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Re: Sehnsucht nach Grösse

Verfasst: 30 Jun 2009, 09:37
von Zejtnot
Ralf hat geschrieben:Die Tschechen sind nicht so russlandfreundlich, höchstens die Gastronomie und Hotelerie wg. den zahlungskräftigen neureichen Russen. Ansonsten habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Tschechen sehr gut russisch verstehen, aber sich privat nicht in russisch mit Russen unterhalten und im allgemeinen sich den Russen überlegen fühlen.
2004 hatte ich auch diesen Eindruck - scheinbar gab es damals noch wenige reiche russische Touristen. Jedenfalls wurden wir mehrfach angeknurrt als wir Russisch sprachen. Einen Kellner fragten wir: "English, Deutsch, по-русски?" Beim dritten Vorschlag erlosch sein Lächeln, er drehte sich um, und verschwand für 10 Minuten. Wie gesagt, kein Einzelfall.

Allerdings hatten Bekannte im letzten Jahr einen gänzlich anderen Eindruck - in vier Jahren hat sich da scheinbar viel geändert.

Re: Sehnsucht nach Grösse

Verfasst: 09 Aug 2009, 19:01
von GIN
harald63 hat geschrieben:Die großen anderen (USA, China, Indien, ...) beunruhigt das wohl weniger. Die wissen genau, wie es wirklich um Russlands Kampfkraft bestellt ist. Den anderen (Georgien u.ä.) ist die Kampfkraft wohl egal. Von den Klitschen kann ja keiner ernsthaft annehmen, militärisch gegen die Russen bestehen zu können.
Ich denke, es geht hauptsächlich um ein Signal nach innen. Der Sieg über Hitlerdeutschalnd ist das große, einigende Element in der jüngeren Geschichte Russlands. Ansonsten bleibt nicht viel übrig, worauf sich das Land als Summe seiner Nationen stützen könnte. Darum wird es auch noch lange dauern, bis es zu einer echten Aufarbeitung des Stalinismus kommt - müsste man doch dabei die ganze Art und Weise, wie der Sieg errungen wurde, kritisieren.



Stimme Dir zu.... zu dem Signal..
Des Weiteren... Ein Staat braucht eine Natio... ohne Natio kein Staat... die SU, wie Jugoslawien... so wie die EU waren und sind ein Gegenmodell von Staaten und wollen lieber eine Gruppierung von Nationen.. nun braucht Russland wieder eine Natio und braucht dafür Vorbilder.. Legenden.. zum Gründen eines neuen Staates mit einer Natio von vielen Nationalitäten (So hoffe ich das jede Nation einen Platz weiter findet)..
Die Geschichte ist zu einem Tool geworden.. es wird das beste aus dem Stalinismus gepackt und rusifiziert. Im Grunde war doch Stalin ein Mensch mit sehr schlechtem Russisch und georgischen Wurzeln. Beria ein mengrelischer Abchase..... Lenin ein jüdisch-stämmiger Bürger des russischen Imperiums mit lettischen Schützen,,, ... unter dem Denkmal des in Talinns verschobenen Grabs waren 1/4 Menschen aus Zentralasien..die Reval nehmen wollten und es nur in dieses Grab brachten.. ..Grunde hätten die estnischen Behörden einen Imam und einen Schamanen holen sollen zu dem orthodoxen Priester der dort die Toten zu russisch-orthodoxen machte.
Die Estnischen Kommunisten die im Wald gegen ihre Estnischen SS Soldaten kämpften waren dann was?

Wir sollten hier nicht Stalinismus mit diesen 9 Mai-Paraden verknüpfen.. das ist Gefährlich.. einen jungen Staat wie Russland mit einer alten Natio von Nationen sollten die stabileren Nationen (Franzosen,Deutschen,Holländer.....) in ihren nun sehr-autonomen-Staaten der Europäischen Union mehr Würde rüberbringen. Russland ist kein Land das nicht die Stärke und die Kraft hat sich ohne einen Club wie die EU/Nato zu bewegen.
Russland ist eine eigene schwache Formation geworden und ist nun an seinem Anfang.. vor einem Berg riesiger Probleme........trotz der schlechten Lage der Wirtschaft und so riesiger Katastrophen in sehr kurzer Zeit... Fähig... Höchstleistungen zu vollbringen. Ich selber (mit westlicher Erziehung) frage mich immer wie geht dieses Land überhaupt? ein ethnischer Russe (Ruski) findet hier wohl auch keine Antwort..ich Denke.. ich spreche für sehr viele Menschen mit Beziehungen zu Russland.. so gehts vielen ehemaligen Bewohner der UdSSR.. viele sehen Russland als Erbe einen Imperiums.. ein Teil unserer eigenen Geschichte. Als Deutscher aus Russland... bin ich froh wenn Russland etwas positives macht.. Habe Griechen als Freunde in Thessaloniki die auch sich sehr gut fühlen wenn Russland wieder etwas positives vollbringt und das halbe Israel fiebert bei den Icehockey Spielen mit...Umgekehrt merken wir aber auch die immer stärkere Russlandfeindlichkeit in den Ländern (meistens Osteuropa)...Eine Minimaldemokratie die erst vor ein paar Tagen von seinem Krankenbett aufgestanden ist und noch lange nicht zu seiner Hochform gefunden hat.. der Hass vieler Menschen auf Russland ist doch meistens Neid.. Früher.. als ich kein Wort Russisch gesprochen habe war mir dieser Rassismus vieler Nachbarn Russlands nicht bewusst (Er war auch noch nicht wirklich da.. Gorbi war ok und Russland das Land in dem der Westmensch seine Hilfspackete schicken konnte)... erst mit dem Alter und mit dem Wachsen meiner russischen Sprachfähigkeiten habe ich gemerkt wo überhaupt die Ursache liegt.. Etwas ganz schreckliches passierte da in der Welt... gefördert durch eine sehr schlechte Presse. und immer dümmeren Bevölkerungen.. der Ausbruch des Krieges in Georgien 2008 war eine direkte Folge der anti-russischen Politik..Eine Aussage von einem Nachbarn ist hier interessant..
Kemal Pascha Atatürk 1923 "Wir sind die Erben eines Imperiums, der Hass vieler unserer Nachbarn ist Reaktion auf die Fähigkeiten der türkischen Nation uns immer wieder von Niederlagen zu erholen, ihr Hass ist Neid und unser Stolz"

Re: Sehnsucht nach Grösse

Verfasst: 09 Aug 2009, 20:03
von GIN
Marco hat geschrieben:
Naila hat geschrieben: Polen sind da ganz anders. Von den baltischen Völkern ganz zu schweigen. Ich habe hier mit einer jungen Frau aus Litauen studiert. Sie besuchte vorzugsweise Seminare, die etwas mit Rußland zu tun hatten, konnte in einem akzentfreien Russisch zitieren, doch mit mir sprach sie nur Deutsch. Ich fand es zwar lustig, habe das aber widerspruchslos akzeptiert.
Wenn du in die Geschichte zurückblickst, dann weißt du warum es so ist.
Um es mal salopp zu formulieren:
Für sämtliche osteuropäischen Staaten war die Zeit von 1945-1990 eine "Episode" ihrer Geschichte. Die Russen sind gekommen, haben ihre Armeen dort stationiert, der Bevölkerung eins auf den Deckel gegeben, wenn mal ein Aufstand war und danach sind sie wieder abgezogen ohne wirklich tiefgreifend in die Kultur der Länder eingegriffen zu haben.
Genauso ist es ja auch im Verhältnis Deutsche-Russen. Die Deutschen sind zwar schuld am Tod von 20 Millionen Russen, wir waren aber nur kurz in Russland und die derzeitigen Generationen fühlen sich nicht tangiert, da sie nicht "dabei" waren. Als Deutscher wurde ich auch in Russland immer sehr freundlich aufgenommen.

Bei den explizit von dir genannten Staaten (Polen, Lettland, Litauen, Estland) ist die Sache ein wenig anders gelagert.
In Polen wurde seit Aufkommen von Nationalstaaten im 18. Jahrhunderts (bis zum 1. Weltkrieg), eine aktive Germanisierungspolitik bzw. Russifizierungspolitik betrieben. Ein unabhängiges Polen gab es dann erst nach Ende des 1. Weltkriegs. Und Deutsche, Österreicher und Russen waren teilweise nicht zimperlich in ihren Methoden.
Eine Tragödie des polnischen Volkes war es ja auch noch, dass sie im 1. Weltkrieg gegeneinander kämpfen mussten. Dort ist die Abneigung zu Russen (und Deutschen) jahrhundertelang entstanden, das kriegst du nicht innerhalb von ein paar Jahren ausgebügelt.

Bei den baltischen Staaten ist der Zeitraum zwar kürzer:
Bei Estland setzte die erste Welle der Russifizierungspolitik 1885 ein. Später natürlich während und nach dem 2. Weltkrieg, wie in den anderen baltischen Statten auch, wurden "baltische" Bürger de.......


1995) 18 e russisch"sprachige" Nationalitätenschule in Riga Lettland 10 Klasse.
11 Ukrainer (Staatenlos)
7 Russen (Staatenlos)
1 Ukrainer (Staatsangehörigkeit)
3 Weissrussen (Lettische Staatsbürger)
2 Polen (Staatenlos)
1 Bürger Israels
1 Armenier (Armenischer Bürger)
3 Armenier (Staatenlos)
2 Roma (wobei diese als Letten bezeichnet wurden und Staatsangehörige waren )
Und 1 Deutscher Staatsbürger (Ich)

Ich würde hier nicht Russen sagen sondern "russischsprachige" Menschen. In Lettland ist nur eine kleine Minderheit ethnisch russisch. Und die meisten sind nicht aus Russland gekommen sondern aus der Ukraine und Weissrussland.Viele aus dem zerstörten Sewastopol... (Deshalb sind viele russischsprachige Rigenser so hübsch)

Zum anderen war der 1 Weltkrieg auch für die über 2 Millionen Deutschen in Russland ein schreckliches Erlebnis als Deutsche gegen Deutsche zu kämpfen.
Ich weiss von einer Geschichte eines Urgrossonkels der sich in Petersburg erschossen hatte als er seinen Marschbefehl zur Westfront bekommen hatte.
Auch hat sich die ostpreussische Ehefrau von einem Urverwandten getrennt weil dieser als russischer Offizier gegen Deutschland in Ostpreussen kämpfte.Sie und die Kinder wurden in Petersburg interniert. Mein Urgrossvater starb an den Folgen einer Krankheit die er im Deutschen Kriegsgefangenenlager bekommen hatte kurz nach dem Krieg.
Die Psyche dvieler Deutschbalten wurde im 1 Weltkrieg zerstört. Deutsch war Lebensgefährlich.. es wurde in Radikalismen geflohen. Ein Teil kämpfte als Deutscher an der Front.. ein anderer Teil lief gerne zu Reichsdeutschland über (und wurde dort oft interniert)...ein anderer Teil versuchte in den Strassen von Petersburg und Moskau sich zu verstecken. Es wurden Deutsche Geschäfte angezündet usw...
Der Deutschbaltischen Adligen... Zur gleichen Zeit kämpfte in Ostpreussen der halbe baltische Adel gegen ihre Vettern und sogar Brüder. So wurde ein Graf von Lambsdorf 1914 von der Einheit seines eigenen Vetters getötet.
Nach der Niederlage 1914 in Königsberg wurden die Deutschbalten zum Zielobjekt der russischen Propoganda.. fast alle Deutschen aus dem Generalstab der russischen Armee versetzt oder in Rente gezwungen.
http://de.wikipedia.org/wiki/Paul_von_Rennenkampf

Das Problem der Balten.. und der Realität.. Sie haben es nicht kappiert das russischsprachige Menschen nicht Russen sind wobei diese Menschen aber sehr gerne sich mit Russland verbunden fühlen.
Im Fall Lettland wiederholte sich der gleiche Fehler der Ersten Lettischen Republik. Damals konnte die politische Elite nicht die Minderheiten (Polen,Russen,Weissrussen, Ukrainer,Deutschen,Juden) in die Republik holen. Es war trotz vieler Fälschungen in den lettischen Geschichtsbüchern nicht für einen Polen oder Deutschbalten .. Möglich ein "Lette" im Sinne von Staatsbürgerschaft zu sein.Die Abgeordneten der Deutschen und Polen redeten im Parlament Russisch oder Deutsch und führten nur Monologe... (Sie fühlten sich als Livländer, Kurländer, Deutsch,Pole usw)So ist zwar heute der Bürgermeister von Riga ein lettischer Staatsbürger und ein ethnischer Russe doch sogar er hat Probleme zu sagen "Ich bin ein Lette".. Er nennt sich "russischsprachig".. oder Rigenser.
Es gibt bei jungen russischsprachigen Leuten ein neues Kunstwort (seit etwa einem Jahr)... " Latviski" (wie etwa 1992 Rosian) .. ein ethnischer Lette heisst auf Lettisch Latvietis(e) aber Latviski gibt es nicht..alle anderen sind Krieviski (Russisch) noch nicht einmal im Sprachgebraucht der Sprachforscher habe ich von diesem Wort gehört.. Und das wohl EXTRA:. Es würde die politische Elite im Land in ein Problem bringen.. Ethnische Nicht-Letten fühlen sich zum Land verbunden im Sinne von Nation und Staatsangehörigkeit. So etwas ist eine Gefahr für eine politische Elite die sich ständig mit Feindbildern halten muss.