutschen Schulen
Chill mal, Frau Freitag
Föhn mich nicht zu: Aus den Niederungen deutscher Klassenzimmer

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt, dass die Autorin des ersten Buches mit Pseudonym schreibt. Ich war nach der Lektüre beider Bücher jedenfalls froh, dass bei mir seinerzeit - 1989, als ich mein Studium an der KMU begann - nicht der Plan B aktiviert werden musste.
Mein Favorit ist fast völlig kostenlos: http://frlkrise.wordpress.com/

Re: Integration im Schulbetrieb

Verfasst: 24 Jan 2012, 22:08
von GIN
@manuchka Frage zurück an Dich? bist Du bereit die Folgekosten der Misswirtschaft in Deutschland zu zahlen? Du meinst ja, der Staat kann es nicht machen, weisst es aber genau das der Staat es machen könnte. Also bist Du bereit diese Steuern und Abgaben zu zahlen und deine eigenen Kinder in diesen Schuldenberg treiben?

Re: Integration im Schulbetrieb

Verfasst: 24 Jan 2012, 22:16
von GIN
Dietrich hat geschrieben: Also geht es doch in vielen Bereichen ganz objektiv erstmal nur durch Bestrafen. Aber das soll heutzutage mal ein Politiker vorschlagen....
Stimme Dir voll zu, nur so.

P.S. übrigens die Politiker sind FEIGLINGE, solche Kerle, da freut es mich das ich bis auf ein bisschen Bodenzins keine Steuern mehr in Deutschland zahle.