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Re: Nicht alle Rechte in Europa sind Faschisten, aber...
Verfasst: 18 Mär 2016, 14:19
von saransk
m5bere2 hat geschrieben:2300 Euro Netto entsprach in Berlin meiner vollen Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter nach TV-L 13 mit Erfahrungsstufe 3
Das sieht mir aber wenig aus. Da hab ich als "kleiner "Angestellter ja etwa 30% mehr im Monat. Gut Steuerklassse2 und freibetrag für drei Kinder, aber ohne Kindergeld weil dies über meine Frau läuft. Auslandszuschläge oder Sontagszuschlag kommen noch dazu, werden aber bei Vater Staat ja immer erst mit monatelanger Verzögerung berechnet.
Ist aber alles relativ. Weil wir ja im Süden der Republik wohnen, muss ich für die vier Zimmer monatlich auch 1400 Euro abdrücken. Und die Semmeln sind auch teurer.
Re: Nicht alle Rechte in Europa sind Faschisten, aber...
Verfasst: 18 Mär 2016, 14:25
von Sachse007
m5bere2 hat geschrieben: Was ist denn dein Fachgebiet?
... derlei Dinge unterliegen selbstverständlich der Geheimhaltung...
Re: Nicht alle Rechte in Europa sind Faschisten, aber...
Verfasst: 18 Mär 2016, 14:42
von m5bere2
saransk hat geschrieben:Das sieht mir aber wenig aus. Da hab ich als "kleiner "Angestellter ja etwa 30% mehr im Monat.
Das kannst du nicht vergleichen. Meine Exkommilitonen, die nicht in die Wissenschaft gegangen sind, hatten auch sofort nach dem Studium 30% mehr als ich nach der Promotion. In der Wissenschaft kriegt man ja keinen Lohn sondern Sachbeihilfe: da gibt es jemanden, der dich einfach komfortabel am Leben hält, damit du den Kopf zum Denken frei hast und hoffentlich was sinnvolles rauskommt. Und dafür ist es genug, über Geld habe ich in Deutschland jedenfalls nie nachgedacht.
Klar kann man mehr verdienen, aber dann muss man auch mal Sachen machen, die einem keinen Spaß machen, während ich mich ausschließlich mit dem beschäftige, was mir gerade in den Sinn kommt. Der einzige "Zwang" ist von Zeit zu Zeit ein Projektantrag und ein Abschlussbericht. ;-)
Mir ging es um den weltweiten Vergleich bei Wissenschaftlergehältern, und da ist Deutschland weit vorne. Wenn du 1400 Euro Miete zahlst für vier Zimmer (in Berlin hatten wir zwei Zimmer und dafür monatlich 800 Euro abgedrückt), dann bleiben ja von 2300 Euro noch 900 Euro übrig! In den USA oder Australien kriegst du als Doktorand mit Glück überhaupt ein Zimmer gemietet, in Russland Essen für einen halben Monat. Deswegen macht das in diesen Ländern auch kaum jemand Vollzeit.
Re: Nicht alle Rechte in Europa sind Faschisten, aber...
Verfasst: 18 Mär 2016, 15:07
von Berlino10
Ich glaube sehr wohl, dass die Situation in DEU wesentlich besser ist als in RUS.
Die Frage, die sich aktuell aber stellt, ist doch eher die, ob es heute weniger gut ist als vor 20-30 Jahren und warum?
Gerade für junge Menschen, ob in Wissenschaft, Lehre, ... oder auch für junge Arbeitnehmer, die nicht mehr in die ehemals gut dotierten Tarifverträge kommen?
Re: Nicht alle Rechte in Europa sind Faschisten, aber...
Verfasst: 18 Mär 2016, 15:13
von fugen
Sagt der Berufssoldat- kommt mir aber wenig vor.
Rechne doch mal Mindestlohn mal 176h, dann weißt du was Minimum(brutto) ist und der Bundesdurchschnitt ist nicht weit drüber ;-)
Re: Nicht alle Rechte in Europa sind Faschisten, aber...
Verfasst: 18 Mär 2016, 16:11
von m5bere2
Berlino10 hat geschrieben:Die Frage, die sich aktuell aber stellt, ist doch eher die, ob es heute weniger gut ist als vor 20-30 Jahren und warum?
20 oder 30 Jahre bin ich noch nicht dabei. Weiß aber von meinem ehemaligen Berliner Professor, das vor 20-30 Jahren bei Konferenzbesuchen eine Eigenbeteiligung an der Dienstreise gefordert war, während sich in Deutschland heute kaum noch einer einen Kopf darüber macht, ob er Geld dafür hat, zu einer Tagung zu reisen. Das schließt mich nicht aus, darüber habe ich in Deutschland nie nachgedacht.
In dieser Hinsicht stelle ich mir das in Deutschland vor 20-30 Jahren vor wie in Russland heute: hier spendiert die Uni nur eine Konferenzteilnahme pro Jahr, und auch nur, wenn man einen Vortrag dort hält, und auch nur, wenn die Konferenz recht groß und populär ist (produktiver sind aber eigentlich oft kleinere Konferenzen). Aus eigenen Projektmitteln besuche ich ein paar wissenschaftliche Veranstaltungen mehr, muss aber abwägen. Die Projektmittel sind für Russland recht üppig, aber im Westen damit prahlen kann man nicht. :-)
Auf der anderen Seite ist, glaube ich, heutzutage der Konkurrenzdruck in der deutschen Wissenschaft wesentlich höher als vor 20 oder 30 Jahren, sodass ich gehört habe, dass der ein oder andere den Denkprozessen auch mal mit ein paar Mittelchen nachhilft, um mithalten zu können. Aber das ist nunmal auch darin begründet, dass Deutschland da recht attraktiv ist und Leute aus aller Welt in die deutschen Unis und Institute ziehen, denen Familie vielleicht nicht so wichtig ist wie den Deutschen, die aus familiären Gründen oft abhauen, weil sie im Ausland einfach so gefragt sind, dass man das da regeln kann: in China z.B.
Re: Nicht alle Rechte in Europa sind Faschisten, aber...
Verfasst: 18 Mär 2016, 21:32
von CSB_Wolf
Berlino10 hat geschrieben:Ich glaube sehr wohl, dass die Situation in DEU wesentlich besser ist als in RUS.
Die Frage, die sich aktuell aber stellt, ist doch eher die, ob es heute weniger gut ist als vor 20-30 Jahren und warum?
Gerade für junge Menschen, ob in Wissenschaft, Lehre, ... oder auch für junge Arbeitnehmer, die nicht mehr in die ehemals gut dotierten Tarifverträge kommen?
Ist das jetzt auf Russland bezogen oder auf Deutschland ?
Das Deutschland der 70er Jahre kann man nicht mit dem heutigen Deutschland vergleichen, in den 70er jahren war noch vollbeschäftigung angesagt, das konntest Du zu Mittag bei einer Firma aufhören und nach Mittag bei einer anderen Firma bereits wieder anfangen

Habe ich selbst mal erlebt
Gruss
wolf