Berlino10 hat geschrieben: 27 Jun 2020, 16:40 Sie sind immer noch zufrieden damit, dass und wie es die letzten 20 Jahre besser wurde .
Das stimmt ja aber auch erstmal.
...und fürchten ungewisse Veränderungen
Einfach gesagt: Wenn ein "Neuer" mit neuer Mannschaft kommt, wird er sich und seiner Mannschaft erstmal die Taschen vollstopfen. Deutlich auf Kosten des "einfachen Mannes". Und es könnte ja durchaus noch schlimmer kommen. Natürlich auch viel besser, keine Frage.
Aber selbst wenn man den derzeitigen Präsidenten als förderlich erachtet, sollte man sehen, dass es nötig (gewesen) wäre, RUS auch unabhängig seiner Person ins Laufen zu bringen.
Stimmt grundsätzlich natürlich. Nur: klappt das in Russland auch? Ich hatte ja hier vor nicht allzu langer Zeit ausführlich darüber referiert, dass in der russischen Geschichte alles auf eine Person konzentriert wurde, auf Staatsebene bis runter auf die Dorfebene. Und diese Verhaltensstrkturen sind heute absolut genauso verfolgbar. Das hat Vor- und Nachteile. Es ist aber numal so in der russischen Geschichte, und die sitzt in jedem Volk unbewußt fest. Läßt sich sprachlich auch sehr schön und vielfältig festmachen. Und das, was unbewußt festsitzt, ist nur schwer ausrottbar.
Ein wirklich guter Präsident sollte das Land in die Lage versetzen, überall und dezentral gut zu funktionieren: Politik, Bürokratie, Justiz, Polizei, ...
Na, hier hast Du das Ergebnis (die Folgen) mit der Ursache vermischt. "Guter Präsident" dann, wenn "das Land dezentral funktioniert"? Was hat Putin gleich nach Amtsübernahme gemacht? Er hat das Land zusammen gehalten, die Strukturen stark gestrafft, hat die Föderationssubjekte, die vor dem Absprung waren, wieder "heim ins Reich" geholt. Gleichzeitig hat er durch die Schaffung der sieben föderalen Kreise eine gewisse Dezentralisierung ermöglicht. Die "Oblaste" haben eine größere Autonomität als die deutschen Landkreise oder Bundesländer. Die ist nun schrittweise rückgängig gemacht worden durch die Tatsache, dass die Gouverneure letztendlich direkt von der Hand des Präsidenten abhängig sind. Aber dennoch ist z.B. im Gebiet Wladimir der Gouverneur von der LDPR. Ein deutlicher Unterschied zur vorherigen Amtsinhaberin vom "Einigen Russland".
möglichst frei von Willkür und Korruption,
Hatten wir vor ein paar Tagen erst. Die Korruption im Alltag ist sehr deutlich zurück gegangen, damit auch die Willkür. Korruption in größerem und großem Massstab ist durchaus vorhanden. Aber nur in Russland, in Deutschland nicht? Aber natürlich auch in Deutschland und anderswo.
so daß die Menschen mit Motivation und fairen Chancen ihre Zukunft selbst mitgestalten können und wollen.
Das "Wollen" ist hier der entscheidende Punkt. Dieses Wollen muss gefördert und erhalten werden. Meiner Meinung nach gehört hier die Rechtssicherheit an oberster Stelle.
Letztendlich ist der real existierende Sozialismus mMn genau an dieser Plan- und Machtzentralisierung sowie der Entmündigung der Bürger gescheitert.
Ich denke, an der Missachtung der Wünsche der Bevölkerung. Die Entmündigung halte ich hier nicht für den wichtigsten Aspekt. Die Leute hatten sich arrangiert. "Der Staat tut so, als ob er uns bezahlt, und wir tun so, als ob wir arbeiten."
Dass der Kolonial-Kapitalismus in RUS den Staat völlig ausser Funktion setzte und für die meisten Russen noch verheerender wütete, sollte keine Rechtfertigung sein, es nicht mit einer politisch wie wirtschaftlich förderlichen demokratischen, sozialen, dezentralen Marktwirtschaft zu versuchen.
Versuch macht kluch. Nur, inwieweit die von Dir genannten Kategorien "demokratisch", "dezentral", "Marktwirtschaft" in diesem Zusammenspiel das sind, was Russland braucht, um zu genesen, nun, ich bin da eben mehr als skeptisch, ob das nicht zuförderst westliches Wunschdenken ist.