Seite 4 von 8

Re: Ein Abenteuer in Russland.

Verfasst: 05 Apr 2009, 17:52
von zimdriver
Niemand zweifelt an Deiner Ernsthaftigkeit, LeeHongusw.. Das eigentliche Problem ist Russland.
Wenn wir schon über die Auswanderersendungen im deutschen TV sprechen: Bislang gingen nur 2 Familien hierher und liessen sich filmen.
Vor 1-2-3 Jahren jene Familie, die entsendet wurde nach SPb und dementsprechend gut vorbereitet und betreut wurde. Und trotzdem ein bißchen erschrocken war.
Vor kurzem das Paar aus Brandenburg, die einer Einladung eines wohlhabenden Russen gefolgt war und dessen Schweinefarm aufbauen.
In alle anderen Länder, selbst nach Uruquai oder Brasilien, gehen massenhaft Leute, mehr oder weniger gut vorbereitet/ gebildet/ naiv.
Ich denke, der größte Irrtum ist, dass die Russen uns hier wirklich wollen. Die Realität der letzten Monaten lief darauf hinaus, dass Ausländer ein notwendiges Übel sind, egal, woher sie kommen. Hier kannst Du nicht eine Strandbar am Schwarzen Meer aufmachen, einen Frühstücksservice in Moskau gründen, ein Starbucks- Franchise erwerben oder Ausländer durch den Altay führen. Dieses, verbunden mit den unglaublichen Hürden für einen "normalen" Einwanderer, der schon unter den erleichterten Bedingungen des vid kommt, macht Russland eben nicht besonders verlockend. Wer dies kennt, wird Dir deshalb, vermutlich übertrieben, erstmal ein paar Dämpfer versetzen, damit Du nachher nicht enttäuscht bist.

Re: Ein Abenteuer in Russland.

Verfasst: 05 Apr 2009, 18:06
von Instanto
Was du als Arroganz deutest, ist nichts weiter als Entschlossenheit.
Und die Erfahrung hier schätze ich, genau deshalb habe ich ja hier einen Beitrag verfasst. Man sollte aber Erfahrung nicht mit Verdrossenheit verwechseln.
Schon gar nicht ziemt es sich von einem Anwesenden in der 3. Person zu sprechen, das zeugt von sehr viel mehr Arroganz.
Mir irgendwelche Worte in den Mund zu legen, ob nun qualifizierte Menschen mit viel Berufserfahrung zu blöd sind oder so etwas, nein, also auf diesem Niveau spiele ich nun wirklich nicht und so eine Aussage lässt sich aus keinem meiner Beiträge entleiten, denn ich spreche hier nur von meinen Plänen und urteile über niemanden sonst.
Und um das nochmal, und zwar zum letzten Mal, denn auch meine Geduld hat ihre Grenzen, deutlich zu machen:
Ich renne nicht blindlings nach Russland, quartiere mich irgendwo ein und hoffe zum Präsidenten gewählt zu werden.
Ich werde für drei Monate dort hingehen und mir sehr genau ansehen ob es Chancen für mich gibt, denn diese sind Regional unterschiedlich zu bewerten.
Dinge wie Krankenversicherung oder gar meine vorhandenen oder nicht vorhandenen Qualifikationen sind nicht das Thema, denn darüber habe ich nichts gesagt^^
Nach diesen drei Monaten entscheide ich, bzw wir dann, was wir machen. Da gibt es natürlich Alternativen, aber ich bin angetan von der Idee in Russland zu leben für eine gewisse Zeit und wollte mich erkundigen über die Möglichkeiten und vielleicht andere Tipps erhalten.
Ich werde meine Zeit aber ganz sicher nicht damit verschwenden gegen Vorurteile und Mißverständnisse anzugehen.
Und Dein Beitrag, liebe Simone enthält von alldem jede Menge!

Okay zimdriver, danke Dir für den diplomatischen Beitrag. "Einen Dämpfer versetzen...", in so manchem Fall überschreitet es die Grenzen dessen, was man so bezeichnen möchte schon.^^
Russland ist sicher schwierig, kein typisches Land zum Auswandern. Und die Tatsache, dass man ja Ausländer ist und sich mit vielen Vorurteilen und Ablehnung konfrontiert finden wird, sehe ich auch so. Das liegt ja nunmal leider in der Natur des Menschen. Manch Deutscher zeigt aber auch diese "Platz da, jetzt komme ich"-Mentalität, damit wird man sicher nirgendwo mit offenen Armen empfangen.

Re: Ein Abenteuer in Russland.

Verfasst: 05 Apr 2009, 18:28
von bauplan
Hallo LeeHongDaDong,

nun weiss ich nicht, wie alt du bist, aber Abenteuer sollte man immer machen und sich nicht davon abhalten lassen.
Du hast einen deutschen Pass und kannst in jedem Fall wieder in die, wenn auch schon zerlöcherte, soziale Hängematte nach Deutschland zurück.
Es ist eine typisch deutsche Unart alles nur zu machen, wenn es versichert und zehnmal abgesichert ist.
Ich kann nur sagen, besser mal Mut zum Risiko. Du musst abwägen, was du verlieren kannst. Wenn es nur Zeit ist, weil du es in Russland nicht gepackt hast und nach einiger Zeit wieder zurück musst, dann mach es doch einfach.

Ich bin 1991 nach Russland auch aus Abenteuerlust gegangen. Nur weil ich eine Freundin ( deutsche ) in Smolensk besucht hatte. Mit der war ich 3 Monate in Russland und es hat mir so gefallen, dass ich 1991 es alleine versucht habe.
Ohne einen Buchstaben kyrillisch lesen zu können, geschweige ein Wort russisch zu können.
Mir hat jemand geholfen, der damals in den 80ern in der Perestroika-Bewegung in war und den ich bei einer Veranstaltung im EU-Parlament kennengelernt hatte.
1994 wollte ich wieder nach Deutschland zurück, weil mit Kunst und Kultur nicht viel Geld zu machen war und mein Geld zu Ende ging.
Dann traf ich meine jetzige Frau, habe von meinem Restgeld ein Haus gekauft und war Pleite.
Mit einigen Beratertätigkeiten konnte ich dann Mitte der 90er Jahre etwas Geld verdienen und habe mich dann mit einer zukunftsträchtigen Idee Selbstständig gemacht.
Obwohl auch ich übers Ohr gehauen wurde, konnte ich trotzdem meinen Weg weitergehen und habe meine Selbstständigkeit gerade in den letzten Jahren deutlich verstärken können.
Wenn man etwas risikobereit ist sollte man immer versuchen neue Wege zu gehen. Erfahrung, gute wie schlechte, gewinnt man immer.

Re: Ein Abenteuer in Russland.

Verfasst: 06 Apr 2009, 07:47
von Zejtnot
Also, LeeHongDaDong, dann mal ein paar aufmunternde Worte: Ich steckte 2003 in Deiner Lage, wollte ebenso aus privaten Gründen hier bleiben und habe das auch hinbekommen. Insofern probiere es, es kann nur schiefgehen, und dann kannst Du ja dank deutschem Pass jederzeit zurück.

Nun ein paar Aber:
* Zum einen sprach ich damals immerhin schon halbwegs Russisch, ohne diese Kenntnisse hätte ich keine Arbeit gefunden.
* Ferner waren die Visaregelungen einfacher, ich konnte also mit einem gekauften Visum problemlos längerfristig hier bleiben, in Ruhe Arbeit suchen und dann ein Arbeitsvisum beantragen.
* Drittens habe ich vorher 1,5 Jahre in Russland studiert. Ich konnte mich also gut behütet im Umfeld einer Uni an das Land gewöhnen. Ich lebte in einem Wohnheim mit viel Partys, die Uni hat den ganzen Papierkram gelöst, die Lebenshaltungskosten waren dank Stipendium problemlos zu meistern, ... . Ich durfte also Russland zuerst von der netten Seite kennenlernen, die Bürokratie nahm dann Schritt für Schritt zu, zuerst mit der Uni um Verlängerung streiten, dann das erste Visum organisieren, dann auch mal eine Registrierung, dann eine Arbeitsgenehmigung, ... und erst nach zwei Jahren der Antrag auf Wohnrecht. Du müsstest sofort mit letzterem beginnen, ohne daran gewöhnt zu sein.

Ich kann meinen Mitschreiberlingen dennoch nur begrenzt Recht geben! Welche Auswege hast Du? Deine Freundin nach Deutschland verschleppen? Die Liebe aufgeben? Ist doch alles Blödsinn! Wenn Du es probieren willst, dann probiere es! (Wie gesagt, mehr als Schiefgehen kann es doch nicht!)

Re: Ein Abenteuer in Russland.

Verfasst: 07 Apr 2009, 15:59
von Instanto
Zuerst einmal danke für die letzten beiden Beiträge nicht nur sher ermutigend, aber vorallem auch interessant zu lesen.
Ist aber nicht so, dass ich gar kein Russisch spreche, es wird langsam.
Ich bin nur gerade einigermaßen verwirrt, was die Dokumente für die Heirat angeht. Ich habe eine internationale Geburtsurkunde in Auftrag gegeben, mit Apostille. Desweiteren eine Aufenthaltsbescheinigung von meinem Einwohnermeldeamt mit Hinweis auf meinen Familienstand.
Jetzt benötige ich noch eine Übersetzung meines Ausweises, neben der Übersetzung der Aufenthaltsbescheinigung natürlich.
Aber muss ich die internationale Geburtsurkunde auch übersetzen lassen? Man sagte mir, eben weil sie international sei, gelte sie auch in Russland. Aber Vorsicht ist besser als Nachsicht.^^
Und dann lasse ich meinen Ausweis (Und was ist mit dem Reisepass?) übersetzen, mit Apostille versehen, dasselbe Prozedere mit der Aufenthaltsbescheinigung und im Falle des Falles auch dasselbe mit derr Geburtsurkunde. Das habe ich dann richtig verstanden, das ist dann alles?

Re: Ein Abenteuer in Russland.

Verfasst: 07 Apr 2009, 17:58
von wolk0815
LeeHongDaDong hat geschrieben:Ich habe eine internationale Geburtsurkunde in Auftrag gegeben, mit Apostille. Desweiteren eine Aufenthaltsbescheinigung von meinem Einwohnermeldeamt mit Hinweis auf meinen Familienstand.
Jetzt benötige ich noch eine Übersetzung meines Ausweises, neben der Übersetzung der Aufenthaltsbescheinigung natürlich.
Aber muss ich die internationale Geburtsurkunde auch übersetzen lassen? Man sagte mir, eben weil sie international sei, gelte sie auch in Russland. Aber Vorsicht ist besser als Nachsicht.^^
Erstens ist es ratsam wegen der Akzeptanz egal welcher Papiere für einen Heirat in Russland das dort zuständige Standesamt zu befragen. Die Erfahrung zeigt, dass sich hier die Anforderungen z.T. stark unterscheiden. Die einen akzeptieren eine Meldebescheinigung aus welcher der Familienstand hervorgeht. Die anderen wollen explizit ein Ehefähigkeitszeugnis. Das selbe Spiel gilt dann für deine Geburtsurkunde (erinnere mich garnicht mehr, das ich diese damals brauchte). Aber ich kann es mir aus einem gewissen Grund nicht vorstellen, das sie so einfach (ohne Apostille+Übersetzung) akzeptiert wird. Auch wenn sie sich International nennt (eigentlich ja eine mehrsprachige Ausführung "Auszug aus den Geburteneintrag"), so ist leider Russisch keine der dort genutzten Sprachen.

Re: Ein Abenteuer in Russland.

Verfasst: 08 Apr 2009, 00:30
von Instanto
Natürlich hat sie dort nachgefragt. Die überaus hilfreiche Antwort war: übersetzter Ausweis und Ledigkeitsbescheinigung.
Diese gibt es so ja aber nun nicht. Daher tippe ich nun auf die einfachere Variante mit der Aufenthaltsbescheinigung.
Das mit der Geburtsurkunde macht leider erschreckend viel Sinn, dann habe ich die internationale Geburtsurkunde völlig umsonst beantragt.^^
10 Euro beim Teufel in Standesbeamtenkluft... :twisted:

Re: Ein Abenteuer in Russland.

Verfasst: 08 Apr 2009, 11:24
von Zejtnot
LeeHongDaDong hat geschrieben:Die überaus hilfreiche Antwort war: übersetzter Ausweis und Ledigkeitsbescheinigung.
Na super, also die Meldebescheinigung in Russland übersetzen lassen und fertig, ebenso den Ausweis. Wenn Du Lust hast, mach halt vorher noch eine Apostille auf die Meldebescheinigung.

Auf jeden Fall macht die Übersetzungen in Russland - ist billiger und eine deutsche Übersetzung muss ja auch nicht in Russland gelten. (Das russische Amt versteht ja den Stempel des Notars nicht, könnte ja sonstwer gestempelt haben.)
Daher tippe ich nun auf die einfachere Variante mit der Aufenthaltsbescheinigung.
Ähm, welche Aufenthaltsbescheinigung meinst Du?

10 Euro sind übrigens eine Kleinigkeit im Vergleich zu dem, was Du später noch für Zeit und Geld für sinnlosen Spravki, Stempel und Genehmigungen ausgeben wirst!

Re: Ein Abenteuer in Russland.

Verfasst: 08 Apr 2009, 12:18
von Instanto
Aufenthalts bzw. Meldebescheinigung, eben diesen Schrieb von meinem Einwohnermeldeamt, dass ich existiere und vorallem, ledig bin.
Offiziell heißt das Teil Aufenthaltsbescheinigung!
Also alles an Übersetzungen dort durchführen? Sollten wir nur im Vorwege klären, ob dort ein kompetenter Übersetzer im Ort vorhanden ist.

Re: Ein Abenteuer in Russland.

Verfasst: 08 Apr 2009, 14:14
von Zejtnot
LeeHongDaDong hat geschrieben:Also alles an Übersetzungen dort durchführen? Sollten wir nur im Vorwege klären, ob dort ein kompetenter Übersetzer im Ort vorhanden ist.
Wenn Du es in Deutschland übersetzen lässt, brauchst Du dann auf die Übersetzung noch eine Apostille! Sonst weiß ja der russische Beamte nicht, dass die Übersetzung gültig ist! Dann wirst Du ja arm!

Insofern lass Deine Freundin abklären, ob es in der Stadt Deiner Träume einen Übersetzer für Deutsch gibt, der seine Übersetzungen auch notariell beglaubigen lassen kann. (Es reicht ein Sprachdiplom, damit kann man als Übersetzer zum Notar rennen und er bestätigt es.) Würde mir sehr wundern, wenn es das nicht gibt!