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Verfasst: 13 Mär 2007, 20:05
von germanisator
Zu manuchka@Zitat@:

sondern ist einfach - wie gesagt - dem Umstand zu verdanken, dass man bei uns nicht nach Nationalität abgrenzt.

Schöne Märchen über Toleranz und Akzeptanz im sauberen Deutschland kannst Du gerne deinen Kolleg in Russland erzählen. :blumen2: Mir brauchst du das nicht erzählen. Ich mache jeden Tag ein Monitoring auf Toleranz und Akzeptanz. Zwangsläufig, indem ich hier lebe. Bei uns in Deutschland grenzt man nicht nur ab, sondern auch aus. Ups, ich überschreite mal wieder den thematischen Rahmen.

Ich plädiere nicht dafür, dass russländisch grundsetzlich verwendet wird. Ich will nur sagen, dass es manchmal durchaus sinnvoll ist, russländisch zu verwenden. z.B. wenn man über Juden spricht und wagt es nicht, das Wort Jude in den Mund zu nehemen. Bloß es gibt dieses Wort "russländisch" im Deutschen. Es ist keine Neuerfindung. Es wird leider bis heute überwigend in der Fachliteratur (ich kann aus mindestens 10 Quellen auf Anhieb zitieren), obwohl man es echt gut gebrauchen könnte und somit so manches Mißverständnis, Unannehmlichkeit usw. vermeiden könnte.

Verfasst: 13 Mär 2007, 21:46
von Zeppelin
germanisator hat geschrieben:...Bloß es gibt Länder, in denen es eine überethnische Bezeichnung für die Bevölkerung gibt (Neu Seeländer) und es gibt solche wo es keine, bzw. noch keine, gibt (Deutschländer). Doch in letzter Zeit Tauchen solche Begriffe wie Fremddeutsche (Mola Adabesi) auf. Ich glaube, man kann Deutschland und Russland nicht ohne weiteres miteinander vergleichen. Russland ist schon immer ein multiethnisches Land gewesen, und Deutschland nicht (von den Sorben mal abgesehen)...
Hinsichtlich Russland finde ich Deine Meinung ja völlig richtig, wie Du ja sicher schon gelesen hast.
Aber was Du hier über Deutschland geschrieben hast, erscheint mir etwas unklar, weil sich zwei Aussagen offenbar widersprechen.

Einen Begriff wie etwa "Deutschländer" halte ich genau deshalb für überflüssig, weil es unangefochtener Konsens ist, dass Deutsche sich mit dieser Bezeichnung identifizieren und es sich hierbei auch um eine quasi überethnische Bezeichnung handelt.

Denn das Wort wurde ja als Oberbegriff für die verschiedenen Volksstämme des westlichen Teils des Karolingerreiches gewählt, um die Befindlichkeiten der Sachsen, Bayern, Hessen etc. zu berücksichtigen.

Und heute ist es offenkundig so, dass auch hier eingebürgerte Zuwanderer sich durchaus als Deutsche betrachten und bezeichnen, weil ihnen ja damit nicht aufgezwungen wird, ihre ethnischen Wurzeln zu verbergen.
Aber ich könnte mir gut vorstellen, dass z.B. der Spezialitätenhändler an der Ecke, der ursprünglich aus dem Iran stammt, es vielleicht nicht witzig finden würde, wenn man ihn als Preußen bezeichnet.

Weil es leider wirklich in der Praxis wenig gebräuchlich ist, das Wort russländisch zu verwenden, habe ich mir angewöhnt, von selbst zu erfragen, welche Formulierung den entsprechenden Personen am liebsten ist.
So beleidigt man niemanden und tritt auch nicht ins Fettnäpfchen. Nur tatsächliche Russen sind manchmal eingeschnappt, wenn man sie nach der ethnischen Zuordnung fragt. Aber das ist auch einer der Gründe, warum einige davon hier nicht so wahnsinnig beliebt sind.
Sympathischer sind mir da schon Leute, die sich einfach und offen dazu bekennen, dass sie Russen sind, weil sie kein Problem mit der Frage haben.

Aber irgendwie ist das Thema auch erschöpft.

Zeppelin

Verfasst: 13 Mär 2007, 22:19
von fremantle
Kinder, ihr macht das alles viel zu kompliziert! :roll:

Deutschland-deutschländisch
England-engländisch
Finnland-finnländisch
Griechenland-griechländisch
Island-islisch
Niederlande-niederlich
Russland-russländisch

(duck&weg) :reiter:

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Was ich nur sagen will: Woher kommt eigentlich das Vorurteil der deutschen Kleinkariertheit?

Tataren sind beleidigt, wenn sie Russen von Deutschen genannt werden, Schotten sind beleidigt wenn sie Engländer genannt werden, Gelderländer sind beleidigt, wenn man sie Holländer nennt, und Preussen sollen beleidgt sein, wenn jemand Schwab sagt. Und am Ende redet man drüber und alle lachen. Denn wir sind doch auch nur alle Europäer! (Au weia - Gleiches Thema, neue Runde: Russland geht über den Ural hinweg...)

Verfasst: 14 Mär 2007, 01:27
von Bephep
germanisator hat geschrieben.
Meine Mutter ist Russin, mein Vater ist Jude und ich habe einen deutschen Namen. I
Sehr schoen aber unlogisch. Russin ist verstaendlich aber Jude ist keine Staatsangehoerigkeit sondern bezeichnet die Zugehoerigkeit zu einem Glauben.Ich bezeichene mich als Deutscher, nicht als Evangelischer.

Wenn schon Feinheiten der Sprache,germanisieren heisst andere zu Germanen also Deutsche machen.Und Germanisator ist ist ein Ausfuehrender.Wir hatten einmal einen Arier hier,aber aus dieser braunen Vergangenheit sollte man keine Begriffe uebernehmen.

Verfasst: 14 Mär 2007, 01:47
von germanisator
Sehr interessant. Ich bin jetzt aber verunsichert. Kannst du mir dann vielleicht gleich verraten, wer ich bin, wer sind unsere Gemeindemitglieder, die nicht gläubig sind? Jude ist sowohl eine Bezeichnung für ethnische Zugehörigkeit als auch für den Glauben. Habe ich irgendwo behauptet, Jude ist Staatsangehörigkeit? Jude als Staatsangehörigkeit heißt Israeli. Ich bin kein Israeli (noch nicht). Ich will gerne einen israelischen Pass. Bislang habe ich nur deutschen und russischen.

Zu meinem Namen Germanisator kann ich nur soviel sagen: als ich vor einigen Jahren einen Vortrag über Sorben hielt, habe ich natürlich die Zwangsgermanisierung nicht ausgelassen. Ein Student hat gegen den Begriff Zwangsgermanisierung protestiert und bestand darauf, dass ich stattdessen das Wort Eindeutschung verwende. Die Sorben wurden lediglich eingedeutscht. Die Pointe an der Geschichte: Dieser Student ist ausserhalb der Vorlesungszeit mehrmals wegen Ausländerfeindlichkeit aufgefallen.

Der Name Germanisator reizt und erfüllt somit seinen Zweck!

Den Arier durfte ich leider nicht kennen lernen. Ist es derjenige, der behauptet hatte, in Deutschland gibt es keine Fremdenfeindlichkeit? Also ich bin kein Deutscher und somit auch kein Arier. Eigentlich komisch, dass du den Nazi bei mir suchst!

Verfasst: 14 Mär 2007, 02:02
von Zeppelin
Bephep hat geschrieben:... aber Jude ist keine Staatsangehoerigkeit sondern bezeichnet die Zugehoerigkeit zu einem Glauben.Ich bezeichene mich als Deutscher, nicht als Evangelischer....
Es erscheint mir etwas "grenzwertig", was Du da schreibst.
Sachlich ist es zwar weitgehend richtig, dass z.B. jüdischsein, vorrangig ein Hinweis auf Religionszugehörigkeit ist.
Aber man kommt kaum umhin (auch nicht als Atheist), zu ignorieren, dass Anhängern der jüdischen Religion bis heute nur sehr schwer und entgegen aller Eigenbemühungen ermöglicht wird, sich mit einer Nationalität zu identifizieren.

Den Usernamen "germanisator" finde ich auch nicht so toll gewählt, sehe diesen jedoch im Kontext der Historie von vielen Deutschen, die letzlich von den vermeintlich Deutschen auf ihre Religionszugehörigkeit zurückgestuft - und nicht nur im sog. Holokoust - ermordet wurden.

Z.

Verfasst: 14 Mär 2007, 10:14
von Zejtnot
Meine Frage steht noch, was wäre denn ein Rossijan politisch korrekt in der englischen Sprache? Ein Russianish?! Klingt albern? Genau, Russländer ist genauso albern in Deutsch. Man muss doch nicht auf Krampf neue Wörter erfinden, mit denen dann niemand etwas anfangen kann!

So, ich steige aus der Diskussion aus.

Verfasst: 14 Mär 2007, 11:08
von manuchka
germanisator hat geschrieben:Schöne Märchen über Toleranz und Akzeptanz im sauberen Deutschland kannst Du gerne deinen Kolleg in Russland erzählen. ... Bei uns in Deutschland grenzt man nicht nur ab, sondern auch aus.
Ich habe auch gar nichts von Toleranz oder Akzeptanz gesagt, wenn du mal genau liest. Ich habe einfach (schon zweimal und jetzt noch ein letztes Mal) versucht klarzumachen, warum man alle aus Russland - ob nun Tataren oder Russen oder Juden oder Tschuwaschen oder Tschuktschen oder wen auch immer - als RUSSEN bezeichnet: weil in Deutschland nicht üblich ist, nach Nationalität zu differenzieren, sondern nach Staatsangehörigkeit. Das scheinst du nicht verstehen zu wollen. Aber Bepheps Aussage unterstreicht eben meine These, dass es für Deutsche schwer ist, diese Differenzierung, die in Russland ja dauernd gemacht wird (da sind Russen eben Russen und der Rest für viele einfach "Tschurki", wenn wir schon mal über Akzeptanz und Toleranz anfangen wollen). Für einen Deutschen ist ein Jude in erster Linie Angehöriger einer Religionsgemeinschaft, dann evtl. noch Staatsbürger Israels:
Bephep hat geschrieben:... aber Jude ist keine Staatsangehoerigkeit sondern bezeichnet die Zugehoerigkeit zu einem Glauben.Ich bezeichene mich als Deutscher, nicht als Evangelischer.
Im Russischen ist es da wieder einfacher, weil man - wie für Russen (russkie) und Russländer (rossiane) zwei verschiedene Begriffe auch für Juden benutzt: jevrej ist Angehöriger der jüdischen Volksgruppe, judej Angehöriger der Glaubensgemeinschaft.
Das ist im deutschen Bewusstsein nicht so drin, dass das Volk Israel, wie es in der Bibel genannt wird, aufgrund seiner Verstreuung (Diaspora) in die ganze Welt und relativ abgegrenztes Dasein (in jüdischen Vierteln mit eigener Infrastruktur oder eben leider auch Ghettos, Heirat nur in eigenen Kreisen etc) zwar in die Kultur und insgesamt in die Gesellschaft des jeweiligen Landes intergriert und z.T. assimiliert sind, trotzdem aber eben - wenn man ganz streng nach der ethnischen Herkunft geht - immer noch zum Großteil zum Volk Israel, den Hebräern (oder russisch jevreji) gehören, ob sie nun tatsächlich jüdischen Glauben praktizieren oder nicht. Für manche (ich weiß nicht, ob viele oder wenige) mag allerdings diese ethnische Herkunft in den Hintergrund gerückt sein, weil sie sich so sehr mit dem Land identifizieren, in dem sie und ihre Familie schon seit Generationen leben, dass sie sich nun auch nicht als Juden (im Sinne der "Volkszugehörigkeit", der ethnischen Herkunft), sondern als Franzosen, Polen, Deutsche, Griechen etc. ansehen. Das betrifft übrigens auch Juden, die aus Russland nach Israel ausgewandert sind - einige von ihnen sagen dort "My - russkie...".

Bitte jetzt kein Aufschrei oder Hysterie - ich bin kein Antisemit oder Vertreter irgendwelcher Rassentheorien oder -ideologien, denn Rasse ist noch mal was anderes als Nationalität oder ethnische Herkunft. Ich wollte nur noch mal auf den Unterschied zwischen deutscher und russischer "Herkunftsbezeichnung" und dessen Hintergrund hinweisen.

Verfasst: 14 Mär 2007, 11:13
von Dave
germanisator hat geschrieben:Jude als Staatsangehörigkeit heißt Israeli.
Ja sicher und Katholik als Staatsangehörigkeit heisst Vatikaniiiii....

Dave

Verfasst: 14 Mär 2007, 12:41
von fremantle
Zejtnot_ hat geschrieben:Meine Frage steht noch, was wäre denn ein Rossijan politisch korrekt in der englischen Sprache? Ein Russianish?! Klingt albern? Genau, Russländer ist genauso albern in Deutsch. Man muss doch nicht auf Krampf neue Wörter erfinden, mit denen dann niemand etwas anfangen kann!

So, ich steige aus der Diskussion aus.
May be Russic, because of:
German - Germanic

Lets ask in Oxford...