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Re: Erwartungen Bundestagswahl

Verfasst: 23 Sep 2009, 17:32
von Sibirier
Da gebe ich Dir Recht! Deswegen war auch mein Eingangsposting das man z. B. schon bei den Renten sparen müsste....

Aber: DDR hat's gerade mal 40 Jahre durchgehalten. BRD gibt's schon über 60 Jahre und ist "noch" nicht offiziell bankrott und erhält noch Kredite....

Re: Erwartungen Bundestagswahl

Verfasst: 23 Sep 2009, 19:16
von Kundun
Nun ja. liebe Freunde der gepflegten Konversation, ;)
ich freue mich zunächst, ein wenig Unruhe mit meinem "Revoluzzer-Zitat" gestiftet zu haben.
Gestattet mir dazu zum Schluß, in Betrachtung der heutigen Lage den Initiator des damaligen CDU-Programmes, nämlich Konrad Adenauer, in leichter Abwandlung zu zitieren:
"Was schert die CDU ihr Geschwätz von gestern."

Was es mit dem "offiziellen Bankrott" der DDR und ihren Kreditaufnahmen auf sich hat, das wäre einer gesonderten Betrachtung wert.
Die Bundesbank tat es 1999 mit ihrem Werk "Die Zahlungsbilanz der ehemaligen DDR 1975-1989", mit erstaunlichen Ergebnissen übrigens.
Und besonders "links" sollen die Jungs dort ja nicht sein.... :lol:

Gruß
Kundun

Re: Erwartungen Bundestagswahl

Verfasst: 23 Sep 2009, 22:04
von Ralf
Sibierer hat geschrieben:Diejenigen, die arbeitslos sind und Arbeit suchen, wären sich nicht zu schade, eine solche "soziale" Arbeit zu machen.... Aber es gibt viele, die nach einer Kündigung sagen, ach, jetzt mache ich erst mal 2-3 oder 5-6 Monate arbeitslos und bleibe Zuhause. Die suchen wirklich nicht und für die sollte es dann auch kein ALG geben.....
Aber was soll's. DE hat den Luxus, den es sich eigentlich gar nicht leisten kann. Lass doch die Schuldenlast weiter wachsen, weniger in die Bildung stecken (es gibt ja genug Reportagen, wie die Schulen verrotten....), irgendwie wird es ja gut gehen... (Hoffentlich!).
Ich glaube, Du bist schon etwas entfernt von der aktuellen Situation in D. Es sind nicht Einzelfälle wie von Dir beschrieben, die unser Sozialsystem belasten. Zur Zeit bedienen sich vor allem die großen Konzerne schamlos aus den Kassen der Arbeitslosenversicherung. ALLE Weiterbildungsmaßnahmen laufen über Kurzarbeit. Es werden in der Kurzarbeit auch alle Sozialbeiträge vom Staat übernommen. Es ist einfach falsch, dass ganz stinknormale Weiterbildungsmaßnahmen der Firmen auf den Steuerzahler abgewälzt werden. Die Arbeitnehmer bekommen Kurzarbeitergeld und beim Lohnsteuerjahresausgleich werden sich viele die Augen reiben, wenn wegen dem Progressionsvorbehalt Steuernachzahlungen bis zu dreistelligen Beträgen fällig werden... Diese zusätzlichen Steuern werden sicher nicht zurück in die Sozialsysteme fließen, eher werden die Beiträge höher.

Re: Erwartungen Bundestagswahl

Verfasst: 23 Sep 2009, 22:12
von Marco
Sibirier hat geschrieben:Da gebe ich Dir Recht! Deswegen war auch mein Eingangsposting das man z. B. schon bei den Renten sparen müsste....
Sorry, das wird nicht gehen, weil die Rente keine staatliche Sozialleistung sondern eine Versicherung ist. Da kannst du schon aus rechtlichen Gründen nicht die Pauschalsense ansetzen.
Das Problem ist das sämtliche Bundesregierungen ordentlich versicherungsfremde Leistungen durch die Rentenversicherung bezahlen lassen ohne für Ausgleich zu sorgen. Zusätzlich wird die Situation natürlich durch die Alterspyramide verschärft. Letzlich wird es "Rentenkürzungen" geben, aber eher dadurch dass die Renten nicht erhöht werden (außer zur Bundestagswahl) ;) Aber ob das so durchhaltbar ist, ist dann wieder eine andere Frage da alte Leute bald eine sehr starke Wählerschicht dank der Überalterung darstellen wird

Re: Erwartungen Bundestagswahl

Verfasst: 24 Sep 2009, 06:32
von Zejtnot
Vor 15 Jahren sagte mir ein Freund: "Der Kapitalismus hat nicht gesiegt, er ist nur übrig geblieben." Mir scheint, er hat Recht.

Die soziale Marktwirtschaft hat meiner Meinung nach nur im Wettbewerb mit dem Sozialismus wirklich funktioniert. Seit dem diese Konkurrenz weg ist, entwickelt sich ein Raubtierkapitalismus, der irgendwann implodieren wird. Ich will nicht dagegen schimpfen, ich mache ja selbst mit und handle eher kapitalistisch als sozialistisch. Dennoch bin ich davon überzeugt, dass es nicht endlos so weitergehen wird.

Ein rein auf Wachstum orientiertes System kann nicht endlos funktionieren. Irgendwann trinkt die ganze Welt Coca Cola - und Marsmännel haben wir noch nicht entdeckt!
Sibirier hat geschrieben:Nun, immerhin haben sie die DDR Bankrott gemacht mit ihren Verstaatlichungen.....
Meine Geschichtslehrerin vertrat die These: Die DDR ist durch die Reparationszahlungen an die SU schon im Frühstadium niedergewirtschaftet wurden. Die BRD bekam Geld aus dem Marshal-Plan, die DDR zahlte die Wiedergutmachung gen Osten. Diese Summen aus den Reparationszahlungen wären inflationsbereinigt um ein vielfaches höher als die Nachwende-Transfers aus dem Westen.

Ich habe diese Zahlung nie nachgeprüft und ich halte solche Wörter wie "inflationsbereinigt" auch für sehr wage. Aber der Ansatz sollte zumindestens berücksichtigt werden.
Sibirier hat geschrieben:Betreffend der Rentenversicherung liege ich auf gleicher Schiene, dass eine private Altersvorsorge wohl x-fach besser gewesen wäre, als die gesetzliche.
Sehe ich vollkommen anders.

1. Bei einer Inflation wären Beiträge einer privaten Rentenversicherung vollkommen verloren. Meine Uroma hat in ihrem Leben drei große Inflationen erlebt - also keiner erzählt mir, dass so etwas nicht vorkommt. Bei einem Generationenvertrag ist dieses Risiko ausgeschlossen, da sich die Rente immer an den aktuellen Löhnen orientiert. (Nachteil ist natürlich die Bevölkerungspyramide bzw. der Bevölkerungseimer.)

2. Auf der einen Seite seid Ihr gegen die Rettung von Kreditinstituten, auf der anderen Seite sollen diese Kreditinstitute Euch eine sichere Rente garantieren?! Was aus privaten Rentenversicherungen wird, sieht man ja bei der GM-Pleite in Amerika. Die Gesellschaft wird in den Bankrott geführt und die Auffanggesellschaft schließt eine Übernahme der Pensionsansprüche aus.

Warum die Linken so einen Zulauf finden? Weil die SPD die Rolle der Arbeiterpartei aufgegeben hat. Und weil die Linke als einzige Partei ein Ende des Afghanistan-Einsatzes fordert. Die Leute werden förmlich zu den Linken getrieben, selbst wenn sie insgeheim ein mulmiges Gefühl aufgrund der Geschichte haben!

Re: Erwartungen Bundestagswahl

Verfasst: 24 Sep 2009, 11:26
von Sibirier
Marco hat geschrieben:Sorry, das wird nicht gehen, weil die Rente keine staatliche Sozialleistung sondern eine Versicherung ist. Da kannst du schon aus rechtlichen Gründen nicht die Pauschalsense ansetzen.
So, was haben sie denn mit mir gemacht? Ich habe 21 Jahre bezahlt für eine Versicherung, die mir auch im Invaliditätsfall eine Rente zahlen sollte. Ich bin Geburtsjahr 64. Auf einmal ist das gestrichen worden für mich.....ersatzlos.

Re: Erwartungen Bundestagswahl

Verfasst: 24 Sep 2009, 11:31
von Sibirier
Zejtnot hat geschrieben:Ein rein auf Wachstum orientiertes System kann nicht endlos funktionieren. Irgendwann trinkt die ganze Welt Coca Cola - und Marsmännel haben wir noch nicht entdeckt!
Sibirier hat geschrieben:Nun, immerhin haben sie die DDR Bankrott gemacht mit ihren Verstaatlichungen.....
Meine Geschichtslehrerin vertrat die These: Die DDR ist durch die Reparationszahlungen an die SU schon im Frühstadium niedergewirtschaftet wurden. Die BRD bekam Geld aus dem Marshal-Plan, die DDR zahlte die Wiedergutmachung gen Osten. Diese Summen aus den Reparationszahlungen wären inflationsbereinigt um ein vielfaches höher als die Nachwende-Transfers aus dem Westen.

Ich habe diese Zahlung nie nachgeprüft und ich halte solche Wörter wie "inflationsbereinigt" auch für sehr wage. Aber der Ansatz sollte zumindestens berücksichtigt werden.
So, dann hätte jedenfalls Russland nicht bankrott gehen dürfen. Denn die haben ja die Zahlungen empfangen. Aber da hat der Kommunismus ebenfalls ein Staat Bankrott gemacht.....

Ein rein auf Wachstum funktioniert jedoch bisher und ich sehe das auch für die Zukunft. Dein Beispiel Coca Cola wird irgendwann vielleicht mal schließen, weil Cola nicht gerade gesund ist. Dafür wird aber ein anderes Getränk auf dem Markt kommen. Genauso wie neue Erfindungen (TV, Computer etc.) bringen immer wieder neues Wachstum. Dafür fallen natürlich manche Wirtschaftsbereiche wieder weg....

Re: Erwartungen Bundestagswahl

Verfasst: 24 Sep 2009, 11:50
von Marco
Sibirier hat geschrieben:
Marco hat geschrieben:Sorry, das wird nicht gehen, weil die Rente keine staatliche Sozialleistung sondern eine Versicherung ist. Da kannst du schon aus rechtlichen Gründen nicht die Pauschalsense ansetzen.
So, was haben sie denn mit mir gemacht? Ich habe 21 Jahre bezahlt für eine Versicherung, die mir auch im Invaliditätsfall eine Rente zahlen sollte. Ich bin Geburtsjahr 64. Auf einmal ist das gestrichen worden für mich.....ersatzlos.
Kann deinen Fall nicht beurteilen, aber der Versicherungscharakter hindert eben eine Pauschalsense wie von dir gefordert.
Sibirier hat geschrieben:
So, dann hätte jedenfalls Russland nicht bankrott gehen dürfen. Denn die haben ja die Zahlungen empfangen. Aber da hat der Kommunismus ebenfalls ein Staat Bankrott gemacht.....
Sorry, aber was ist das für eine abentteuerliche These? Kommt ja schließlich drauf an, wofür Russland das verwendet hat.
Fakt ist aber, dass die DDR ordentlich Reparationszahlungen und Abgabe von Produktionsanlagen gegenüber der BRD mit Marshallplan ordentlich benachteiligt war. Ob die DDR deswegen 1989 schon bankkrott war, ist dann wieder eine andere Frage.
Sibirier hat geschrieben: Ein rein auf Wachstum funktioniert jedoch bisher und ich sehe auch die Zukunft. Dein Beispiel Coca Cola wird irgendwann vielleicht mal schließen, weil Cola nicht gerade gesund ist. Dafür wird aber ein anderes Getränk auf dem Markt kommen. Genauso wie neue Erfindungen (TV, Computer etc.) bringen immer wieder neues Wachstum. Dafür fallen natürlich manche Wirtschaftsbereiche wieder weg....
Das ist ziemlich naiv. Du solltest mal "DIe Grenzen des Wachstums" vom Club of Rome lesen
http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Grenzen_des_Wachstums

Re: Erwartungen Bundestagswahl

Verfasst: 24 Sep 2009, 11:57
von Sibirier
Marco hat geschrieben:Kann deinen Fall nicht beurteilen, aber der Versicherungscharakter hindert eben eine Pauschalsense wie von dir gefordert.

Sorry, aber was ist das für eine abentteuerliche These? Kommt ja schließlich drauf an, wofür Russland das verwendet hat.
Fakt ist aber, dass die DDR ordentlich Reparationszahlungen und Abgabe von Produktionsanlagen gegenüber der BRD mit Marshallplan ordentlich benachteiligt war. Ob die DDR deswegen 1989 schon bankkrott war, ist dann wieder eine andere Frage.
Meinen Fall brauchst Du nicht beurteilen. Vor 5 oder 6 Jahren hat die Bundesregierung beschlossen, dass die Rentenversicherung nicht mehr (ich glaube ab Jahrgang 62) Invaliditätsrente bezahlt. Das ist daher nicht nur mein Fall.... Ist das keine Pauschalsense gewesen?

Ich habe auch nicht geschrieben, dass die DDR die Reprarationszahlungen nicht leisten musste. Nur meine These ist, dass Verstaatlichungen von einer gesamten Wirtschaft m. E. bisher über kurz oder lang in den Staatsbankrott geführt hat und deswegen bin ich gegen Verstaatlichung von der Wirtschaft und deswegen bin ich gegen die PDS, weil die das wieder (nach der DDR) realisieren will.

Re: Erwartungen Bundestagswahl

Verfasst: 24 Sep 2009, 12:08
von Marco
Sibirier hat geschrieben:
Meinen Fall brauchst Du nicht beurteilen. Vor 5 oder 6 Jahren hat die Bundesregierung beschlossen, dass die Rentenversicherung nicht mehr (ich glaube ab Jahrgang 62) Invaliditätsrente bezahlt. Das ist daher nicht nur mein Fall.... Ist das keine Pauschalsense gewesen?
DIe Voraussetzungen wurden geändert. DIe Rente gibt es noch. Ist ja ähnlich wie bei Hartz IV wo du vehement forderst, dass die Leute Müll sammeln gehen, wenn sie den Sozialkassen "zur Last fallen"
Im Gegensatz zu der bisherigen Regelung stellen die neuen Definitionen weitaus höhere Anforderungen an die erforderliche Minderung der Erwerbsfähigkeit. Bisher erhielt ein Versicherter die Berufsunfähigkeitsrente (2/3 der Vollrente), sofern ein Berufsschutz vorlag. Eine Berufsunfähigkeit lag bereits dann vor, wenn der Versicherte nicht mehr im Stande war, die erlernte (und auch zuletzt nicht nur vorübergehend ausgeübte) Berufstätigkeit oder aber eine zumutbare Verweisungstätigkeit auszuüben. Heute kann der Antragsteller (mit Ausnahme des § 240 SGB VI, s. o.) auf jede Tätigkeit des allgemeinen Arbeitsmarktes verwiesen werden. Jede Verweisung ist möglich, ein sozialer Abstieg ist – in Abgrenzung zur bisherigen Regelung – irrelevant. Kann z. B. ein leitender Angestellter (Geburtsjahrgang ab 1962) noch als Verpacker für mindestens sechs Stunden täglich arbeiten wäre er in keiner Weise erwerbsgemindert. Im Normalfall muss vom Rentenversicherungsträger keine konkrete Verweisungstätigkeit benannt werden, es reicht aus wenn dargestellt wird unter welchen Voraussetzungen eine Beschäftigung möglich wäre (z. B. leichte Arbeit, im Sitzen, ohne Lärm). Eine konkrete Verweisungstätigkeit muss nur benannt werden, wenn außergewöhnliche Einschränkungen vorliegen.