weltenbummler hat geschrieben:Langfristig kann Europa, meiner Meinung nach, auf russisches Gas aber auch nicht verzichten. Verflüssigtes Gas aus den USA ist viel zu teuer. Gleiches gilt für alternativ erzeugte Energie (Biogas etc.).
Definitiv ist es möglich, wenn auch verdammt teuer und einige Großkonzerne können sich ihre Milliardengewinne erst mal abschminken. Letztendlich zahlt aber der Endverbraucher und der ist erstaunlich geduldig und opferbereit.
Man denke mal an die ewigen Debatten um den Atomausstieg und die Horrorszenarien, die damals populär waren. Auf einmal kam Fukushima und ein paar Tage später wurde uns der totale Atomausstieg präsentiert und etliche AKW wurden fast über Nacht abgeschaltet. Die Energiekonzerne schrien laut auf und verkündeten ihre unvermeidliche Pleite.
Uns was ist? Das Licht ist noch nicht ausgegangen, der Arsch noch nicht abgefroren und keine Maschine steht deswegen still. Alternative Energie wurde zur Chefsache und die Energiekonzerne steigern weiter ihre Gewinne. Bezahlen tut "der kleine Mann", denn der Aufschlag auf Strom ist gewaltig.
Was bedeutet die Ukraine für den "Normalbürger"?
Auf jeden Fall sehr viel weniger, als es hier im Forum erscheint. Ein paar Schlagzeilen, die schnell vergessen werden. Das hat den gleichen Wert, wie die blutigen Kriege und Masssaker in Teilen Afrikas oder die Kämpfe in Nordafrika und vorderer Orient. Auch da gibt es teilweise extrem wichtige Lieferanten und Exportkunden und wenn von dort Öllieferungen ausfallen, dann kommt es woanders her, wird teurer aber nicht weniger. Bisher haben wir alle diese Katastrophen überlebt, mitunter sogar daran verdient.
Hätte ich nicht jahrzehntelange Beziehungen und Freundschaften zu/in Russland/Ukraine, würde mir das Thema auch am A*** vorbeigehen, wie vielen EU-Bürgern. Auch das gebremste Engagement von Frau Merkel wird sie kaum Stimmen kosten; die Politik hat deutlich mehr aktuelle und brisante Themen, als nur Ukraine/Russland.
Die Staaten Europas stehen finanziell auch auf sehr wackeligen Füßen. Wenn man die Zinsen und die Tilgung der Schulden mit neuen Schulden bezahlt, erinnert dass irgendwie an das System der Kettenbriefe. Und diese Systeme brechen irgendwann zusammen.
Erstaunlicherweise funktioniert es aber in den meisten Staaten immer noch. Da wurden schon andere Krisen überstanden. Der Witz ist, dass Staaten wie Russland, mit geringer Staatsverschuldung deutlich schlechter aufgestellt sind.
Wenn man Putin mit Sanktionen zum Handeln (oder Unterlassen) in der Ukraine zwingen will, muss dass Russland heute, direkt weh tun.
Das wäre eine Möglichkeit, die sicherlich mehr Wirkung zeigt. Aber, wie schon oben erwähnt, ist Putin wirklich nicht so wichtig und auch Solidarität hat da ihre Grenzen, wo es um den eigenen Profit geht.
Wenn irgendwann in ein oder zwei Jahren sich die Wirtschaft etwas schlechter entwickelt, wird das in Russland niemanden beeindrucken.
Die Russen sind leidensfähig und Kummer gewohnt. Da wurden schon schlimmere Krisen überlebt. So lange sie ihre Helden haben und sich für die Größten halten, sind sie gut versorgt. Da wie hier, die Probleme baden "die Kleinen" aus und die werden nicht gefragt, die dürfen ungefragt dafür bezahlen.
Viel interessanter ist der gute Dienst, den Putin im Moment an uns leistet:- Die NATO wacht auf, nachdem sie lange im Friedensrausch fast eingeschlafen ist, wacht langsam wieder auf. Das bringt Aufgaben, Arbeitsplätze und Investitionen. Außerdem wächst die Bedeutung im Osten der EU.
- Die EU sieht sich vor neuen Problemen, die mehr gemeinsame Strategie und Zusammenarbeit erfordern.
- Gemeinsam überlegt man intensiv, die Energiewirtschaft der EU zu konsolidieren, die aktuelle Abhängigkeit von Russland deutlich zu reduzieren und alternative Energiequellen und Lieferanten auszubauen.
- Das fast schon kollegiale Verhältnis zu Putin wird revidiert und den Tatsachen angepasst. Die Naivität im Umgang mit ihm schrumpft rapide.
Wer weiß, aber vielleicht steht eines Tages in Brüssel ein Putin-Denkmal als "Retter und Förderer der EU" und in Anerkennung der Verdienste um die Stärkung der NATO werden die Amis einen Flugzeugträger nach ihm benennen
