Kultgrieche hat geschrieben:Es gibt aber einen Punkt, der zu wenig beachtet wird - die Leidensfähigkeit der Russen ist deutlich ausgeprägter als die im Westen. Und da stellt sich die Frage, wer den längeren Atem hat.
Nun brauchen wir ja nicht so dick auftragen. Auch mit Sanktionen droht dem russische Volk keine Hungersnot oder Verelendung.
Die Menschen, die außerhalb der Ballungs- und Wohlstandzentren leben, sind da trainiert und träumen von alten Sowjetzeiten, da es damals ihnen sogar besser ging. Die fallen insofern aus, da sie zu zerstreut sind, um sich wirkungsvoll zu organisieren und gegen das herrschende System aufzulehnen.
Die "Wohlstandsbürger" und natürlich die großkopferten Kassierer werden zuerst betroffen sein.
Schon jetzt sinkt der Aktienindex deutlich, der Rubel fällt und die ausländischen Investoren ziehen massiv Kapital ab.Fließt das Gas/Öl aufgrund weiterer Sanktionen langsamer, wird zwangsläufig der Import beliebter Guter nach Russland ausgebremst. Schon jetzt macht sich der schwache Rubel -- ganz ohne Sanktionen -- bemerkbar und Russland kann nicht mehr so viel importieren. Klar kann man ohne den Schnickschnack leben und wenn der Urlaub nach Antalya zu teuer wird, findet sich auf der Krim auch noch ein Plätzchen oder man erinnert sich an die Datsche.
Aber damit werden genau die Leute getroffen, denen so etwas inzwischen weh tut und es sind gerade die Leute, die schnell ihren Unmut zeigen.
Das heißt, dass die Führungsclique Putin & Co. unter massiv Druck gerät und dann mit einer weltoffeneren Opposition sympathisiert, vielleicht sogar lautstark auf die Straße geht.
Genau das ist es aber, was Putin das Genick brechen kann -- schon jetzt hat er ja mit der Innenpolitik massive Probleme, wenngleich durch Olympiade und Krim sein Stern etwas höher steht. Diese Euphorie kann aber schnell zerplatzen.
... Aber hier, wo sich der Michel über 2 Tacken fuffzisch mehr Abgaben aufregt, stehen viele Fabriken still, expoldieren die Nebenkosten und wir frieren uns im Winter die Ärsche ab, wenn der Rohstoffimport aus Russland ausbleibt.
Aber bitte, man kann doch nun wirklich nicht annehmen, dass Russland uns über Wasser hält. Eher ist es umgekehrt.

Deutschland bezieht derzeit 36 % seines Öls und 35 % seiner Gaseinfuhren aus Russland. Da werden die Tortenstücke oben schon deutlich kleiner und der dicke Rest des Kuchens wird auch meinen Arsch noch ausreichend beheizen, wenn jegliche Ersatzlieferungen aus anderen Ländern ausbleiben. Da stehen schon genug Lieferanten in den Startlöchern, die auch gerne verdienen. Selbst wenn die das sich gut bezahlen lassen, also deutlich teurer, als Russland, dann wird die Preisexplosion sich in Grenzen halten.
Ich erinnere mal an die permanenten Preisschwankungen, insbesondere an den Tankstellen kann man es gut ablesen. Die kassieren ab, wenn Urlaubssaison, Feiertage oder ein sonniges Wochenende droht und Gas wird teurer, wenn der Vorstand meint, dass die Dividende zu knapp ausfallen.
Auch die Lieferungen nach Russland und damit verbundenen Arbeitsplätze sind interessant, aber nicht überwältigend. Deutschland liefert in alle Welt weitaus mehr (größtenteils innerhalb EU) und die Mindestlohnverordnung kostet hier garantiert mehr Arbeitsplätze. Da denkt kein Mensch an Putin.
Natürlich bleibt ein Problem, da wir ja nun in der EU auch noch ein paar "Hungerleider"haben, die wir im Erstfall mit durchziehen müssen: Rumänien, Bulgarien, Ungarn, Tschechen, Slowaken und Balten hängen gewaltig am russischen Gashahn, teilweise bis 100%. Vielleicht müssen wir auch noch das Versprechen gegenüber Ukraine einlösen und von West nach Ost liefern. Dann wird es verdammt eng und teuer.
Letztendlich bleibt aber die Frage, wer zuerst in die Knie geht. Ich vermute, da hat Russland verdammt schlechte Karten. Andererseits bin ich guter Hoffnung, dass bei so einer Aktion Putin entweder sehr schnell vernünftig wird (eher unwahrscheinlich) oder von echt demokratischen Politikern abgelöst wird, die das
Land und Volk und nicht sich selbst im Rampenlicht sehen wollen. Das können sie dann blitzschnell erreichen, indem sie eine Politik einschlagen, die keine Sanktionen braucht. Vermutlich wäre das der größte Gewinn für Russland seit der Auflösung der CCCP.