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Re: Die russische Rentenreform

Verfasst: 06 Aug 2018, 11:47
von saransk
paramecium hat geschrieben: 06 Aug 2018, 00:27Es geht nicht um "Propaganda". Ich bin halt generell kein großer Freund des ausufernden Sozialstaates (den muss es für Bedürftige geben) hin zum Wohlfahrtsstaat.

Ich auch nicht. das ganze verleitet nämlich schnell dazu, andere für die eigene Situation verantwortlich zu machen.
paramecium hat geschrieben: 06 Aug 2018, 00:27Wir traumtänzern aber auch nicht mit einer "der-Staat-wird-es-schon-richten-Mentalität" durchs Leben. So begibt man sich spätestens im Alter in die (zurecht?) selbst verschuldete Unmündigkeit.
Siehe auch mein letzter Satz oben. Und gerade in Russland ist dies historisch (vor allem bei der mittleren und älteren Generation) weit verbreitet. Wie oft höre ich immer noch den Satz: "Wenn das erst mal der Präsident erfährt", oder "Der Staat muß sich auch um die alltäglichen Dinge der Menschen (Gesundheit, Bildung, Rente) kümmern, weil sonst dem Mißbrauch Tür und Tor geöffnet wird.

Re: Die russische Rentenreform

Verfasst: 06 Aug 2018, 12:01
von Okonjima
Handwerksberufe mit 10 Jahren Berufserfahrung?
Sehr heikles Thema, da sehe ich ein großes Problem speziell in Deutschland. Das Handwerk geht gerade den Bach runter,
weil einfach kein Nachwuchs zu finden ist. Keiner will sich mehr "die Hände schmutzig machen"! Schon garnicht für die
Löhne die der Mittelstand speziell im Osten zahlen kann. Wir erziehen uns gerade eine Generation von Superstars und
Theoretikern. In der Ausbildung bzw. Schule wird Wissen gelernt um einen Abschluß zu machen und nicht um es im
Berufsleben anwenden zu können.
Die Handwerksberufe werden auch gern vergessen bei so Sachen wie "Rente mit 67". Welcher Dachdecker, Maurer etc.
kann solange arbeiten!? Das wird auch in Russland beim erhöhten Renteneintrittsalter ein Problem werden.
Wird aber am Ende ein Problem für den Einzelnen - Pech gehabt, falschen Beruf gelernt!! :evil:

Re: Die russische Rentenreform

Verfasst: 06 Aug 2018, 13:07
von Berlino10
Einige kapieren hier gar nichts. Der Zuwachs beim oberen 1% auf Kosten der ärmeren 50% ist ein Verbrechen und hat nichts mit ausuferndem Sozialstaat zu tun, ... wenn ich so einen Scheiss nur lese muss ich kotzen.
In denselben Familien, in denen Vater und Mutter in den 70ern und 80ern, 90ern gutes Geld verdienten als Arbeiter beim Daimler oder als Stewardess, Teilhabe nahmen am Wohlstand, kommen heute die Söhne und Töchter kaum noch in diese Tarifverträge rein, arbeiten als Leiharbeiter für die Hälfte bzw als 400EUR Kraft beim Edeka. Rekord-Renditen und Steuerhinterziehung der Konzerne, Auspressen der Ärmeren und der Mittelschicht ist heutige REalität. Und ich RUS noch extremer als in DEU.

Re: Die russische Rentenreform

Verfasst: 06 Aug 2018, 13:57
von paramecium
Berlino10 hat geschrieben: 06 Aug 2018, 13:07 Einige kapieren hier gar nichts. Der Zuwachs beim oberen 1% auf Kosten der ärmeren 50% ist ein Verbrechen und hat nichts mit ausuferndem Sozialstaat zu tun, ... wenn ich so einen Scheiss nur lese muss ich kotzen.
In denselben Familien, in denen Vater und Mutter in den 70ern und 80ern, 90ern gutes Geld verdienten als Arbeiter beim Daimler oder als Stewardess, Teilhabe nahmen am Wohlstand, kommen heute die Söhne und Töchter kaum noch in diese Tarifverträge rein, arbeiten als Leiharbeiter für die Hälfte bzw als 400EUR Kraft beim Edeka. Rekord-Renditen und Steuerhinterziehung der Konzerne, Auspressen der Ärmeren und der Mittelschicht ist heutige REalität. Und ich RUS noch extremer als in DEU.
Zu den reichsten 1% gehörst du in Deutschland bereits ab 120.000 Euro Jahreseinkommen. Das sind größtenteils keine Superreichen, sondern Leute (Programmierer, Fachärzte, Verkaufsleiter, erfahrene Flugzeuglotsen ect.) die es durch Bildung, Können, Einsatz und Arbeit zu was gebracht haben und dafür auch kräftig Steuern zahlen. Leiharbeit betrifft 2 Prozent der Arbeitnehmer und ist für viele Arbeitslose (insbesondere auch ältere Arbeitnehmer) eine Chance für den (Wieder)einstieg in den Beruf. Nach 9 Monaten Arbeit bekommen Leiharbeiter seit 2017 im übrigen normalerweise das gleiche Gehalt wie Festangestellte. Letzteres betrifft mehr als 50% aller Leiharbeiter.

Re: Die russische Rentenreform

Verfasst: 06 Aug 2018, 14:14
von Zejtnot
Ich frage mich seit einiger Zeit, wann diese Blase platzt. Klar sieht man jetzt beispielsweise bei RyanAir, dass die endlose Optimierung noch immer Grenzen hat, aber selbst das ist in meinen Augen nur ein letztes Zucken der einst funktionierenden sozialen Marktwirtschaft. Grundsätzlich geht es in der Tat nur noch um eine Optimierung, bei der an sich gar niemand mehr weiß, für wen da optimiert wird. Für die 0.1 % Superreichen, die gar nicht wissen, wohin mit dem Geld? 20 % Rendite gehört zum guten Ton, zugleich gibt es in der Bank im besten Fall noch 0.1 % Zinsen - alles irgendwie verrückt.

Das Hamsterrad dreht sich immer schneller, aber es ist in meinen Augen nur eine Frage der Zeit, bis die Geschwindigkeit zu hoch wird.

Selbst solche Dinge wie die Begeisterung für Erdogan oder Orban, ja selbst für den IS unter Moslems, ist ein Ausdruck, dass sich diese Art von Gesellschaftsform überleben wird. Leider sind halt diese von vielen Menschen als Alternativen wahrgenommenen Ideologien noch gruseliger.

Re: Die russische Rentenreform

Verfasst: 06 Aug 2018, 14:26
von Okonjima
Leiharbeit betrifft 2 Prozent der Arbeitnehmer und ist für viele Arbeitslose (insbesondere auch ältere Arbeitnehmer) eine Chance für den (Wieder)einstieg in den Beruf. Nach 9 Monaten Arbeit bekommen Leiharbeiter seit 2017 im übrigen normalerweise das gleiche Gehalt wie Festangestellte. Letzteres betrifft mehr als 50% aller Leiharbeiter.
Klingt verdammt gut, hat aber mit der Realität nix zu tun! Da muß erstmal viel zusammenkommen bis ein Leiharbeiter 9 Monate
am Stück bei einer Firma arbeitet. Was bei uns hier so antanzt sind größtenteils alles "Flockis" ohne Motivation. Warum auch,
sind eh meistens nicht länger als 2 Wochen an einem Ort. Leiharbeit ist nix anders als versteckte Arbeitslosigkeit oder moderne
Sklaverei.
Der Vergleich mit dem Hamsterrad von Zejtnot passt genau. Für den Ottonormalverbraucher läuft alles auf "immer billiger" hinaus.
Auch wenn es z.B. mal wieder einen Skandal in der Massentierhaltung gibt, nimmt es das "gemeine Volk" hin, weil der kleine Mann gar keine
anderen finanziellen Möglichkeiten hat. Wir hetzen von billiger nach noch billiger. Das kann nicht gesund sein - im wahrsten Sinne des Wortes!

Re: Die russische Rentenreform

Verfasst: 06 Aug 2018, 14:51
von paramecium
Okonjima hat geschrieben: 06 Aug 2018, 14:26
Leiharbeit betrifft 2 Prozent der Arbeitnehmer und ist für viele Arbeitslose (insbesondere auch ältere Arbeitnehmer) eine Chance für den (Wieder)einstieg in den Beruf. Nach 9 Monaten Arbeit bekommen Leiharbeiter seit 2017 im übrigen normalerweise das gleiche Gehalt wie Festangestellte. Letzteres betrifft mehr als 50% aller Leiharbeiter.
Klingt verdammt gut, hat aber mit der Realität nix zu tun! Da muß erstmal viel zusammenkommen bis ein Leiharbeiter 9 Monate
am Stück bei einer Firma arbeitet. Was bei uns hier so antanzt sind größtenteils alles "Flockis" ohne Motivation. Warum auch,
sind eh meistens nicht länger als 2 Wochen an einem Ort. Leiharbeit ist nix anders als versteckte Arbeitslosigkeit oder moderne
Sklaverei.
Wie ich oben schrieb sind mehr als 50% der Leiharbeiter länger als 9 Monate bei einem Arbeitgeber beschäftigt. Das es auch Probleme gibt bestreite ich nicht.
Okonjima hat geschrieben: 06 Aug 2018, 14:26 Der Vergleich mit dem Hamsterrad von Zejtnot passt genau. Für den Ottonormalverbraucher läuft alles auf "immer billiger" hinaus.
Auch wenn es z.B. mal wieder einen Skandal in der Massentierhaltung gibt, nimmt es das "gemeine Volk" hin, weil der kleine Mann gar keine
anderen finanziellen Möglichkeiten hat. Wir hetzen von billiger nach noch billiger. Das kann nicht gesund sein - im wahrsten Sinne des Wortes!
Lebensmittelpreise in Deutschland und die Billigmentalität ist ein etwas anderes Thema, dass nicht unbedingt nur etwas mit dem Gehalt sondern auch mit den Prioritäten zu tun hat. Keine Ahnung, ob der Ottonormalverbraucher Fleisch aus artgerechterer Haltung kauft, wenn er mehr verdienen würde. Möglicherweise würde er nur von Kotlett auf Filet und von Schwein auf Kalb umschwenken. Ich sehe es hier bei meinem Nachbarn. Grillanlage für 1000 Euro aufgestellt auf der dann häufig (aber nicht nur) vormariniertes Billigfleisch aus dem Discounter gepackt wird. Aber bei dem Thema bin ich mangels Fleischkonsum überfragt.

Re: Die russische Rentenreform

Verfasst: 06 Aug 2018, 15:21
von Berlino10
paramecium hat geschrieben: 06 Aug 2018, 13:57
Zu den reichsten 1% gehörst du in Deutschland bereits ab 120.000 Euro Jahreseinkommen. Das sind größtenteils keine Superreichen, sondern Leute (Programmierer, Fachärzte, Verkaufsleiter, erfahrene Flugzeuglotsen ect.) die es durch Bildung, Können, Einsatz und Arbeit zu was gebracht haben und dafür auch kräftig Steuern zahlen. Leiharbeit betrifft 2 Prozent der Arbeitnehmer und ist für viele Arbeitslose (insbesondere auch ältere Arbeitnehmer) eine Chance für den (Wieder)einstieg in den Beruf. Nach 9 Monaten Arbeit bekommen Leiharbeiter seit 2017 im übrigen normalerweise das gleiche Gehalt wie Festangestellte. Letzteres betrifft mehr als 50% aller Leiharbeiter.
Kein Wunder, dass man mit solch aberwitzig falschen Zahlen zu so einem falschen Denken kommt.
Können, Einsatz und Arbeit zeigen auch die ausgebeuteten Alten-, KrankenpflegerInnen u.v.a., oder etwa nicht??
1% beginnt bei 120.000? Unsinn
Und bitte auch mal berücksichtigen, dass die Vermögenseinkünfte längst die Arbeitseinkünfte übersteigen, und dass wir eben keine Leistungs- sondern eine Erbengesellschaft sind.

Jeder 2. neue Arbeitsplatz in DEU ist befristet. Das Gelaber von Leiharbeit als Wiedereinstiegschance ist nur der Vorwand für grenzenlose Ausbeutung. Bezos raubt seine über 100 Mrd. EUR durch Ausbeutung und Steuerhinterziehung und Subventionen. BMW Ost beschäftigt 1/3 Leiharbeiter 40% unter Tarif, damit die Quandts jedes Jahr 1 Mrd. Dividende bekommen.

Die Renditen der Finanzoligarchie übersteigen seit vielen Jahren das weltweite Wachstum um ein Vielfaches.
Die Oligarchen müssen dafür die einfachen Menschen dessen berauben, was diesen zusteht, mit Hilfe korrumpierter Politik und den eigenen Medien, die solch Propaganda verbreiten, wie du schreibst.

Re: Die russische Rentenreform

Verfasst: 06 Aug 2018, 17:50
von paramecium
Berlino10 hat geschrieben: 06 Aug 2018, 15:21 Können, Einsatz und Arbeit zeigen auch die ausgebeuteten Alten-, KrankenpflegerInnen u.v.a., oder etwa nicht??
Zu denen schrieb ich bereits oben.
Berlino10 hat geschrieben: 06 Aug 2018, 15:21 1% beginnt bei 120.000? Unsinn
Und bitte auch mal berücksichtigen, dass die Vermögenseinkünfte längst die Arbeitseinkünfte übersteigen, und dass wir eben keine Leistungs- sondern eine Erbengesellschaft sind.
Die zahlen üblicherweise auch Steuern auf ihre Kapitalerträge. Investitionen in Unternehmen aus denen diese Kapitalerträge beim Otto-Normal-Reichen resultieren sind essenziell für eine wachsende Wirtschaft. Das sind nicht alles Finanzhaie. Viele Millionäre sind zudem Unternehmer mit Betriebsvermögen. Was willst du denn mit diesen wohlhabenden Leuten machen? Eine noch höhere Erbschaftssteuer einführen? Komplett Enteignen?
Berlino10 hat geschrieben: 06 Aug 2018, 15:21 Jeder 2. neue Arbeitsplatz in DEU ist befristet.
Warum auch nicht? War meine Stelle auch (Elternzeitvertretung). Als die Dame aus der Elternzeit zurückkam wurde für mich eine neue Stelle geschaffen. Man muss sich einfach nur durch gute Arbeit unentbehrlich machen.
Berlino10 hat geschrieben: 06 Aug 2018, 15:21 Das Gelaber von Leiharbeit als Wiedereinstiegschance ist nur der Vorwand für grenzenlose Ausbeutung.
Hier in der Firma sowie auch in meinem Bekanntenkreis hab ich mehr als 10 Beispiele erlebt, dass Leiharbeiter übernommen wurden. Bei meinem Vater auf der Arbeit verzichteten mehrere Personen sogar auf Übernahme, weil sie finanziell bei der Leiharbeit wohl besser wegkamen (Ticket für den öffentlichen Nahverkehr wird so weit ich weiß unversteuert gezahlt).
Berlino10 hat geschrieben: 06 Aug 2018, 15:21 BMW Ost beschäftigt 1/3 Leiharbeiter 40% unter Tarif, damit die Quandts jedes Jahr 1 Mrd. Dividende bekommen.
Ich fürchte da bist du oder möglicherweise irgendein Neues Deutschland-Artikel auf den du dich beziehst nicht auf dem aktuellen Stand bezüglich der Gehälter.
Berlino10 hat geschrieben: 06 Aug 2018, 15:21 Die Renditen der Finanzoligarchie übersteigen seit vielen Jahren das weltweite Wachstum um ein Vielfaches.
Die Oligarchen müssen dafür die einfachen Menschen dessen berauben, was diesen zusteht, mit Hilfe korrumpierter Politik und den eigenen Medien, die solch Propaganda verbreiten, wie du schreibst.
Richtig. Musk, Bezos, Buffett und Co rauben die Leute nur aus und bringen die Welt kein Stück voran. Es wird Zeit das wir zusammen etwas gegen die Ungerechtigkeit tun. Hat doch 1917 schon einmal gut geklappt. Alle dem Goebbelsschreier hinterher - stürmt die Banken. Nieder mit dem korrupten Propaganda-Regime und den Großbaue.......äh Großaktionären. :reiter:

Re: Die russische Rentenreform

Verfasst: 07 Aug 2018, 03:13
von Axel
Naja zum Thema Handwerk kann ich nur sagen, dass ich damals, als ich noch zur Realschule ging, ein Schulpraktikum auf dem Bau in Fachrichtung Tiefbaumontage absolviert hatte. Ging zwei Wochen, aber schon nach drei Tage habe ich gemerkt, dass der Müll nichts für mich ist. Ganze Zeit Dreck und Staub einatmen, rumknien, dass Dir die Gelenke wehtun, irgendwelche Klötze tragen, stand ganze Zeit neben einem Betonmischgerät und war dreckig wie sonst was, Pausen, obwohl ich Schüler war, gabs nie. Größter Scheiß, da nehme ich es den Leute nicht übel, dass die auf sowas keinen Bock haben, als Informatiker verdienst Du halt mehr und sitzt nur rum und kriegst noch alles hinten reingeschoben wie Bafög, wovon Du nur die Hälfte zurückzahlen musst, Techniker oder Meister musst Du alles selbst bezahlen und kriegst später trotzdem weniger als ein Ingenieur mit Studium. Kann da den Leuten keinen Vorwurf machen, solange Löhne und Konditionen im Handwerkbereich scheiße sind. Sind die Betriebe auch teilweise selbst Schuld.